25 Aug, 2015 · Sascha · Fernsehen,Review · 4 comments
Bei Moviepilot lässt man mich AMCs neue Spin-off Serie Fear The Walking Dead reviewen. Kirkmans Walkerwelt ist mein liebstes Zombieszenario, aber der bisherige Adaptationsversuch gefällt mir nur punktuell. Fear scheint da wesentlich bessere Chancen bei mir zu haben.
Robert Kirkmans Walker sind nicht aufzuhalten. Der Zombievirus hat AMC gänzlich infiziert und dank rekordbrechenden Zuschauerzahlen fest im Griff. Nun breitet sich der Virus aus und hat mit dem ersten Spin-off Fear the Walking Dead eine sehr ansprechende Mutation des Originals erschaffen.
In einem gerade veröffentlichten Interview lässt Kultregisseur Quentin Tarantino nebensächlich verlauten: „Pilots of shows suck.“ Man möchte ihm spontan widersprechen, kommen einem doch direkt verschiedenste Pilotfolgen in den Sinn, die nicht „sucken“. Er führt den Gedanken leider nicht weiter fort, doch man kann erahnen, worauf er anspielt. Tarantino profiliert sich nicht als Verfechter des Kinos im Kampf gegen das „Goldene Zeitalter des Fernsehens“, sondern er möchte wohl lediglich darauf hinweisen, dass Serien erst im Verlauf zu großer Klasse reifen. Die Pilotfolge, insbesondere, sei zunächst ein Schuss in eine unsichere Zukunft. TV-Kritiker, die Episoden rezensieren, watscht er übrigens auch ab. Na danke.
Im Kern stimme ich Tarantino in seinem Empfinden aber zu. Auch wenn die Pilotfolgen bestimmter Serien tatsächlich großartig sein können, wie Frank Darabont es vor nun fast fünf Jahren mit The Walking Dead bewies. Problematisch wird es nach der Tarantino’schen These jedoch dann, wenn die Serie fünf Jahre und drei Showrunner weiter immer noch der technischen Qualität und emotionalen Tiefe der Pilotfilme hinterherrennt. Vielleicht ist Robert Kirkman deshalb von Anfang an so viel stärker bei der Entwicklung des Spin-offs Fear the Walking Dead als noch beim Original involviert gewesen. Zusammen mit Showrunner Dave Erickson (Sons of Anarchy, Low Winter Sun) will er wohl vermeiden, dass er wie bei The Walking Dead nachträglich das erste Staffelfinale kritisieren wird. Dieses Mal soll es also direkt klappen. Das schier unendlich erforschbare Setting bietet es schließlich auch an. Wieso also nicht?
Moviepilot: Wir schauen Fear the Walking Dead – Staffel 1, Folge 1
23 Mar, 2015 · Sascha · Fernsehen,Review · 2 comments

ABC
Tja, dann hätten wir jetzt auch Agent Carter hinter uns. Zugegeben, ich wusste anfangs nicht genau, was ich davon denn jetzt halten sollte, dass man hier eine relativ kleine Nebenfigur nimmt und ihr eine eigene Serie widmet. Doch das Endprodukt hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Peggy Carter war in den Comics ursprünglich eine winzige Nebenfigur, deren Rolle gegenüber der Vorlage schon im ersten Captain-America-Film erheblich ausgebaut wurde.
Insbesondere dank Haley Atwell, die in dieser Rolle einfach unschlagbar ist, fand Peggy Carter im Publikum dann aber einen sehr großen Anklang. So groß, dass man ihr einen kurzen Auftritt in The Winter Soldier verpasste und auch in Agents of SHIELD war sie dann gleich zwei Mal zu sehen. Auch in Avengers: Age of Ultron und in Ant-Man steht sie auf der Castliste, was bedeuten dürfte, dass zumindest ein Teil der Geschichte per Flashback in der Vergangenheit erzählt wird.
Die Serie baut letztendlich den ebenfalls Agent Carter betitelten Kurzfilm (der auf den Iron-Man-3-BluRays enthalten war) aus und zeigt Peggy nach den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges als SSR-Agentin. Zumindest wäre sie das gerne, denn ihre männlichen Kollegen sehen sie nur als Sekretärin und Kaffeelieferantin. Die Macher der Serie haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass Peggy Carter darin nicht nur gegen Bösewichte, sondern auch gegen den grassierenden Sexismus kämpft.
