Literatur - PewPewPew

Drüben bei Nerdcore habe ich heute drüber geschrieben, wie ich seit ein paar Monaten meine Comics so sicher verpacke, dass sie den nächsten Atomkrieg überstehen könnten.

Und weil die Einsendung der Comics zur CGC zum Grading und perfekten Eintütung ziemlich teuer und aufwendig ist, kann man zwei relativ neue Artikel verwenden, die der offiziellen CGC-Variante sehr nahe kommen. Die Lösung stellen die steifen Plastikhüllen von Toploader dar, die man z.B. beim X-Comics, meinem Laden des Vertrauens hier gleich um die Ecke (inklusive großem Onlineversand), relativ günstig erstehen kann, denn in vielen Läden in Deutschland habe ich die Teile noch nicht gesehen und der Import ist teuer. Die Hüllen sind super steif und stabil, ein Comic kann aus enormer Höhe fallen und wäre unversehrt. Der ideale, wenn auch teure Schutz für seltene Key Issues.

Nerdcore: How To Bag Your Comics Properly

Zehn Bücher

29 Apr, 2014 · Sascha · Featured,Literatur · 1 comment

Ich halte Blogstöckchen zwar für eine nervige Erfinderung, die bereits 2006 schon einen langen Bart hatte, aber wenn mich der Nerdcore-René um etwas bittet, kann ich natürlich nicht ablehnen. Die Mission: „Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.“

Zum Welttag des Buches, der am 23. April gefeiert wird, bin ich natürlich wieder notorisch zu spät, aber besser spät als nie. Ich habe mich ebenfalls entschieden die Gesamtzahl auf zehn zu erhöhen, weil mehr ist in diesem Kontext ausnahmsweise mal wirklich besser und außerdem würde ich mich bei der Auswahl zu sehr quälen müssen. Here we go:

1. Robopocalypse von Daniel Wilson

Will ich seit Jahren lesen, spätestens nachdem Spielberg sich um die Adaption kümmern sollte. Das ist in den letzten Jahren ein wenig eingeschlafen, trotzdem will ich Robopocalypse demnächst unbedingt verschlingen, da es sich nach World War Z mit Robotern anhört. Weil ich Max Brooks’ Roman sehr liebe, dürfte mir das hier auch gefallen.

Two decades into the future humans are battling for their very survival when a powerful AI computer goes rogue, and all the machines on earth rebel against their human controllers. The machines believe that the planet would be better off without humans, and that robots would be better caretakers of the earth’s ecology. The robot war wages for five brutal years, but in the end humanity triumphs. Twenty minutes afer the war ends, Sergeant Cormac ‘Bright Boy’ Wallace is exterminating robots in the Alaskan wilderness when he finds a machine containing a an information cube – the robots’ black box on the entire war. Inside are thousands of accounts of humans designated ‘heroes’ by the machines; from children to soldiers – those who fought, and those who died. A few individual robots also rejected the super-AI’s homicidal campaign and join with human forces to save their collective freedom. Robopocalypse tells the story of humanity’s battle to survive, with fry cooks and ordinary citizens battling rogue smart cars and independent-minded kitchen appliances, while government scientists take on murderous supercomputers.

Amazon-Partnerlink: Robopocalypse (Robo 1)

2. The Man Who Heard Voices von Michael Bamberger

Ich bin ein riesiger Fan von M. Night Shyamalan, weshalb das für mich eigentlich Pflichtlektüre sein sollte.

Ten years ago, M. Night Shyamalan was on top of the world, touted as “the next Spielberg” by Newsweek and fresh off a string of successes including the Oscar-nominated smash The Sixth Sense, the Bruce Willis superhero origin story Unbreakable, and the alien thriller Signs, which would be Mel Gibson’s last studio hit. But things have changed: The filmmaker who could once open a movie on his moniker alone has a new film coming out today, the sci-fi story After Earth, where his name doesn’t appear in the key marketing materials at all. It’s only the latest setback for Shyamalan, whose career woes have been compounded by giddy press reports chronicling his fall from grace, including a memorable round of media attention in 2010 when audiences supposedly booed his title card in the trailer for the horror film Devil, which Shyamalan produced. Where did it all go wrong?

