Review - PewPewPew

Vereinigte Staaten, 2011
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Darsteller: Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy
Länge: 109 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★☆☆

“No one should be immortal if even one person has to die.”

Andrew Niccol ist ein wahrer Auteur, ohne Zweifel. Sein großer Durchbruch Gattaca ist bis heute kaum gealtert, die Dialoge immer noch zeitgenössisch und die Thematik könnte kaum aktueller sein. In ‘In Time’ nimmt sich Niccol erneut angeborener sozialer Ungerechtigkeit an: Die Menschen hören ab 25 auf zu altern und Zeit wird zur Währung. Die Superreichen sind praktisch unsterblich, während die Armen täglich buchstäblich ums Überleben kämpfen. Die Menschen leben dank Segregation in verschiedenen “Zeitzonen”. Die restliche Lebenszeit wird auf dem linken Unterarm digital abgebildet und kann per Handschlag mit jedem Individuum getauscht werden.Will Salas (Justin  Timberlake) kommt von ganz unten. Eines Tages trifft er einen steinalten Mann, der ihm seine Zeit schenkt, weil er nicht mehr leben möchte. Doch das System sieht sowas nicht gern…

Es ist eine interessante Welt, die Niccol dort kreiert. Dennoch erinnert sie natürlich an Gattaca. Wenn es 1997 Sozialkritik an der immer prominenter werdenden Genforschung war, ist es 2011 die Kritik am Kapitalismus, der sozialen Ungerechtheit, der Wall Street und allgemein eine Allegorie für die Unterschiede in den USA, ausgelöst durch die Finanzkrise. Problematisch ist dabei nicht was Niccol mit ‘In Time’ ausdrücken will, sondern wie, denn verschwunden sind die wunderschönen Dialoge, der stille Kampf um Menschlichkeit, der fantastische Soundtrack oder das Geschick einer subtilen Kritik, gewichen für mehr Action und Dialoge, die keine mögliche “time”-Referenz (‘We’re running out of time.’, ‘Don’t waste my time.’, uvm.) auslassen.

Am ärgerlichsten aber ist die Welt, die uns Niccol verkaufen will. Will erklärt uns in den einleitenden Sätzen des Films, dass er nicht weiß, wie es dazu kam, dass die Zeit als Währung genutzt wird, oder dass niemand mehr altert – und das muss uns Zuschauern dann auch schon als Begründung reichen. Niccol beraubt sich hier selbst, denn gerade die Szenen in Gattaca, die genau zeigen, wie Unterschiede entstehen, wieso und warum jetzt genetisch veränderte Embryos natürlichen vorgezogen werden, lassen die Welt real und greifbar wirken, sie machen sie menschlich.

Die Welt von ‘In Time’ existiert schon eine ganze Weile. Es gibt Menschen, die haben schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel – und die Zeit musste ja auch erst einmal so voranschreiten, damit wir eine Technologie besitzen, die uns nicht mehr altern lässt. Es ist also fair anzunehmen, dass der Film 160-200 Jahre in der Zukunft spielt. Der klassische Retrostil, der schon in Gattaca präsent war, ist auch hier wieder zu finden. Es ist sogar vorstellbar, dass beide Filme im gleichen Universum spielen. Aber Gattaca zeigte uns eine Zukunft, die vielleicht in den 2030ern spielt – nicht 2230. Wohl dem 40$ Millionen Budget geschuldet, sieht ‘In Time’ verdammt alt aus. Sollen wir daraus schließen, dass der technologische Fortschritt zur Ruhe kommt, nur weil der Mensch aufhört zu altern? Höchst unwahrscheinlich.

Fazit: In Time ist ein solider Action-Film mit guten Schauspielern und einem klugen Regisseur / Autor, der etwas zu sagen hat. Das gibt es noch selten heutzusage auf so großem Stil. Und dennoch bleibt ‘In Time’ hinter den Erwartungen eines Auteurs zurück, der Gattaca gemacht hat. Nicht subtil genug, oft mit dem Knüppel wird einem die Sozialkritik eingehämmert; cheesige Dialoge und eine Geschichte, die gegen Ende immer dünner wird, helfen auch nicht.