Fassen wir die Ereignisse der Serie kurz zusammen: Howard Stark, Vater des späteren Iron Man Tony Stark, hat eine Kammer, in der er seine „bad babies“ wegschließt. Dabei handelt es sich um Erfindungen, die zwar eigentlich für einen guten Zweck gedacht waren, allerdings eher das Gegenteil bewirken. In diese Kammer wird eingebrochen, Starks Erfindungen verschwinden und ein paar davon tauchen auf dem Schwarzmarkt auf.
Howard wird beschuldigt, dass er den Einbruch selbst inszeniert habe und muss flüchten. Peggy wird jedoch von Howard gebeten, dass sie die Sache ins Reine bringt, die „bad babies“ einsammelt. Als Helfer stellt er ihr seinen Butler, Edwin Jarvis (nach dem Tony Starks sehr nützliche KI benannt ist), zur Verfügung.
Das sieht zunächst danach aus, als würde es eine typische Monster-der-Woche-Sendung werden. Nicht die schlechteste Struktur, aber eben doch eine ausgelutschte und genau deshalb ist es gut, dass die Macher nicht in diese Falle tappen, sondern nur so tun, als folgten sie diesem Muster. Es zeigt sich jedoch, dass eine mysteriöse Geheimorganisation namens Leviathan hinter Howards Erfindungen her ist, vertreten wird sie von Agenten, denen die Stimmbänder entfernt worden sind. Die Kommunikation mit ihren Auftraggebern erfolgt mit einer Schreibmaschine, die offenbar über große Distanzen Nachrichten übermitteln kann.
Peggy arbeitet letztendlich als Doppelagentin, muss einerseits den Leviathan-Agenten zuvorkommen, sich andererseits aber auch gegenüber ihren SSR-Kollegen bedeckt halten, da diese davon überzeugt sind, dass Howard der Schuldige ist. Das gelingt ihr in gewissem Maße auch, doch ausgerechnet Daniel Sousa, der einzige im Büro, der sie unterstützt, kommt ihr allmählich auf die Schliche.
Der Wendepunkt kommt, als Peggy einen Code, der mit einer der Schreibmaschinen gesendet wurde, aus dem Russischen übersetzen und dann auch noch mit nur einem Anruf die legendären „Howling Commandos“ unter Führung von Dum Dum Dugan als Frontunterstützung liefern kann. Diese behandeln Peggy wie eine von ihnen, schließlich haben sie gemeinsam im Krieg gekämpft und wissen, dass Peggy sich vor keinem Mann zu verstecken braucht.
Der Außeneinsatz führt zu einer verlassenen Einrichtung, die von Marvel als Red Room, der Geburtsstätte der Black Widows bestätigt wurde. Dort wurden kleine Mädchen zu Killermaschinen und Undercover-Agenten ausgebildet – mit mehr als fragwürdigen Methoden. Eines dieser Mädchen greift die Truppe an, tötet zwei und entkommt. Im Keller treffen Peggy und Co. auf einen verwirrten Ingenieur und dessen Psychiater, doch der Ingenieur dreht durch und wird von seinem Freund erschossen. Im Kugelhagel erleidet dann Übermacho Jack Thompson eine Panikattacke und muss ausgerechnet von Peggy gerettet werden. Er beichtet ihr später, dass seine angebliche Kriegsheldengeschichte eine Lüge ist, die beständig an ihm nagt.
Der Doktor reist mit den SSR-Agenten zurück nach New York. SSR-Leiter Dooley hat inzwischen bei dem Besuch eines Nazi-Kommandanten im Nürnberger Gefängnis erfahren, dass es in der deutschen Stadt Finow ein Massaker gab, bei dem die beiden Leviathan-Agenten angeblich getötet wurden und dass der Ort kurz danach von Howard Stark besucht worden war.

ABC
Im restlichen Verlauf der Serie werden dann alle Schleier gelüftet. Der Psychiater ist eigentlich Doktor Johann Fenoff, den Comic-Leser als den hypnotischen Superschurken Doktor Faustus kennen dürften. Peggys vermeintlich harmlose Nachbarin Dottie Underwood ist in Wahrheit eine Black Widow. Und auch Peggys eigene Scharade wird von Sousa geknackt, weshalb sie dann vor ihren eigenen Leuten fliehen muss, bis sie von Dottie mit einem Betäubungslippenstift ausgeknockt und dann eben doch gefangengenommen wird.
