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RIP Peter Fonda

19 Aug, 2019 · Sascha · Film · 0 comments

Der große Peter Fonda ist gestorben. Im Wörterbuch neben “mühelos cool” ist ein Bild von ihm. Als Easy Rider verkörperte er eine ganze Generation, aber auch seine späteren, ruhigen Rollen bleiben mir in Erinnerung. Ich kenne keinen zweiten Schauspieler, der diese innere Ruhe und den Glauben an die eigenen Überzeugungen besser verkörpert. Jemand, der niemandem etwas beweisen muss und elegant durch die Welt schreitet, Eindrücke aufnimmt und sich nicht mitteilen muss, aber etwas zu sagen hat, wenn man ihn fragt. RIP

Der Mandela-Effekt beschreibt ein soziologisches Phänomen, bei dem Kollektive falsche Erinnerungen aufweisen. So war beim namensgebenden Beispiel eine Vielzahl von Menschen im Jahr 2013 überrascht vom Tod Nelson Mandelas überrascht worden, schließlich sei er bereits im Jahr 1980 in seinem südafrikanischen Gefängnis gestorben. Durch das Internet angetrieben und verbreitet entwickeln sich in den letzten Jahren immer mehr solcher Mandela-Effekte, was ziemlich interessante Fragen zu unserem Verständnis des Netz und unseren Erinnerungen aufwirft.

Persönliche Erfahrungen mit dem Mandela-Effekt durfte ich vor fast zwei Jahrzehnten machen, als ich völlig davon überzeugt war, einen Kinotrailer mit Spider-Man und den Twin Towers gesehen zu haben. Durch die begrenzte Informationsverbreitung im Netz oder vielleicht auch durch jugendliche Ignoranz war das schwer direkt zu beweisen. Ich sollte Recht aber behalten. Es gab einen solchen Teaser Trailer, der in den Kinos lief, nach dem 11. September jedoch aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr gespielt wurde. (The Wrap hat eine ziemlich coole Liste an Filme und Serien, die die Twin Towers als PTSD-Schutz aus ihren Bildern entfernten.) Trotzdem wollten mir viele meiner Freunde nicht glauben, was mich irgendwann selbst an den eigenen Erinnerungen zweifeln ließ. Eine doofe Erfahrung, die erst einige Jahre durch das YouTube-Streaming gelöst werden konnte.

Seit Jahren existierte der “Twin Tower Teaser” auf YouTube als interessantes Artefakt für den Umgang mit 9/11 in Hollywood. Nun macht das Ding wieder eine Runde durchs Netz, da die alte 35mm Filmkopie neu gescannt und in eine 4K-Variante für die Nachwelt verwandelt wurde. Tolle Aktion!

In which Lucasfilm asks the important question: Whawt if evewyone was BB-8?

Ja, es ist kein Geheimnis mehr. Lucasfilm verliert unter Disneys Führung die nächste Generation an jungen Fans. Aus den unterschiedlichsten Gründen scheinen die Kids sich nicht mehr für Star Wars zu interessieren. Galaxy’s Edge ist leer, die Filme beginnen zu floppen, die Trailer brechen keine Rekorde mehr und selbst die Spielzeuge versauern in den Regalen. Was bis vor wenigen Jahren noch als Verschwörungstheorie im Fandom abgetan wurde, steht inzwischen Schwarz auf Weiß in Bloomberg.

Bereits zu Beginn des Jahres setzte ich mich mit dem verrückten Push auseinander, ikonische Momente in schicken Animationen auf YouTube als Teaser für die Filme neu zu verpacken. Lucasfilm nennt das Galaxy of Adventures, ich nenne es ein grundsätzliches Missverständnis für die Magie des Franchises. Es steht so ziemlich alles im Mittelpunkt außer die Filme selbst. Diese wirken zu lassen, darauf reagiert die Führung unter Kathleen Kennedy allergisch.

