Review - PewPewPew

Originaltitel: The Tree of Life, USA 2011
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Darsteller: Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain
Produktion: River Road Entertainment, Plan B Entertainment, Cottonwood Pictures
Verleih: Fox Searchlight
Länge: 138 Minuten
FSK: 6 Jahre
Start: 16. Juni

“Where were you when I laid the earth’s foundation…while the morning stars sang together and all the sons of God shouted for joy?”

Dass sich an ‘The Tree of Life’ die Geister scheiden, kommt nicht von ungefähr. In seinem Epos versucht Autor und Regisseur Terrence Malick nichts geringeres als sämtliche Fragen der menschlichen Existenz zu behandeln, ein wenig den Sinn des Lebens zu ergründen, einen Dialog mit Gott zu erhalten, einen Rückblick auf das Leben im Universum und das Leben an sich zu präsentieren, und, am wichtigsten, die Kindheit und den Verlust der Unschuld darzustellen. Das kann nicht klappen, zumindest nicht in einer traditionellen und eingebürgerten Drei-Akt-Erzählstruktur mit einer linearen Story. Malicks Antwort in ‘The Tree of Life’ auf dieses Problem ist eine non-lineare Erzählstruktur, die Erinnerungen, Gegenwart, Zukunft und kosmische Kreation durch einen Bewusstseinsstrom in kaum zu erreichender Bildgewalt auf die Leinwand forciert.

Jack (Sean Penn) hapert mit seinem Leben. Trotz einem erfolgreichen Job, wunderschönen Haus samt Frau ist er rastlos, müde und depressiv. Der Tod seines Bruders im Alter von 19 Jahren beschäftigt ihn und seine Familie immer noch. Rückblickend schaut er auf seine Kindheit in den 1950er Jahren in einem christlichen Haushalt des mittleren Westens der USA.

‘The Tree of Life’ ist einer dieser Filme bei dem die Leute sagen, dass man sich “darauf einlassen muss”. Auch wenn ich natürlich ein vorher adaptiertes Mindset empfehlen kann – der Film verlangt einfach Aufmerksamkeit und ein gewisses Maß an Interesse – kann und wird auch mit der richtigen Einstellung nicht jeder diesen Film lieben. Malick ist Priester, Wissenschaftler, Erzähler, Fragensteller und Gott zugleich und die konträreren Symbolkonstellationen verstärken dies. Malicks Epos ist weniger Film als viel mehr Erfahrung.

Es ist zweifellos Malicks Magnum Opus, das Werk, in Malicks Themen kulminieren und neue Höhen der Spiritualität erreichen. Und all dies wird in sequentieller Abwechslung zwischen Kindheitserinnerungen und Urknall bzw. evolutionärer Entwicklung der Erde behandelt. Aus dem Voice-Over drängen bisher unterdrückte Fragen nach der menschlichen Existenz, dem Sinn und nach Gott sowie ab und an auch ein Zitat aus der Bibel.

Es kann mitunter schwierig sein, gleichzeitig die bildliche Ebene, die so bombastisch und reich an Bildgewalt ist, und die sprachliche Ebene zu verfolgen und dann sich daraus einen Reim zu machen.

Dennoch bleibt der Film eine Erzählung von Erinnerungen, unübersehbar Malicks Erinnerungen und Probleme, die ihn heute noch beschäftigen. Daher wirkt der Film in seinen stärksten Momenten wie eine gute, lehrreiche Kindheitserzählung und in seinen schwächsten, in denen kaum eine Szene auf die vorherige aufbaut, wie verwirrtes Gestammel eines Demenzpatienten.

Von der schauspielerischen Seite kann man Brad Pitt und Jessica Chastain loben, die beide eher eindimensionale Rollen haben, er Familienoberhaupt und sie nahezu ein himmlischer Engel, diese jedoch geschickt vielschichtiger und tiefer spielen; insbesondere Pitts Mr. O’Brien erscheint in vielen Szenen oberflächlich als autoritärer, ambitionierter Vater, obwohl er in nicht wenigen Momenten durchblitzen lässt, dass er seinen Kindern nur deshalb soviel abverlangt, weil er selbst im tiefsten Innern verletzt und enttäuscht ist. Er will nur, dass es seinen Kindern einmal besser ergeht als ihm selbst. Dass Sean Penn groß auf den Postern vermarktet ist, ist wohl seiner Popularität und nicht seiner Screentime von gerade einmal 5 Minuten geschuldet. Vielmehr löblich ist da Hunter McCracken, der den jungen Jack spielt und in vielen Momenten, in denen er nachdenklich über die Schulter in die Ferne schaut, stärker als alle älteren Zuschauer. Die Kinder sind im Allgemeinen fantastisch gecastet.