Amazon-Partnerlink: The Man Who Heard Voices: Or, How M. Night Shyamalan Risked His Career on a Fairy Tale by Bamberger, Michael published by Gotham Books (2006)

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Mondo x Marvel x Mike Mitchell

28 Apr, 2014 · Sascha · Comics,Kunst · 0 comments

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Am vergangenen Wochenende hatte Mike Mitchell mit der Marvel-Ausstellung in der Mondo-Gallerie in Austin einen weiteren Höhepunkt in seiner Karriere zu verbuchen. Die Prints sind teilweise bereits vor Ort ausverkauft worden, werden aber zu gewissen Teilen im Laufe der nächsten zwei Wochen auch online angeboten werden. Die gesamte Übersicht gibt es bei Mitchell selbst, hier ein paar meiner Favoriten aus seiner großartigen Profilserie.

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Robert Kirkman führte ein ausführliches Interview mit einem armen, unvorbereiteten Fragensteller von MTV, dem unbekannt war, dass Comic und Fernsehserie nicht auf dem gleichen Stand sind. Diesen Umstand konnte Kirkman jedoch professionell umschiffen und dennoch ein paar sehr interessante Antworten liefern.

Negan

As far as Negan casting goes, Scott and I are always talking about who we would put in that, it’s definitely on our minds, and there are definitely a lot of candidates. But I wouldn’t expect Negan too terribly soon, although he is definitely in the plan. It’s a 99% lock that he’s going to be in the show eventually, so be on the lookout for that.

Im letzten WoWcast zu The Walking Dead habe ich bereits vorhergesagt, dass Negan erst Mitte der sechsten Staffel auftaucht und ich glaube, dass mir diese Aussage das quasi bestätigt. Wenn Henry Rollins, von dem sich Charlie Adlard für die Figur inspirieren ließ, nicht Negan spielen wird, machen die Kreativen einen großen Fehler. Der Typ ist perfekt.

Spin-Off

As far as the spin-off goes, I’m actively working with [Showrunner] Dave Erickson on that, and we know when our proposed release date is — although I can’t tell you that, obviously. We’re working towards that show, and it’s gonna be awesome.

Als die Meldung des Spin-Offs vor einiger Zeit verlautet wurde, war der viel und häufig geäußerte Unmut verständlich. Schließlich hatte man zunächst eine Hauptserie zu reparieren, bevor es an weitere Entwicklungen zu denken gilt. Doch wenn die vierte Staffel eine Tendenz in die Richtung der Qualität dieses Spin-Offs gibt, darf man wieder hoffen. Ebenfalls gilt es zu hoffen, dass AMC die viel verdienten Dollar mit der IP ausnutzt um in einem neuen Setting eine komplett eigenständige und originelle Geschichte zu erzählen.

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Spoiler bis einschließlich TWD #125

All Out War

We’re definitely going to go into some unexpected directions… “All Out War” has been a pretty fast-paced monumental storyline that’s changing a lot of things about “The Walking Dead” universe. People are going to see how things are going to be wrapped up in the next issue, and I don’t think they’re going to be wrapped up in any kind of expected way.

They’re going to lead into issue #127, which is going to be a really big deal. Everything about “All Out War” for me that’s exciting has been how it’s going to affect the stories going forward, and seeing this world evolve as people continue to live in it long term is really the main appeal to “The Walking Dead.”

This world is evolving in a big way, because of the things Rick and Negan are doing.

Es ist etwas komisch über den Ausgang zum “All Out War” Arc zu schreiben, wenn dieser bereits für alle abgehandelt worden und die letzte Ausgabe seit Mittwoch erhältlich ist. Ich hatte aber bisher keine Zeit diesen Artikel zu schreiben, wollte jedoch unbedingt ein kleines Pendant zu meinem erwartungsvollen Gedankenmix “Im Auge des Sturms” verfassen. Deshalb bewies ich enorme Balls of Steel und werde die Ausgabe erst heute lesen.

Es ist ein kleines Wunder, dass ich noch nicht gespoilert wurde. Doch die Comic-Nerds sind eben noch einmal eine ganz andere Sparte als die Seriengucker, was ich begrüßend feststellte. Und dennoch. Die Gefahr war da und groß. Immerhin schwebt Der potentielle Tod von Rick Grimes über diesem giganten Sammelband und Kirkmans Aufbau unterstreicht das. Auf seine Kommentare generell kann wie immer wenig gegeben werden, denn “some unexpected directions” kann schließlich alles bedeuten.

