Wissenschaft - PewPewPew

Apollo-Missionen in 60fps

08 Aug, 2020 · Sascha · Tech,Wissenschaft · 0 comments

Der YouTube-Kanal Dutchsteammachine knüpft sich altes NASA-Footage vor und crankt das auf hochmoderne 4K 60fps. Der Effekt bei den Apollo-Aufnahmen ist atemberaubend, aber besonders angetan bin ich von der restaurierten Landung des Curiosity-Rovers, deren Bilder tatsächlich den Eindruck eines Flugs über den Mars vermitteln.

Bei zukünftigen Artemis-Mondmissionen steht natürlich auch die Erkundung und Vorbereitung auf den Mars im Vordergrund, aber ein Grund zur Freude war für mich auch immer der Fall, dass wir richtige Aufnahmen des Monds in 4K-Livestreams kriegen würden. Aktuelle liefert der chinesische Rover Bilder und die Filme aus den Hasselblad-Kameras der Apollo-Astronauten bleiben upscalebar und Gold wert. Aber so ein menschlicher Touch an einer Kamera vermittelt einfach einen anderen Eindruck.

Wahnsinn, dass diese Technologie jetzt alltagstauglicher und mehr und mehr in Konsumentenhände gerät. Ich bin ein enormer Fan solcher Unternehmungen, Apollo 11 und They Shall Not Grow Old zählten zu meinen Lieblingsfilmen des letzten Jahres. Alleine der Opening Shot von Apollo 11 – verrückt! Hier noch mehr Videos von Dutchsteammachine. (weiterlesen…)

Ich habe in den vergangenen Wochen viele Stunden auf dem Mars verbracht. Nach einsamen Jahren im Regal fand Kim Stanley Robinsons Roman Red Mars endlich den Weg in mein Leben und beim dritten Anlauf hat es dann endlich gefunkt. Arthur C. Clarke hat einmal die Bedeutung des Werks klargestellt, indem er es zur Pflichtlektüre zukünftiger Marskolonialisten verkündete.

love police posterDas kann ich so unterschreiben. Robinsons Roman über die Besiedlung des roten Planeten ist so detailgetreu wie kein zweites Werk und wurde zur Bibel für Marsautoren wie Andy Weir oder Greg Bear. Der Roman beschäftigt sich ausgiebig mit der Unausweichlichkeit der menschlichen Natur und den soziokulturellen Problemen des Zusammenlebens. Der utopische Traum einer neuen Welt verplatzt schnell. James Grays bedrückendes Raumfahrtepos Ad Astra fand im letzten Jahren ein ganz passendes Bild dazu, als er Brad Pitt durch eine Mall auf dem Mond laufen ließ, mit Logos von DHL und McDonalds im Hintergrund. Im Sinne von: Überall, wio wir hingehen werden, schleppen wir unseren Müll und unsere Probleme mit uns mit.

Das ist ein Teil von Robinsons Roman. Zu der Trilogie werde ich besitmmt noch einmal mehr schreiben, bis dahin bin ich aber wohl zum absoluten Experten in Areografie – die Studie der Geografie des Mars – geworden. Das ist der andere Teil. Neben den ganzen Menschen geht es dem Autor nämlich vor allem um den Planeten selbst. Wer Red Mars liest, wird Experte des Mars in all seinen Facetten. Es gab selten ein Buch, in dem ich so oft nach vorne blättern musste, um auf der Karte nachzuschlagen, wo sich gerade die Figuren auf der Oberfläche rumtreiben. Ich sage es mal so: Würde ich jetzt morgen mit einem fähigen Rover auf dem Mars stranden, ich würde mich schon zurechtfinden.

Wem das nach zu viel Arbeit klingt, der kann auch einfach das neue Video vom großartigen YouTube-Kanal Atlas Pro schauen, der die spannende Dichotomie und Symmetrie der Marsoberfläche erläutert.

Nach China und Saudi-Arabien startet heute die US-Raumfahrtbehörde NASA startet heute den Rover Perseverance zum Mars. Ihr könnt den Start im Livestream verfolgen oder ein Ticket zum Mars kriegen. Die NASA schickt die Namensliste immer auf einem kleinen Chip mit zum Mars. Ich war schon bei Curiosity 2012 dabei und bin schon für 2026 eingetragen. Perseverance soll herausfinden, wieso der Ozean auf dem Mars verschwand und dazu hat der Rover eine Helikopterdrohne, die hoffentlich funktionieren und Luftaufnahmen vom roten Planeten bietet. Godspeed, Perseverance!

Heute starten zum ersten Mal seit 2011 wieder amerikanische Astronauten von amerikanischem Boden ins All. Nicht mit dem NASA-eigenen Space Launch System, sondern mit der Falcon 9 Rakete von SpaceX. Elon Musks Firma bringt die Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley zur ISS. Bereits im September soll eine doppelt so große Crew ins Orbit folgen. Ein riesiger Schritt für den kommerziellen Weltraumflug. Alles sehr aufregend.

