Review - PewPewPew

USA 2012
Regie: Gary Ross
Drehbuch: Gary Ross, Suzanne Collins, Billy Ray
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Stanley Tucci, Woody Harrelson und Donald Sutherland
Länge: 142 Minuten
FSK: ab 12
Start: 23. März 2012

Ein Atomkrieg verwüstet den Planeten. Aus den Ruinen erhebt sich auf dem nordamerikanischen Kontinent der autokrative Staat Panem, der sich aus einer Hauptstadt in den Rocky Mountains und 13 auf dem restlichen Gebiet verteilten Disktrikten konstituiert. Nach einer Rebellion gegen die Hauptstadt wird der Initiator, der 13. Distrikt, dem Erdboden gleichgemacht. Fortan müssen die restlichen 12 in einer harschen Diktaktur leben. Als Erinnerung und Strafe für ihren Aufstand werden jedes Jahr ein Mädchen und ein Junge im Alter von zwölf bis 18 Jahren ausgewählt, um an den Hungerspielen teilzunehmen, einem live im Fernsehen übertragenen Wettkampf, bei dem es nur ein Ziel gibt: Alle anderen Mitspieler zu töten.

Die Prämisse von Suzanne Collins weltweitem Bestseller und ersten Teil der “Hunger Games”-Trilogie alleine klingt so düster und erschreckend, dass man sich nichts Geringeres als das berüchtigte R-Rating vorstellen kann. Außerdem werden mehr als auffällige Parallelen zum Kultfilm “Battle Royale” aus Japan erweckt, ein Umstand, den Suzanne Collins weit von sich weist: Ein Herumzappen zwischen Reality-Shows und Berichten über den Irakkrieg brachte sie auf die erfolgbringende Idee. Man mag es ihr, wenn man die Trilogie, die besonders im dritten Teil eine dramatische, inhaltliche Wende nimmt, glauben. Für sich genommen aber ist The Hunger Games in vielen Teilen eine zahme Kopie einer guten Idee, mit guter Exposition, einem gelungenen Weltenbasteln, gepaart mit einer grandiosen Hauptdarstellerin.

Doch Regisseur Gary Ross schafft es, dass zu mindest die erste Hälfte seiner Adaption weitestgehend keine Erinnerung an Battle Royale hervorruft. Er schaffte es sogar, dass der Film bei uns mit einer FSK-12 Einstufung in die Kinos kommt. Der japanische Verwandte hingegen ist seit Jahren indiziert. Das liegt an der Nähe zum Buch: Während der Ross zwar geschickt darin ist, Figuren zu marginalisieren und interessante Szenen hinzuzufügen, bewegt er sich in der zeitlichen Aufteilung der Aspekte von Dystopie in der ersten und Survival in der zweiten Hälfte zu nahe am Buch. Während sich der Ton eines Buches eher durch den Erzähler definieren lässt, werden wir über Katniss’ Gedanken weitestgehend im Unklaren gelassen. Dadurch stößt der zweite Teil des Films ein wenig auf, er passt nicht so wirklich. Dazu ist er zu kurz und vor allem: zu unblutig. Ross ist zwar geschickt darin, die durchaus dunklen und grausigen Tötungsszenen durch Shaky-Cam und unfokussiertn Close-Ups in gewisser Hinsicht zwar zu zeigen, jedoch viel dem Zuschauer zu überlassen. Natürlich wird hier die Realität wieder ein wenig ausgeblendet. Hier hält Lionsgate den Zuschauern eher den Augen zu, als dass Gary Ross eine in sich stimmige Entscheidung als Künstler trifft.

Das kann man zwar dadurch rechtfertigen, dass Katniss auch im Buch nicht viel vom anfänglichen Gemetzel mitbekommt, aber es ist ein Film und kein Buch – und dieser krankt durch den Druck von Produktionskosten, Fanerwartungen und Franchisehoffnungen des Studios. All dies führt dazu, dass der Film PG-13 sein muss. Dass dies inzwischen das Ziel eines jeden Mainstream-Hollywood-Films ist, mag kein Geheimnis sein, noch ein direkter Nachteil. Es führt jedoch dazu, dass Katniss’ Geschichte zahmer wird und ihren Schrecken verliert. Zu keiner Sekunde verspürte man eine wirkliche Gefahr für Katniss, die im Buch allgegenwärtig ist. Nicht einmal war sie kurz vorm Verdursten. Peeta nippelte fast in der Höhle, in der sich die Geschichte für mehrere Tage bewegt (im Film sind es Minuten und eine Nacht), ab. Das Finale wirkt gehastet, während es im Buch mehrere Stunden dauert. Ähnlich emotionslos wirken die Tode der Tributen, selbst die, die Dialog haben. Wir kennen keinen genug, um die nötige Trauer zu fühlen oder den Ekel zu entwickeln, der uns als Zuschauer bei diesem Spektakel erstarren lassen soll.

