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Es ist ganz leicht: Christopher Nolans Filme gefallen mir. Ich würde sie nicht in eine Liste meiner Lieblingsfilme oder einer der kulturell wertvollen Filme einordnen, aber sie unterhalten, sehen verdammt schick aus und sind, was Blockbusterunterhaltung angeht, sehr weit oben anzusiedeln. Vor geraumer Zeit nahm er sich eines Projektes an, das bereits seitdem ich über Film schreibe, in Entwicklung ist und einen besonderen Platz in meinem Herzen hat: Interstellar. Die Überlegungen Kip Thornes zu Wurmlöchern und anderen Dimensionen wurden Mitte des letzten Jahrzehnts in ein Drehbuch verpackt und sollten dann von einem der besten Science Fiction Macher überhaupt, Steven Spielberg, auf die Leinwand kommen. Das verzögerte sich, es gab Rewrites von Nolans Bruder Jonathan und endlich nahm sich Nolan selbst dieser Sache an und bringt sie nun 2014 in die Kinos.

Dafür hat er erneut einen unglaublichen Cast um sich versammelt: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Wes Bentley, Casey Affleck, Topher Grace, John Lithgow, Ellen Burstyn und Glücksbringer Michael Caine darf natürlich auch nicht fehlen. Die Musik stammt erneut von Hans Zimmer, während die Kamera zum ersten Mal seit Memento nicht von Wally Pfister, der mit Transcendence gerade selbst sein Regiedebut drehte, sondern Hoyte Van Hoytema (zuletzt: Her) bedienen.

Spätestens seit dem Marketing bzgl. Inception erwartet man von einem Trailer für einen Nolan-Film natürlich ein kleines Erlebnisfeuerwerk und das kriegen wir nicht wirklich. Kein Grund zur Enttäuschung: Dafür ist der erste Teaser nahezu perfekt. Er tut genau das, was Teaser tun sollen. Er inspiriert und löste bei mir Gänsehaut aus. Wir sehen die wichtigsten Momente der NASA. Unterlegt zu den größten Fortschritte der Luftfahrt, der Mondlandung und dem Space Shuttle erzählt uns Matthew McConnaughey, wieso wir eigentlich ziemlich cool sind und es immer einen Grund zur Hoffnung gibt: “Our greatest accomplishments cannot be behind us ’cause our destiny lies above us.” Wenn das nicht die beste Tagline des Jahres ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

(YouTube Direkt, via)

Ich habe ja schon vor der Veröffentlichung des Teasers den Film auf meiner Liste der kommenden Highlights gehabt, aber nun steht Interstellar ganz oben. Wir müssen aber stark sein und uns noch ein wenig gedulden: Der deutsche Kinostart ist für den 6. November 2014 angesetzt.

Ich bin ein riesiger Fan von LEGO und Star Wars. Als man das damals Ende der Neunziger verbindete, war das ein logischer Schritt für mich und ich wusste sofort, wofür forthin mein Taschengeld draufgehen würde. Ich habe Luke mitsamt seinem X-Wing so oft crashen lassen, dass ich mir sicher bin, dass ich das Ding heute aus der Kiste auf dem Dachboden rauskramen, zerlegen und direkt wieder ohne Anleitung zusammenbauen könnte.

Heute hat man nicht mehr viel mit LEGO am Hut, aber ich fange direkt an zu schwärmen, wenn ich beim Einkaufen einen kurzen Abstecher ins Kinderparadies mache und mir die neuesten Modelle anschaue (von den geilen Modellen des Lego Stores will ich gar nicht erst anfangen!). Daher kommt mir dieser Kerl ganz recht: Vesa Lehtimäki beweist, dass wahre Photographen mit ein wenig Ahnung von Licht, Tiefenschärfe und ein bisschen Photoshop kleine Meisterwerke abliefern können, selbst mit LEGO. Unter dem Synonym Avanaut veröffentlich er nun schon seit Jahren Bilder der kleinen Helden und mir wird es da ganz warm ums Herz, denn er inszeniert Momente und hält sie in Photos fest, wie ich sie damals nur in meiner Fantasie sah. Hier mal eine Auswahl meiner Favoriten.