Fenhoff verschafft sich erst durch Agent Yauch nützliche Informationen und schmeichelt sich dann bei Chief Dooley ein. Für beide endet das leider tödlich, auch wenn Peggy und Jarvis Fenhoff (und Dottie) zwischenzeitlich auf die Schliche kommen können. Yauch wird in den Selbstmord getrieben und Dooley in eine von Starks unvollendeten, aber nicht weniger gefährlichen Erfindungen gesperrt – natürlich eine Art Rüstung als kleine Anspielung auf Iron Man. Bevor diese explodieren kann, springt Dooley aus dem Büro-Fenster, um sein Team zu retten. Obwohl er nie ein wirklicher Sympathieträger war, hat sich doch immer wieder gezeigt, dass er sich um seine Untergebenen wirklich kümmert und ihn gerade in dem Moment sterben zu sehen, in dem er als Charakter seine größte Entwicklung durchgemacht hat, tut weh. (weiterlesen…)
Als großer Fan von Christophe Bec reviewe ich hier seit langer Zeit seine großartige Comic-Reihe Prometheus, in der Aliens die Welt 13 Tage lang terrorisieren. Seit etwas mehr als einem Monat gibt es nun jeweils zwei neue Bände von Splitter. Während einer davon dem Leser eine tolle Adaption bietet, verharrt der andere in den ständig gleichen Tropen des Künstlers.
Christophe Bec ist ein fleißiger und vielbeschäftigter Mann mit einer Vielzahl an laufenden Projekten. Leider zeigt sich dieser Umstand in vielen kleinen Momenten in seinem neuen Comic, den er erneut zusammen mit Zeichner Stafano Raffaele produziert hat. „Deepwater Prison“ weist daher auch viele Parallelen zu ihrer gemeinsamen Alien-Invasions-Geschichte „Prometheus“ auf – leider jedoch fast ausschließlich die schlechten.
Die Aufmachung des Splitter Verlages ist immerhin gewohnt solide. Das Hardcover liegt prima in der Hand, macht sich super im Regal, die Covergestaltung ist ansprechend und verspricht ein mysteriöses Abenteuer. Leider geht dieses jedoch keine neuen Wege, sondern wandert auf vertrauten Pfaden.
Bec pickt sich zwar erneut ein interessantes Setting heraus, immerhin handelt es sich hier den Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis, das auf dem Meeresboden liegt, und füllt es mit seinen bekannten Elementen wie motivierten Antihelden, toughen Frauen, Verschwörungen, viel Gewalt, Blut und ein bisschen nackter Haut.
Trotzdem gestaltet sich bisher aus diesem Mix keine erwähnenswerte Geschichte. Und irgendwelche Monster als inzwischen erwartbares, übernatürliches Element dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen. Raffaeles Zeichnungen sind ebenso uninspiriert. Seine Figuren sind entweder austauschbar mit Sekundärfiguren aus „Prometheus“ oder gleichen erneut bekannten Hollywoodfiguren (hier: Kevin Bacon und Nicolas Cage), sodass man das Gefühl bekommt, hier handelt es sich um Storyboards für einen Actionfilm aus den Neunzigern.
Dazu wirken Großaufnahmen, wie der Untergang einer Ölplattform, abgepaust (hier: Deepwater Horizon). Der erste Band ist eine kleine Enttäuschung. Bec und Raffaele können besser – vielleicht im zweiten Band, der sich bereits in Vorbereitung findet.
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Autor und Zeichner Christophe Bec hat sich bereits bei mehreren Werken, wie zum Beispiel in der erfolgreichen „Carthago“ Comic-Reihe und ihren Spinoffs sowie der aktuell anlaufenden „Deepwater Prison“ Serie, von kryptozoologischen Legenden inspirieren lassen.
In seinem neuesten Comic lässt er sich nicht mehr nur von Literaturklassikern inspirieren, sondern adaptiert direkt einen selbst. Arthur Conan Doyles „Vergessene Welt“ dient ihm nun als Vorlage, die er zusammen mit den Zeichnungen von Fabrizio Faina und Mauro Salvatore in ein eigenständiges Werk produziert.
Vor allem die liebevollen Bilder und Zeichnen überzeugen, sodass selbst Kenner des Werkes die verzaubernde Wirkung des Comics nicht abschlagen können. Insbesondere Andrea Scoppettas Kolorierung verleiht dem Abenteuer eine detailgetreue Atmosphäre. Über mehrere Double Splash Pages wird die enorme Größe dieser vergessenen Welt spürbar gemacht, während die blasse Farbpalette die Welt sowohl lebendig werden lassen und in greifbare Nähe rückt als auch ihr post-viktorianisches Setting hervorhebt.