‘The Avengers’ Review

09 May, 2012 · Sascha · Film,Review · 3 comments

USA, 2012
Regie: Joss Whedon
Drehbuch: Joss Whedon
Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Samuel L. Jackson, Scarlett Johannson, Jeremy Renner
Länge: 142 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★★½

“Doth thou mother know you weareth her drapes?”

Es ist nicht möglich zu übertreiben, wie wichtig ‘The Avengers’ nicht nur für das Superheldengenre, sondern auch für die Geschichte des Films selbst, ist. Es ist als ob man die Cops aus Lethal Weapon, John McClane und den Typen aus Predator zusammen einen Film hätte machen lassen. Stallone probiert das jetzt mit bekannten Gesichtern in seinen “Expendables”-Filmen, aber es gibt keinen narrativen Zusammenhang – im Unterschied zu Kevin Feiges Meisterleistung: Fünf Puzzlestücke ebneten den Weg zu dem ersten Film seiner Art. Ironisch ist dabei, dass der Film selbst ist nur ein weiteres, größeres Puzzlestück ist in einer vielversprechenden Reihe von kommenden Filmen.

Das große Plus des Films ist, dass die Köpfe dahinter wissen, wo der Fokus liegen muss. Nicht auf der Geschichte, sondern auf den Figuren. Diese Charaktere sollten eigentlich nicht im gleichen Raum stehen. Verdammt, sie sollten nicht einmal im gleichen Universum existieren – und trotzdem: Sie tun es und es funktioniert. Und das einzig und alleine Joss Whedon zu verdanken. Seine Stimme dominiert den Film. Es ist als ob all seine bisherigen Werke (darunter Buffy, Angel, Firefly, etc.) nur Training waren für den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere. In dieser ging es nämlich stets um ein Figurenemsemble und thematisch um Familie. Und das sind die Avengers. Leute, die nicht zusammenpassen, und dennoch miteinander arbeiten müssen: Die Definition von Familie. Jemand Besseren hätte man nicht finden können. Und dennoch ist es beachtlich, was Whedon abliefert, insbesondere im Bereich der Action, denn noch nie zuvor stand ihm ein solche großes Budget zur Verfügung.

Doch so toll die Action und das Set-Piece Manhattan am Ende auch ist, darunter eine so mühelos erscheinende, kontinuierliche Einstellung (zweifellos mit Hilfe von CGI erstellt aber dennoch atemberaubend), die all unsere Helden beim Kampf zeigt: Das Wesentliche des Films sind seine Charaktere. Jeder bekommt natürlich im Rahmen des Films seine gewisse Einleitung, doch die Charaktere selbst und ihre Interaktionen funktionieren sofort. Hier profitiert der Film von der Entscheidung jedem Charakter vorher seinen eigenen Film zu widmen. Sie können direkt glänzen ohne lange zu erklären, wie oder warum sie jetzt so denken oder woher sie kommen. Man muss praktisch die vorherigen Filme gesehen haben, sodass The Avengers beim Zuschauer funktioniert.

Hier liegt eventuell ein Kritkpunkt, von dem The Avengers mehrere aufweist. So hat der Film praktisch keine wirkliche Story: Loki ist ein böses, verschmähtes Kind, das den Tesseract braucht um eine Armee Außerirdischer auf die Erde zu bringen und Herrscher über die Menschheit zu werden. Asgard klappte ja nicht so toll. Dabei ist der Würfel nicht mehr als ein schlichter MacGuffin, die Chitauri als Gegner sind charakterloses Kanonenfutter und Lokis Motivation findet man ausschließlich im Vorfilm Thor. Aber das macht nichts, denn The Avengers selbst ist, wie in der für Marvel typischen Credits-Szene angedeutet, nur ein weiteres Puzzlestück in einer viel größeren Geschichte. Es finden ein Zusammensetzen und Aufbau statt für folgende Abenteuer. Und so entsteht eine Art neuen Filmemachens, die sich stärker als zuvor an ihrem Quellenmaterial inspirieren lässt.