Mehr von ihm gibt es auf seiner Flickr– oder Facebook-Seite. Dort erhält man zum Beispiel Einblick in die Entstehung dieser Photos oder sieht weitere Kreationen von ihm wie der LEGO Blade Runner Spinner, coole Magazincover, Lego Star Wars Poster oder andere Filme aus LEGO wie Indiana Jones oder Herr der Ringe. Photos mit anderem Star Wars Spielzeug macht er natürlich auch.

walkingdeadvol19Der Krieg ist unausweislich. Wir wissen dies nicht nur dank der seit über 30 Ausgaben herrlich ausgearbeiteten Atmosphäre seitens Kirkman, sondern auch auf Grund der bereits während der Veröffentlichung dieses Volumes angelaufenen Pressemachinerie für den kommenden Sondersammelband All Out War. Bevor dieser jedoch beginnen kann, müssen finale Linien in den Sand gezogen werden und March To War erledigt nicht nur dies, sondern unterstreicht erneut sowohl die Bedrohung durch Negan und die Brisanz der Situation als auch Ricks größte Schwächen.

In der sich bildenden Allianz ist die Hilltop weiterhin die unsichere Konstante. Ohne Gregorys Wissen bildet Jesus eine kleine Gruppe von Freiwilligen, die sich der übergeordneten Armee anschließen können. Dies kann nur schiefgehen. Gregory als Wildcard dürfte ebenfalls im späteren Verlauf noch interessant werden; zunächst aber muss Jesus seine Eingeweihten selbst unter Kontrolle halten. So versucht nämlich einer seiner Wächter, Kal, die Saviors zu warnen.

Wir erfahren, dass es fest instanzierte Meldepunkte gibt und Negans System wirklich beeindruckend funktioniert. Es ist ja weiterhin fraglich wie Ricks Leute und Alexandria so lange unbemerkt bleiben konnten, aber da die Abstände nie näher spezifiziert werden, geht das schon in Ordnung so. Immerhin kann Jesus die Situation schnell beruhigen ohne Verdacht zu schöpfen und das alleine untermalt erneut die Ignoranz der Savior.

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Skybound

Am anderen Ende von D.C. treffen Rick und Co. zum ersten Mal auf Ezekiel. Michonne und Shiva haben ein kurzes Standoff, aber nach ein paar Seiten hat sich alles beruhigt. Die Gruppenanführer können sich alle ein Bild vom beeindruckenden “Königreich” machen, aber nach wie vor scheint nichts Alexandria an Komfort überbieten zu können. Ein weiterer Grund für die Siedlung zu kämpfen. Die Strukturen im Königreich selbst sind ebenfalls höchst interessant und nach dem theatralischen Eingang von Ezekiel in den Comic fällt seine Maske verhältnismäßig schnell.

Er offenbart Rick die Probleme seiner Siedlung und mit Michonne hat er sowas wie ein kleines Date auf dem Dach der Schule, wo wir seine Entstehungsgeschichte (inklusive wie und warum der Typ einen Tiger hat!) erfahren und die beiden sich näher kommen. Sie lächelt und scheint in Ezekiel tatsächlich die Erleichterung zu finden, die sie schon seit Ewigkeiten sucht. Basierend auf den bisherigen Entwicklungen und Kirkmans Vorliebe für dunkle Enden kann dies nichts Gutes für Michonne bedeuten.

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Skybound

Dwight befindet sich ebenfalls dort und scheint eine Meuterei bei den Savior vorzubereiten. Alles scheint zu funktionieren, doch dann erscheint Negan unerwartet am Tor von Alexandria. Er will seine Anteile etwas früher haben und wartet auf die Rückkehr von Rick. Eine erneute Suche nach Lebensmitteln wird vorgeschoben, sodass die Abwesenheit nicht verdächtig ist. Interessanterweise jedoch wird diese Abwesenheit durch Spencer genutzt, der Rick verrät und sich als möglicher Nachfolger vorschlägt, sofern Negan ihn zum Anführer ernennen und Rick erledigen würde. Holy cow! Und selbst Negan gefällt dies überhaupt nicht. Er ersticht Spencer kurzerhand und beendet somit diese nervige Storyline.