Die Figuren entsprechen ihren Vorbildern aus Doyles Roman, werden jedoch auf Grund der wenigen Interaktionen im ersten Band auf ihre wesentlichen Charakteristika reduziert. Dennoch funktioniert die Geschichte bislang sehr gut.
Der erste Band versprüht eine willkommene Note aus Abenteuer und Gefahr mit den wunderschönen Landschaften Südamerikas und Dinosauriern. Trotzdem bleibt, wie so oft bei Veröffentlichungen des Splitter Verlages, der Inhalt jedoch die Magie des außerordentlichen Covers schuldig – bisher. Teil 2 ist in Vorbereitung.
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04 Nov, 2014 · Sascha · Fernsehen,Review · 3 comments
HA! HA! HA! HA! TAINTED MEAT!! Im neuen Podcast besprechen Miriam (@galbrush,Facebook) und ich (@reeft, Facebook) leider angeschlagen und weiterhin ohne René unsere Lieblingszombieserie. Erneut geht es um Kannibalen, einen Priester, Moral und tainted fucking meat – endlich! Wie immer vergleichen wir die Adaption mit ihrem Original. Am Ende spekulieren wir rund 25 Minuten über Comic-Spoiler und die nächste Folge, basierend auf dem Teaser.
Kurzreview: Vor dem Podcast gefiel mir die Folge sehr gut. Nachdem wir dann alles durchgesprochen haben, hinterlassen einige Momente doch trotz Comicnähe und dichter Atmosphäre einen bitteren Nachgeschmack. Einige Dinge machen weiterhin keinen Sinn und wirken wirklich unüberlegt. Doch das Pacing gefällt und das neue Maß an Qualität, insbesondere bezüglich der Regie in dieser Woche, unterhält gut.
01 Nov, 2014 · Sascha · Fernsehen,Review · 0 comments
Auf unserer Suche nach René stoßen Miriam(@galbrush, Facebook) und ich (@reeft,Facebook) auf Matthias (@beeeblebrox,Facebook), der erste offizielle Gast des Podcasts, der sich mit uns über Justin Theroux, Harry Potters Stimmbruch, The Wire Alumni, Bibelabschreiber, Georgias Demographie, das Zombie-Action-of-the-Week-Schema, Schockeffekte und Kannibalen unterhält. Matthias’ schriftliche Review zur Folge findet ihr auf Moviepilot.
Kurz ein paar Worte noch: The Walking Dead hat mit Scott M. Gimple endlich einen würdigen Ersatz für Frank Darabont gefunden. Auch wenn wir leider nie herausfinden werden, wie gut die Serie tatsächlich einmal unter ihm gewesen wäre, kann ich inzwischen immerhin eine Episode anschauen ohne vor Wut zu explodieren. Die zweite Folge hat zwar wieder einige kleine Probleme, wie z.B. die Zombie-Action-of-the-Week (aka kleinster gemeinsamer Nenner) und die Einführung von Gabriel, aber die Geschichte schreitet in einem Tempo voran, das angenehm ist und gleichzeitig orientiert man sich spürbar am Comic. Das ist alles sehr angenehm. Ich bin guter Dinge. Mehr im Podcast.
27 Oct, 2014 · Sascha · Fernsehen,Review · 4 comments
The Walking Dead ist zurück und wir sind mit schon fast (leider) traditioneller Verspätung wieder da. Der Wowcast muss im Hawaii-Setting ohne René auskommen, der es sich irgendwo gut gehen lässt. Auf der Suche nach unserem Übernerd reden Miriam (@galbrush, Facebook) und ich über die erste Folge der fünften Staffel. Dieses Mal lachen wir über Feuerwerk, kotzen uns über lächerliche Zombieeffekte aus und hinterfragen die Logik der Termites. Wie immer gehen wir dabei auch ein wenig auf den Comic ein.
Insgesamt gefiel mir die Folge, aber sie leidet unter dem Problem, dass es sich eigentlich um ein Midseason-Finale handelt. Dazu gibt es ein paar nicht entschuldbare inszenatorische Fehlgriffe und, schlicht, Fehler. Wie so oft lässt man sich leicht von der Action in der Serie einnehmen. Deshalb übernehmen wir das Denken für alle und knöpfen uns dazu die Einwohner Terminus’ vor, die mal – so wie sie bisher präsentiert wurden – ziemlich unlogisch handeln. Dennoch: Die Serie hat ein neues Mittelmaß gefunden und darf gerne so weitermachen, wenn man auf den ein oder anderen Fehlgriff in Zukunft verzichtet.