Es sind noch knapp vier Monate bis zum Kinostart von The Rise of Skywalker. Vor vierzehn Jahre zur gleichen Zeit hatte ich bereits das Revenge of the Sith-Poster an meiner Tür kleben, etliche Trailer-Clips und Werbespots auf meiner Festplatte abgespeichert und die ersten Spielzeuge aus meinem Comic-Shop gekauft. Derweil haben wir einen roten Comic-Con-exklusiven Stormtrooper (in rot!) bekommen. Lucasfilm scheitert daran, das absolute Minimum an Fanfürsorge zu liefern und veröffentlicht gleichzeitig eine Masse an bedeutungslosem Content. Stattdessen wird alles auf der Celebration sorgfältig präsentiert, seelenlos zur Schau gestellt und dem Fandom zum Fraß vorgeworfen.

Gleiches gilt auch für Galaxy of Adventures: Die Videos werden bisher ausschließlich auf dem Star Wars Kids YouTube-Kanal veröffentlicht und auch wenn die Animation entzückt, ist es doch fraglich, ob die Ressourcen an der richtigen Stelle verteilt sind, wenn Star Wars: Resistance das fehlende Budget bisweilen stark anzusehen ist. Weiterhin gibt es Videoreihen wie “Star Wars by the Numbers”, in denen zum Beispiel alle Droiden oder Raumschiffe einer Fraktion aufgezählt werden. Sachen, die es eben seit mehr als zehn Jahren auf YouTube gibt – nur eben jetzt offiziell und schlechter bzw. langweiliger geschnitten.

Die nächste Reihe ist ein weiteres Animationsprojekt namens Star Wars: Roll Out, in dem alle Figuren den Körper von BB-8 bekommen. Eine kreative Bankrotterklärung? Nicht unbedingt, eher richtet sich die Serie offenbar an das jüngstmögliche Publikum, um die Kinder so frühzeitig an das Franchise zu binden. Genau das ist das Ziel laut Lucasfilm-Produzent Josh Rimes: “Over the years, I’ve had so many of my friends who are parents tell me how much they wanted to introduce their kids to Star Wars but didn’t feel that their kids were quite ready for the movies yet. They wanted a way to celebrate the universe they love.”

Roll Out tut natürlich niemandem weh. Die Existenz dieser hässlichen Idee sagt mehr über die Verzweiflung und Selbstwahrnehmung des Konzerns aus als ein öffentlicher Kommentar dies könnte. Trotzdem bleibt diese gesamte Kampagne verwirrend. Scheinbar will man auf der einen Seite die jungen Fans haben und steckt Geld in diesen Kanal, andererseits ist es schwer mitanzusehen, wie lieblos diese Projekte gestaltet sind. Die Serie wirkt als sei sie von einer Person an einem Nachmittag kreiert worden, die erste Episode kommt ohne Witz, Charme oder Plot daher.

Lucasfilm produziert gerade unglaublich viel Content. Nichts davon ist abgrundtief schlecht, aber diese unkreativen Ansätze, die nie neue Wege einschlagen und die Galaxie vergrößern, beweisen wie ideen- und orientierungslos die Führung wirklich ist.

Beispielhaft war das Interview mit Autor Timothy Zahn, der in der letzten Episode der Star Wars ungewollt die Grenzen der Kreativität in einer weit, weit entfernten Galaxie offenbarte. Der Mann, der Admiral Thrawn erschuf, darf drei Bücher über den Aufstieg des Admirals im Imperium schreiben, die sich alle eng an existierende Geschichten schmiegen, aber nicht die Zukunft seiner eigenen Figur bestimmen, was der Mann, der einmal Star Wars ganz alleine wieder mit Leben einhauchte, auch leicht gekränkt zugibt.

Wenn jede mediale Veröffentlichung Teil des gleichen Kanons sein soll, dann kann eine jede Veröffentlichung in den weniger relevanten Büchern und Comics eben auch nur ein zaghafter Vorstoß sein, um Lücken zu füllen, die Filme und Serien hinterließen. Bis sich Dave Filoni also entscheidet, was mit Ezra und Thrawn nach dem Finale in Rebels passierte, liegt die Figur auf Eis und die restlichen Kreativen müssen herumwurschteln, während sich Star Wars im Kreis dreht.