Spannenderweise begründet er dies durch seine persönliche Ablehnung für Verrat. Erneut betont# Negan also die Möglichkeit, dass, sofern seinem System – ganz egal wie unfair und brutal es auf den ersten Blick erscheint – Folge geleistet wird, eine friedliche Herrschaft und Koexistenz möglich ist. Und hier gelingt Kirkman eben mit dieser Figur der Geniestreich. So unberechenbar Negan auch in seinen Interaktionen scheinen mag und so brutal sein Eingang im Comic auch war, er folgt einem inneren Kodex. Ganz im Gegenteil zu der psychopatischen Episode des Governors.

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Skybound

Rick ist dies jedoch egal. Er hat gesehen wozu die Savior fähig sind und will nach dem Aufkeimen seiner Hoffnung in den Ausgaben vor #100 nicht von seiner Vision abhalten. Negan muss sterben und er sieht eine Möglichkeit dazu als dieser in einem Van davonfährt. Sein Anschlag geht so schief wie nur möglich und sogar Andreas Schicksal scheint kurzzeitig besiegelt zu sein. Nur in letzter Sekunde kann der erneut exzellent vorbereitete Negan durch eine Befreiungsaktion der neu geformten Allianz vertrieben werden. Der Krieg hat begonnen.

Dummerweise hat Rick erneut durch seinen Übermut den Überraschungseffekt verspielt, was aber durchaus positive Auswirkungen auf den gesamten Konflikt haben wird. Rick hat außerdem erfahren, dass Negans Gruppe zahlenmäßig gar nicht mehr so enorm überlegen ist nach den letzten Angriffen und zum momentanen Zeitpunkt sehr verletztlich ist. Außerdem wird er taktisch unkonventioneller denken müssen als der bisher dominierende Aggressor. Genau hier wird der kampferfahrene Rick womöglich überlegen sein durch seine Konflikte mit dem Governor. Vielleicht hat er etwas dazugelernt.

Wer gerade die Comicwelt und ihre Leinwandadaptionen betrachtet, könnte den Eindruck haben, dass Filme immer mehr zu Episoden einer größeren Geschichte werden. Doch die Serienlandschaft lässt sich in ihrer Struktur nicht einfach so ausbeuten und schaut sich selbst etwas aus Hollywood ab.

Und so muss eine auserzählte Geschichte nach vielen Staffeln noch lange nicht das Ende bedeuten, solange die Popularität hoch genug ist und es Geld zu machen gibt. Spinoff-Serien sind natürlich keine Neuheit, aber die Entwicklungen der letzten Wochen zeigten, dass die Sender verzweifelter denn je an ihren Marken hängen.

How I Met Your Dad

Der Zuschauer weiß eigentlich bereits seit dem letzten Staffelende, wer die Mutter ist und wie Ted sie treffen wird. Der schicksalshafte Treffort wurde sogar zum Hauptort der gesamten letzten Staffel umfunktioniert, der theatralisch an Stichpunkten die Zeit verbiegt um uns Einblick in Momente zu verleihen, die das Serienfinale überschreiten. Dieser Zustand alleine beweist bereits wie sehr man die titelgegebende Geschichte in die Länge gezogen hat – und es noch weiter treiben könnte.

Doch da die Quoten weiterhin recht stark sind, lässt man die Idee nicht los. Die Geschichte mag zu Ende erzählt sein, aber eine neue wird sich schon finden. Einfach die Geschlechter wechseln und man hat eine neue Sendung. In How I Met Your Dad wollen die HIMYM-Schöpfer erneut das MacLaren’s als zentralen Handlungsort nutzen um die Liebesgeschichte aus Sicht einer Frau zu erzählen.