Denn man einen Avengers-Volume liest, dann muss man die vorherigen Ausgaben der einzelnen Charaktere gelesen haben, sonst funktioniert es nicht. Dasselbe gilt für den Film. Aber auch in der Struktur selbst ist der Film wesentlich “comic-hafter” als seine Vorgänger im Genre mit seinem comic-typischen, leicht tv-trashigen Opening, der Zusammenkunft der Rächer, der Szenen auf dem Heli-Carrier und später beim Schlusskampf, bei dem besonders viel richtig gemacht wird. Jeder Charakter bekommt seine Chance zu glänzen, insbesondere der Hulk, der zum ersten Mal dem Gefühl nach “richtig” umgesetzt wurde. Seine Comic-Relief-Szenen sind einfach zum Brüllen. Alleine deshalb sollte The Avengers auch in einem vollen Kino gesehen werden, es ist Blockbusterkino vom Feinsten. Vieles stimmt einfach. Es wird auch offen mit der Diskrepanz der Fähigkeiten der Helden gespielt. Der Film geht offen damit um und das ist Whedons Drehbuch und seiner Liebe und Wissen um die Charaktere zu danken, dass Figuren wie Agent Coulson oder Maria Hill nicht untergehen, sondern die Welt ausgestalten und greifbarer werden lassen.

Fazit: The Avengers ist ein neues Format des Filmemachens und -schauens. Aber selbst ohne die vorherigen Filme kann man durch die klassisch-whedon’sche Charakterdynamik, die famose Action und vor allem den Charm und Humor den Spaß des Kinosommers haben. Einige betiteln The Avengers als das Star Wars dieser Generation. Ich kann es nachvollziehen.

Ach, was hätte das für eine tolle Dokumentation sein können! Stell dir vor, Leonardo Da Vinci würde sich eine Zeitmaschine bauen und zu uns reisen um da noch etwas Kleines an der Mona Lisa zu ändern, das ihm nicht so gefällt. Würden wir ihn lassen? Auf der einen Seite ist natürlich er der Maler, es ist seine Vision auf der Leinwand, aber auf der anderen Seite ist die Mona Lisa inzwischen Teil unseres kulturellen Erbes und wir kennen sie und haben sie so zu lieben und schätzen gelernt, wie sie ist. Eine Zwickmühle!

Wesentlich einfacher ist die Rechtslage da bei Star Wars. George Lucas lebt noch,  er hat die Rechte, er ist König, er braucht keine Zeitmaschine und er darf machen, was er will – oder etwa doch nicht? Immerhin ist Star Wars kulturell unheimlich bedeutend und wesentlich mehr als nur “ein Film”.

Lucas’ Kampf mit dem Studiosystem, seine frühen Erfolge, sein Ego, Star Wars, Indiana Jones, die Special Edition, das Herumschnippeln, die Prequels – alles wird interessant erzählt, und dann befinden wir uns ärgerlicherweise auch schon im letzten Drittel des Films um uns der eigentlich zentralen Frage zu widmen. ‘

The People Vs George Lucas’ tut nichts, was Fans oder Leute, die das Internet bedienen können, nicht bereits wissen. Es ist eine nette, visuelle Aufbereitung des Status-Quo: George ist für uns sowohl Held als auch Bösewicht seiner eigenen Geschichte. Die verzwickte Lage, die Leidenschaft der Fans, das falsche Selbstbild Lucas’ – all das wird nett aufbereitet, doch Antworten liefert die Dokumentation keine.

Oftmals wirkt Philippes Doku wie ein Besuch in einem Fanforum. Dort gibt es Leute, die ihren eigenen Stoff promoten wollen, andere sind egozentrische Laberer, Trolls und Fanboys, hier und da gibt es wirklich seriöse, gebildete Meinungen und am Ende singt wer die Titelmelodie. Ein seriöserer Ansatz hätte teilweise nicht geschadet.

Ich weiß, dass ich zu hart dem Werk gegenüber bin, aber da war einfach wesentlich mehr drin. Trotzdem handelt es bei ‘The People Vs George Lucas’ um eine solide Doku, die vor allem Stofffremde informiert und zu unterhalten weiß.

7/10

Die Bild- und Tonqualität sind makellos. Dazu sind die Extras in vielfältiger Form, von ungeschnittenen Interviews über Fanprojekte und sogar ungeschnittene Einblicke in erste Drehbuch- und Storyboardentwürfe, vorhanden. Da lohnt sich der Kauf wirklich für alle.