Vergleiche zu Stanley Kubricks Sci-Fi Epos “2001” lassen sich natürlich nicht verleugnen. Ähnlich wie “2001” ist “The Tree of Life” Kino Marke “Eine Nummer zu groß”. Es ist Kino so groß und so genial wie es nur sein kann und verfehlt dabei den Großteil heutiger Zuschauer. Dafür, dass Malick in diesen Zeiten nicht nur etwas so Originelles, sondern etwas so Großes probiert und es ihm dabei gelingt, so persönlich jeden Zuschauer individuell anzusprechen, gebührt ihm Respekt. Das Problem dabei ist, dass nicht jeder Zuschauer sich mit Malicks Erinnerungen und Visionen anfreunden kann, wodurch primär Abneigung nicht nur gegenüber dem gezeigten, sondern dem gesamten Werk entsteht. Klappt jedoch die Verbindung, hört man Malick gerne auch durch die schwächeren Teile seiner Erzählung zu und wird verzaubert vom Rest.

9/10

Originaltitel: Source Code, USA/F 2011
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Ben Ripley
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michelle Monoghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright
Produktion: Vendôme Pictures, Mark Gordon Company
Verleih: Summit Entertainment
Länge: 93 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 2. Juni 2011

Auch wenn man Twilight nicht mag, kann man nicht leugnen, dass die Filmreihe um die Bücher vom Stephanie Meyer auch durchaus positive Seiten hat. Zum Beispiel das viele Geld, das die Filme eingespielt haben, wodurch Summit Entertainment vom kleinen Indie- zum großen Mitmischerstudio wurde. Ähnlich wie 20th Century FOX (Avatar) hat man nun ein wenig Überschuss und kann auch mal Genreproduktionen wie ‘Source Code’ finanzieren, was Sci-Fi Freunde glücklich macht. In der Hose.

Soldat Colter Stevens wacht orientierungslos in einem Passagierzug auf. Die ihm gegenüber sitzende Frau scheint ihn gut zu kennen, doch er hat sie noch nie zuvor gesehen. Als er in den Spiegel schaut, erblickt er ein unbekanntes Gesicht. Noch bevor er diesen Schock verarbeiten kann, explodiert der Zug. Doch das ist nicht das Ende. Colter Stevens wacht auf und realisiert, dass er gerade die letzten 8 Minuten eines anderen Menschen mit Hilfe einer Maschine namens “Source Code” erleben konnte. Da der Anschlag auf den Zug nur der Anfang war und eine Atombombe die Millionenstadt Chicago bedroht, muss Stevens immer wieder erneut in 8 Minuten versuchen herauszufinden, wer den Anschlag auf den Zug verübt hat, um so den Nuklearanschlag zu stoppen. Doch schon bald entwickelt er Gefühle für die eigentlich bereits verstorbenen Menschen und besonders für die Frau, die ihn so gut zu kennen scheint. Kann Stevens sie vielleicht retten?

Ich hatte bereits Anfang April die Chance gehabt Source Code im Original zu sehen und war wie verzaubert. Als ausgesprochener Fan von Regisseur Duncan Jones, der mich mit seinem Featuredebut “Moon” letztes Jahr extrem vom Hocker gehauen hat, habe ich mich sehr auf den Film gefreut und wurde nicht enttäuscht. Nicht direkt jedenfalls. Jones liefert erneut eine wirklich solide Arbeit ab und nimmt sich des Drehbuches an und macht seinen eigenen Film daraus. Der Mann hat wirklich Potential, deshalb hoffe ich, dass er sein langgeplantes Projekt “Mute” über einen blinden Barkeeper auf der Suche nach seiner entführten Freundin in einer Zukunftsvision Berlins bald machen darf, denn auch wenn Source Code solider Sci-Fi ist, kratzt er nur an der Oberfläche seiner Thematik.

Zeitreisen und Zeitschleifen sind in der Kinowelt nichts neues und einem breiten Publikum spätestens seit “Groundhog Day” (Und täglich grüßt das Murmeltier) mit Bill Murray bekannt. Source Code schafft es jede seiner Zeitschleifen frisch wirken zu lassen. Durch Jones’ abwechslungsreiche Regiearbeit wirkt die Suche nach dem Terroristen an Bord nie langweilig. Ebenso schafft es das Script die 8 Minuten immer wieder auf abwechselnden Schauplätzen, auch (zu meiner Überraschung) außerhalb des Zuges, stattfinden zu lassen. Das Konzept selbst, sobald etabliert, dient jedoch lediglich der grundlegenden Spannungsmaximierung, was den Film auf das Level eines Thrillers reduziert.

Das ist schade, denn Source Code spricht einige grundlegende Themen des menschlichen Daseins an, ganz ähnlich wie Moon. Was macht den Menschen aus? Ab wann ist man Mensch und welche Rechte hat er? Wieso bin ich hier und gibt es mehr da draußen? Das Ganze wird leider nur viel zu oberflächlich angesprochen und zu Gunsten der Thrilleraspekte stiefmütterlich behandelt. Gegen Ende kriegt der Film jedoch noch leicht die Kurve: Was wäre, wenn Stevens die Bombe vom Hochgehen stoppen könnte? Schade, dass der Film dort aufhört, wo es dann mit Theorien und Gedanken über parallel Universen eigentlich losgehen könnte.

Die schauspielerischen Leistungen sind allesamt ihren Rollen angemessen. Michelle Monoghan hat nicht wirklich viel zu tun außer nett und verblüfft zu lächeln und immer wieder dieselben Sätze aufzusagen. Vera Farmiga macht eine ordentliche Rolle als gefühlsbetonte und leicht rebellische Offizierin, während Jeffrey Wright findet großes Gefallen an seinem leicht over-the-top akzentuierten Wissenschaftler, für den der Zweck alle Mittel heiligt. Jake Gyllenhaal hat am meisten zu machen. Das ist sein Film.