20 Oct, 2014 · Sascha · Comics,Featured,Review · 0 comments
Dass man sich bei Image Comics dazu entschieden hatte, zur nun bereits vor langer Zeit erschienenen 127. Comic-Ausgabe von The Walking Dead keine Vorschau zu veröffentlichen, ließ mich Autor Robert Kirkman Glauben schenken, dass die wirklich große Wendung noch bevorstünde und nach dem Beginn des neuen Sonderbandes mit dieser Ausgabe wirklich kein Stein mehr auf dem anderen stehen würde.
Deshalb wollte ich die Besprechung des 21. Sonderbandes vorziehen, noch bevor ich die neue Ausgabe lesen würde. Das ist nun ein halbes Jahr her. Ich schreibe jetzt erst die Review zum Sonderband, habe dennoch nicht weitergelesen gehabt. So schön die All Out War Aktion mit ihren zwei Ausgaben pro Monat war, am Ende war es für mich wohl ein bisschen zu viel. Ich brauchte eine Pause. Diese konnten jedoch weder Telltales zweite Staffel noch AMCs Serie füllen, also las ich vor geraumer Zeit den Sonderband, dann bereits als solcher erschienen (und nicht nur in einzelnen Ausgaben) und war erneut verzaubert. Wie viele andere war ich mit todsicher zu wissen, wie Kirkman den totalen Krieg enden wird – und lag dann doch falsch. Negan aus der Welt zu schaffen wäre tragisch gewesen. Eine komplexe Figur mit soviel Charme und Witz aus dem Comic zu schreiben war wohl auch für Kirkman zu viel, doch seine Gnade passt ins größere Bild, das er entwirft.
Immer wenn ich meine Faszination von The Walking Dead erklären will, komme ich zurück zum Vorwort des ersten Sammelbandes. Dort beklagt Robert Kirkman, dass selbst die tollsten Zombiefilme immer dort enden, wo es eigentlich am spannendsten wird. Was passiert mit den Figuren, die überleben? Wie lange überleben sie? Wie lange? Wie sieht ihr Alltag aus? Kirkman versucht all dies in seiner laufenden Comic-Serie zu erforschen. Natürlich verspricht er den Gore- und Genre-Fans damit auch eine nicht endende Zombieschlacht, aber das wirklich spannende Element des Comics bleibt das Politische. Nachdem der Autor in mehr als 100 Ausgaben alle nahezu alle Klischees abgehakt hatte, führte er in Ausgabe 100 einen neuen Antagonisten ein, er viel mehr als nur ein neuer Bösewicht war. Der daraus resultierende Krieg war höchst ideologisch.
“This is a nightmare. And nightmares end.” – Bob Stookey (weiterlesen…)
09 Sep, 2014 · Sascha · Fernsehen,Review · 6 comments

© HBO
In der letzten Folge der ersten Staffel wagt Damon Lindelof keine Risiken mehr. Viel mehr beruft sich The Leftovers auf die bisherigen Kernthemen und liefert eine emotionale Tour-de-Force ab, die vor allem visuell und durch preisverdächtige Darbietungen überzeugen kann.
Finale Folgen sind schwer zu gestalten und als Zuschauer aufzunehmen, egal ob es sich um das Ende einer Staffel oder einer Serie generell handelt. Nun hat HBO The Leftovers bereits vor einigen Wochen für eine zweite Staffel verlängert, doch so richtig wäre das nicht nötig gewesen. Die dominierenden Themen dieser Finalfolge sind nämlich von Abschluss und Vollendung definiert. Damon Lindelof und Buchautor Tom Perrotta, der hier erneut als Co-Autor mitwirkte, begehen nicht wie andere Autoren den Fehler und lassen die Handlung diesen Abschluss bestimmen, stattdessen konzentrieren sie sich auf die emotionale Ebene ihrer Figuren. Dabei bleiben einige Handlungsstränge auf der Strecke zurück, doch die zentralen Figuren und ihre Depression sowie ihr Frust mit dieser Welt werden zu einer befriedigenden Übereinkunft geführt. Dies schaffen die Autoren, mit einigen wenigen Ausnahmen, in gerade einmal drei größeren Sequenzen.