Einem geschenkten Gaul schaut man nichts in Maul, sagt der Volksmund, aber Oliver Pocher live sehen, das muss nun nicht wirklich sein – selbst für umme. Wieso das so ist, kann man erahnen, anderfalls sollte man an dieser Stelle dann besser aufhören zu lesen. Dabei bin ich aber gar kein Oliver Pocher Hasser, von denen es ja recht viele gibt. Ich muss sogar eingestehen, dass ich ihn durchaus interessant und lustig fand. Damals, mit seiner Show “Rent A Pocher”. Aber ja, genau: damals. Es ist 2012, nicht mehr 2003. Oliver Pocher ist alt geworden. Darunter leidet seine freche, vorlaute Art, die 9 nette Witze hervorbrachte, bis das Gegenüber konterte und den zehnten, besten Witz gegen ihn selbst brachte. Damit konnte er umgehen. Er wusste, dass er es provozierte und gestand es ein. Es war ein Geben und Nehmen. Der Zuschauer gewann.

Das gilt auch noch heute. Pocher ist im Umgang mit dem Publikum, dem Normalo, immer noch äußerst unterhaltend. Medienuntrainierte Leute ausnutzen ist scheiße, aber Provinztrottel, von denen es hier genügend gibt, vorzuführen, das kann er – und das ist lustig. So unzivilisiert bin ich dann doch. Es wäre interessant gewesen, wenn die ganze Show so gewesen wäre, denn die Interaktion mit dem Publikum, die Chatroulette-Runde oder die Facebook-Singleparty sind die Momente, die ihm Frische einhauchen. Ansonsten ist Pocher inzwischen aber merklich 34, verheiratet und Vater. Er ist/war Moderator, Sportkommentator (Dear Lord!), Late-Night-Talkshowhost und hat sich sonst noch ziemlich breit gemacht in der deutschen Medienlandschaft. Das ist ein kluger Schachzug im Hinblick auf die Karriere, denn niemand will den ewig nervenden Frechsdachs haben.

Doch seine Show leidet unter den vielen Facetten. Den Anfang machen viele bekannte Gesichter aus dem Fernseher. Jauch, Gottschalk, Lanz und Co. versprechen, welch wunderbaren Abend wir vor uns haben. Die Stimmen setzen eine Messlatte an, die natürlich nie erreicht werden kann. Pocher wird auf eine Höhe gepriesen, von der er nur tief fallen kann, was er mit seinem Stand-Up auch tut. Wahrscheinlich sollen die Promis Pocher eine gewisse Autorität, ein Gewicht, geben, doch es wirkt nur billig. Was folgt ist eine Mischung aus schlechtem Stand-Up über den Bachelor, Frauentausch, Mitten im Leben und DSDS (ständiges Build-Up mit der eingestreuten Ein-Wort-Referenz auf eine vorherige Geschichte), Interaktion mit dem Publikum, Tanzeinlagen und Clips aus seiner Fernsehshow, die man wohl mit Leichtigkeit auf YouTube finden kann. Spätestens dann war ich froh, dass ich nichts bezahlt habe. Wobei es mir da aber, anhand des lauten Lachens nach dem “Hey, ihr habt schließlich hier für bezahlt”-Witz, ähnlich ging wie der Hälfte des recht kleinen Saales. Muss gut laufen, wenn man Oliver Pocher heißt.

Australien  2010
Regie: Stuart Beattie
Drehbuch: Stuart Beattie
Darsteller: Caitlin Stasey, Rachel Hurd-Wood, Lincoln Lewis
Länge: 104 Minuten
FSK: 16
Rating: ★★½☆☆

Sieben australische Teenager wollen mal das ganz große Abenteuer erleben und verbringen ein paar Tage in der Wildnis. Inmitten der Nacht sind viele Flugzeuge über ihnen zu erkennen, doch sie denken sich nicht mehr dabei. Wieder daheim angekommen, müssen sie erkennen, dass die Flugzeuge Ausläufer einer asiatischen Invasion waren. Nachdem sie mehrfach den Militärs entkommen können, entscheiden sie sich zurückzuschlagen.

Den Trailer zu ‘Tomorrow When The War Began’ sah ich bereits vor mehreren Jahren und ich war direkt verzaubert und wollte den Film sehen. Der Trailer sah schon gut aus und die Erwartung war relativ hoch, insbesondere weil ich ‘Red Dawn’ liebe und schon viel Gutes über die Buchreihe von John Marsden gehört habe, auf deren erster Teil der Film basiert. Umso enttäuschender ist dann die finale Umsetzung.