Immerhin wissen wir aber, dass Negan sterben wird. Ob die Klinge von Rick jetzt tief genug eindrang, um lebensnotwendige Adern zu durchtrennen, oder ob sie nur einen kleinen Schnitt verübte, spielt keine Rolle, da es die verseuchte Klinge ist, die Michonne und Jesus nach dem Angriff der Savior fanden. Wie wir in den vergangen Ausgaben sahen, funktionierte die abscheuliche Idees des Aggressors und er wird hier keine Ausnahme bilden.

Viel interessanter ist jetzt der Ausgang für Rick, Michonne, Andrea, Carl und jeden anderen Charakter, den uns Kirkman und Adlard über die Jahre ans Herz wachsen ließen. Negan forderte Rick vor genau 26 Ausgaben heraus, ihm den Hals durchzuschneiden. Es würde keine Rolle spielen, die Savior würden seine Leute doch voll Blei pumpen. Nun hat Rick die Herausforderung nach einem schönen Schachzug – ob Negan diesen kaufte oder nur sarkastisch dies vortäuschte und Rick nur schneller war, spielt dabei eine geringere Rolle – und langer Verzögerung angenommen und es wird sich zeigen müssen, ob sich die Drohung von damals in die Tat umsetzen wird.

Seit Negans Einführung haben wir schließlich die innere Logik der Savior besser kennengelernt und erkennen müssen, dass Negans Leute, bis auf wenige, kranke Ausnahmen, alle an ihm zweifeln und ihn fürchten. Ein Umsturz durch seinen plötzlichen Tod würde wohl eher einem Befreiungsschlag gleichkommen, als weitere aggressive Handlungen hervorrufen. Somit könnte der plötzlich eintretende Frieden ohne weitere Tode gemeint sein, wenn Kirkman sagt: “I don’t think they’re going to be wrapped up in any kind of expected way.”

Man muss sich aber in Erinnerung rufen, dass Kirkman bisher kaum eine Möglichkeit offen gelassen hat, die Handlung und Dramatik durch diese Art von Plot Device zu verstärken. Er gehört eindeutig zur G.R.R. Martin Schule der Autoren und sein Universum bot bisher wenig positive Wendungen für seine Figuren. Aber dann wiederum wäre es auch eine verpasste Chance, wenn es zwischen den verfeindeten Gruppen Friede, Freude, Eierkuchen gäb. Es gilt laut Kirkman als sicher, dass Rick sein Leben im Laufe der bis jetzt geplanten 300 Ausgaben verlieren wird. Er lässt keine Möglichkeit auf der Seite liegen, zu betonen, dass dies Carls Geschichte ist. Noch einmal einen solchen großen bedeutungsvollen Arc aufzubauen, wäre schwierig und aufwendig.

Ich kann mich nicht entscheiden. Und genau aus diesem Grund habe ich die Ausgabe noch nicht gelesen. Der All Out War Arc mit all seinen philosophischen Gesprächen über Opferbereitschaft, Glaube und Hoffnung ist die perfekte Möglichkeit Rick in großartiger Art und Weise unter die Erde zu bringen. Er würde zum ultimativen Märtyrer für diese große Gruppe werden – für alle, inklusive den Leuten, die früher unter Negan lebten. Kirkman steht auf große Tode, das hat er mehrfach verkundet. Er kündigt aber auch gleichzeitig gerne große Wendungen an und spielt mit dem Marketing, das beherrschte er schon immer. Die Spannung könnte nicht größer sein.

Ich liebe diesen Comic.

Das sehr unterhaltsame Buch Film Critic: A Decade Behind the Scenes of the Movie Industry soll verfilmt werden und Autor Laremy Legel stellt das Projekt auf Kickstarer persönlich vor. Ich mag Laremy sehr und würde mich freuen, wenn das Projekt die Ziele zur Finanzierung erreicht.