Das Verhältnis zwischen eins zu eins Adaption in der Exposition und Marginalisierung des eigentlichen Hauptteil und Fleisches der Geschichte will nicht so wirklich funktionieren. Insbesondere ein paar Reaktionen der Zuschauer in der Hauptstadt, vielleicht sogar aus den ersten beiden Distrikten haben gefehlt. Durch die Darstellung der roboterartigen Präzision der Gamemaster der Hauptstadt, der armen Tribute in der Arena und der hilflosen Massen in den armen Distrikten, stellen sich stofffremde Zuschauer berechtigt die Frage, wieso niemand etwas dagegen unternimmt.

Immerhin, ein großes Plus des Films ist seine Besetzung. Die schauspielerische Begleitung für unser Trio durch Größen wie dem herrlichen Stanley Tucci oder den hier oscarreifen Woody Harrelson als besoffener Mentor Haymitch gibt den Jungdarstellern einen guten Rahmen, den insbesondere Jennifer Lawrence und Josh Hutcherson auszufüllen wissen. Liam Hemsworth hat hier nicht einmal eine wirkliche Nebenrolle. Die Leistung ändert jedoch nichts daran, dass die Schauspieler falsch besetzt sind. Sie schauen alle ein wenig zu alt aus, auch wenn Makeup und Kostüme ihr Möglichstes tun. Schade ist auch die Besetzung von Präsident Snow durch Donald Sutherland, der zwar fies, dafür aber auch ein wenig zu alt und ungefährlich aussieht. Hier hätte ich mir, wie schon beim Lesen des Buches, Malcolm McDowell vorgestellt, dessen Blicke wesentlich mehr die im Buch beschriebene Schlangenartigkeit ausdrücken können. Außerdem wirkt er wesentlich agiler und dadurch gefährlicher.

Doch der richtige Grundstein wurde gelegt. An und für sich mag ‘The Hunger Games’ ein komischer Mix aus Dystopie und Survival-“Horror” sein; seine wahre Qualität wird sich jedoch erst mit den, dank des überragenden Startwochenendes als sicher geltenden, Fortsetzungen zeigen. Wie man jedoch das dritte Buch mit einem PG-Rating verfilmen will, ist und bleibt mir ein Rätsel. Wird man es ähnlich wie hier lösen, dann wird es cinematographisch sicherlich interessant, könnte aber durch diese Darstellung der Thematik, die realer und medienaktueller nicht sein könnte, nicht gerecht werden. Es wäre eine zweifelhafte Botschaft, insbesondere für das junge Publikum.

7/10

Autor: Warren Eliis
Artwork: Colleen Doran
Lettering: Clem Robins
Colorierung: Dave Stewart
Verlag: DC Vertigo (2003)
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Warren Ellis’ ‘Orbiter’ ist einer der wichtigsten Comics, die jemals geschrieben wurde. Das sage ich voller Überzeugung. Obwohl der Comic 2003 erschien und er bereits damals zeitgenössische Bedeutung besaß, könnte er heute kaum aktueller und wichtiger sein, denn es geht um nichts Geringeres als die Zukunft der bemannten Raumfahrt.

Die Geschichte ist äußerst spannend. Seit 10 Jahren – nachdem das Space Shuttle Venture nach dem Start verschwand – war kein Mensch mehr im Weltall. Zu gefährlich ist alles und das Verschwinden des Shuttles war zu unerklärlich. Kein Risiko mehr. Doch plötzlich taucht das Shuttle wieder auf und macht eine Bruchlandung auf dem inzwischen als Shanty-Town dienenden Kennedy Space Center. Schnell wird die NASA wiedereingesetzt und ein Team aufgebaut. Die führenden Köpfe bilden die Biologin und letzte lebende Astronautin Michelle Robinson, der Ingenieur und Raketenexperte Terry Marx und Anna Bracken, der die vielleicht schwierigste Aufgabe zufällt, denn sie muss John Cost interviewen, den einzigen Astronauten, der noch an Bord der Venture war.

Wenn schon die erste Seite einem den Atem raubt, dann weiß man, dass man ein gutes Buch in den Fingern hält. Warren Ellis’ Idee, den Comic mit einem Splash-Panel des aufgegebenen und inzwischen als Shanty-Town genutzen Kennedy Space Centers zu beginnen, ist ebenso fantastisch wie erschreckend. In seinem Vorwort schreibt Ellis, dass der Comic eigentlich erst wesentlich später erschienen wäre, man aber nach dem Absturz der Columbia im Januar 2003 das Gefühl hatte, dass er direkt raus musste – denn er hat etwas zu sagen. Etwas ganz Bedeutendes. Es ist ein Comic der Hoffnung.

Nach dem Absturz, ähnlich wie bereits nach der Challenger-Katastrophe, sollte später kein Shuttle mehr für 18 Monate starten. Schlussendlich aber starteten sie wieder. Und das ist das Wichtigste. In seiner bewegenden Rede am Abend der Explosion richtete sich Ronald Reagan insbesondere an die vielen Kinder, die die Katastrophe live am Fernsehen miterlebten, weil eine Lehrerin mit an Bord war: “[…] it is part of taking a chance and expanding man’s horizons. The future does not belong to the faint hearted, it belongs to the brave.”