Er spielt seine Rolle des Colter Stevens überzeugend und kann auch in ruhigen Momenten die Tragik seiner Figur sehr gut auf die Leinwand übertragen.

Alles in allem ist Source Code aber ein solider Thriller für das Mainstreampublikum mit einem sehr netten Sci-Fi Rahmenkonzept für die Geeks. Jones hat Potential. Hoffen wir, dass er sich als nächsten Film “Mute” machen darf, denn ich will sehen, was der gute Mann mit wirklich hartem Sci-Fi und einem größeren Budget als dem von “Moon” anfangen kann. Auch wenn die wirklich tiefliegenden Fragen nur erwähnt werden, ruiniert das bei weitem nicht die erstklassige Kinoerfahrung.

9/10

Gedanken zu L.A. Noire

07 Jun, 2011 · Sascha · Featured,Games,Review · 0 comments

Ich bin kein exzessiver Gamer. Ich zocke regelmäßig und wahrscheinlich liege ich knapp über dem Durchschnitt. Dennoch ich relativ einseitig; in letzter Zeit hauptsächlich Battlefield Bad Company 2: Vietnam – bis mein Lieblingsserver mich auf Server, Teamspeak und Homepage bannte (dazu bald mehr).

Ich bin kein wirklicher Casual Gamer, denn ich mag spezifische Spiele, ich kaufe mir nicht irgendein Spiel, weil ich spielen möchte, sondern wähle und plane genau was ich spielen möchte; meistens weiß ich schon am Jahresanfang welche Spiele ich in diesem Jahr haben will. Daher bezeichne ich mich gerne als den selektierenden Gamer. Die Anzahl der Spiele hat in den letzten Jahren nie über 5 gelegen. Dieses Jahr wird es knapp. Hauptsächlich Fortsetzungen erfolgreicher Spiele stehen dieses Jahr auf dem Einkaufszettel: Portal 2, Infamous 2, Modern Warfare 3, Battlefield 3 und Assassin’s Creed: Revelations (und Dead Island, sofern sich das regeln lässt). Allesamt außerordentlich erfolgreiche Franchise. In dieser Hinsicht bin ich absoluter Mainstreamer. Das Spiel, das mich dieses Jahr über meinen Durchschnitt heben sollte, ist Team Bondis „L.A. Noire.“

Es sollte eigentlich mein Singleplayerhighlight des Jahres werden. Und ich wurde maßlos enttäuscht. Wie viele andere.

Das Tragische: Wir sind es allesamt selbst schuld.

Als letztes Jahr Rockstars „Red Dead Redemption“ auf den Markt kam, haben viele nicht unrichtig das Spiel als „GTA mit Pferden“ beschrieben. Die Sandbox (diesmal wortwörtlich) des Wilden Westens war vielen Spielern durch die Erfahrung mit diversen GTA-Titeln nicht fremd und es waren außerordentlich viele Gameplayelemente übernommen worden. An dieser Stelle muss ich natürlich zugeben, dass ich die Freiheiten eines GTA liebe und schätze und gerne in anderen Spielen wiederfinde. GTAIV war der Grund weshalb ich eine Playstation 3 gekauft habe. 3 Jahre später sollte nun L.A. Noire der glorreiche Titel des Jahres werden. Immerhin von Rockstar vertrieben und tolle Trailer und mega Hype – was sollt denn da schon schief gehen?

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Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides, USA 2011
Regie: Rob Marshall
Drehbuch: Ted Elliot & Terry Rossio
Darsteller: Johnny Depp, Penelope Cruz, Geoffry Rush, Ian McShane
Produktion: Jerry Bruckheimer
Verleih: Disney
Länge: 136 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 19. Mai

Ich war nie ein großer Fan von der “Fluch der Karibik”-Reihe. Als damals unser Physiklehrer von dem ersten Film berichtete, den er am Vorabend inklusive Freundin gesehen hatte, berichtete er von einem überaus tollen Johnny Depp in der Rolle seines Lebens. Nunja, das stimmt ja auch so ziemlich. Es ist eine Deppenrolle.

Ohne Depps Beteilung am Projekt und seine oscarnomierte Performance wäre der Film nur halb so gut und damit unteres Mittelmaß. So waren die Film gute Sonntagabend Pro7-Ablenkung, wenn man nichts besseres zu tun hatte und ohnehin nebenbei im Internet surfte.

Nun gibt es einen viertel Teil. Nessmon hatte eigentlich keine Lust auf den Film, aber ich wollte wissen, wie der Film funktioniert. Rein aus Interesse. Denn Johnny Depps Charakter des Captain Jack Sparrow war in dem ersten Film zu mindestens, in den späteren deutlich dann in abgeschwächter Form, nur ein Nebendarsteller in einer piratigen, leicht übernatürlichen Liebesgeschichte. Da nun Orlando Bloom und Keira Knightley nicht mehr mit von der Partie sind, liegt all die Last auf Captain Jack. Depp kann wie gewohnt überzeugen, doch abseits seiner inzwischen routinemäßig abgespulten Performance des Spatzenkapitäns ist traurige Stille.