So weit, so unspannend. Die Idee der Findung der/des Richtigen verbleibt romantisch genug, dass die Serie funktionieren könnte. Doch dass man dann nicht einmal New York, geschweigedenn die Bar verlassen will, zeugt schon von erstaunlicher Faulheit und unfassbarer Cash-Cow-Mentalität. Das wird wahrscheinlich genau wie die neunte Staffel von Scrubs, die es natürlich nie gab. Nie.

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The Walking Dead Prequel

Es sollte für Spin-Off gewisse Regeln geben. Eine erste wäre da zum Beispiel, dass die ursprüngliche Elternserie fertig erzählt ist. Oder dass die Serie so außerordentlich gut und dicht erzählt ist, dass das Publikum, das kreative Team und die Narrative selbst nach einer Ausbreitung schreien.

Keine dieser Parameter ist im Falle des Walking Dead Spin-Offs erfüllt. Die Serie dümpelt weiter vor sich hin, auch wenn der neue Showrunner Scott Gimple trotz einem durchwachsenen Start die Serie stablisieren konnte. Es fehlt dennoch weiterhin an allen Ecken. Doch das spielt natürlich keine Rolle, alles was der Sender AMC sieht, sind die außerordentlich exzellten Einschaltquoten, die bei Stoßzeiten immer wieder Rekorde im Kabelfernsehen brechen. Und genau deshalb schreit zumindest der Sender nach mehr Zombies auf der eigenen Senderfläche.

Glücklicherweise wird die Serie nach den ersten aufkeimenden Gerüchten nicht nur schlicht eine weitere Geschichte von Überlebenden erzählen, sondern sich ganz nah an den Ausbruch heranwagen und aufzeigen, wie die Zivilation ihrem Untergang begegnet. Trotz diesem interessanten Setting (im Prinzip das Dawn of the Dead Opening auf Serienformat zugeschnitten) bleibt es wohl so, dass sich die Autorenkraft aufteilen werden muss.

Comic-Autor Kirkman und Gale Ann Hurd werden die Serie übernehmen. Das ist insofern gut, da Hurd nicht mehr an der Originalserie rumfuchteln kann. Nach jeglichem Interview mit der Dame scheint dies nur gute Folgen für die Hauptserie haben zu können. Doch die wird natürlich trotzdem leiden. Charaktere, Set Pieces und schlichtweg Ideen werden auf zwei Serien aufgeteilt und beide werden darunter leiden.

Better Call Saul

Breaking Bad war so gut, dass eigentlich jede zusätzliche Aktion ein Sakrileg wäre, da die Integrität der Awesomeness von Vince Gilligans Serie in Gefahr geraten könnte. Doch Peter Gould wird das Kind schon schaukeln, immerhin ist er der kreative Vater von Saul Goodman und als Showrunner wird er sicherlich genug mit dem Anwalt anzufangen wissen.

Für eine geraume Zeit klang es so als ob man lediglich Goodman bei seiner Arbeit als korrupter Anwalt in Alberqueque zeigen wollte und das klang – selbst für mich als übergroßen Fan von Breaking Bad – ein wenig unspannend. Saul ist die Art von Figur, die nur als Reflektor in der Dynamik der Serie funktioniert. Ja, er hat seine Momente, aber im Grunde genommen existierte Saul als Rahmenbedingung, die dank einer brillianten Performance von Bob Odenkirk immer wieder den Text transzendierte.

Doch ohne größeren Gegenspieler und als Hauptfigur empfand ich Sauls Spin-Off als riskant. Das wird nun insofern entschärft, dass Gould und sein Team Goodman laut Gerüchten ins Exil nach Nebraska begleiten und seinen Neustart chronologisieren werden. Es wäre ein schönes Setting, das auch immer wieder Flashbacks nach New Mexico erlauben würde, ohne der Elternserie viel Fläche wegzunehmen.

Wie gesagt, Spin-Offs sind kein Novum: Aus All In The Family wurden die Jeffersons, Family Guy verhalf der Cleveland Show zum Start, Joe versuchte nach dem Ende von Friends weiterzumachen und mit Caprica versuchte man den Beginn der Cylonen aus Battlestar Galactica zu erklären. Die Liste ist wirklich lang.