Immerhin hatte man mit Stuart Beattie keinen unerfahrenen Hollywoodmann nach Down Under geholt um australisches Blockbuster Kino zu machen, das dem Hype um die Jugendromane gerecht werden sollte. Beattie selbst leistet auch sehr gute Arbeit: So sieht der Film die ganzen 104 Minuten wesentlich besser aus als es sein Stoff verlangt. Die Regiearbeit ist hervorragend, die Handlungen konsequent und die Action nervenkitzelnd. Es gibt einige wenige, wirklich aufreibende Momente im Film, die sehr gut inszeniert sind und nicht vor Brutalität zurückscheuen.

Die Geschichte selbst aber hätte auch ruhig als Mini-Serie verfilmt werden können, ohne dass etwas von der Action oder den Set-Pieces hätte reduziert werden müssen. Davon hätten auch die Figuren profitiert, die hier in kurzen 15 Minuten allesamt eingeführt und sympathisch gemacht werden müssen, sodass wir mit ihnen fiebern. Eine unmögliche Aufgabe. So erhalten wir ein paar nette Minuten der glückseelischen Unbeschwertheit bevor der Krieg die Unschuld der armen Kinder raubt. Klischeehaft und störend.

Ein großes Problem für mich war auch das Casting. Klar, die Performances der Schauspieler sind solide und funktionieren. Doch ich glaubte zu keiner Sekunde, dass hier Teenager über die Leinwand liefen. Der Trend Mittzwanziger für Teenagerrollen zu casten (oder welche, die Mitte 20 aussehen,) schlägt sich hier eben besonders auf die Wirkung des Stoffes aus, denn so verliert die Intensität der Invasion natürlich enorm. Wirklich junge Menschen in dieser Situation zu sehen, wäre wirkungsvoller gewesen. Ebenso hätte ruhig mal, wie dramaturgisch an vielen Punkten verlangt und bei einem Cast von 8 Hauptcharakteren nicht störend, mal jemand ins Gras beißen können. So schien alles immer gefahrlos und einfach, während die Asiaten scheinbar mit Platzpatronen feuerten.

Dem Vorwurf der Xenophobie versucht man aus dem Weg zu gehen, in dem die asiatischen Truppen nie einem einzelnen Land zugeordnet werden. Flaggen spielen keine Rolle, wie ein Charakter vermerkt. Als Grund der Invasion wird im Radio ökonomischer Druck der Invasoren und Überbevölkerung genannt, während die Australier genügend Platz haben in ihrem großen Land hätten. Mehr kriegen wir nicht. Hier verhungerte ich wie die Kinder im Heimatland der Invasoren trotz großen zeitgenössischen Potentials.

Doch der Film krankt noch mehr an dem Muster seiner Adaption. Die Buchvorlage ist nur Teil 1 einer ganzen Reihe von Büchern um unsere australischen Guerilla-Teens und der Film selbst ist dadurch natürlich mehr Pilot einer TV-Serie als unterhaltsames Stand-Alone-Kino. Soweit ich das richtig gelesen habe, orientiert sich die Filmversion sehr nahe am Buch, was eigentlich löblich ist. Doch Buch und Film sind verschiedene Medien und das Ende des Films ist schlicht und einfach eine Enttäuschung. Der Cliffhanger zu serientypisch. Ironischerweise ist Beattie sich dessen auch bewusst, schrieb er doch folgenden Dialog ins Drehbuch:

Ellie Linton: Good book?
Corrie Mackenzie: Better than the movie.
Ellie Linton: Yeah, books usually are.

I rest my case.

Finnland  2012
Regie: Timo Vuorensola
Drehbuch: Michael Kalesniko
Darsteller: Udo Kier, Julia Dietz, Götz Otto, Christopher Kirby
Länge: 93 Minuten
FSK: 12

Ich erinnere mich noch als ich vor Jahren davon hörte: Nazis vom Mond auf der großen Leinwand. Das hörte sich verrückt an, wer würde das finanzieren? Es folgten Teaser, Trailer, Crowdfunding und sonstige Unterstützung, u.a. durch deutsche Filmfonds, ja sogar halbwegs bekannte Schauspieler. Selbst bei der Geschichte durften die Fans online Einfälle beisteuern. Die Erwartungen an dieses Herzensprojekt stiegen natürlich und die Trailer heizten den Hype weiter an. Umso enttäuschender ist dann das fertige Produkt. ‘Iron Sky’ ist ein platter Film ohne Witz, Charme und Verständnis für den schmalen Grat zwischen Trash und Dreck.