Darauf aufbauend, zeigt uns Warren Ellis, was mit dem Menschen passiert, wenn er aufhört. Wenn er stehen bleibt. Er degeneriert. Das Bild des Kennedy Space Centers symbolisiert was passiert, wenn wir unsere Bestrebungen ruhen lassen. Diese Botschaft ist heute noch wesentlich wichtiger als 2003. Die NASA hat die autonome, bemannte Raumfahrt komplett eingestellt. Kein Shuttle startet mehr. Die nächste Generation bemannter Raumschiffe soll frühestens Ende des Jahrzehnts ihren ersten Einsatz haben. Momentan sind die Amerikaner nur Beifahrer der Russen. Nichts könnte der amerikanischen Gesellschaft, und der Welt allgemein, mehr helfen die Wirtschaftssorgen und Krisen besser zu verarbeiten, als wenn wir wieder ein gemeinsames Ziel hätten. Wir verbauen gerade unsere Zukunft. Und die unserer Kinder. Denn die müssen erst lernen zu träumen. In unserer Zeit fällt das momentan schwer.

Der Comic hat ein paar kleine Längen in der Mitte, da man sich als pfiffiger Leser schnell ausmalen kann, was passiert ist. Doch dann kommt es ganz unerwartet. Ich kann die immense Awesomeness des Comics nicht aufzeigen, ohne euch zu spoilern, deshalb nur weiterlesen, wenn ihr euch ganz sicher seid. [Markieren]Als Cost und seine Crew an die ISS andocken wollen, schießen sie plötzlich weg und sind binnen Sekunden auf der Rückseite des Mondes. Panik bricht aus. Dann erscheint ein Licht. Eine Stimme ist in den Köpfen der Astronauten zu hören. Es sind unsere Freunde von anderen Sternen. Sie haben auf uns gewartet. Doch wir waren zu ängstlich. Zu zögerlich. Sie haben gewartet, doch es ging ihnen nicht schnell genug. Sie wollen Freunde zum Spielen, zum weniger alleine sein. Cost und seine Crew erleben in den nächsten 10 Jahren, und das ist dank Biologin und Raketenphysiker (aka Warren Ellis) gar nicht mal so dumm erklärt, eine Rundreise durch die Galaxie. Cost kehrte lediglich zurück um den “Rest” zu den Sternen zurückzuholen. [Spoilerende] Der finale Moment ist so rührend, das Papier wurde ein wenig nass.

Besser kann ein Comic nicht sein. Ich lege ihn jedem ans Herzen, der schon einmal nachts in den Himmel schaute und sich fragte, warum wir aufgehört haben zu träumen.

Warnung: Spoiler für Comic und Folge

“The Governor called, you’re off the hook.”

Ich habe die Zombies schon mehr als einmal als Naturkraft in meinen Reviews beschrieben. Wie eine Naturkatastrophe ziehen sie durch das Land und werden durch Zerstörung und Tod noch stärker. Dennoch, sobald man über den initialen Schock “Oh Scheiße, Zombies!” hinweg ist, und das sind unsere Charaktere seit Langem, brauch man mehr um zu unterhalten. The Walking Dead hat das langsam begriffen. Ziemlich spät, denn wir sind eine Folge vom finale der zweiten Staffel entfernt und die lauernde Gefahr durch die andere Gruppe ist gut, aber noch nicht personifiziert und dadurch schwach. Die Show braucht einen Antagonisten.

Es gibt interessante Momente in dieser Folge. Andrea und Glenn reparieren den RV und zollen Dale damit einen gebührenden Serienabschied. Inbesondere die hübsch geschnittene Begräbnisszene setzt einen passenden Ton für die Folge, der ausnahmsweise mal aufrecht erhalten wird. Weiterhin: Die Camper ziehen endlich ins Farmhaus ein. Die Leute sind emotional zusammengewachsen, es ist also an der Zeit, dass sie auch zusammen wohnen – immerhin steht der Winter vor der Tür.

Decisions, decisions…

Aber hauptsächlich funktioniert die Folge, weil der Status Quo geändert wird. Endlich werden Nägel mit Köpfen gemacht. Es werden Entscheidungen getroffen und Charaktere kommen weiter, ja sogar T-Dog hat tatsächlich einmal ein paar Zeilen – das naht ja schon an Character Development! Lori entschuldigt sich bei Shane. Sie gibt zu, dass sie Gefühle hatte, dies aber nun vorbei ist und Rick ihr Mann ist. Punkt. Doch gerade dieser Versuch alles zu glätten, bringt das Unheil herbei. Shane braucht Loris Unentschlossenheit. Es gibt also nur eine Möglichkeit Lori zu gewinnen: Er muss Rick töten.