Two years ago, in order to get better at my craft, I decided to read a book on film criticism. I went over to Amazon, typed in “Film Critic” and quickly realized there was no book by that name. Oh, there are books about how to become a critic, or books of specific criticism and essays on particular actors or themes, but no broad overview of the wackiness that is the life and times of a modern film critic. “Huh”, I thought to myself, “Why don’t I just write a book called “Film Critic?” So that’s exactly what I did.

Kickstarter: Film Critic: The Movie.

Ich selbst bin kein professioneller Filmkritiker, aber habe in meiner Zeit als professioneller Internetmensch durch PewPewPew ein paar kennengelernt und einige Anekdoten aus dem anstrengenden, kuriosen und oftmals wirklich surrealen Leben mitbekommen. Ob es der Kampf mit Agenturen oder “DVDKritik”er sind, die mit ihren Gangsterfreunden Popcornschlachten bei Pressevorführungen machen, ich fand es immer interessant. Laremy ist auch als Podcaster aktiv und oft bei meinem geliebten Frotcast anwesend. Er könnte durchaus auch als Stand-Up Comedian erfolgreich sein, weshalb ich jetzt mal versichere, dass man von dem Projekt großartige und vor allem unterhaltsame Ergebnisse erwarten kann.

Verbunden mit der Nachricht, dass die neue Trilogie 30 Jahre nach der OT spielt, bedeutet die nun angekündigte Rückkehr von Peter Mayhew als Chewbacca, dass JJ Abrams und Disney das EU komplett verleugnen. Man verstehe mich bitte nicht falsch. Ich traf Mayhew selbst bei der letztjährigen Celebration Europe II und ich beteiligte mich bei der Kickstarterkampagne für seine Knieoperation, ich freue mich riesig für diesen Kerl.

Aber die Rückkehr von Chewie bedeutet auch, dass man sich weder an der Timeline oder den Schicksalen einzelner Figuren orientiert. Immerhin starb Chewie zu Beginn der New Jedi Order Reihe. Klar, Chewie kann auch jetzt immer noch das Zeitliche segnen in diesem Film, aber ich glaube dann eher an einen gemeinsamen Tod von Han und Chewie im Falken, quasi als Opfer oder Ultima Ratio. Der Tod von Chewie hat Han im EU so unglaublich getroffen und neu definiert, dass ich mir die Figur heute kaum noch ohne diesen Vorfall vorstellen kann.

Ist eigentlich nicht wirklich eine Meldung wert, aber ich will das hier trotzdem nochmal für mich in Worte fassen. Das EU ist tot.

Bloggerkollege und saarländischer Mitbürger Alex von 1337core hat ein E-Book über sein Dasein als Netzkind geschrieben und mir ein kurzes Interview gegeben.

Wieso sollte man dein Buch als Geek lesen?
Das Buch sollte man nur lesen, wenn zwei von drei Punkte zutreffen.
1. Du weißt, dass du zu viel am Computer bist.
2. Du kommst mit den Aufgaben deines Lebens nicht klar.
3. Du merkst, dass du anders bist als andere.

Digitale Selbstveröffentlichung für ein analoges Publikum, dem du dich und das “(#)” erklären willst. Klappt das und was erhoffst du dir davon?
Ich wollte, dass es meine Mutter lesen und verstehen kann, sowie junge Geeks, die wie ich früher mit sich und der Welt nicht auskommen. Deshalb erkläre ich Dinge, die ich normalerweise nicht erklären würde. Ich erhoffe mir, dass ich ein paar junge Geek-Seelen retten kann, bevor so am Mount Reallife zerschellen. Das hat das Internet auch für mich gemacht.

Wie unzufrieden bist du eigentlich mit der “Gesamtsituation™”?
Ich war unzufrieden und ich war auch sauer, aber die heutige Gesamtsituation™ sieht nicht so schlecht aus und das sage ich auch ganz klar. Die Richtung passt, aber trotzdem gibt es noch Arbeit. Der brennende Punkt derzeit sind EU-Netzsperren wegen Kino.to, weil wir keine bessere Lösung oder einen Kompromiss vorzeigen können. Vermutlich kommen Netzsperren, vielleicht schaffen wir es entweder diese zu verhindert oder sie sind da. Die nächste Frage ist, ob sie dann ausgeweitet werden, statt die grundsätzlichen Probleme zu lösen.