Doch dass gerade diese drei überaus populären Sendungen so schnell hintereinander Spin-Offs ausspucken ist schon ein bemerkenswerter und, in Teilen, zu kritisierender Trend.

Der Guardian meldet: “Swedish cinemas take aim at gender bias with Bechdel test rating.”

To get an A rating, a movie must pass the so-called Bechdel test, which means it must have at least two named female characters who talk to each other about something other than a man.

“The entire Lord of the Rings trilogy, all Star Wars movies, The Social Network, Pulp Fiction and all but one of the Harry Potter movies fail this test,” said Ellen Tejle, the director of Bio Rio, an art-house cinema in Stockholm’s trendy Södermalm district.

Bio Rio is one of four Swedish cinemas that launched the new rating last month to draw attention to how few movies pass the Bechdel test. Most filmgoers have reacted positively to the initiative. “For some people it has been an eye-opener,” said Tejle.

Zunächst einmal muss man die Meldung entschärfen. Es geht hier also nur um ein kinointernes Rating. Dass Frauen es in der Filmlandschaft schwer haben, ist natürlich kein Geheimnis. Dass ein Verband aus Arthauskinos darauf aufmerksam machen will, ist nobel und lobenswert. Ich stimme außerdem sehr mit dem Statement des Kinodirektors zu:

Beliefs about women’s roles in society are influenced by the fact that movie watchers rarely see “a female superhero or a female professor or person who makes it through exciting challenges and masters them”, Tejle said, noting that the rating doesn’t say anything about the quality of the film. “The goal is to see more female stories and perspectives on cinema screens,” he added.

Ich frage mich nur, ob der Bechdel-Test die richtige Lösung ist. Ich empfinde ihn nämlich als nette Spielerei, die aber nichts über den Film oder seine Handhabung von Frauen zu tun hat. Um dies zu erläutern, wähle ich mal zwei Beispiele aus dem aktuellen Kinoprogramm.

Gestern war ich im Kino und sah Thor: The Dark World. (Spoilers follow.) In dem Sequel zum Marvel-Hit aus dem Jahr 2009 wird Jane Forster (Natalie Portman) von der nachforschenden Wissenschaftlerin auf einer ihrer Erkundungen zum MacGuffin reduziert. Eine neue Macht, nach der Malekith, der Bösewicht des Films, strebt, hat sie als Wirt auserkoren. Um sie vor dem Bösewicht zu beschützen, versteckt Thor seine Freundin in einem Palast auf seiner Heimatwelt Asgard. Damit wird die autonome Forscherin nicht nur zum MacGuffin, sondern durch typischen Damsel im Turm reduziert. Buchstäblich. Okay, aber wir schreiben das Jahr 2013. Also darf Jane Forster zum Schluss eine nicht näher klassifizierte Technologie einsetzen um Thors Kampf gegen den Bösewicht zu unterstützen, aber erst nachdem Thor sie befreite.

Das Sequel zu Thor würde jedoch den Bechdel Test bestehen. Jane Forster hat eine Assistentin (Kat Dennings), deren Daseinsberechtigung überraschenderweise noch unerklärlicher ist als im Vorgänger, die mit ihr zusammen Anomalien in London erforscht. Beide sind gebildet, autonom und cool. Den Bechdel Test bestehen sie auch. Dieser besagt, dass man

a) 2 Frauen im Film haben muss, die
b) miteinander sprechen und
c) dass das Gespräch sich über etwas anderes als einen Mann drehen muss.

Und nun ein Gegenbeispiel: Alfonso Cuaróns Gravity entzückt gerade die Augen der weltweiten Kinolandschaft. Ohne Zweifel ist der Film aber nicht nur ein visuelles Meisterstück, sondern auch eine lebensbejahrende Wiedergeburtsparabel mit einer angeschlagenen, aber starken Frau, die enorme Willenskraft im geforderten Augenblick beweist. Die Astronautin, gespielt von Sandra Bullock, kämpft über weite Teile des Films komplett alleine und in völliger Stille um ihr Überleben im Weltall. Wenn einmal jemand mit ihr redet, dann ist es bis auf eine Szene stets der erfahrende Kommandant Matt (George Clooney), der die hyperventilierende, verängstigte Frau beruhigen und retten muss. Am Ende schafft es Dr. Ryan Stone zurück auf die Erde. Ganz alleine. Durch ihre Intelligenz, ihren Mut und ihren Einsatz. Gravity zeigt eine starke Frau, die ihren Weg geht und über Hindernisse, die ihr in den Weg gelegt werden, autonom hinübersteigt.