Die Folge beginnt zunächst mit Kevin, der sich neben der toten Patti in der Waldhütte eine Zigarette anzündet. Eine Zigarette ist auch Streitpunkt zwischen Jill (Margaret Qualley) und ihrer Mutter im Hauptquartier des Guilty Remnant, dessen Mitglieder in Abwesenheit ihrer Anführerin entschlossener denn je sind. Es ist ein stimmiger Auftakt für diese mitreißende Folge und der Soundtrack erhöht erneut das Gewicht dieser emotionalen Momente. Musikalisch ist diese Anfangsphase nämlich mit Nina Simones packendem und passendem Song Ne Me Quitte Pas unterlegt, welcher sich als Track in Christines iPod entpuppt. Wir finden hier alle Figuren an ihrem absolut dunkelsten und traurigsten Punkt wieder. Christine, konfrontiert mit Waynes Lügen, entschließt sich allem zu entziehen und lässt Tom alleine mit dem Baby zurück.
Kevin (Justin Theroux) kann sich seiner Situation nicht direkt entziehen. Er ist kein guter Mann, hat schlimme Dinge getan und Hilfe braucht er auch, denn alleine befreit er sich nicht aus seiner misslichen Lage. Glauben würde ihm ohnehin niemand. Hundemörder Dean (Michael Gaston) bleibt für diese Folge mysteriöserweise komplett verschwunden. Zur Hilfe eilt ihm Pfarrer Jamison (Christopher Eccleston), der mit Kevin Patti (Ann Dowd) unter die Erde bringt und seinen Chief das 23. Kapitel aus dem Buch Hiobs verlesen lässt. Und hier kommt auch der Episodentitel ins Spiel. Die gesamte Staffel über war es Tommy, der die Rolle des Verlorenen Sohnes einnahm, doch im Finale wird Kevin zu dieser Figur. Er ist gebrochen, am Boden, außerhalb seiner Stadt und findet über Matt und nicht subtile (Kein Problem, denn es passt zum alles andere als subtilen Charakter), dafür aber schön eingefangene Taufsymbolik des Christentums seinen Weg zurück. Kevin ist wieder ein gemachter Mann. Ein Mann, der mit seinem Wissen um seine schlechten Taten zu kämpfen hat, sich aber dennoch für das Gute entscheiden will. Doch gute Intentionen sind oftmals nicht genug, wie ihm sein Unterbewusstsein in einer Projektion seines Vaters vermittelt.
Aus der restlichen Traumsequenz will ich nicht ganz schlau werden. Sie hat einige Lost -Parallelen in ihrer Konzeption und endet mit einem der sonderbarsten und unbequemsten WTF-Momente des Fernsehjahres. Trotzdem ist sie inhaltlich und thematisch komplett durcheinander. Es gibt zwar nette Callbacks wie die Ausgabe des National Geographic, die ich willkommen heiße, doch diese Sequenz dient keinem direkt erkennbaren Ziel. Für diese erste Staffel ist dies geradezu typisch und bisher haben Lindelof und seine Autoren Zweifel des Zuschauers rückwirkend stets aufgeklärt, doch die bisherigen textuellen Aussagen zur metaphysischen Seite der Serie lassen eher darauf schließen, dass es sich nur um Kevins fortwährende Schizophrenie handelt – und um nichts mehr. Dies wird in der Zukunft wohl für vor allem visuelle Höhepunkte sorgen dürfen, doch die metatextuelle Debatte von Mysterien scheint vorerst von der Realität gewonnen zu sein. Die Finger wird Lindelof davon wohl trotzdem nicht lassen können, natürlich zum Vergnügen des geneigten Zuschauers.
Zu Kevins Glück handelt es sich bei alledem jedoch nur um einen Alptraum und schon bald sitzt er mit Matt bei Cheeseburgern am Tisch eines Diners und gibt zum ersten Mal wirklichen Einblick in seine Ansichten zum Sudden Departure. Vor dem Ereignis war er unzufrieden, er wollte seine Familie verlassen und fühlt sich nun schuldig und bestraft. Er hat nur einen Wunsch: Irgendwie muss sich seine Familie doch wieder zusammenfügen lassen. Diesem Wunsch wird stattgegeben. Auf der Toilette des Diners treffen wir auf Holy Wayne, angeschossen (zuvor hörte man im Autoradio etwas über eine Schießerei) und von ATFEC-Beamten verfolgt. Wayne stirbt, kann Kevin jedoch zuvor noch augenscheinlich seinen Wunsch erfüllen und auch die Musik ertönt fröhlich aus dem Radio auf der Heimfahrt.