Wenn ich Kanzler wäre, würde ich…
Wenn ich Kanzler wäre, würde ich besser zuhören.

Netzkind gibt es bei Amazon oder via Paypal für gerade einmal 3,37€ zu erstehen.

“Ich heiße Alex, bin 25 Jahre alt. Ich benutze 10 Jahre davon das Internet. Durchschnittlich bin ich circa 12 Stunden am Tag im Internet. Wenn ich das grob schätze, sind das 40.000 Stunden.“ so oder so ähnlich müsste ich mich bei einer Selbsthilfegruppe zur Internetsucht vorstellen. Aber das wäre völliger Quatsch oder nicht? So süchtig bin ich überhaupt nicht! Ich kann auch am Strand Urlaub machen, ohne Internet. Aber ansonsten ist es halt da und wird benutzt. Es ist ein Werkzeug und mein Zweitwohnsitz. Um in Deutschland als Internetsucht gefährdet zu gelten reichen vier Stunden Internet am Tag. LOL (=Laughing Out Loud). Ernsthaft? Da wurde ich erst warm. Wenn man den gleichen Maßstab beim Fernsehen anlegen würde, wären wir (fast) durchschnittlich fernsehsüchtig. Wer vier Stunden am Tag liest, der muss sich nicht anhören, dass er süchtig nach Büchern ist. Doppelstandards. Zeit, Interesse und Sucht sind verschiedene Dinge. Internetsucht ist, wenn ich die Dinge im Netz nicht mehr von der Realität unterscheiden kann, meinen Alltag nicht mehr ohne Internet schaffe und wenn es gesundheits- oder persönlichkeitsgefährdend wird.

Es wäre schon klasse, wenn Offliner die Wirkung des Netzes auf unsere Gesellschaft begreifen könnten. Aber niemand muss und die sind alle harmlos im Vergleich zu den Offlinern, die Internetgesetze durchwinken. Wenn das Internet böse ist, dann ist es Papier auch und der Fernseher erst recht. Das könnten die spezifizieren, aber warum tut es niemand? Ach Moment, dann schafft es das Thema nicht in die Offline-Medien. Da ist auch kaum noch Platz vor lauter Dschungelcamp, Pop- und Modellshows. Sendungen, die definitiv nicht für mich gemacht sind. Die gute Seite am Netz ist zu kompliziert oder zu uninteressant, um daraus eine dicke Überschrift machen zu können. Es war so lange uninteressant, bis Jugendliche mehr Internet als Fernseher benutzen, und plötzlich will es jeder, überall, mobil, morgens und als Erstes. Das Netz hat durch freies Publizieren/Kommunizieren für Jedermann und -frau das bisherige System auf den Kopf gestellt. Das Wissen der Welt, erreichbar durch das Gerät in deiner Hosentasche.

Das WWW hat das alte System ohne Vorwarnung auf den Kopf gestellt.

Das „alte System“ war eine Einbahnkommunikation von wenigen Meinungsmachern.

Der selbstverständliche Umgang mit dem Netz ist heute Normalität, früher musste ich mir noch Sprüche anhören. Ich kenne die fehlende Motivation irgendetwas anderes zu machen als im Internet zu sein. Das lag an meinem Alter, meiner Persönlichkeit und meinem Umfeld. Hey, ich war ein Kind. Was kann ich dafür? Aber gute Nachrichten: Wenn man nicht den ganzen Tag am Computer spielt und in der zock-freien Zeit etwas im Netz liest, wird man ziemlich schlau. Ja, es liegt am Lesen. Genügend Texte gibt es im WWW. Was dazu führt, dass du niemals fertig werden kannst. Früher(TM) (als ich 16 Jahre alt war) waren wir die komischen Leute, die da stundenlang gespielt, kommuniziert und gelesen haben. Heute macht das jeder – allerdings nicht in der Intensität. Die Zeiten ändern sich und was früher “komisch” war, war nur die Blindheit der Masse dafür, was ein tolles Werkzeug dieses Internet sein kann.

Hallo Massenmedium.

Erstveröffentlichung am 30.03.2012. Format: DIN A5, Seitenzahl: 230. Längere Leseprobe.