Ja, Geoffrey Rush, Penelope Cruz und besonders Ian McShame füllen ihre Rollen mit all ihrem oscarprämiertem Talent; doch all dies täuscht nicht darüber hinweg, dass die eigentliche Story abgeschlossen und erzählt ist (wobei ich nicht wirklich von Story sprechen will, wenn die Filme auf einer Disneyparkattraktion beruhen). Besonders das Set-Up in London wirkt gezwungen und extrem konstruiert – ironischerweise sind gerade die anfängliche Gerichtsszene, die Szene mit King George und die Flucht aus London jene Szenen, die noch am besten gedreht und choreographiert sind und, vor allem, am meisten Spaß machen. Sobald Jack und Co. dann auf hoher See sind, vergeht jeglicher Spaß. Dem Film fehlt nicht nur jeglicher Grund zur Existenz (mal Geldscheffeln ausgenommen), sondern er macht auch zum großen Teil keinen Sinn und unternimmt keine große Mühen etwas Neues noch wenigstens Interessantes zu erzählen. Captain Blackbeard hat Zombieoffiziere. Yup, that’s about it. Inzwischen wird einfach damit gerechnet, dass die Zuschauer ohnehin an Bord sind und alles schlucken. Das weltweite Einspielergebnis von knapp 350 Millionen $ über das Wochenende geben Bruckheimer und Disney ironischerweise recht.

Das größte Problem, das ich mit dem Film hatte, war, dass sich alles wie eine Zwischenepisode anfühlt. Wie ein Setup für ein Sequel (das ja auch bereits schon in Planung ist). Was bleibt aber nun von Pirates 4 am Ende übrig? Für den gewöhnlichen Zuschauer dürfte ein unterdurchschnittlicher Kinobesuch aufwarten und für die Fans wird es 3 bis 4 nette Momente mit Jack zur Erinnerung geben; ansonsten fehlt dem vierten Teil einfach der Grund zur Existenz. Hinzu kommen unglaublich billig ausschauende Sets – bei denen man sich wunder wohin das riesige Budget verschwand (besonders das Finale am Jungbrunnen schreit förmlich nach Filmstudio) – langweilige gefilmte, wenn auch tolle choreographierte Kämpfe ohne wirklichen dramaturgischen Wert und ein wie immer toller Johnny Depp. Das reicht mir aber nicht. Die vorherigen Filme waren auch großer Blödsinn, aber wenigstens ließ mich dieser Blödsinn nicht einschlafen.

5/10 – für Johnny Depp, Effekte und Meerjungfrauen

Originaltitel: Hanna, USA 2011
Regie: Joe Wright
Drehbuch: David Farr & Seth Lochhead
Darsteller: Saoirse Ronan, Eric Bana, Tom Hollander, Cate Blanchett, Jason Flemyng
Produktion: Babelsberg
Verleih: Sony
Länge: 111 Minuten
FSK: 16 Jahre
Start: 26. Mai

“Sometimes, children are bad people too.”

Ich hatte am vergangenen Donnerstag das große Glück in der OV Sneak ‘Wer ist Hanna’ zu sehen, oder wie er im Original schlicht heißt: Hanna. Das ist der neue Film von Joe Wright, der sich mit den Filmadaptionen von “Stolz und Vorurteil” und “Abbitte” einen Namen gemacht hat. Danach erschien sein drittes Featureprojekt namens “Der Solist”, in dem Jamie Foxx einen Obdachlosen mimt, der unglaublich talentiert ist und dem von Robert Downey Jr. geholfen wird. Klischeehaftes Hollywoodoscarkino. Zu klischeehaft, sodass der Film nicht nur an der Kasse floppte, sondern auch die Kritiken zerstörerisch waren. Eine kurze Karriere, fast vor dem Ende, wäre da nicht Saoirse Ronans erbitterlicher Kampf für ihn um den Posten bei Hanna als Regisseur gewesen. Der Job wurde nämlich auch Alfonso Cuaron und anderen angeboten.

Gut, dass er an Wrigt fiel. Hanna ist ein unkonventioneller Thriller, der sich zwischen Coming of Age und Musikvideo ansiedelt und dabei laut, unerschrocken, schnell, frisch und teilweise ausgesprochen lustig ist. Hanna ist ein 16-jähriges Mädchen, das mit ihrem Vater, gespielt von einem unausgesprochen engagierten Eric Bana, am Polarkreis wohnt und von ihm zu einer Kämpferin ausgebildet wird. Bana ist Ex-Agent und lehrt seine Tochter alles. Sie kann Schutzidentitäten fehlerlos aufsagen, Touristeninformationen von Leipzig perfekt rezitieren, doch ein richtiges Leben hat sie nicht. Die Verlockung ist zu groß und Hanna möchte entfliehen. Gejagt von der CIA-Bösewichtin Wiegler, ebenso grandios gewohnt gespielt von Cate Blanchett, flieht Hanna aus ihren Fängen und entdeckt das Leben. Doch sie kann vor dem bösen Wolf nur für eine Zeit weglaufen und nicht entfliehen.