Um dies zu tun, entführt er Randall und erledigt diesen im Wald. Shane war noch nie der Schlaue in der Gruppe… Er erfindet die Geschichte, dass Randall ihn überwältigt und in den Wald entkommen ist. Shane, Rick, Glenn und Daryl folgen ihm also. Inzwischen ist es Nacht. Glenn und Daryl finden Randall ALS ZOMBIE. Sie erledigen ihn und entdecken, dass er nicht gebissen wurde, sondern nur auf Grund eines Genickbruches starb. Währenddessen kann Rick Shane austricksen. Er verwickelt ihn in ein Gespräch, doch er merkt, dass Shane zu entschlossen ist und er ihn nicht überreden kann. Er täuscht vor, ihm seine Waffe zu geben, und zieht schnell ein Messer und ersticht ihn. Shane stirbt. Doch nicht ganz. Rick wartet – er ahnt etwas. Er muss es wissen! Währenddessen erleben wir, wie tobende Zombies als Flashcuts über den Screen huschen – zum ersten Mal wird die Zombietransformation visuell subjektiv dargestellt.

Wie der Sohn, so der Vater

Doch bevor Rick dies merkt, steht Carl vor ihm. Was hat sein Vater da getan? Er hebt die Waffe und schießt – und trifft Shane, der inzwischen zombifiziert nahe hinter Rick stand. Der Schuss wird gehört – von einer Horde im inzwischen getrockneten Sumpf. Vater und Sohn sehen sich einer nahenden Naturgewalt gegenüber.

Alles in allem finde ich das gut. Ja, doch. Zunächst fand ich es blöd, weil nicht Carl Shane umbrachte – da hatte wirklich jeder Comicfan drauf gewartet, denn die Szene lief genau so ab. Doch es macht mehr Sinn, dass Rick derjenige ist, der ihn umbringt. Shane war kein wirklicher Antagonist, er hat immer nur gekuscht und sich den Kopf gerieben und bei den Anderen beschwert. Seine Transformation zum Verrückten in dieser Episode war notwendig, doch sie kann nur von kurzer Dauer sein. Alles andere lässt Rick nicht zu. Damit ist der Konflikt, der die Gruppe und die gesamte Staffel lähmte überstanden. Alas, es ist vorbei. Dass Carl Shane jedoch trotzdem erschießt, erscheint mir wie eine lahme Ausrede der Autoren, à la: “Schaut, Carl HAT Shane erschossen, nur eben als Zombie.” Oder es könnte auch sein, dass man nicht zeigen konnte/wollte, wie ein Kind einen Charakter erschießt.

Spekulation über das Finale

Hershels Aufforderung kam die Gruppe nie nach. Sie blieben auf der Farm, Rick rettete Hershel aus der Bar und insgesamt wuchsen alle zusammen. Es gibt keinen Grund die Farm zu verlassen. Dort draußen gibt es nur Unheil, die Farm war den Sommer über sicher, wieso nicht auch noch länger? Ein paar Anpassungen hier, ein paar Nachbesserung dort, und man kann sich dort ein gutes Leben machen. Das stimmt auch, nur wäre das keine gute Serie. Bereits die erste Hälfte litt stark darunter. Ich denke, dass die Horde die Farm überrennen wird und unsere Helden sich verbarrikadieren müssen. Ein paar könnten sogar sterben. Meine Tipps wären T-Dog, Patricia und noch jemand, dessen Tod den Fans wirklich weh tun wird. If you burn down the house, YOU BURN DOWN THE HOUSE!

Weiterhin denke ich, dass Ricks Gruppe diese riesige Horde nicht alleine bewältigen kann. Deshalb wird wohl im letzten Moment die Rettung kommen. Als passende Transition und Cliffhanger für die dritte Staffel könnte ich mir da sogar den inzwischen gecasteten Govenor vorstellen, sodass diese Storyline in der dritten Staffel dominiert und der lahme, der Farm ähnliche Gefängnisplot komplett übersprungen wird. Irgendwas oder irgendjemand wird am Ende kommen müssen. Ich wette mein Geld darauf.

Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E11 – “Judge, Jury, Executioner”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
The Walking Dead S02E08 – ‘Nebraska’
The Walking Dead S02E09 – ‘Triggerfinger’
The Walking Dead S02E10 – “18 Miles Out”
The Walking Dead S02E11 – “Judge, Jury, Executioner”

Warnung: Spoiler für Comic und Folge

“Heaven is just a lie, and if you believe in it you’re an idiot!”

Es hat sich für die Autoren der Serie wohl inzwischen eingebürgert, dass man nicht zwei actionreiche Episoden hintereinander schalten kann. Dies kann vielleicht dem Budget geschuldet sein, aber dennoch wäre es möglich, nicht immer “Slow Burn”-Episoden nach eventreichen zu bringen. Aber nun gut. In dieser Folge kulminiert die seit Beginn der Serie allgegenwärtige Thematik des Verlusts des Rechts und der Ordnung. Das dürfte doch interessant werden, oder? Nunja, ein bisschen?