Trailer zum 1. Weltkriegsdrama 1917

06 Aug, 2019 · Sascha · Film · 0 comments

Roger Deakins und Sam Mendes stecken nach Skyfall endlich wieder ihre Köpfe zusammen und verfilmten gemeinsam die Geschichte eines britischen Soldaten im ersten Weltkrieg, der verzweifelt mehrere Schlachtfelder und Fronten durchbrechen muss, um ein Bataillon vor dem sicheren Tod zu retten – dem auch sein Bruder angehört. Sieht im Trailer schon nach einer packenden Mischung Saving Private Ryan versus Dunkirk aus, besonders die tickenden Uhren müssen Mendes bei Nolan gefallen haben. Der Longtake des Soldaten, der quer zum Vorstoß der Armee läuft, gehört schon jetzt zu meinen Lieblingsshots des Jahres. Ich mag diese pure Verzweiflung, er hat nicht mal mehr eine Waffe bei sich. Good filmmaking!

Bisher an mir leider völlig vorbeigegangen: Die Criterion Collection besucht seit rund einem Jahr ihre Illustratoren und macht kleine Videoportraits. Die youtube’schen Algoritmus-Götter meinten es gerade gut mit mir, als sie mir Sam Smith in die Videovorschläge packten. Sam Smith? Der sagt mir was.

Und tatsächlich ist es der gleiche Sam Smith, dem ich im ungefähr monatlichen Rhythmus im The Poster Boys Podcast zuhöre, wie er mit dem Kollegen Brandon Schaefer über Posterkunst philosophiert und den Designprozess diskutiert. (Auch gleichzeitig der einzige Podcast zum Thema.)

Sam Smith designte das inzwischen durch legendär gewordene Criterion Cover zu Hausu (in diesem Blogpost erzählt Smith seinen Prozess), das von diversen Filmnerd-Shirts nicht mehr wegzudenken ist. Criterion besuchte ihn Zuhause in seinem Studio, wo er über seinen Werdegang, Inspirationen und die Beziehung des Covers zum Film spricht.

Smith ist aber nicht der einzige Künstler, der interviewt worden ist. Zu ihm gesellen sich Größen wie Greg Ruth, Gregory Manchess oder Fashion-Gott Richard Haines, die alle irgendwie eine gemeinsame Geschichte über Beharrlichkeit und Liebe zur Arbeit erzählen. Wirklich super schick produziert, überraschend sensibel und zärtlich.

Hier die bisher produzierten Videos: (weiterlesen…)

Robert Eggers hat mit The VVitch (den ich sehr liebte) alles bewiesen und sein nächster Film, The Lighthouse, ist ein absoluter Powermove: Ein beklemmender Normalbild-Thriller in Schwarz-Weiß über zwei isolierte und langsam paranoid werdende Leuchtturmwärter mit Willem Defoe, Robert Pattinson und Lovecraft’schen Bezügen. Wow.

A24 bringt den im Oktober in die Kinos, in Deutschland gibt es sträflicherweise noch keinen Starttermin. Der Film feierte in Cannes Premiere und hat aktuell ein postives RT-Rating von 98% – nicht, dass das eine große Rolle spielt, aber 98% sind eben auch eine Ansage.

Dazu wartet The Lighthouse mit diesem wunderschönen Poster auf, das mich sofort an die Arbeiten von Nicolas Delort erinnert. Leider kann das Werk nicht ohne etwas Kontroverse auskommen, denn das Poster ähnelt sehr stark dem Entwurf von Jay Bennett, einem Künstler aus der alternativen Posterszene.

Klar, Ideendiebstahl ist in der kreativen Welt immer so ein Thema und bei den limitierten Motiven des Films ist die Wahrscheinlichkeit einer Überschneidung recht hoch, aber hier ist die Ähnlichkeit doch sehr verblüffend. Nichtsdestotrotz eine großartige Arbeit, die man ruhig mal an der Wand aufhängen kann und perfekt die Stimmung des Films verkauft.

Natürlich sah ich Mister Rogers als Deutscher erst im Erwachsenenalter durch YouTube, doch ich habe viel aufgeholt in den letzten Jahren und wurde ein großer Fan des netten Nachbars aus dem Fernsehen. Morgan Nevilles Mr. Rogers Dokumentarfilm Won’t You Be My Neighbor aus dem letzten Jahr war herzzerbrechend, weil er Fred Rogers nicht nur als Mensch darstellte und entmystifizierte, sondern auch weil der Film die interessante Frage stellte, ob Mister Rogers gescheitert ist.