Es war schon immer klar, dass trotz den monströsen Kreaturen, dem Ursprung der Apokalypse und der Umformung unserer Gesellschaft, schlussendlich der Mensch selbst sein ultimativer Gegner in der Welt von The Walking Dead sein sollte. Es steht in der DNA der Geschichte geschrieben. Spätestens seit der entscheidenden Machtprobe zweier Männer um eine Frau, dem ältesten Konflikt der Welt, am Ende des ersten Bandes, schien dies die größte Bedrohung in dieser Welt. In gewisser Hinsicht hat sich nie viel verändert.

Autor Robert Kirkman hat dies bereits früh in seiner Geschichte um Rick und seine Überlebenden aufgezeigt. Seit dem Showdown mit dem Governor schien ein Wiederaufleben dieses drohenden Untergangs der besonders ironischen Art unausweichlich. Es gab immer wieder aufkeimende Gefahren wie die Hunter oder die Marauder, und bereits seit dem ersten Volume wissen wir, wie Kirkmans Figuren in dieser neuen Welt ihre Moral definieren und das Endresultat ist stets gleich: Am Ende hilft nur Gewalt und die Eliminierung dieser Gefahr ist unausweichlich. Rick hat diese Lektion durch den Angriff des Governors gelernt, aber noch eine weitere: Angriff ist die beste Verteidigung. Dies zeigt er im 20. Band auch auf fulminante Art und Weise, aber es erscheint nie völlig überraschend oder, wie viele Fans Kirkman bereits seit der Einführung der Figur von Negan vorwerfen, redundant.

All Out War Review 1
Skybound

Inzwischen dürfte klar sein, dass Negan alles andere als ein zweiter Governor, oder auch nur die Kehrseite dieser Medaille ist, wie ich es noch vor zwei Jahren vermutete. Negan hat viele Idiosynkrasien, die ihn so beliebt machen, dass viele Fans sich den wahrscheinlichen Tod und Wegfall der Figur kaum wünschen können. Die Ironie dabei: Negan müsste gar nicht aus dem Comic ausscheiden. So dramatisch sein Eingang ins Geschehen um Rick und seine Überlebenden auch war, so undramatisch ist sein Angebot. Die Hilltop und Ezekiels Königreich konnten unter Negans Diktakt leben. Inwiefern sich sein Zuspruch für Schutz auch in Wahrheit auswirkte, werden wir nie erfahren. Aber eine Situation wie der Angriff einer Horde auf die Alexandra Safe Zone wäre mit Negan sicherlich leichter gewesen als ohne seine Unterstützung, denn auch er würde ungern Produzenten verlieren. Ein Leben unter Negan wäre kein Zuckerschlecken gewesen, aber es wäre ein Leben gewesen, eine Alternative. Und in dieser Welt, wie Kirkman sie zeichnet, gibt es nicht viele Optionen, an deren Ende das Überleben gesichert ist.

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Skybound

Nun liegt all das in Scherben. Die Alternative, so oft sie auch angeboten wurde – selbst nach horrenden Verlusten auf der Seite der Savior – wurde stets von Rick abgeschlagen. Deshalb sind auch die Vorwürfe an Kirkman so unverständlich. Negan muss gar nicht so anders als der Governor sein. Er stellt nur eine weitere Gefahr dar. Die wichtige Veränderung fand innerhalb der Überlebenden, und insbesondere bei Rick statt. Seit dem Angriff auf die Safe Zone und der Zerlegung der Horde, war es ruhig. Fast schon zu ruhig, wie sich viele Leser oft beschwerten. Aber es fand eine unglaublich wichtige Entwicklung statt. Rick und seine Gruppe sahen, dass diese Apokalypse, so schrecklich sie auch sein mag und so schwer die unausweichliche Rückkehr nach dem natürlichen Tod in dieser neuen Welt auch zu schlucken ist, machbar ist. In “A Larger World” ging es um nichts anderes. Und deshalb ist auch die Option Negan nicht möglich. Rick und seine Figuren haben die große Freiheit genossen und wieder Hoffnung getankt, ein Rückfall in eine niedere Position ist nicht mehr möglich, vorher würde man dafür kämpfen und sich für dieses neue Ideal opfern.