Randall weiß also von Maggie und der Farm. Er muss sterben, denn er stellt ein zu großes Risiko für die Gruppe dar. Das will Dale nicht einfach so hinnehmen und versucht mit allen in Einzelgesprächen eine Front gegen Rick und Shane aufzubauen. Währenddessen ist Carl mal wieder ein ziemliches Balg, beleidigt Carol am Grab ihrer Tochter, stiehlt Daryls Waffe und macht sich alleine auf in die Sümpfe, in denen er einem feststeckenden Walker begegnet.

Hier steckt das Potential der Folge, das mal wieder achtlos verschwendet wird. Carls Charakter ist neben Rick der interessanteste im Comic für mich und das lässt sich auch auf die Serie übertragen. Die Zombieapokalypse ausschließlich durch die Augen eines Kindes zu betrachten, zu mindest für mal eine Episode, wäre fantastisch gewesen. Stattdessen ist die Episode eine Mischung aus einem Bisschen Carl und einer Prise Diskussion um den Verlust jeglicher Zivilisiertheit. So ist beides nur halbherzig umgesetzt worden und nichts zahlt sich am Ende voll aus.

Hätte die Episode vollkommen Carls Sicht geschildert, so hätte sich auch Dales Tod am Ende besser ausgezahlt. Carl ist ein bockiges Kind, das kein Wort mitzureden hat, und seine Grenzen sucht. Immerhin gibt es nichts mehr für ihn zu tun: Keine Spielkameradin mehr, keine Kinderserien im TV und keine Schule. Er muss, um der Situation gewachsen zu sein, seine Kindheit loslassen, wird aber dennoch nicht als volles Mitglied in der Gruppe wahrgenommen. Es ist ein interessanter Konflikt, dessen Oberfläche mit dieser Episode nur leicht eingekratzt wurde. Diese emotionale Verworfenheit hätte man noch mehr darstellen und erkunden können.

Aber auch ohne diese Veränderung, wäre die Episode gut gewesen, wenn da nicht die letzten 5 Minuten gewesen wären. Sophias Tod hatte für die Serie eine ähnliche Wirkung wie das Abhacken von Ricks Hand im Comic. Der Leser bzw. Zuschauer weiß, dass sie nur zuschauen werden können und Kirkman bzw. die Autoren der Serie mit den Charakteren machen werden, was sie wollen. Und das ist auch gut so. Dennoch finde ich es schade, dass Dales Tod so verschwenderisch daherkommt. Okay, man muss ein wenig Platz machen für neue Charaktere in der dritten Staffel, aber rein inhaltlich ist er fast sinnlos. Hätte die Episode komplett Carls Sicht gezeigt, wäre es besser gewesen, denn es hätte eine noch stärkere Wucht auf Carl gehabt. Es hätte ihm klar gemacht, dass auch er und seine Taten Konsequenzen mit sich führen und den Arc der Episode schön abgerundet. Es wäre aber noch besser gewesen, wenn Randall ausgebrochen und Dale überwältigt und eventuell getötet hätte. Das hätte Sinn gehabt. Ein bittersüßes Ende. Nun ist es lediglich der dumme Fehler eines Kindes.

Aber Dale wurde in der Serie ja bei weitem nicht so sehr ausgebaut wie im Comic. Daher ist es kein wirklicher großer Verlust. Dennoch ist es ärgerlich. Und überhaupt, wenn sie den Tod wenigstens ei wenig glaubhafter gemacht hätten, wie zum Beispiel Dale nicht in mitten der Nacht in einem nebligen Feld herumlaufen lassen, dann würde ich ja gar nichts sagen…

Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
The Walking Dead S02E08 – ‘Nebraska’
The Walking Dead S02E09 – ‘Triggerfinger’
The Walking Dead S02E10 – “18 Miles Out”

“There are no rules. We’re lost.”

Nach minutiöser Abhandlung der Ereignisse machen wir einen Zeitsprung. Randall ist inzwischen gesund genug, um wieder frei gelassen zu werden. Shane muss sich dieser Entscheidung und Ricks Führerschaft beugen. Dies treibt die Spannungen zwischen den beiden auf einen neuen Höhepunkt. Währenddessen verursacht der Suizidwunsch Beths einen schweren Streit zwischen den Frauen der Show.

Mitten auf der Landstraße stoppt Rick das Auto. Er steigt aus, inmitten der Weite der Landschaft stellt er Rick zur Rede und macht ihm klar, dass er der Anführer der Gruppe, der Vater des ungeborenen Kindes und der Mann Loris ist. Shane nimmt das nicht so wirklich hin. Bockig starrt er vom Beifahrersitz über die Felder, in der ein Walker alleine umherirrt. Verloren, genau wie Shane, wenn er sich Rick nicht beugt.