In unglaublich gut getimeten und geschnittenen Szenen, zu nennen wäre da der Ausbruch aus der CIA-Anlage bei dem Hanna durch riesige Lüftungsschächte vor riesigen Muskeltypen im perfekten Rhythmus zur lauten, knalligen, bombastischen Musik der Chemical Brothers davon rennt, zeigen Wright und die Chemial Brothers was sie können. Allgemein kann man die Arbeit der chemischen Brüder nur in den Himmel loben, ihnen ist es zu verdanken, dass der Großteil des Films, insbesondere die Actionszenen, die Wright in mit einer unbeahnten Selbstverständlichkeit auf die Leinwand bringt, wirklich den Film über das große Genremittelmaß heben. Was den Film aber trägt ist Ronans Perfomance. Ihre Hanna ist tödlich, gefä hrlich, verletzlich und tief verunsichert, ja, verletzt.

Natürlich ist “Hanna” ein Genremix und die Story ist zuhöchst stilisiert und konstruiert. Glücklicherweise ist sich jeder Beteiligte an diesem Projekt diesem Fakt bewusst und handelt auch ebenso. So kommt auch glücklicherweise die Auflösung um Hannas Herkunft relativ spät, was dem Zuschauer, bereits fest in dieser Welt verankert, nicht mehr viel an Widerstand entlocken dürfte. Auch die nicht spärlich gesäten humorvollen Szenen sind zeitlich passend und würdevoll eingesetzt. Ebenso eine intime Szene mit Hannas neu gewonnener Freundin, gespielt von Jessica Bardem, ist eine Gradwanderung zwischen ersten intimen Erfahrungen und freundschaftlicher Nähe, die Wright mit extremen Close-ups und kräftigen, fleischfarbenen Bildern einfängt.

Besonders das Finale des Films, das in Berlin (Allgemein hat der Film große deutsche Einflüsse und ist zum Teil auf Deutsch, weshalb ich umso glückerlich bin, ihn mit OT gesehen zu haben) spielt, ebenso wie die Verbildlichung der Mädchenfigur Hannas, als sie im zerfallenen Berliner Spreepark ein finales Duell mit ihrer Wölfin Wiegler, die nicht ohne Grund aus dem Maul einer riesiger Wolffigur aus der Dunkelheit tritt, bleibt in Erinnerung. Alles in allem ist “Hanna” ein verdammt guter, frischer, origineller Film, der mit tollen Kampfszenen und einem bombastischen Soundtrack aufwarten kann. Genrefans, aber auch der normale, geneigte Zuschauer werden nicht enttäuscht.

8/10

‘Thor’ Review

07 May, 2011 · Sascha · Film,Review · 0 comments

Originaltitel: Thor, USA 2011
Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Ashley Edward Miller, Zack Stentz, Don Payne
Darsteller: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tom Hiddleston, Anthony Hopkins, Stellan Skarsgård
Produktion: Marvel Studios
Verleih: Paramount Pictures
Länge: 114 Minuten
FSK:12
Start: 28. April

Alas, Thor, es tut mir Leid. Ich muss mich entschuldigen, du bist ein ziemlich guter Film, aber man sieht es Dir nicht direkt an. Bei Thor ist es wie bei einer dieser mittelmäßig ausschauenden Frauen, sie sind nicht hässlich, aber auch nichts zum Angeben, eher so meh. Und genau das entlockte mir jeder Trailer zu Kenneth Branaghs ‘Thor’ jedes Mal , wenn sein unglaublich cheesiger er irgendwo zu sehen war. Der zweite Trailer war ein bisschen besser, aber auch eher ziemlich meh.

Doch dann kamen die Kritiken. Und ja, die waren gut. Richtig gut. Durchschnittlich 95% positive Kritiken bei rotten tomatoes. Und dann sitzt man da im Auto und fährt zum Kino und es wird einem klar: Moment, brems dich, so toll kann er nicht sein. Und dann rollen die Credits und man stellt fest: Doch, kann er.

Nessmons Zusammenfassung von “Thor” belief sich auf “Ach, das is’ so’n germanischer Gott und der is’n bisschen blöd”. Und ehrlich gesagt finde ich auch diese Beschreibung besser als alle anderen, denn je weniger man von der eigentlichen Geschichte oder dem Comic weiß, desto besser ist der Film. Ich, vollkommen unbeleckt von nordischer Mythologie und Marvel Comics, hatte daher großes Vergnügen. Thor ist keine wirkliche Origin-Story, da Thor ja schon bereits Gott/Superheld ist und erst vom hohen Ross stürzen muss um zu nie geahnter Größer heranzuwachsen. Dass Thors Bruder Loki die Finger bei allem im Spiel hat und seine Intentionen nicht die Besten sind, erkennt auch jeder Blinde nach spätestens fünf Minuten.

Dafür ist Loki aber vielleicht die einzig wirklich interessante Figur und dabei auch noch schön ambivalent von Tom Hiddleston gespielt, der auch in “The Avengers” (2012) die Rolle des Loki übernehmen wird, was schon einmal ein gutes Signal ist.