Aktuell gibt es Wetterbedenken, aber noch ist alles go for launch. Kurz nach dem Start wird auch man der Crew der Dragon auch zuwinken können, wenn man genau hinschaut. Godspeed!

Update: Der Start wurde auf den vergangenen Samstag verschoben. Am 30. Mai 2020 starteten die Astronauten dann aber erfolgreich ins All, die Falcon 9 landete erneut sicher auf dem Drohnenschiff Of Course I Still Love You. Hier geben die Astronauten Behnken und Hurley zuvor eine kleine Tour durch ihre Dragon-Raumkapsel, die sie nach dem gleichnamigen Space Shuttle Endeavour tauften, welches zuvor ihren ersten Flug ins All ermöglichte. Das freut mich sehr, es handelt sich nämlich um den schönsten Namen für ein Raumschiff, wenn es nach mir geht.

FROGGE

01 May, 2020 · Sascha · Internetgold,Wissenschaft · 1 comment

Wikipedia bietet inzwischen für eine Reihe an Einträgen Beiträge in Middle English an und ein Synchronsprecher trug den für Frösche das lustig vor, auch wenn er einen kleinen Fehler bei þ macht. Verschmerzbar. Da ich Englisch studierte, habe ich es hier mal kurz übersetzt:

A frog is a small beast with four legs, which lives both in water and on land. It is brown, green, yellow, or, be it tropical, it may have diverse colours. It has both lungs and gills. It hatches from an egg, and it then is a tadpole. It grows to be a frog, if it is not eaten.

Über die Schreibweise kann man sich sowieso streiten, da die Einträge noch lange vor der Sprachstandardisierung in der Early Modern English Peroid stammen. In der Zeit wurden auch jede Menge Wörter aus anderen Sprachen importiert (wenn ich mich recht erinnere so um die 18000, Shakespeare alleine erfand ~1700 Wörter), weshalb der Frosch hier auch als beast statt animal bezeichnet wird, was aus dem Französischen stammt und erst später eingeführt wurde.

Dazu passend: Der großartige Eddie Izzard ging nach Ostfriesland, um dort in Old English eine Kuh zu kaufen.

Es ist der 20. Juli 1969, der Höhepunkt des Wettlaufs ins All. Neil Armstrong und Buzz Aldrin betreten als erste Männer den Mond und sichern den Amerikanern den Sieg. Aber dort standen nicht nur zwei Amerikaner auf dem Mond. Es ist unter immensen Anstrengungen von mehreren hunderttausenden Mitarbeitern und dem Mitfiebern einer ganzen Nation gelungen, drei Menschen erfolgreich zum Mond und wieder zurück zu schicken.

Weil es da ist

Die Geschichte der Menschheit ist mit diesen extremen Leistungen eng verbunden. Menschen mit dem Drang zur Erkundung der Grenzen und des Menschenmöglichen erkunden die Erde, berichten von dem, was sie sehen. Jahrtausende verbrachten wir in Höhlen, sahen Zeichnungen an Wänden von Biestern, die die Steppen bevölkerten, ehe wir uns rauswagten. Angetrieben von Neugier, von einem fast schon genetischen Sinn für Erkundungen – Eroberung. “Weil er da ist”, antwortete Bergsteiger George Mallory auf die Frage, wieso er und Sherpa Tenzing Norgay den Mount Everest als erste Menschen besteigen wollten.

Schon immer drangen besondere Menschen nach vorne, suchten den Fortschritt, um den Rest mit sich in eine bessere Zukunft zu reißen. Eine Reise zum Mond? Noch 70 Jahre zuvor eine Geschichte für die ersten Gehversuche des Kinos, pure Science Fiction – bevor Science Fiction überhaupt als Genre existierte. Es erschien fast unmöglich. Und doch ist die gemeinsame Anstrengung schlussendlich erfolgreich. Sie bleibt unerreicht. Kennedys Moon-Speech ist bis heute auch so ikonisch, weil er ein Bild zeichnet, von einer Nation, die zu träumen wagte.

Fortschritt braucht Visualisierung

Die Nation zu befeuern war ein Schlüsselpunkt. Das betrifft nicht nur die finanzielle Förderung, sondern auch die Psyche des Menschen. Die Forschung weiß schon lange, dass goal visualization extrem wichtig und förderlich für den Zielerfolg ist. Im Falle des Space Races sprechen wir von buchstäblicher Visualisierung einer noch nie erprobten und hoch riskanten Reise ins Unbekannte.