Den Bechdel Test würde der Weltraumthriller jedoch nicht bestehen. Im gesamten Film redet Stone lediglich mit Astronautenkollege Matt oder über Funk mit einem Inuit auf der Erde.

Es ist klar, dass der Bechdel Test keine perfekte Ratio für die Darstellung von Frauen in Filmen sein kann, geschweigedenn für die Qualität eines Filmes. In der Annahme wäre nämlich der neue Superheldenfilm aus dem Hause Marvel besser als Cuaróns Leidenschaftsprojekt und in dieser Welt will ich nicht leben.

Prinzipiell jedoch ist der Test in seiner Raffinität natürlich nicht von der Hand zu weisen. Immerhin habe ich zwei sehr extreme Beispiele herangezogen – insbesondere Gravity, mit seinem minimalistischen Fokus eignet sich nur mäßig. Aber gerade bei diesen Beispielen zeigt sich bereits, wie leicht man ihn aushebeln könnte, was von Stand-Up Komiker Vince Mancini auf die Schippe genommen wird. Und seit der Debatte über die Frauenrolle(n) in Pacific Rim bieten Filmfans auch den Mako Mori Test an.

Dass die Darstellung von Frauen problematisch ist, verbleibt natürlich ein No-Brainer. Aber ob man mit dem Test wirklich so Einfluss nehmen kann, da bin ich mir nicht sicher. Frau Bechdel hat gesagt, dass ihr Test nur ein Gedankenspiel ist und kein absoluter Standard. Es ist nur so schön einfach, dass er sich gut eignet. Es dreht sich hier aber eher darum, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Und das dürfte mit so einer Regelung funktionieren. Es ist ein klarer Marketingstunt des Kinos, der funktioniert. Die Tatsache, dass sowohl der Guardian als auch kleine Leute wie ich sich darüber echauffieren, kann prinzipiell nur positiv sein. Ein Schritt in die richtige Richtung. Man sollte jedoch nie glauben, man könne die Welt mit solch einfachen Regeln erklären und wenn man sich nur an sie hält und alledem ein Label aufklebt, dann wäre alles gut.

Record/Play

“War, fate, and a broken walkman transcend space and time in this sci-fi love story.” Die Beschreibung unter dem Video sagt eigentlich bereits alles, was man zum Inhalt wissen muss und sagen kann ohne zu spoilern. Ich möchte jedoch noch herausheben, wie gut dieser Film ist. Er sticht heraus, zweifellos. Er ist schlau, gefühlsbetont und ruhig. Drei Eigenschaften, die immer seltener in Sci-Fi-Kurzfilmen werden in Zeiten immer einfacher werdendem Zugang zu VFX. Im Langfilmsegment trifft das (glücklicherweise) noch nicht zu. Herausragend. Dazu ist die Musik am Ende wunderschön.

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Goodbye, Breaking Bad

01 Oct, 2013 · Sascha · Featured,Fernsehen · 8 comments

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Vereinigte Staaten, 2013
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Darsteller: Saoirse Ronan, Diane Kruger
Länge: 125 Minuten
Rating: ★☆☆☆☆

Während der Abspann über die Leinwand projiziert wird, dass man gerade den neuen Film von Andrew Niccol gesehen hat. Niccols Gattaca gehört für mich zu den zeitlosensten Filmen über den menschlichen Zustand, den besten Science-Fiction Filmen aller Zeiten und ist vielleicht mein definitiver Lieblingsfilm. Doch nach einigen mäßigen Versuchen den Erfolg zu wiederholen, erleidet er nun die völlige Bruchlandung.

