Fernsehen - PewPewPew

Ich liebe Borat. Sasha Baron Cohens Reise durch die Post-9/11-USA stellt für mich seit mehr als einem Dutzend Jahre eine nahezu perfekte Komödie dar. Ich habe Borat etliche Male gesehen, für den Film in jedem Freundeskreis quasi missioniert und ich erinnere mich noch sehr genau an die schönen Schmerzen in der Wangenmuskulatur, als ich aus dem Saal ging. Ich habe nie wieder im Kino so gut und viel gelacht.

Der Kinohit bedeutete aber natürlich auch, dass die Figur gestorben war oder Cohen sie zumindest für einige Zeit auf Eis legen musste. Es überrascht mich ein wenig, dass Cohen erst jetzt als Borat mit einiger Verspätung durch Trumplandia zieht, aber jede neue Minute an neuem Material erfreut.

Daher finde ich diesen zahmen Clip auch per se nicht enttäuschend, er stellt eher eine verpasste Chance da. Aus einer kreativen Sicht lässt sich jedoch nachvollziehen, dass die neuen Figuren aus Cohens Who is America?! – für mich die beste Comedy-Serie seit Jahren – ihn mehr reizen und auch wesentlich besser funktionieren.

Ich kann es kaum fassen und meine Freude kaum mit Worten ausdrücken: Disney plant eine zweite Live-Action Fernsehserie für ihren neuen Streamingdienst Disney+ über Cassian Andor und die Rebellion. Die Serie wird von Cassians Zeit als Spion und seinen zwielichtigen Aktionen erzählen, wegen denen er in Rogue One unter großen Schuldgefühlen leidet.

Diego Luna bleibt auch nach Rogue One und der VR-Experience Secrets of the Empire der Rolle treu. Möglicherweise kehren auch Jimmy Smits als Bail Organa und Genevieve O’Reilly als Mon Mothma zurück. Auch Ian McElhinney (Jan Dodonna) hätte bestimmt wieder Interesse am Star Wars Universum und Ahsoka Tano sowie der Rest der Crew der Ghost aus Star Wars: Rebels könnten ihre ersten Live-Action Cameos bekommen. Die Möglichkeiten hier sind ziemlich unbegrenzt und nachdem Solo: A Star Wars Story erneut die dunkle Unterwelt des Imperiums beleuchtet hat, kann eine Serie mit mehr Zeit und Raum sicherlich nur noch besser werden. Die moralischen Manöver auf dem Weg zur Freiheit und die zu erbringenden Opfer eignen sich auf jeden Fall für ein spannendes Drama.

All das ist aber bisher nur Spekulation. Noch steht außer der Serie und Lunas Rückkehr nichts fest. Gedreht wird auch erst nächstes Jahr. Trotzdem freue ich mich unglaublich über diese Ankündigung. Rogue One ist für mich nach ROTJ mein Lieblingsfilm geworden und ich habe in der Vergangenheit des Öfteren einen Mangel an Kram über Cassian (Ich liebe die Figur und habe einen meiner Kater nach ihr benannt) im Expanded Universe beklagt. Jetzt wissen wir, warum nichts kam. Geil!

Hier ein paar Trailer der New York Comic Con. Wie immer nur das, was ich auch gucken werde:

The Boys

Als großer Fan des Comics versuche ich mich nicht über das völlig unverständliche Casting von Karl Urban als Billy Butcher aufzuregen (hätte es da wirklich niemand anderen gegeben?), sondern ich freue mich, dass Garth Ennis’ edgy Superhelden bei Amazon ein passendes Zuhause gefunden haben. Unter der Leitung von Seth Rogen und Evan Goldberg, die auch schon Preacher angemessen umgesetzt haben, dürften der Gewalt also keine Schranken vorgesetzt sein. Außerdem kommt die Serie jetzt zu einem Zeitpunkt, wo auch Normies dank dem MCU inzwischen so im Superheldenkosmos immersiert sind, dass die subversiven Ansätze des Comics fruchten können.

Aquaman

Überraschenderweise steige meine Vorfreude auf diesen Film. Erfahrungen mit Aquaman sind bei mir aber an einer Hand abzuzählen und ich bin kein leidenschaftlicher Fan. Dafür erfreut es mich, dass James Wan Spielbergs Tim und Struppi ebenso sehr mag wie ich. Insgesamt wird das Ganze am Ende auch bitte tatsächlich so spaßig und selbstironisch wie im Marketing angeteasert. Die CGI-Megaschlacht mit Haien und Riesenkrabben wird den Film nämlich nicht retten. (weiterlesen…)


AMC

Finale, oh-oh! Endlich hat dieser Schrecken namens 4. Staffel Fear the Walking Dead ein Ende. Auch in der 16. Folge macht die Serie so ziemlich alles falsch. Nächstes Jahr kann es nur besser werden.