Wenn schließlich späte ganze Generationen, Babyboomer bis early Millenials, mit den Lehren der Show aufgewachsen sind, wie kann Donald Trump dann Präsident sein? Ein neuer Film mit Tom Hanks über das Leben und Werk von Mister Rogers könnte dies stärker erörtern, aber vielleicht bleibt das alles nur auf der Metaebene hängen und Hanks kriegt nur den Oscar, weil er lieb ist und sich das am Ende gut anfühlt.

Mich lässt der Trailer nämlich bisher kalt. Das liegt ein bisschen an Hanks, aber umso mehr an der erwartbaren wie öden Struktur: Ein Journalist und junger Familienvater gespielt von Matthew Rhys trifft auf Fred Rogers, um ein Profil über ihn zu schreiben. Eine klassische Geschichte, die wenig überraschen wird: Am Ende helfen Mister Rogers klugen Sprüche dem Journalisten beim Lösen der eigenen Probleme und die Beiden gehen wieder getrennte Wege, wobei Mister Rogers’ Status gehoben statt entmystifiziert wird.

Eine meiner liebsten Stellen in Nevilles Dokumentarfilm war das Ende, wo Fred Rogers in den Dünen seiner Heimat auf Nantucket gedankenverloren in die Ferne starrt und sich den Böhen entgegenstellt. Eine tolle Metapher für den Umgang mit den eigenen Dämonen und Fragen, die den Pastor plagten. Auch seine Frau weist daraufhin: Trotz seines Images und der Serie war er ein tief zerrissener und auch ängstlicher Mann, der nicht immer dafür stehen konnte, was andere in ihm sahen. Nun mag A Beautiful Day in the Neighborhood das Thema womöglich anschneiden, aber das Format eignet sich meiner Meinung nach nicht wirklich dazu, weil Mister Rogers nur das Objekt, nicht das Subjekt des Films wird.

Hanks fehlt dazu die fragile und verletzliche Statur von Rogers, seine Fisur ist anders und besonders im Oberkörper und Gesicht ist Hanks etwas zu breit, um Rogers tatsächlich zu ähneln. Andererseits existiert auch kein zweiter Schauspieler mit der notwendigen Gravitas und Geschichte, um die Rolle zu übernehmen. Hanks macht keine direkte Imitation, stattdessen gleicht er sich Rogers Ton und Sprachmustern etwas an. Überzeugen tut er mich hier nicht. Naja. Alternativ kann man sich auch einfach immer wieder den Trailer zu Won’t You Be My Neighbor anschauen und glücklich sein.

Anchorman 2. Zoolander 2. Dumb & Dumber Too. Super Trooper 2. Verdammt, sogar Ghostbusters 2. Für jedes gute Comedy Sequel wie 22 Jump Street gibt es zehn andere, die nicht die Höhen des Originals erreichen und je größer der Abstand zum ersten Teil, desto wahrscheinlicher ist ein kreativer Totalausfall.

Zombieland war ein Hit. Das war vor 10 Jahren, als eine Zombiekomödie dieser Art im Genre noch erfrischend wirkte. Lange wurde über das Sequel diskutiert und nichts passierte, wahrscheinlich weil eine Story fehlte und die Schauspieler andere Projekte verfolgten. Nach ihrem Oscar kann sich Emma Stone nun wieder zu den anderen Schauspielern gesellen. Harrelson macht sowieso momentan alles, Eisenberg will bestimmt mal wieder in einem Hit mitwirken und Breslin überhaupt wahrgenommen werden.

Dazwischen kam der fürchterliche Serienpilot von Amazon, der bewies, was viele befürchteten: Aus dem Stoff ist nicht wirklich viel zu holen. Der Trailer schmeißt auch mal alles an die Wand und hofft, dass etwas kleben bleibt. Obwohl ich das Original damals sehr mochte und oft schaute, wirkt das hier wie eine lustlose Veranstaltung mit abgehalfterten Schauspielern und lahmen Ideen.