Sobald Thor auf der Erde ist, verkommt der durchaus ernstgenommene Mythenquatsch zu einem Comedyfilm, wobei der Humor hauptsächlich durch Thors Unverständnis und Benehmen entsteht. Ja, das Niveau ist niedrig, aber es spricht an und geht nie wirklich unter die Gürtellinie. Apropos Gürtellinie, die Hosen bleiben bei Portmans Figur und Thor auch an, gut so, denn die Chemie der beiden reicht auch nur für einen kurzen Flirt. Thors spontane Liebe auf Ewigkeit nach 2 Tagen ist eben so lächerlich wie der Destroyer, der gegen Ende eine amerikanische Pappstadt am Arsch der Welt kleinmacht. Dramaturgie kommt nie auf, genausowenig ist der Zuschauer emotional eingebunden, was auch durchaus gewollt sein kann, erkennbar an dem gleich vierköpfigen Comic Relief aka Thors beste Kumpels und so ‘nen Xena-Verschnitt.

Dennoch, Thor ist kein schlechter Film. Er ist sogar ein ziemlich guter Film. Ist das nun, weil man weiß, dass es auch wesentlich schlimmer kommen könnte (I’m looking at you, Captain America and Green Lantern)? Vielleicht. Vielleicht aber auch, da es keinen großartigen Fehler gibt, wohl dank der Regie von Kenneth Branagh. Seine Actionszenen sind gut, die Welt von Asgard erscheint zumindestens optisch in vollem Glanz und auch die Schauspieler können unter ihm mit dem arbeiten, was ihnen zur Verfügungen steht. Vielmehr krankt Thor ähnlich wie Iron Man 2 an seinem Setup-Drehbuch für “The Avengers”. Ja, wenn die Credits rollen denkt man sich: OK, gut, aber mehr? Jede Figur, jeder Storystrang, jede Idee wird nur angefangen und nicht vollendet. Bei allem was sich MARVEL hier auflädt, kann Avengers eigentlich nur in die Hose gehen. Da sprechen die weiteren Pläne auch dafür: Nach dem Klassentreffen 2012 wird jeder Film seinen eigenen zweiten Teil haben, so sind Captain America 2, Thor 2 und Iron-Man 3 bereits in Planung. Bei all der feinen Planung und Cameoverliebtheit, sollte man dennoch darauf achten, dass eine Story nicht zum Cameo wird.

Thor. Gut. More please?  7/10

Originaltitel: Battle: Los Angeles, USA 2011
Regie: Jonathan Liebesman
Drehbuch: Chris Bertolini
Darsteller: Aaron Eckhart, Michelle Rodriguez, Ramón Rodríguez, Bridget Moynahan, Ne-Yo, Michael Peña
Produktion: Legion Entertainment
Verleih: Columbia Pictures
Länge: 116 Minuten
FSK:16
Start: 14. April

“World Invasion: Battle Los Angeles” ist ein dummer Film mit dummen Dialogen, einer dummen Story und einem grandiosen Konzept. Ich kann diese Review nicht wirklich schreiben, ohne zuvor auszudrücken, wie sehr ich diesen Film eigentlich lieben wollte. So sehr ich auch will, es geht nicht. Als großer Sci-Fi-Fan und Freund von richtig fiesen Aliens, die der Menschheit ein Ende setzen wollen, konnte ich nicht umhin dem Film entgegen zu fiebern. Der Trailer ließ nicht nur mich jubeln. Da hatte man was, schrie die Filmblogszene in Euphorie gemeinsam auf. Doch nun liegt alles in Scherben.

Staff Sergeant Nantz ist Mr. I’m-too-old-for-this-shit und hat einige seiner Soldaten in einem Einsatz im Irak verloren. Als plötzlich überall an den Küsten dieser Welt Kometen einschlagen, soll Nantz helfen die Bevölkerung zu evakuieren. Auf dem Fernsehen sieht man wie die Kometen vor dem Einschlag langsamer werden und kurz darauf kommen fiese Aliens, eine Mischung aus Strichmännchen und Insektenkalamaren, an den Strand marschiert. Shit hits the fan.

So bewährt das Konzept von uns überlegenen außerirdischen Invasoren seit H. G. Wells’ “Der Krieg der Welten” ist, so wenig nutzt die gesamte Produktion dieses Potential. Während man nach den ersten guten Minuten in einen kläglichen Versuch der Charakterisierung von Pappfiguren scheitert, kann anfänglich die Invasion der Aliens noch ein wenig überzeugen. Doch dann fällt das Kartenhaus in sich zusammen. Ohne lächerliche Dialoge auf die Freiheit, die USA und “Wir sind ohnehin die Besten auf der Welt” sowie die lächerliche Storyline um fünf Zivilisten (“Denkt bitte noch jemand an die KINDER?!”), könnte der Film funktionieren. Doch die unkoordinierten und anstrengenden Actionszenen sind zu schlecht geschnitten und verlieren schnell ihre Intensität. Besonders in der ersten Begegnung mit den Aliens weiß man nie wo sich wer gerade befindet. Das mag Ziel von Regisseur Liebesman gewesen sein, hat aber hier eine abschreckende Wirkung. Dass die Schauplätze sich in ihren Grautönen kaum unterscheiden lassen und das Drehbuch stets bei Nantz’ Truppe bleibt, hilft dem Film auch nicht. Während das unübersehbare Vorbild, Ridley Scotts “Black Hawk Down”, noch mit abwechselnden Schauplätzen und interessanten Charakteren entzücken konnte, bleibt die Kamera 100% auf Eckharts Truppe. Nicht nur die Figuren fragen sich nach ungefähr einer Stunde wohin das Ganze nur führen soll.