2018 schickt US-Präsidentin Palin zwei Astronauten auf den Mond. An Bord ist auch der Afro-Amerikaner James Washington. Die Astronauten stellen fest, dass sich auf der Rückseite des Mondes die Nazis breit gemacht haben. Einer wird erschossen, Washington wird gefangen genommen. Die Nazis finden bei ihm ein modernes Smartphone, mit dessen Rechenleistung sie die Geheimwaffe “Götterdämmerung” in Bewegung setzen könnten, wenn der Akku nicht leer wäre. Schnell begeben sich Götz Otto, Julia Dietz und James Washington, inzwischen “albinisiert”, auf die Erde, um mehr iPhones und iPads zu sammeln und die Götterdämmerung in Bewegung zu setzen und den Siegeszug der Nazis einzuleiten.

Die Enttäuschung ist ziemlich schnell verdammt groß. Schnell hat sich der Charme der Idee “Nazis haben sich 1945 auf dem Mond versteckt und kommen zurück um anzugreifen” ausgespielt. Es ist und bleibt eben eine Idee, die spät an einem Barbesuch entstand, und nicht auf 90 Minuten gestreckt werden kann – die Grundidee und Trailer reizen bereits alles heraus. Der Witz bleibt auch völlig aus. So ist es zwar nett, dass der Einstein-Verschnitt bemerkt, dass das Smartphone kein Computer sei, sondern auf die riesigen Schränke zeigt, doch das ist auch schon gefühlte 50 Mal besser gemacht worden, in Zeitreisefilmen. Ebenso ist die “Albinisierung” Washingtons nicht lustig. Es klingt wie die Idee eines rechten Fans, der auf die Fanpage schrieb: “Hey, wär doch lustig, wenn der Schwarze weiß wäre, oder? Versteht ihr? Der Neger als Arier! Haha!” Traurig. Noch schlimmer: Washington ist im Film nur Model und Posterfigur, nicht einmal richtiger Astronaut, weil sowas können die Neger doch gar nicht!

Das CGI der völlig überzogenen, höhepunktlosen Schlacht der Weltraumstation am Ende des Films steht stellvertretend für die Gesamtproblematik der Produktion. Es ist zu gut um wirklich trashig zu sein, aber noch meilenweit entfernt von Big-Budget-Produktionen. Die Schauspieler machen ihre Sache gut, doch ihnen wird nichts gegeben. Der Palin-Verschnitt ist ultranervig gespielt und kaum etwas im Film macht wirklich Sinn. Als Plot-Device wird Chaplins “The Great Dictator” missbraucht, der Julia Dietz’ Charakter plötzlich um 180° herumdreht. Vorher noch für Palins Kampagne gemodelt, jetzt grüne Sozialpädagogin. (Übrigens liebe Produktion: Ihr könntet euch auch einfach mal informieren, ob denn 2018 wirklich eine Präsidentschaftswahl in den USA ist, wenn ihr sonst so auf die kleinsten Details achtet. Spoiler Alert: Es gibt keine.) Die Motivation aller Charaktere bleibt im Geheimen. Wieso sind die Nazis jetzt so bedrohlich? Wollen sie die Erde erobern? Wollen sie alle töten? Oder doch alle albinisieren? Meteorblitzkrieg? What?!

Doch der wohl schlimmste Fehler und ärgerlichste Punkt des Films ist der unrefklektierte Umgang mit den Nazis selbst. Die Nazis sind fähig gewesen auf den Mond zu fliegen. Sie sind nicht wie sonst im Film die Trottel oder Opfer, sondern können autark auf dem Mond leben. Ihre Technologie ist veraltet, aber sie haben eine Geheimwaffe erschaffen, die der Erdtechnologie völlig überlegen ist. Palins Kampagne übernimmt den Kleidungsstil und den Style der Nazis, weil er cool ist. Ja, das ist der schlimmste Fehler des Films, die Nazis sind cool. Jetzt haben auch die Neonazis mal einen Film für sich, in dem sie die Coolen sind. Gegen Ende jedoch der größte Knaller, der die Nazis, zu mindest unsere Mondnazis, relativiert: Ja, die USA sind ja auch voll schlimm und tun böse Dinge und beginnen Kriege für Ressourcen. Der politische Humor (wie zum Beispiel der gelungen Nordkoreawitz, bei dem die UN den nordkoreanischen Botschafter auslacht, als er die Angreifer als Nordkoreaner deklariert) hätte Potential gehabt. Doch so darf das nicht gehen. Der Bezug auf aktuelle Politik hätte der Demontage der Naziideologie weichen müssen, die hier zwar klamaukartig präsentiert (“Hey, Nazis on the Moon! Get it?”), aber nie hinterfragt wird.