Wie sollte das gelingen? Was heute durch Filme wie Interstellar oder computergenerierte Bilder hochrealistisch abgebildet werden kann, wurde damals durch Maler versucht darzustellen. Es gibt den selektierten Titel des space artists, darunter auch wenige Astronauten wie Alan Bean oder erst kürzlich verstorbene Alexi Leonov. Der Kosmonaut absolvierte nicht nur den ersten Spacewalk, sondern erstellte auch das erste Kunstwerk im Weltall. Heute versuchen NASA und SpaceX für ihre neuen zukünftigen Missionen zu werben, wie zum Beispiel mit Illustrationen von Joby Harris.

Space Artists

Vor über 60 Jahren befanden sich das Genre und besonders die Technik aber noch in den Kinderschuhen. Künstler wie Robert McCall wurden legendär für ihre Darstellungen von Reisen ins Weltall und utopischen Gesellschaften. Gleichzeitig war das nur eine Seite der Medaille und auch die auf Wikipedia geführte Liste liest sich sehr amerikanisch. Das Space Race war natürlich aber auch ein Kampf der Kulturen.

Abseits von westlichen Popkultureinflüssen und des Mainstreams, hinter dem Eisernen Vorhang preschten die Russen zuerst ins Weltall, befördert von fantastischen und sehr eigenen Zeichnungen. Dank eines neuen Bildbands des Phaidon-Verlags geraten sie nicht in Vergessenheit. In Soviet Space Graphics werden auf 240 Seiten knapp 270 Illustrationen präsentiert, die künstlerische Visionen des sowjetischen Raumfahrtprogramms zeigen. (weiterlesen…)

Als George Mallory gefragt wurde, wieso er den Mount Everest besteigen wollte, fasste er Begebenheiten wie Ideale der menschlichen Existenz in einem kurzen Satz perfekt zusammen: “Because it is there.” Und weil der Mount Everest eben nicht den einzigen großen Berg markiert, “der da ist”, werden Alpinisten sich noch auf Jahrzehnte immer höhere und krassere Ziele stecken.

Und irgendwann, das haben Autoren wie zum Beispiel Kim Stanley Robinson in seiner Kurzgeschichtensammlung The Martians bereits durcherzählt, werden Menschen sich das höchste bekannte Ziel aussuchen: nämlich den Mons Olympus auf dem Mars, der mit einer Höhe von rund 21km der höchste Berg des Sonnensystem ist.

Aus alpinistischer Sicht wird die Besteigung keine große Herausforderung darstellen, zumindest hinsichtlich den einfachsten Touren. Da der Olympus Mons ein riesiger Schildvulkan ist und einen Durchmesser ungefähr der Größe Frankreichs besitzt, wird man auf der gesamten Strecke mit wenigen Ausnahmen wohl nur eine Steigung von 5% überwinden müssen. Bei geringerer Schwerkraft geradezu ein Klacks. Die Navigation auf dem flachen Gelände wird aufgrund der fehlenden Landmarks wie einer Hillary Step schwierig und muss durch GPS-Unterstützung erfolgen, von der Lebensversorgung ganz zu schweigen.

Aber irgendwann wird es jemand machen und natürlich auch dokumentieren. Das war wohl, da ranken sich Legenden, Mallorys Fehler. Wir werden das vielleicht nicht mehr erleben, außer Elon Musk gehört zu den ersten 100 seiner SpaceX-Kolonialpläne. Wahrscheinlich würde der noch mit seinem Mars-Tesla-Rover die Piste selbst hochfahren. Wie auch immer, aktuell wirkt das alles sehr weit weg und ich gehe davon aus, dass wir das nicht mehr sehen oder miterleben werden. Die ersten Ziele einer Marserkundung sollten ohnehin andere sein. Daher bin ich dankbar, dass der großartige Astro-YouTuber Dreksler Astral mit der Space Engine versucht zu zeigen, wie so eine Besteigung aussehen würde.

“Consider again that dot.” – Die NASA nahm Carl Sagans legendäre Worte diese Woche wörtlich und veröffentlichte nun eine neue, verbesserte Version des Pale Blue Dots zum 30. Jahrestag der Aufnahme.

Like the original version, this is technically a “false-color” view, as the color-filter images used were mapped to red, green and blue, respectively. The brightness of each color channel was balanced relative to the others, which is likely why the scene appears brighter but less grainy than the original. In addition, the color was balanced so that the main sunbeam (which overlays Earth) appears white, like the white light of the Sun.

(via JPL, das auch Wallpaper-Versionen für PC und Handy anbietet)

Die Originaldatei misst übrigens nur 666×659 Pixel und die Erde füllt nicht mal einen Pixel aus. Wahnsinn. Was soll man dazu noch sagen? Carl Sagan fand schon vor Jahrzehnten die richtigen Worte: This is us. This is home.