Nothing Else Matters
Diese endet aber abrupt auf den Straßen Mapletons, wo das Chaos ausgebrochen ist. Wir erinnern uns: Die Mitglieder des Guilty Remnant brachen zu Beginn der Staffel in die Häuser der Einwohner ein und stahlen Familienphotos der Verschwundenen. Als wäre diese Tat nicht genug, wurden diese Photos dazu benutzt, um Loved Ones-Puppen (Die Lieferung aus Folge 8) der Verschwundenen anzufertigen, was diesen Subplot endlich zur Vollendung führt. Diese Nachbildungen werden dann in aller Früh von den Mitgliedern des Kults an den Ort ihres Verschwindens gebracht. Regisseurin Mimi Leder schafft es, das Surreale im Alltäglichen dieser Momente perfekt einzufangen, aber auch den Horror für die Hinterbliebenen einnehmend abzubilden. Carrie Coon in der Rolle der Nora Durst ist die Entdeckung dieser Staffel und ihr verstummter Schrei dürfte in Hollywood und der restlichen Fernsehlandschaft gehört werden. Hoffentlich bleibt sie der zweiten Staffel jedoch treu.
Es gab, wie in der letzten Review dargelegt, einige Verwunderung über die Platzierung der Flashback-Folge in der ersten Staffel. Bereits dort wurde auf den rückwirkenden Effekt und die Verbindung im Gesamtgefüge hingewiesen, doch auch ich vergaß völlig, dass sie womöglich noch wichtiger für das Finale sein könnte. Wenn uns die letzte Folge daran erinnern wollte, dass es trotz all den Problemen schon genügt zu existieren, dann zeigt uns The Prodigal Son Returns darauf aufbauend, dass sich geteiltes Leid besser ertragen lässt. Das ist keine revolutionierende oder subtile Botschaft, aber eine oft vergessene Wahrheit. Freunde und Familie, das sind Urwerte nicht nur der amerikanischen Gesellschaft. Aber auch die Hilfe von Fremden kann nützlich sein, wie der Christ zu Beginn der Folge Tommy erinnert. Selbst die offenherzige und aufrichtige Umarmung eines Fremden kann trotz unterschiedlicher Glaubensrichtungen kurzzeitig das Leid physisch manifestieren und das Gewicht dadurch lindern.
Daher wirken die chaotischen Zustände in Mapleton auch nicht dauerhaft verwirrend, obgleich einer gewissen Faszination und Schönheit der Zerstörungswut. Dafür ergibt sich ein kathartischer Moment für die Stadt, deren kollektiver Frust sich in offener Wut und Aggression entlädt; Katharsis gibt es aber auch für die Mitglieder der Guitly Remnant, die willentlich und gerne mit ihrem Leben dafür bezahlen, um – wie Meg (Liv Tyler) uns mit einem Blick auf Stolz und Erfüllung wissen lässt – den Memorial Day zu einem wahrhaften Tag des Erinnerns werden zu lassen. Währenddessen zählt für Kevin nichts mehr als die körperliche Unversehrtheit seiner Familie, alles andere ist unwichtig. Er hat seinen Platz bereits innerlich akzeptiert und will in bester Jack Shephard-Manier Sachen reparieren und Leute retten. Er muss Hunde aufhalten, die den Hirsch bedrohen; es ergibt sich eine schöne Verbindung zum Staffelauftakt. Er kann Laurie (Amy Brenneman) aus den Händen eines rachsüchtigen Einwohners befreien, die nach Jahren ihr Schweigen bricht: „JILL!“ Es ist zwar nur ein Krächzen, aber eines, das bis ins Mark erschüttert. Schlussendlich überwiegt keine politische oder religiöse Überzeugung die Liebe einer Mutter für ihr Kind.
Die gesamte Szene ist wundervoll in Szene gesetzt. Mimi Leder beginnt die Episode sehr intim, ihre Kamera ist den Figuren stets ganz nahe zugewandt, sie fängt die schmerzvollen Gesichter in Close Ups ein. Daher wirken die totalen Einstellungen im Kontrast so effektiv. Die brennenden Häuser und das Chaos ergeben ein Lichterspiel, das an biblische Kämpfe erinnert, die Zeitlupen und verstummten Schreie erledigen ihr Übriges, während Max Richters ausgezeichneter Score weiterhin die treibende und beständige Kraft in diesen Szenen bleibt.
What Is Left?