Trash zu produzieren ist nicht gleich Trash haben am Ende. Der Wille war zu stark, zu berechnend, als dass jemals wirklicher Trash-Charme entstehen konnte. Gewollter Trash ist eben kein Trash, sondern einfach nur Müll.

2/10

USA 2012
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Lem Dobbs
Darsteller: Gina Carano, Ewan McGregor, Michael Fassbender, Channing Tatum, Antonio Banderas, Michael Douglas
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 16

“You shouldn’t think of her as being a woman. That would be a mistake.”

Bereits zum zweiten Mal castet Regisseur Steven Soderbergh eine schauspielerisch unerfahrene Frau als Hauptperson in einem seiner Filme. Zuletzt besetzte er die weibliche Hauptrolle in ‘The Girlfriend Experience’ mit der Ex-Pornodarstellerin Sasha Grey und nun darf Gina Carano, eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin, zeigen, was sie kann. Das ist erstaunlich viel.

Mallory Kane (Carano) ist eine erfahrene Agentin, die für privaten Dienst geheime Missionen durchführt. Die Missionen werden meist von der US-Regierung in Auftrag gegeben. Nach einem fast gescheiterten Auftrag in Barcelona wird Kane auf eine weitere Mission geschickt, deren Ziel, wie sie bald herausfindet, sie selbst ist.

Wirklich kompliziert ist die Geschichte aber nicht. Eher verwirrend. Dobbs Drehbuch gibt in moderner Thriller-Struktur zunächst hier und da ein paar zusammenhangslos wirkende Fetzen, die dann später vom Zuschauer und der Hauptperson selbst zusammengefügt werden müssen. Am Ende ergibt sich dann eine simple Story, die man in einem Satz zusammenfassen könnte, aber dennoch keinen wirklichen Sinn macht. Aber eine Geschichte will Soderberghs uns in ‘Haywire’ auch gar nicht verkaufen. Der Fokus liegt ganz alleine auf seinem Star, Gina Carano, die allein durch ihre physische Screenpräsenz zu überzeugen weiß. Doch ihr Schauspieltalent kommt auch nicht zu kurz. Wenn man bedenkt, dass sie hier gegen mehrere Generationen männlicher Hollywoodstars antritt und in keiner Sekunde zu kurz kommt, dann gebührt ihr Respekt.

Ebenso verdient die Action großen Applaus, die Carano selbst ausführt. Soderbergh weiß um die physische Attraktivität seines Stars und ihrer Möglichkeiten im Actiongenre und entscheidet sich für wunderschöne Kämpfe in der Halbtotalen, bei der man die Intensität jedes Schlages spüren kann. Die Kämpfe wirken real, echt, anstrengend und sehen nach echter Handarbeit aus. Man bekommt einen Sinn dafür, dass hier harte Arbeit von den Schauspielern abverlangt wurde. Durch die konsequente Ablehnung der inzwischen leider Standard gewordenen Wackelkamera, erzielt Soderbergh eine ungewohnte Realität und Härte der Kämpfe. Caranos Erfahrung als Martial-Arts-Kämpferin macht es auch möglich, dass die Kämpfe fast ohne Schnitte ablaufen und man keine Stuntleute braucht. Man erkennt, dass die Schauspieler hier selbst kämpfen und das erfreut natürlich sehr.

