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‘Cloud Atlas’ Review

16 Jan, 2013 · Sascha · Film,Review · 0 comments

Deutschland 2012
Regie: Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski
Drehbuch: Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski
Darsteller: Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Ben Wishaw, Jim Sturgess, Doona Bae
Länge: 172 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★★½

Manchmal gibt es solche Filme, die einem einfach gefallen und direkt ins Herz treffen und ich bin noch nicht zynisch genug um mir diese Erlebnisse abzuquatschen. So ist’s passiert bei Cloud Atlas, einem wichtigen Film mit Makeln. Aber wie könnte es auch anders sein, wenn man versucht 6 Geschichten gestreckt über 500 Jahre versucht zu erzählen? Natürlich sollte ‘Cloud Atlas’ zum Scheitern verurteilt sein, und manche Kritiker hätten das auch gerne so, aber dennoch klappt es und Tykwer sowie die Wachowskis schaffen schlittern vielleicht knapp am Meisterwerk vorbei, schufen aber dennoch einen Film über den in den kommenden Jahren noch reden wird.

Seitdem Peter Jackson den Herr der Ringe verfilmt hat, der als unfilmbar galt, fragt man sich heute in der Filmbranche nicht mehr ob, sondern nur noch wie. Doch die Buchvorlage ‘Cloud Atlas’ von David Mitchell wagt, was bisher so noch nie dagewesen war. Es werden Charaktere, Geschichte und Zeiten verknüpft ohne dass sie direkt miteinander zu tun haben oder aufeinander Einfluss nehmen. Oberflächlich gesehen ist der Film ein Puzzle, das man nicht so leicht verknüpfen kann, doch tief darunter verbirgt sich eine, wenn auch naive, wahre und immerwährende Botschaft, die die Zuschauer berührt.

First things first: Der Film sieht wunderschön aus. Zwar ist bis auf das postapokalyptische Hawaii keine einzige Teilgeschichte neu, doch visuell ist das alles erste Sahne und interessant inszeniert, sodass man auch über die narrativen Ähnlichkeiten zu Klassikern wie z.B. Soylent Green hinwegblickt. Das Ganze ist wirklich mehr als die Summe seiner Teile, da sie grundlegend zusammengehören und diese auf unteren Ebenen immer wieder angespielt werden, sowohl durch strukturelle Elemente als auch auf der musikalischer Ebene.

Ein ganz wichtiges Symbol, das bisher kaum beachtet wurde in der Auffassung des Films, ist die Tür. Der Schnitt des Films ist makellos und wie leichtfüßig man zwischen Szenen und Epochen wechselt ist beeindruckend. Oft funktioniert sie schlicht als Scharnier zwischen Szenen, aber ihre Bedeutung geht tiefer. Und all dies ist nur ein Symbol in einem Film, der die postmoderne Intertextualität lebt wie kein zweiter.

Natürlich sollte man die schauspielerischen Darbietungen besprechen, wenn z.B. Hanks bis zu sechs Rollen verkörpert. Auch wenn mit Makeup, das manchmal funktioniert und manchmal katastrophal ablenkt und befremdlich wirkt, viel getrickst wird, kann man nicht darüber hinwegtauschen, dass jeder Schauspieler bisweilen nur einen bis zwei wirklichen Hauptcharakter bzw. eine Hauptepoche hat.

Es ist interessant Schauspieler aus den anderen Epochen im Hintergrund zu sehen bzw. erst später zu bemerken, wer hinter der Maske steckte, aber auch zur grundlegenden Entwicklung trägt dies bei. Es sollen Seelen sein, die sich über die Zeit in neuen Körpern wieder finden und immer wieder erneut zwischen Gut und Böse entscheiden müssen. Bei manchen gelingt der Aufstieg, andere bleiben immer in der Dunkelheit verloren. Die zentrale Botschaft dabei: Nur gemeinsam überwinden wir unsere Unterschiede und können eine bessere Zukunft für alle erbauen.

Diese Botschaft ist so naiv und wahr, sie könnte von Disney stammen. Tief in uns drin wissen wir, das sie stimmig ist. Ich bin nicht zynisch genug den Wachowskis, Tykwer und Mitchell zu widersprechen.

For Alpay, never forget.

soundofmyvoice

Vereinigte Staaten 2012
Regie: Zal Batmanglij
Drehbuch: Zal Batmanglij & Brit Marling
Darsteller: Zal Batmanglij, Christopher Denham, Nicole Vicius
Länge: 85 Minuten
Rating: ★★★★½

“Somewhere in the valley there is a woman living in a basement.”