Als die beiden an einem abgeschlossenen Gelände vorbei kommen, halten sie. Es ist eine passende Stelle um Randall auszusetzen. Die Situation eskalisiert. In seinem Flehen gesteht Randall, dass er Maggie kennt. Er kann also, wenn er seine Leute wieder findet, schnell die Farm finden. Shane und Rick debattieren. Dass Randall wahrscheinlich sterben muss, ist schnell klar. Doch hier? Auf der Farm? Rick zweifelt. Schnell geht es wieder um viel mehr als nur Randall, sondern um die Dynamik zwischen Shane und Rick. Es kommt zum Kampf. Randall, gefesselt am Boden, kann zu einem fallen gelassenen Messer kriechen und sich befreien. Rick und Shane haben ihre Waffen verloren, als Shane einen Schraubenschlüssel durch ein Fenster wirft und die Lurker wach werden. Shane kann sich in einen Schulbus retten, ist aber darin gefangen. Rick und Randall können sich zusammentun – und lassen Shane zurück.

Doch nur zunächst. Rick sieht zwei tote Cops am Boden liegen. Es könnten Shane und er selbst sein, wären sie im Einsatz früher in der Zombieapokalypse gewesen. Rick ist nicht Shane. Er lässt seinen Freund nicht dem Tode geweiht zurück, sondern möchte ihm zeigen, dass er besser ist und rettet ihn.

Große Überraschung der Folge ist Emily Kinney, deren Beth Greene ich zu jeder Sekunde abnehme, dass sie keinen Sinn mehr in dieser Welt für sich und ihre Familie sieht. Andrea, die eine ähnliche Tour durchgemacht hat, findet, dass man Beth diese Situation selbst lösen lassen muss – selbst wenn das heißt, dass sie sich am Ende umbringt. Die Diskussion bringt auch eine Feminismusdiskussion auf, so wirft Lori Andrea vor, sich zu sehr wie die Männer zu benehmen und sich nicht genug im Haushalt zu bemühen. Finde ich eine gute Sache. Dass sobald die Welt kaputt geht, das Rollenverständnis von Jäger und Sammler und Hüterin der Kinder und Köchin sofort wieder genutzt wird, musste mal angesprochen werden. Beth versucht sich umzubringen, merkt aber schnell, dass es ein Fehler war und sie doch leben will. Am Ende hat also Andrea recht, wird aber dem Hause verwiesen.

Nicht nur in Sachen Story zeigt die 10. Folge der zweiten Staffel, was The Walking Dead liefern kann, wenn die Leute dahinter wollen, sondern auch in kinematograpischer Hinsicht ist die Folge ein Genuss. Ernest Dickerson hat bereits in Bloodletting die wunderschöne Weite Georgias eingefangen und auch in 18 Miles Out bekommt man ein Gefühl für die Landschaft, wie schön sie einmal gewesen sein muss und wie die Natur den Zombies trotzt, als ob sie sagen würde: Nicht mit mir.

So wird das Bild eines vereinsamten Zombies, der verwirrt durch ein Feld wandert, zum Motiv der Folge. Shane, der nun auf dem Beifahrersitz verbleiben muss, wird weiterhin für Ärger sorgen. Er ist seit Otis emotional wie der Zombie, der durch das Feld wandert. Ohne klares Ziel oder Gedanken, immer nur auf die nächste Aufgabe bedacht. Die Episode war aber vor allem gut, weil sie so gestrafft und schnittig war. Nur zwei Plots, auf viele Figuren wurde verzichtet (danke!). Es wäre ein Modell für zukünftige Episoden. Aber ein Blick in die nächste Episode lässt schon Böses erahnen.

Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
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The Walking Dead S02E08 – ‘Nebraska’
The Walking Dead S02E09 – ‘Triggerfinger’

“He’s dangerous, Rick. And he won’t stop.”

Es geht also doch. Diese Episode war so ungefähr das, was man sich von einer idealen Folge wünscht. Action, Drama, Charaktersoap und Zombies – viele Zombies. Und dazu noch Splatter. Ohja!

Dave und Tony, die zwei Typen, die Rick erschossen hatte, waren also nicht alleine. Ihre Freunde suchen die Stadt ab und treffen auf Rick und Co., die sich in der Bar verstecken. Obwohl Rick sich für seine Taten entschuldigt (“Wrong place, wrong time!”) und um Frieden bittet, immerhin sei schon genug Blut geflossen, eröffnen die Anderen das Feuer. Das zieht auch schnell sehr viele Walker an und bald müssen alle flüchten. Einer der Anderen, den Hershel angeschossen hat, wird bei lebendigem Leibe gefressen. Ein Weiterer soll schnell vom Dach in das Fluchtauto kommen, springt herunter und scheint sich schwer verletzt zu haben – und wird von dem Dritten zurückgelassen.