Aaron Eckhart gibt sein Bestes, aber die Rolle gibt nichts her. Fast nahezu alle Dialoge seines Staff Sergeants sind überzeugende Lobeshymnen auf die Kameradschaft oder gebrüllte Befehle; oft erscheint es, als brülle er Regisseur Liebesman durch die Kamera an oder müsse sich durch das Aufsagen weiser Worte selbst vom Film überzeugen. Der Rest der Truppe ist absolutes Typecasting und die Pappmascheesoldaten bräuchten eigentlich keiner einführlichen Namensnennung inklusive Einblendung gegen Anfang des Films, da sie bereits nach kurzer Zeit ins Gras beißen. Noch schlechter steht es um die Aliens, die ein großes Mysterium bis zum Ende des Films bleiben. Im Endeffekt aber egal, die Soldaten und das Drehbuch sind so uninteressant, dass es einem egal ist, wer stirbt, wer nicht und wer am Ende gewinnt. Wenn schon die Motive, die Technologie und selbst teilweise das Aussehen der Aliens so mysteriös bleiben, sollte man doch immerhin für Investionspotential auf Seiten der Soldaten zu sorgen.

Am Ende bleibt aber jegliches Potential unbenutzt am Boden liegen. Am nervigsten war dabei noch das Ende, das direkt von Independence Day geklaut zu sein scheint. Auch der Erfolg der immer kleiner werdenden Gruppe steht im Gegensätz zu ihrem Erfolg; da hilft auch keine Alienanatomieszene, die mehr an Sülze beim Metzger erinnert, als an gutes Creature-Design. Der schlimmste Schlag ins Gesicht des Zuschauers ist jedoch der Start eines Alienschiffes aus der Erde heraus, ganz ähnlich wie in Spielbergs “War of the Worlds”. Wer hat es dahin gemacht? Wieso? Weshalb? Und so weiter. Dieses Muster setzt sich bis zum Ende fort. Wieso gerade Santa Monica so interessant für unsere außerirdischen Invasoren ist, erfahren wir nicht. Unser Wasser sollen sie für ihre Schiffe benutzen, informiert uns eine Stimme über den Fernseher. Das ist alles zur Motivlage der Ameisenkalamare. Darauf folgen 80 Minuten unkoordiniertes Rumgeballere auf, zum Teil wirklich schlechte, CGI-Aliens.

Fazit: Habe ich nun zu viel erwartet? Nein, nicht wirklich.

Ich hatte mir einige Kritiken, besonders die vernichtende von Roger Ebert, durchgelesen und ging mit sehr niedrigen Erwartungen ins Kino. Alles was ich sehe wollte, war eine gut gemachte Alien Invasion und eine halbwegs vernünftige Story. Doch hier funktionierte hinten und vorne nichts. Nicht einmal die Action konnte überzeugen. Schade.

Battle: LA. Ein riesiges Spektakel um nichts. 5/10

Resident Evil: Afterlife ist der größte Scheißdreck, den ich in meinem Leben auf einer Kinoleinwand gesehen habe. Selbst Filme unterster Kanone wie Transformers 2 oder Saw 2-(bald)7 wirken dagegen wie oscarreifes Material. Aber alles der Reihe nach.

Ich bin kein Fan der Spielereihe Resident Evil. Meine Erfahrungen mit Resident Evil beschränken sich auf das Zuschauen des Zockens des 5. Teiles gegen 6 Uhr morgens auf dem kläglichen Ende einer Party und auf das Intro des ersten Teils, als mein 12-jähriger Cousin meinte “Jetzt kannst du unberuhigt gucken”, ich die Finger vor meinem Gesicht spreitzte und eine Leiche mit heraushängendem Auge sah und schreiend davon lief. Mit den Filmen jedoch kenne ich mich ein wenig besser aus. Unter meinen riesigen Erfahrungen als Zombiefan sind die Filme neben Literatur, Comics und anderen Filmen mit Zombies mein absolutes Guilty Pleasure. Resident Evil 1 war leichte Kost, teilweise recht cool und es hatte Milla Jovovich und Michelle Rodriguez. ‘Nuff said. Auch der zweite Teil war nett, da er die Story nicht mehr auf einen Gebäudekomplex limitierte, sondern die Stadt als Spielplatz hatte. Viele tolle Konzepte wurden ausprobiert, doch schon längst hatte man hier verschiedene Sachen vermischt. Ich habe der Macht sei Dank ein paar wirklich erfahrene RE Zocker als Freunde, sodass man mir eigentlich mal erklärte wie weit noch übrig geblieben ist bei den Filmen von der ursprünglichen Story der Spiele. Und das ist so gut wie absolut nichts. Das mag vor allen daran liegen, dass der Hauptcharakter der Filme, Alice, gar nicht in den Filmen vorkommt und der Fokus auf sie immer größer wird; so springen am Anfang des Films 50 Alices in Tokyo rum. Das liegt wohl vor allem daran, dass die gute Milla (nicht die Volleyballspielerin) mit dem Regisseur, Paul W.S. Anderson (nicht P.T. Anderson) verheiratet ist und dieser Mann absolut nichts schreiben kann.