Niccol ist stets faszniniert von innergesellschaftlich ausgetragenen Konflikten, die als Setting für intime menschliche Geschichten dienen. In Gattaca wird durch die Erschaffung von genetisch manipulierten Menschen eine neue Unterklasse geschaffen. In In Time wird Zeit zu Geld und die Unterprivilegierten sterben auf offener Straße, während die Reichen sich einer jahrhundertelangen Party sicher sein können. In The Truman Show ist die Gesellschaft selbst ein virtuelles Konstrukt, das in ständiger Gefahr ist mit ihrer Hauptperson in Konflikt zu geraten und so die Simulation zu zerbrechen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Niccol sich von Stephanie Meyers Roman The Host (deutsch: Seelen) angezogen fühlt. Wir beginnen wo Invasion of the Body Snatchers aufgehört hat. Der Kampf der Menschheit ist am Ende. Aliens, die sich als pulsierende, parasitartige Lichtigel in den Hirnstamm der Menschen einsiedeln, haben die Erde kolonialisiert. Sie übernehmen die Körper der Menschen und unterdrücken die Persönlichkeit ihres Wirts. Aber dabei meinen es die Aliens nur gut mit uns. Oder mit der Erde. Binnen weniger Wochen sind alle Probleme der Menschheit gelöst. Rassismus, Hunger und Gewaltverbrechen gehören der Vergangenheit an. Nur eine kleine Gruppe von Menschen schafft es noch Widerstand zu leisten.

In dieser Welt hat es Melanie Stryder lange geschafft zu überleben. Eines Abends wird sie in ihrer Wohnung von einem jungen Mann überfallen. Sein erster Instinkt, als er merkt, dass sie noch menschlich ist? Ein Kuss. Die beiden Überlebenden verlieben sich ineinander und führen ein gemeinsames Leben; immer auf der Flucht, bis Melanie entdeckt und in die Enge getrieben wird bis ihr letzter Ausweg der Sprung aus dem Fenster ist. Der sichere Tod, aber immer noch besser als Alien zu enden. Ihre Verfolger haben sich ganz der Erde angepasst. Die Außerirdischen passten sich der menschlichen Technologie an, verfügen aber über magische Heilsprays, die Tote wieder lebendig machen. So geschieht es mit Melanie, der daraufhin Wanda, kurz für Wanderer und eine uralte, viel bereiste Außerirdische, eingesetzt wird. Diese soll Melanies Erinnerungen anzapfen und die Seeker, unter Führung von Diane Kruger, auf die Spur der letzten Überlebenden bringen. Doch Melanie kann überleben und trägt im gemeinsamen Bewusstsein einen verbalen Kampf mit Wanda aus.

Diese Szenen sind unfreiwillig komisch, da Niccols selbst nicht weiß, wie er den inneren Kampf von Melanie und Wanderer auf die Leinwand übertragen soll. Zu meist verlässt Saoirse Ronan ein Gespräch, stellt sich ein wenig entfernt vom Geschehen hin und blickt in die Ferne. Dann hören wir die hallende Stimme Melanies, die Wanderer bittet, etwas zu tun oder etwas zu lassen. Wanderer spricht derweil ihren inneren Dialog mit Melanie laut aus. All dies geschieht während Charaktere weiterhin im Szenenbild stehen und verwundert die Situation beobachten.

Exposition findet über Voice-Over statt, das Setting und seine durchaus interessanten Auswirkungen auf das alltägliche Leben der neuen Welt werden nie betrachtet und sind für die Produktion gar nicht interessant. Dabei wäre genau dies in dem ohnehin viel zu langen Film eine notwendige Investition gewesen. Das mit größte Problem des Films ist, dass wir nie die eigentliche Invasion mitbekommen und die Motivationen der Aliens, insbesondere die von Dianes Krugers Seekerin, stets nebulös bleiben. Wieso jetzt diese autark im Versteck lebende Gruppe von Überlebenden unbedingt ebenfalls assimiliert werden muss, wird nie eindeutig erklärt und sogar von den Aliens in Frage gestellt. Als einziger Antrieb verbleibt der nie verdeutlichte Hass von Frau Seeker. Weiterhin leidet der Film unter seiner direkten Umsetzung. Auf dem Papier wird man nicht über jede Fahrt nachdenken, doch wenn ein Lastkraftwagen durch die Wüste Nevadas brettert und dabei unglaubliche Mengen Staub aufwirbelt, wirft dies die Frage auf, weshalb die Aliens nicht Satellitentechnologie nutzen um so die letzten Rebellen verfolgen zu können. Sie kennen immerhin das ungefähr Gebiet in dem sich die Rebellen befinden.