Da sieht man mal, wie es in anderen Gruppen zugeht. Ich hoffe, dass diese Gegenteile noch weiter aufgezeigt werden, denn diese Unmenschlichkeit ist thematisch interessant und bisher noch nicht adressiert worden. Gerade in postapokalyptischen Szenarien ist sich doch Jeder selbst der Nächste und die sehr familiären Verhältnisse in Ricks Gruppe dürften die Ausnahme sein.

Währenddessen merkt man auf der Farm, dass Lori verschwunden ist. Shane will bis zum Morgen warten, um Rick und Co. zu retten, doch als er erfährt, dass Lori verschwunden ist, begibt er sich sofort auf sie Suche und wird auch schnell fündig. Lori hatte vorher einen Walker, der sich durch ihre Windschutzscheibe bohrte, erlegt und irrt schockiert durch die Gegend. Später kommen auch Rick und Co. wieder zurück zur Far – mit Rendall im Gepäck, dem Jungen, der vom Dach sprang und sich das Bein am Zaun aufspießte. Das bringt natürlich wieder Spannungen zwischen Rick und Shane, immerhin stellt Rendall und die Gruppe, zu der er gehört, eine große Gefahr für alle dar.

Shane steht jedoch immer mehr auf verlorenem Posten. Ja, er hat noch T-Dog und Andrea, aber das war es auch. Hershel ist seit der “Barnpocalypse”, wie sie in Producerkreisen genannt wird, ganz und gar Ricks Vaterfigur und neuer bester Freund. Schöne Entwicklung, denn Dale würde momentan in der Serie noch nicht funktionieren (Dale ist Ricks Vaterfigur im Comic). Das Interessante der Episode ist insgesamt aber wohl das Ende, denn Lori wird zur Lady Macbeth und trichtert Rick ein, dass Shane getötet werden muss. Okay, Shane ist kein guter Kerl und er ist seit Otis komisch, aber dass Dale von “komisch sein” sein auf “Oh mein Gott, er hat Otis geopfert!” kommt, dazu ohne konkrete Beweise, ist blöd gemacht. Und auch wenn Shane denkt, dass es sein Baby ist und er Rick verdrängen könnte, muss er nicht getötet werden. Es ist eine interessante Drehung der Ereignisse im Comic und dürfte viel Drama bringen, aber ob ich das alles so gut finde, weiß ich noch nicht. Es heißt wie immer: Abwarten.

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“I mean it. Off my land!”

BLAM. Wir beginnen genau da, wo wir aufgehört haben: Ricks Gnadenschuss für Sophia. Hershel ist kaputt. Als zerstörter Mann schlürft er mit Maggies Hilfe zurück zum Haus. Doch Shane lässt ihm das nicht durchgehen. Wie konnte es sein, dass Sophia all die Zeit in der Scheune war? Angeblich hatte niemand etwas davon gewusst, denn um die Walker kümmerte sich immer Otis – und der starb nun mal, bevor das Thema Sophia überhaupt auf den Tisch kam.

Es war ja klar, dass nach der intensiven letzten Folge diese Episode alles etwas ruhiger angehen lässt und den Charakteren Zeit gegeben wird zu reagieren. Fand ich auch alles recht gut gelöst. Es gibt eine Beerdigung, es gibt eine Konfrontation zwischen Dale und Shane, Daryl löst sich immer mehr von der Gruppe und Carols Wutausbruch fand ich rührend und sehr gut gespielt. Doch dann bekommt Hershels Tochter einen Schock und fällt um. Die Anderen suchen Hershel, doch der ist wohl schon lange weg, denn sie finden nur seinen Flachmann. Maggie erklärt, dass Hershel früher gerne einen zu viel trank und kurz vor ihrer Geburt damit aufhörte. Er muss wohl in die nahegelegene Stadt abgehauen sein und sich in der dortigen Bar betrinken.

Ist dann auch so, wie Glenn und Rick schnell herausfinden. Und das war dann auch schon die gesamte Episode. Nichts ist wirklich passiert. Bis auf die letzten 10 Minuten in denen plötzlich ein Daryl-Verschnitt und ein richtig dicker Typ in die Bar marschieren und mit unseren Helden einen trinken wollen. Natürlich merken die schnell, dass Rick, Glenn und Hershel gut gekleidet, sauber und nicht ausgerüstet sind und schließen daraus, dass sie ein Camp hier in der Nähe haben, ja vielleicht leben sie sogar auf einer Farm. Es werden kurze Geschichten ausgetauscht. Die Zwei gehören zu einer größeren Gruppe, nicht weit von hier, und sie könnten jede Hilfe und Unterkunft gebrauchen. Das geht aber nicht, meint Rick. Es kommt zum Showdown und bevor unsere zwei Kumpel überhaupt reagieren können, hat Rick sie umgepustet. Cooler Moment – ich hätte das Gleiche getan. Die Typen waren gefährlich.