Bei allem Lob bleiben jedoch auch einige Aspekte auf der Strecke. Der gesamte Handlungsstrang um Holy Wayne ist nur halb gar. Trotz stellenweise großartiger Darbietungen von Paterson Joseph und Chris Zylka kann diese Geschichte nur punktuell fesseln und hinterlässt viele Fragezeichen. Auch Hundemörder Dean bleibt im Ungewissen. Er scheint keine Halluzination Kevins zu sein und auch er bleibt im Kontakt mit den Leuten auf der anderen Seite der „Brücke“, ähnlich wie Kevins Vater, aber dafür wird die zweite Staffel sicherlich Zeit finden.Von Amy oder den Zwillingen fehlt in dieser Folge jede Spur. Insgesamt halten also Lindelof und Perrotta ihr Versprechen: Kein Mysterium wurde zum Ende aufgeklärt, auch wenn die metaphysischen Ereignisse mit der Ausnahme des Verschwindens selbst auf Kevins Schizophrenie zurückzuführen sind.
Trotz allem ist dies kein Problem. Die Palette an Nebenfiguren ist durch die Bank weg gut gezeichnet. Nur weil ihre Geschichten nicht zu Ende gedacht werden, verliert ihre Existenz nicht an Bedeutung. The Leftovers bietet zwar ein zentrales Mysterium, ist aber nicht an dessen Aufklärung interessiert. Viel mehr versuchen Perrotta und Lindelof ein Gesellschaftsbild mit allen Facetten zu zeichnen und dies gelingt ihnen in dieser außerordentlichen ersten Staffel fabelhaft. Aber nicht nur die Konstellation oder die reichhaltigen gestalterischen oder narrativen Details machen die Serie so einzigartig.
In der zweiten Hälfte der Staffel wurde umso deutlicher, dass Lindelof, ein Kind im Spannungsfeld zwischen Glaube und Wissenschaft, sehr deutlich an unser aller Existenz interessiert ist. Spirituelle Sternenstaubanalogien bei Seite, wer fühlt sich nicht hilflos und klein, wenn er in einer lauen und wolkenfreien Nacht in den Himmel schaut. Auch True Detective sah im Schwarzen ein gewisses Böses, dem sich nur einige helle Punkte entgegenstellen wollen. Die Angst vor der Dunkelheit, dem Ungewissen, treibt den Menschen in seiner Suche nach Bedeutung seit Jahrtausenden in das Religiöse, in das Spirituelle. In The Leftovers konfrontiert Damon Lindelof seine Zuschauer mit ihrer universalen Bedeutungslosigkeit. Es gibt Lichtpunkte, ja, aber auch wenn wir ihr Licht erblicken, können sie bereits seit Jahren erloschen sein. Wir sind umgeben von den Ruinen toter Zivilisationen.
Schlussendlich bleibt mit The Leftovers eine qualitativ hochwertige Serie zurück, die die Geister spaltete. Wahrscheinlich muss man ein wenig empfänglich für diese Signale oder ein bisschen innerlich angekratzt oder gebrochen sein. Viele können sich mit den Figuren nicht identifizieren, sie erscheinen zu verzweifelt, gebrochen, abgeschieden und klagend. TV-Kritiker Todd Van Der Werff zog nach der letzten Folge das Fazit, dass The Leftovers die bisher beste und einzigartigste Serie ist, die sich mit Depression beschäftigt. Ich würde das so unterschreiben, jedoch weitergehen und alle Gefühle miteinbeziehen, die damit verbunden sind. Schließlich geht es nicht nur um ein vielleicht von manchen so wahrgenommenes pathetisches „Jammern“, sondern auch den unerklärlichen Verlust von zwei Prozent der Weltbevölkerung an sich und die Wut, dass man ihn nicht vergessen kann, oder die Wut, wenn man sich an ihn erinnert. Diese schlägt um in brutalste Gewalt, die Serie fand hier verstörende Bilder. The Leftovers verlangt dem Zuschauer viel ab, er muss sich voll darauf einlassen und in diese Welt und den Kopf des Showrunners abtauchen. Konfrontiert wird der Zuschauer mit dem, was er gerne selbst verdrängt. Belohnt wird er jedoch mit einer der besten Serien über die menschliche Existenz überhaupt. Dabei sind Lindelof und Perrotta aber nicht durchweg nihilistisch. In der Gemeinschaft findet sich Kraft das Dunkel auszustehen. Das mag so heruntergebrochen plump erscheinen, aber es ist wahr.
Zitat der Folge: “Oh, fuck you, you fucking tobacco-stained twat.”
Meta-Zitate der Folge: “Oh no, what happened next?”