‘Haywire’ ist ein netter, kleiner Film, von denen Soderbergh in den letzten Jahren schon so einige schnell produziert hat. Es geht ihm leicht von der Hand, unterstrichen wird das durch den lässigen Funk/Jazz-Musikstil von Composer David Holmes, der bereits bei den ‘Ocean’s’ Filmen mit Soderbergh arbeitete. All dies lässt Soderbergh attraktiv wirken. Er kann nahezu jeden Hollywood-Star anfragen und sie werden trotzdem auch nur für die kleinste Rolle bei ihm antanzen. Diese lassen einen, ähnlich wie bei Soderberghs ‘Contagion’, auch die Tatsache übersehen, dass kein Charakter wirkliche Tiefe hat. Niemand durchgeht einen klassischen Arc oder ist wirklich interessant. Nicht einmal die Namen spielen dank der bekannten Gesichter eine große Rolle. Abgesehen vom Drehbuch aber ist ‘Haywire’ ein flüssiger, gut inszenierter und erfrischender Film dank der Kombination von modernen Thriller-Elementen und traditioneller Kameraarbeit.

8/10

Großbritannien 2012
Regie: James Watkins
Drehbuch: Jane Goldman
Darsteller: Daniel Radcliffe, Ciaràn Hinds
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12

Ein ganzes Jahrzehnt lang war Daniel Radcliffe für jeden auf der Welt Harry Potter. Nach dem Ende der Filmreihe versucht er sich, wie seine anderen Schauspielpartner, in anderen Rollen. Bereits während der Potterzeit wusste er interessante Akzente in dem Drama ‘Equus’ oder in der Buchverfilmung ‘December Boys’ zu setzen. Doch nun spielt er zum ersten Mal die Rolle eines Erwachsenen mit Kind – ausgerechnet in einer Rolle, die der Schauspieler seines Filmvaters James Potter bereits 1989 in der TV-Adaption des gleichnamigen Buches spielte.

In ‘The Woman in Black’ spielt Radcliffe den verwitweten Vater eines kleinen Jungen, der auf Grund seiner Arbeit als Anwalt in eine kleine Stadt an der Küste Englands reisen muss, um das dort alleinstehende Haus einer alten Familiendynastie zu verkaufen. Die Bewohner der Stadt sind verängstigt, denn es soll der Geist einer Frau im Haus leben, dessen Sichtung Unheil für alle bedeutet.

Die Exposition in Jane Goldmans Drehbuch ist ein wenig holprig. Mir war nicht wirklich klar, was Arthur Kipps jetzt mit dem Haus machen soll. Soll er es verkaufen? Soll er die Akten da durchsehen? Doch das spielt alles keine wirklich große Rolle mehr, sobald Kipps in dem Dorf ankommt. Die Atmosphäre ist dicht und die Angst in jeder Einstellung spürbar. Schnell stellt sich heraus, dass die Bewohner mit ihrer Befürchtung recht haben. Was folgt, sind 20 unglaublich gute und gelungene Minuten, die traditionelle Jump Scares in origineller Art und Weise zu nutzen wissen. Dennoch bleiben diese stets vorhersehbar, sofern man sich im Genre ein wenig auskennt. Trotzdem überzeugt die zweite Hälfte des Films. Die Geschichte nimmt überraschende Wendungen und scheut nicht davor zurück, gewisse unerwartete Routen zu nehmen. Doch der wirkliche Star des Films ist das Haus, auf einer vorgelagerten Insel thronend, die nur bei Ebbe zugänglich ist. Watkins weiß um seinen eigentlichen Star und hat mit Hilfe der Set Designer großartige Arbeit geleistet, die zu jeder Sekunde spürbar ist. Das Watt, die überwachsende Insel, das vollgestellte Haus, Close-Ups von unheimlichen Puppen – Watkins weiß die Atmosphäre aufzubauen.

Radcliffe macht seine Sache gut. Zu keinem Zeitpunkt habe ich hier Spuren eines Harry Potters gesehen. Er mag ein wenig jung für die Rolle daherkommen, aber das waren früher ja auch noch andere Zeiten. Dass alles so balanciert daherkommt, darf Ciaràn Hinds zugesprochen werden, der alleine durch seine Screenpräsenz, Mimik und Ausstrahlung zu überzeugen weiß, jedoch stets Radcliffe bewusst genug Raum lässt, sodass dieser zu keiner Zeit Schwächen zeigt – unähnlich den Potter-Filmen.

Unterm Strich ist’The Woman in Black’ ein düsterer und atmosphärischer Film, der durch originelle Jump Scares und einige gute Momente überzeugt.

7/10