Und genau dies erleben wir jetzt. Der Angriff auf Negans Unterschlupf ist großartig inszeniert. Gleichzeitig erleben die Bewohner der Hilltop entgültig, dass sie unter ihrem momentanen Anführer niemals wieder in den Genuss von Freiheit kommen würden. Die Terrorherrschaft Negans würde nie beendet werden. Später übernimmt Maggie das Kommando und soll für eine großartige Wendung sorgen, inklusive einem Badass-Moment, der seinesgleichen sucht in der langen Geschichte dieser Figur. Doch auch der glorreiche Plan, Negan in seiner Festung festzunageln, schlägt leicht fehl. Rick wird in einer finalen Opferrolle daran gehindert, weil die Leute inzwischen zu sehr an ihn glauben und so übernimmt Holly für ihn aus freien Stücken. Sie ist es auch später, die vor den Toren Alexandrias angekarrt wird und als trojanisches Pferd Rick und Co. in die Bredouille bringt. Binnen weniger Panels verabschieden wir uns von mehreren Figuren, während Negan seinen Sieg feiert. Erneut ist er zu überheblich, aber dies wurde längst zu einem Charakterzug, den wir alle genießen.

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Wieso ihn aber bisher nichts zu Fall brachte, ist kaum zu erklären. Larger-than-life bedeutet wohl auch Too-large-for-death. Wenn es eine Kritik geben kann, dann die, dass sein Tod bisher ausgeblieben ist. Negan, anders als der Governor, steht an vorderster Front. Er ist stets im Rampenlicht und könnte von einem Sniper oder auch einer normalen Handwaffe getötet oder immerhin mal getroffen werden. Seine Plot Armor wird sichtbar und die Verschiebung seines unausweichlichen Schicksals auf das Ende dieser langen Doppelvolumes wird immer erkennbarer und lässt die Konstruiertheit der Geschichte durchblicken.

Wie Dwight, der binnen kürzester Zeit drei Savior umlegen und Jesus retten kann, einfach nicht den richtigen Moment findet, sagt jedoch mehr über ihn aus als Negans Plot Armor. Dwight ist der vielleicht interessante Charakter im laufenden Comic, als dass seine Ausrichtung nicht klar erkennbar ist. Die Angst einer Hydra in Negans Unterschlupf ist unbegründet, da die Spannungen zwischen ihm und vielen Einwohnern deutlich  und teilweise in den Gesichtern der Figuren selbst unverkennbar ist. Im Falle von Dwight ist dies sogar buchstäblich gemeint. Innerlich wird er wohl auf Ricks Sieg hoffen, hält sich aber stets das Hintertürchen offen, in Negans Truppe zurückzufallen. So schrecklich das auch für ihn wäre, er würde dies akzeptieren und ein Leben nennen. Denn für ihn, anders wie für unsere Gruppe, scheint Negan noch eine Option. Sollte sich dies nicht ändern, könnte er die Achillessehne in Ricks Plan sein.

Dass der Plan, die Comics zwei Mal pro Monat zu veröffentlichen, so gut funktioniert, ist jedoch überraschend. Charlie Adlards Kunst befindet sich zwar nicht auf dem künstlerischen Höhepunkt, doch die Geschichte gibt eine Vielzahl für Splash Pages und Double Spreads her, die atemberaubend sind und die Dramatik dieser Geschichte lebendig werden lassen. Vorwürfe, man könnte Figuren kaum noch voneinander unterscheiden oder dass viele männliche Figuren aussehen wie Rick, sind nicht nur unbegründet, sondern schlicht falsch.

Random Thoughts:
– Negans One-Liner über Lucille II ist wahrscheinlich mein Lieblingszitat des Comics
– Ich will nicht glauben, dass Shiva gestorben ist und getreu dem Motto, dass Comicfiguren, deren Tod nicht explizit gezeigt, am leben sind, verlasse ich mich hier drauf: “Shiva is one of the three main Hindu Gods. She is known as the Destroyer. However, in conjunction with Brahma the Creator and Vishnu the Preserver, Shiva is an essential part of an endless cycle of existence.”
– Dass Ezekiels Untertanen bei dem Angriff so scheitern, fand ich ein wenig überzeichnet
– Als Eric in den Armen von Aaron stirbt, habe ich ein paar Tränchen verdrücken müssen.

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