Ich hatte recht. Leider. Mir ist es nicht wichtig, meine eigenen hellseherischen Fähigkeiten Fans der Serie in die Gesichter zu reiben, denn eigentlich will ich diese Serie wie im letzten Jahr lieben. Aber rückblickend finde ich es erschreckend, wie genau ich bereits in meinem Recap des Finales der 3. Staffel diesen Reboot der Serie kommen sah. Ich hätte nur nicht gedacht, dass es so schlimm wird. Doch die 16. Folge der 4. Staffel Fear the Walking Dead namens …I Lose Myself bestätigt erneut: Diese Season war eine einzige Katastrophe.

Fear the Walking Dead ruinierte die bisherige Serie

Eine schlechte Handlung mit vielen Logiklöchern, bedeutungslose neue Figuren, die alte Figuren an den Rand drängen oder gleich ganz aus der Serie geschrieben werden und eine Figur, für die glatt die ganze Serie umgestaltet wird. Die Liste ist lang und eigentlich noch viel länger, aber ich muss es hier kurz machen. Die 4. Staffel Fear The Walking Dead hat überhaupt nicht funktioniert.

Auch das Ende der neuen Staffel Fear the Walking Dead hat nicht gerechtfertigt, wieso ausgerechnet Morgan (Lennie James) für das Crossover ausgewählt wurde, denn Abrahams Gruppe, die schließlich aus Texas kam, hätte sich prima angeboten. Stattdessen reiste der Killer-Mönch mit dem sechsten Sinn nach Texas, um dort Jahre später auf Madisons Gruppe zu treffen. Mitreißende und verführerische Figuren der 3. Staffel wie Daniel Salazar, Proctor John und Qaletaqa Walker werden gleich ganz aus der Serie rausgeschrieben, ohne jemals wieder erwähnt zu werden. Der Cliffhanger der letzten Staffel, bei dem alle genannten Figuren zentrale Rollen einnahmen, wird nie wirklich aufgelöst und stiefmütterlich in einer Nebenszene abgehandelt. Strand, Alicia und Luciana nehmen bis auf kurze Ausnahmen nur noch Nebenrollen ein, während Madison und Nick in der 1. Hälfte nach einer viel zu langen Nacherzählung der Ereignisse aus der Serie geworfen werden. Nach dem radikalen Kahlschlag macht Fear the Walking Dead erstmal … nichts. Wie immer gibt es ein Event, das alle Figuren in alle Winde zerstreut, sodass sie sich bis zum Finale wiederfinden müssen. Kleine Highlights existieren, doch nie waren die Tiefpunkte so extrem und reichlich.

Der Umbruch hinter den Kulissen ist vielfältig zu spüren. Vor allem der Look der Serie hat immens gelitten. Waren zuvor auch farbige Bilder erlaubt, die der Serie Leben einhauchten und die titelgebenden Toten somit Anlass zum Fürchten gaben, gleicht die Serie in der neuen Staffel dem Grau-in-Grau der Mutterserie. Wiedererkennbare Handlungsorte mit Charakter oder Charme sucht man vergeblich. Bisher kaum erwähnt, aber umso wichtiger: Mit Showrunner Dave Erickson verließ auch Komponist Paul Haslinger die Serie, dessen pochende Beats der Serie ein Herz und eine Stimme in stillen Momenten gaben. Von denen gab es zwar immer noch genug, zu viele sogar. Die ganze 4. Staffel war zäh wie Kaugummi und konnte selbst in den dramatischen Momenten nie mitreißen. Stets war absehbar, was passiert und wer überlebt.

Fear the Walking Dead ruiniert den Reboot

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AMC

Auch in der 15. Folge der 4. Staffel von Fear The Walking Dead können die Autoren der Serie kein neues Leben einhauchen. Kurz vor dem Finale wirken die Handlungen vorhersehbar und die Figuren schal. Zeit, dass bald Schluss ist.

