Review: The Leftovers S01E10

09 Sep, 2014 · Sascha · Fernsehen,Review

The Leftovers HBO 110
© HBO

In der letzten Folge der ersten Staffel wagt Damon Lindelof keine Risiken mehr. Viel mehr beruft sich The Leftovers auf die bisherigen Kernthemen und liefert eine emotionale Tour-de-Force ab, die vor allem visuell und durch preisverdächtige Darbietungen überzeugen kann. Hier ein Auszug, die gesamte Review bei Moviepilot, denen auch mein herzlicher Dank gilt, dass ich die Serie dort begleiten durfte.

In der zweiten Hälfte der Staffel wurde umso deutlicher, dass Lindelof, ein Kind im Spannungsfeld zwischen Glaube und Wissenschaft, an sehr deutlich an unser aller Existenz interessiert ist. Spirituelle Sternenstaubanalogien bei Seite, wer fühlt sich nicht hilflos und klein, wenn er in einer lauen und wolkenfreien Nacht in den Himmel schaut. Auch True Detective sah im Schwarzen ein gewisses Böse, dem sich nur einige helle Punkte entgegenstellen wollen. Die Angst vor der Dunkelheit, dem Ungewissen, treibt den Menschen in seiner Suche nach Bedeutung seit Jahrtausenden in das Religiöse, in das Spirituelle. In The Leftovers konfrontiert Damon Lindelof seine Zuschauer mit ihrer universalen Bedeutungslosigkeit. Es gibt Lichtpunkte, ja, aber auch wenn wir ihr Licht erblicken, können sie bereits seit Jahren erloschen sein. Wir sind umgeben von den Ruinen toter Zivilisationen.

Schlussendlich bleibt mit The Leftovers eine qualitativ hochwertige Serie zurück, die die Geister spaltete. Wahrscheinlich muss man ein wenig empfänglich für diese Signale oder ein bisschen innerlich angekratzt oder gebrochen sein. Viele können sich mit den Figuren nicht identifizieren, sie erscheinen zu verzweifelt, gebrochen, abgeschieden und klagend. TV-Kritiker Todd Van Der Werff zog nach der letzten Folge das Fazit, dass The Leftovers die bisher beste und einzigartigste Serie ist, die sich mit Depression beschäftigt. Ich würde das so unterschreiben, jedoch weitergehen und alle Gefühle miteinbeziehen, die damit verbunden sind. Schließlich geht es nicht nur um ein vielleicht von manchen so wahrgenommenes pathetische „Jammern“, sondern auch den unerklärlichen Verlust von zwei Prozent der Weltbevölkerung an sich und die Wut, dass man ihn nicht vergessen kann, oder die Wut, wenn man sich an ihn erinnert. Diese schlägt um in brutalste Gewalt, die Serie fand hier verstörendste Bilder. The Leftovers verlangt dem Zuschauer viel ab, er muss sich voll darauf einlassen und in diese Welt und den Kopf des Showrunners abtauchen. Konfrontiert wird der Zuschauer mit dem, was er gerne selbst verdrängt. Belohnt wird er jedoch mit einer der besten Serien über die menschliche Existenz überhaupt. Dabei sind Lindelof und Perrotta aber nicht durchweg nihilistisch. In der Gemeinschaft findet sich Kraft das Dunkel auszustehen. Das mag so heruntergekauft plump erscheinen, aber es ist wahr.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 10