Resident Evil: Afterlife besitzt in keinster Hinsicht eine Story, geschweigedenn Charakterentwicklung, in den ersten 15 Minuten fallen 2 Dialoge und gefühlte drölftausend Patronenhülsen und in den kommenden 97 Minuten umso mehr One-Liner. Dass man das Fünkchen Stoff überhaupt auf 97 Minuten strecken kann liegt wohl daran, dass Anderson auch nur jede vermeintlich coole Einstellung in Ultrazeitlupe zeigt, egal ob Regen, das Zuwerfen einer Waffe oder dem Pan-Up eines Close-ups EINER STRUMPFHOSE, sodass am Ende wahrscheinlich ein Viertel in Zeitlupe gezeigt wurde (Ich bin mir sehr sicher, dass ich nicht übertreibe). Allgemein könnte man sagen, dass angefangen von den Sets bis über die Kostümen und den Kämpfen hier eine Matrixversion auf billigster Art in 3D gezeigt wird. Achja, 3D. Gefilmt wurde das ganze ja, so wurde es ja pompös im Trailer propagiert, mit dem von James Cameron entwickelten 3D-Kamera-Set. Dennoch schaut das 3D billig aus, die Personen schießen wie in Pop-up-Bücher beim Augenarzt aus den Frames und allgemein ist 3D Gimmick, indem Sachen auf die Zuschauer geworden werden – man braucht also nicht nur das Set, sondern auch einen guten Regisseur, was Anderson bei weitem nicht ist, geschweigedenn ein passabler Autor.

Das traurigste am ganzen Film ist jedoch, dass er sich von der ganzen Quadrilogie noch am meisten auf die Spiele bezieht und dadurch noch kläglicher failt als alles vorher dagewesene. Hätte man die Trilogie weiter fortgesetzt mit verteilten Verweisen auf die Spiele, jedoch die Story weiterfolgt, wäre das gar nicht so schlecht gewesen. Nein, stattdessen führt man diese Geschichte weiter auf die lächerlichste Art und Weise. Es fühlt sich zeitweise so an als ob sich Anderson und Co. einfach in einem Raum gesessen haben, jeder mal sagen durfte was er so toll findet und was er gerne im nächsten Film sehen wü rde UND GENAU DAS WURDE UNREFLEKTIERT UMGESETZT – 1 zu 1!

Nennt mich einen Nerd, aber ich nehme Zombies sehr ernst. Das Konzept selbst erfordert ja einiges an Gehirn-an-der-Kasse-abgeben, aber dann will ich wenigstens innerhalb dieses Universums ein wenig Realismus. Und selbst wenn das über Bord geworfen wurde, kann man dann wenigstens ZEIGEN wie man ein leerstehendes, aufgetanktes, 4-Jahre-altes, apokalypsenüberlebendes und rostfreies Boot in Los Angeles findet anstatt einfach zu dem Boot auf dem Meer zu schneiden? Ohnehin wird der Film mehr wie eine äußerst schlechte und zu lange Kinowerbung und zur Dekoration gibt es Zombies, denn RE ist nur noch im entferntesten ein Zombiefilm. Im gesamten Film sterben 3 Menschen durch Zombies, während nur 2 im üblichen Sinn gefressen werden – und nicht einmal das zeigen sie. Und selbst das Konzept der Zombies wurde für das der im 5. Spieletitel gezeigten Konzept ausgetauscht. “Zombies” sind nun schlaue von Parasiten besessene – tolle Entwicklung. Jetzt gibt es auch 4 Meter große 5 Meter lange hammerschwingende Parasitenmänner statt Zombies. Ich würde Bullshit aus meinen Lungen brüllen, wenn da nicht noch das Ende wäre, das in keiner Hinsicht in seiner Unverschämtheit jemals übertroffen werden könnte. Ich möchte zwar nichts spoilern, aber von “Ende” kann nicht gesprochen werden, da es ohnehin keinen Storyarc gibt, aber auch überhaupt keine abgeschlossene Handlung, sondern der Film mitten im Finale einen Cut-To-Black macht und danach während der Credits einen wiederkehreren Charakter zeigt, “reimagined” nach dem 5. Spieltitel und mit neuer Schauspielerin.

Bei all den vielen Reboots, Remakes und Reimagenings, kann das nicht auch mal dieser Reihe passieren? Oh, leider nicht. Der Film lief äußerst erfolgreich in den USA an und auch bei mri war das Kino proppevoll, wobei selbst die hardcoresten Fans über dieses Stück Scheiße lachen mussten. Aber Herr Anderson hat eine noch tollere Idee für den bereits angekündigten 5. Teil: Dieses mal dürften sich die Fans wünschen, was sie gerne im nächsten Teil sehen wollen und damit erwartet und ein noch schlimmerer Flickenteppich als in Teil 4.

Wenn das Verfilmen einer Geschichte zu “Wünsch Dir Was” wird, dann gute Nacht.

1/10