Der spannendste Moment im (Fear) The Walking Dead-Universum ist schon fast ein Jahrzehnt alt. Er stammt aus dem Comic. Achtung, Spoiler: Dort tötet ein kleiner Junge seinen Zwillingsbruder, da die Sozialisation des Kindes aus dem Ruder lief und die alltäglich gewordene Gewalt plötzlich Teil des Spielzimmers wurde. Wie ist mit einem solchen Kind umzugehen, das nun für den Rest der Gruppe zur Gefahr werden könnte? Weder Rick noch seine Freunde trauten sich anzusprechen, was jeder dachte. Auch das Kind zurückzulassen käme am Ende dem scheinbar unvermeidlichen Schicksal gleich. Autor Robert Kirkman hatte ein verlockendes Dilemma erschaffen. Spoiler Ende.

Darf man einen Menschen töten, um andere zu beschützen? (weiterlesen…)

AMC

In der 14. Folge der 4. Staffel von Fear The Walking Dead gibt es ein wenig Action, einen Zombiekill, eine Hintergrundgeschichte für die neue Gegenspielerin und sonst nicht wirklich viel. Die Fahrt nach Alexandria ist zäh wie Kaugummi und daran wird sich wohl bis zum Staffelfinale nichts ändern.

Eigentlich beginnt diese Folge ganz positiv. Die 14. Folge der 4. Staffel Fear the Walking Dead heißt MM 54, benannt nach den wichtigen Mile Markern, an denen die Trucker ihre Hilfsladungen hinterlassen, um deren Hilfsbereitschaft sich diese zweite Staffelhälfte dreht. Die Episode beginnt an diesem Mile Marker mit einem Flashback und zeigt uns Martha (Tonya Pinkins), später als die „Filthy Woman“ bekannt, inmitten der beginnenden Apokalypse. Auf der Flucht aus der Stadt passiert ein Unfall und ihr Ehemann wird tödlich verletzt. Da ein Stück Leitplanke in der Seite des guten Mannes steckt, gibt es für ihn eigentlich keine Rettung mehr.

Dennoch versucht Martha, die vorbeifahrenden Autos um Hilfe zu bitten. Aber niemand hält an. Ihre Verzweiflung wächst und es entsteht ein tatsächlich tragischer Moment, der bewegt. Eine Seltenheit in der Serie, die natürlich nicht von langer Dauer ist. Nachdem sie den ersten Zombie umlegt und ihren Mann unter die Erde bringt, ist Marthas Entstehungsgeschichte bereits abgeschlossen. So kurz sie auch war, immerhin erhält die Gegenspielerin für den Rest der Staffel eine längere Erklärung als der Zeitsprung zwischen Staffel 3 und 4. (weiterlesen…)

Talentierter Bursche. Leider ist nichts aus ihm geworden. :(

Pünktlich zum 17. Jahrestag der Terroranschläge von New York, Washington D.C. und Shanksville am 11. September 2001 erschien vor ein paar Tagen dieses Footage von CBS-Kameramann Mark LaGanga, dessen Aufnahmen u.a. auch in bekannten Dokumentationen wie 102 Minutes That Changed America gefeaturet wurde. Mich hat der 11. September stark geprägt, vielleicht auch traumatisiert. Ich saß stundenlang alleine vor dem Fernseher und blieb noch spät bis in die Nacht auf; ich wollte einfach alles wissen. Diese Wissbegierigkeit, die Twitter entstehen ließ.

LaGangas Material ist mir bekannt, doch die Verbesserung von Audio und Video lassen die bekannten Bilder noch einmal neu wirken; und die Wut kocht wieder in mir hervor. Wenn er inmitten des Staubs umherwandert, kurz nach dem Einsturz des Südtowers, die Menschen seelenlos umherirren und die Sonne nur als vage, orange Lichtquelle erscheint, während der Boden und die Pflanzen mit Staub und Papierfetzen bedeckt sind, dann denke ich mir: Das ist die Hölle, so muss es aussehen. 17 Jahre und die Bilder haben nichts an ihrer Kraft verloren. Der Tag, der Amerika und die Welt veränderte. Der Tag, der die Neunziger enden ließ und den Forever War startete. Viel Kritik wäre angebracht, aktuell vor allem durch die Opa-isierung des ach so schrulligen Dubyas im Vergleich mit dem Monster Trump. Dieses Material lässt mich aber immer wieder nur an den Tag zurückkehren. Als wären wir hier alle immer noch psychisch gefangen, was an den Reaktionen zu heutigen Anschlägen oft noch sichtbar wird. Wahrscheinlich ist es so. Hier stehen aber für mich die Menschen im Vordergrund. Alles, was folgen sollte, wirkt wie ausgeblendet. Stattdessen glänzen unschuldige Menschen, die ihre Angst überwinden und helfen. Das bringt mich jedes Mal zum Weinen.

#NeverForget