Zwei junge, investigative Journalisten haben im Rahmen ihrer Recherche Kontakt zu einer Sekte geschlossen, die eine junge Frau beschützt. Sie zu treffen ist schwieriger als ins Weiße Haus einzubrechen. Sie müssen sich mit Kernseife waschen, neue, weiße Kleider anziehen und ihnen werden die Augen verbunden. Sie werden zu einem Keller irgendwo im LA Valley geführt und werden Maggie vorgestellt – einer jungen Frau, die behauptet aus der Zukunft zu sein.

‘Sound of my Voice’ ist so gut wie Mysteryfilme sein können. Den gesamten Film über werden Brotkrumen entlang der Geschichte links und rechts gestreut, nie weiß man genau, wem man Glauben schenken soll und wenn man sich am Ende sicher ist, wird alles auf den Kopf gestellt. Ich habe lange über den Film nachgedacht, viel gelesen, ihn mehrmals gesehen und bin mir immer noch nicht sicher, ob Maggie jetzt aus der Zukunft stammt oder nicht – und ich bin vollkommen glücklich mit diesem Schwebezustand, der an mir nagt und den Film nicht gehen lässt.

Viel davon ist Brit Marling geschuldet, dem aufkommenden Indiestar, der mich zwar mit ‘Another Earth’ trotz einer großartigen Darstellung ein wenig verzweifeln ließ, hier aber komplett umhaut. Ihre Maggie ist liebevoll, furchteinflößend, verständnisvoll, einschüchternd, jugendlich. Kapitel um Kapitel lernen wir mehr kennen und sie verblüfft einen immer wieder. Daneben erfüllen Christopher Denham und Nicole Vicius zwar ihre Rollen sicher und überzeugend, aber es ist Marlings Präsenz in dem kleinen Kellerraum, die einen fesselt.

Dagegen ist die Dekonstruktion der Sekte bzw. des Kults ebenfalls spannend. Wer gehen kann, kann gehen, jederzeit. Batmanglij und Marling sind gar nicht so sehr daran interessiert zu untersuchen, wieso die Menschen zu Maggie gelangen (der Film lässt die erste Kontaktaufnahme klugerweise aus und überrascht den unwissenden Zuschauer in den ersten Minuten sehr). Es geht eher um die Leidenschaft, die man aufbringen kann und will und wie sehr die Leute Zugehörigkeit und Liebe suchen. Jeder der Charaktere ist in einer Hinsicht gebrochen oder allein, selbst unsere zwei Journalisten, die nach und nach Maggies Einfluss merken.

‘Sound of my Voice’ ist ein fesselnder und spannender Low-Budget Sci-Fi-Film, der nachdenklich macht. Spät im im dritten Akt fügt sich alles zusammen und es macht auch Sinn, je nachdem für welche Seite man sich entscheidet. Es gibt gute Argumente auf beiden Seiten und genau deshalb wird man über den Film in den kommenden Jahren noch oft reden und ihn als Beispiel dafür nennen, wie Filme ein gutes Mysterium verkaufen. Seine Welt ist nicht schwarz und weiß, sondern verwirrend, undurchsichtig, subtil, nervenaufreibend und unheimlich.

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Vereinigte Staaten, Neuseeland 2012
Regie: Peter Jackson
Drehbuch: Peter Jackson & Philippa Boyens, & Fran Walsh & Guillermo del Toro
Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage
Länge: 169 Minuten
Rating: ★★★½☆

“All good stories deserve embellishment.”

Ich habe eine sehr bewusste Entscheidung getroffen. Als jemand, der einen Filmblog betreibt und Reviews schreibt, die von ein paar Leuten gelesen werden, hatte ich zwar das Gefühl, mir Peter Jacksons neuen Film wie vom Regisseur beabsichtigt ansehen und die neue Technologie erfahren zu müssen, aber ich wollte mir die erste Kinoerfahrung aufbewahren und sie ein wenig schützen.

Bei all den negativen Kommentaren, die im Netz zu finden waren, stießen die Kommentare zur erhöhten Framerate und dem 3D besonders heraus. Und als jemand, der solche Effekte schon bei den Fernsehern mit höherer Hertzzahl hasst, wusste ich, dass ich mir den Film in tradtionellem 2D mit 24fps ansehen würde.