Aber all dies wäre doch zu entschuldigen. Immerhin handelt es um eine Liebesgeschichte für Teenager, die sich nicht wirklich den Hard-Sci-Fi Elementen seines Settings stellen will oder muss. Der Todesstoß kommt in Form der Vorlage, denn es handelt sich um eine Adaption eines Teenagerromans von der überzeugten Mormonin Stephanie Meyer (Twilight). Ihre Frauen sind schwach, müssen sich unterordnen und geschützt werden – sind dies all noch selbst schuld. In der Twilight-Reihe wird dies am deutlichsten sichtbar, wenn der eigentliche Held Edward seine Liebe Bella direkt in die Opferrolle zwängt:

It is partially your fault. If you didn’t smell so appallingly luscious, he might not have bothered.

Victim blaming 101. Und genau so ist es auch in Seelen, nur noch schlimmer. Wir lernen nie viel von der Vorgeschichte, der Invasion oder wie Melanie all die Zeit überlebt hat. Sie hatte Glück und passte sich an. Daraufhin wird sie überrumpelt und direkt geküsst. Eine Liebe entsteht von der wir nie viel sehen. Meyers Verständnis einer Beziehung bewegt sich auf dem Niveau ihrer Leserschaft. Küssen heißt Liebe.

Weiterhin erfahren wir nie, weshalb Melanie von den Seekern aufgespürt wird. Wieso befindet sie sich in diesem Gebäude zu diesem Zeitpunkt? Wieso ist sie alleine? Alle Tatumstände sind unbekannt. So ist es besonders bezeichnend, dass die erste Reaktion auf ihre Rückkehr zur Rebellengruppe ein Faustschlag ins Gesicht ist – von ihrem Freund. Klar, Wanderer hat von Melanie Besitz ergriffen, aber Melanie steht doch noch immer vor ihm. Ist es auch ihre Schuld? Hat sie nicht genug aufgepasst? Hat sie es provoziert? Wir erfahren es nie und fühlen die Verzweiflung und Verwirrung in negativem Sinne, die durch die Morddrohungen direkt auftreten. Nein, das Opfer kann nicht mehr in die Gemeinschaft zurück, es muss aussortiert werden. Es ist zu bestraften. Immerhin drang etwas in sie ein und nun ist sie nicht mehr wie zuvor oder es wert, geliebt zu werden. Ob dies gegen ihre Willen geschah, spielt keine Rolle.

Die Auflösung des nervigen Beziehungsdreiecks geht ganz ähnlich wie in der Vampir-Quadrilogie von statten. Die Protagonistin teilt sich einfach in zwei und jeder Mann bekommt eine ab. So muss es sein im Patriarchat. Ein einziger Lichtblickt bleibt hierbei, dass es sich nicht erneut um ein Kind handelt.

Nein, The Host ist nicht Andrew Niccols großartige und erhoffte Rückkehr zum intelligenten Science Fiction Kino. Dafür adaptiert er auch ohnehin das falsche Buch. Aber auch die ästhetischen Entscheidungen sind nicht immer nachvollziehbar. Immerhin heißt es in den Credits “Written for the Screen”, was ein paar gewisse Freiheiten bei einem Auteur dieses Formats andeuten könnte. Die Umsetzung bewegt sich jedoch tragischerweise sklavisch nah an ihrer Vorlage, die ihre Zielgruppe schändlich behandelt und mit falschen Moralvorstellungen für das Leben vorbereitet. Der Schaden des Films wirkt über den Kinobesuch hinaus.