Zwischenzeitlich ist Lori alleine mit einem der Autos weggefahren um Rick und Hershel zu holen. Von der Karte abgelenkt, sieht sie nicht den Walker vor sich, fährt ihn um und verunglückt mit dem Auto. Ich sag’s euch. DIESE FRAU!!!! So wie ich das immer verstanden habe, kann die Stadt keine 15 Minuten von der Farm entfernt sein und Rick und Glenn müssen vielleicht gerade mal so eine halbe Stunde weg sein. Ich meine, ja, Hershels Tochter hat einen Schock, aber alleine losfahren, weil die Drei innerhalb von einer Stunde noch nicht zurück sind? AHHHH! Diese Frau macht mich so wütend – bzw sind es die Autoren, die hier einen ultra blöden Plotpoint erzwingen.

Und während ich das ziemlich blöd finde, mag ich das Vorziehen des möglichen Governor / Woodbury Plots. Ich bin mir sicher, dass wir den Governor noch nicht zu sehen bekommen und ohnehin auch erst, wenn wir beim Gefängnis sind – was in Staffel 3 passieren wird, wenn man mich fragt -, aber eine Gruppe als Antagonisten neben den Zombies könnte unseren Helden einen Grund geben von der Farm zu flüchten und es würde mehr Action geben gegen Ende der Staffel. Als Vertriebene würden sie dann das Gefängnis finden. Würde ich gut finden, wenn das passiert.

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‘Jonas’ Review

12 Jan, 2012 · Sascha · Film,Review · 2 comments

Deutschland 2011
Regie: Robert Wilde
Drehbuch: Christian Ulmen, Johannes Boss
Darsteller: Christian Ulmen
Länge: 106 Minuten
FSK: Meine Empfehlung: 18+
Start: 5. Januar 2012

Stell dir vor es ist Schule und du musst wieder hin. Nicht umsonst habe ich bei der FSK meine Empfehlung auf 18+ gesetzt, denn: Spaß haben, wird an diesem Ulmen-Klamauk nur derjenige, der nicht mehr in der Schule ist. Die Tagline spricht keinen Schüler an, sondern Absolventen und Menschen, die Schule lange hinter sich haben und mit einem nostalgischen oder ängstlichen Blick zurückblicken.

Jonas ist 18 und schon mehrmals sitzen geblieben, aber der Realschulabschluss muss sein. Deshalb geht er wieder an die Gesamtschule, um eine 4-wöchige Gnadensphase zu absolvieren, an deren Ende über sein weiteres Schicksal entschieden wird. Doch niemand weiß, dass Jonas in Wahrheit Christan Ulmen ist, der in dieser Rolle erneut sein Wandlungs-, Schauspiel- und Improvisationstalent beweisen darf, das man neben ganz wenigen Größen in Deutschland wie Kalkofe oder Helge Schneider, der auch einen 1A Song zum Film beisteuert, in Deutschland schmerzlich vermisst.

Der erste Eindruck raubt einem nahezu den Atem, wenn man bedenkt, wie Ulmen sonst aussieht und vor allem wie alt er in Wahrheit ist. Die Crew von ‘Jonas’ hat es geschafft, das Aussehen eines 36-jährigen Mannes glaubhaft zu halbieren. Christian Ulmens Semantik und Aussehen ist die eines aufrichtigen und herzerwärmenden Slackers. Das alleine rückt Jonas schon in eine realistische Position. Dass alle Situationen im Schulalltag gefilmt wurden und durch und durch echt sind, tun ihr Übrigens zur Atmosphäre.

Genau wie Jonas verfängt man sich als Zuschauer wieder in den Ängsten und der Unsicherheit des Schulalltags, der in seiner martialischen Realität dargestellt wird. Da sinniert der Chemielehrer über die Zukunft der Gesellschaft basierend auf einem schlechten Resultat eines Tests und hier diskutieren sich schlecht behandelt fühlende Schüler lautstark mit der Lehrerin. Über größere Teile des Films nimmt sich Ulmen ganz zurück und der Film durchdringt seinen semi-dokumentaren Stil um ein volles, ehrliches Dokumentarbild der Schule zu geben.

Ulmen darf hingegen in einzelnen Momenten und Interaktionen brillieren, während der Plot um die Schulband dem Haufen von Momentaufnahmen einen roten Faden verleiht. Ob Ulmen als Jonas seine Liebe der Musiklehrerin im Klassenzimmer bei Kerzenschein gesteht, er mit dem Schulleiter über seinen Abschluss feilschen und ihn später bestechen will oder vom Mathelehrer an der Tafel blamiert wird, Ulmens Jonas ist stets sympathisch, lustig und vor allem ehrlich.

Und das hebt ‘Jonas’ über die Summe seiner Teile hinaus. Ja, Schule kann angsteinflößend und schwer sein, verunsichern und orientierungslos machen. Aber am Ende bietet die Schule auch die einmalige Möglichkeit um schöne Erfahrungen zu sammeln, die man sein Leben lang behält und an die man gerne zurückdenkt. Es ist genau dieses Bild der Schule, das einen mit einem positiven Gefühl aus dem Kino gehen lässt.

8/10