Für mich stellte ‘The Hobbit’ eine Möglichkeit dar, zurück nach Mittelerde zu reisen, die Welt der großen Trilogie wieder auf der großen Leinwand zu sehen. ‘The Hobbit’ bietet das und noch mehr. Die Geschichte um den aus dem Auenland mit dreizehn Zwergen ausreisenden Bilbo ist bekannt, wird aber durch viele Szenen, die den Anhängen der anderen Bücher entstammen, unterstützt.

Ich habe eine Schwäche für Kontinuität und dass man die eigentlich leichte, abenteuerliche Hobbit-Geschichte mit Andeutungen auf den Krieg um den einen Ring ausweitete, erfreut mich sehr. Viele sehen darin fälschlicherweise einen Versuch diese Filmtrilogie ebenso episch aufzubauschen wie die erste, aber dabei will Jackson nur so möglich viel wie möglich mit diesen Filmen machen. Das ist ein Unterschied, der nicht jedem klar zu sein scheint.

Das funktioniert natürlich nicht immer. Es gibt Pacing-Probleme und gewisse Szenen könnte man schneiden, aber auch die alten Filme lebten von den ruhigen Momenten, die besonders erst im Kontext der Gesamttrilogie wertvoll erschienen. Für Jackson ist diese Trilogie etwas mehr Auftragsarbeit als Passionsprojekt wie das erste Unternehmen vor 10 Jahren.

Doch als Verantwortlicher für den Erfolg kann man es ihm nicht übel nehmen das Projekt in dem Chaos um MGM, Gewerksschaften und Produktionshölle an sich gerissen zu haben. Immerhin werden diese Filme gemacht, so oder so, es geht hier um Geld. Dann doch lieber er und jetzt. Man kann es dem Mann nicht übel nehmen.

Und wie will man es auch? Für Fans der Welt erweckt er Charaktere zum Leben, die erneut begeistert und verzaubern. Die Setpieces sind enorm, das CGI bis auf wenige Ausnahmen fantastisch und die Welt zeitlos schön. Der Film ist weder zu lang noch zu langatmig und ich möchte keine Szene missen. Dazu ist die Darbietung von Martin Freeman fantastisch. Viele sagen, er sei geboren worden um diese Rolle zu spielen, und sie haben recht.

Worin viele auch richtig liegen, ist, dass HFR nicht gut ist. Zumindest nicht für diesen Fantasy-Film; bei James Camerons 60fps und seinen Avatar-Sequels ist das wieder ein anderes Gespräch. Dass viele kleine, eigentlich Nitpicks, Nörglereien durch die schreckliche Erfahrung der Version in 48fps zu den vielen negativen Kritiken führten, kann ich nach dem zweiten Viewing auch verstehen.

Wenn ihr Mittelerde mochtet, tut euch selbst einen Gefallen, geht ins Kino, schaltet ab, kauft Tickets für 2D und seid glücklich.

‘Take This Waltz’ Review

21 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review · 3 comments

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Vereinigte Staaten 2012
Regie: Sarah Polley
Drehbuch: Sarah Polley
Darsteller: Michelle Williams, Seth Rogen, Sarah Silverman, Luke Kirby
Länge: 116 Minuten
Rating: ★★★★½

“New things get old.”

Sarah Polley ist nur nicht eine gute Schauspielerin (den meisten wohl aus Snyders “Dawn of the Dead” Remake bekannt), sondern auch eine fantastische und talentierte Regisseurin. Ihr “Away from her” war einer der ersten Indiefilme, die mich in jüngeren Jahren wirklich interessierten und mich für das Genre sensibilisierten. Deshalb war ich also nun einige Jahre später verdammt interessiert, was sie mit ihrem neuen Film anstellen würde; dazu spielten einige meiner Lieblingsschauspieler zentrale Rollen.

Margot befindet sich gerade auf einer Arbeitsreise als sie den charmanten Daniel trifft. Sie treffen sich im Flugzeug wieder, wohnen nahe beianander und nehmen sogar das gleiche Taxi mit nach Hause. Es wäre der Beginn einer glorreichen Romanze, doch Margot ist bereits mit Lou verheiratet – und das eigentlich glücklich. Lou schreibt Kochbücher, sorgt sich glänzend zu Hause um seine Frau und ist ein rundum netter Kerl, perfekt gespielt vom sympathischen Seth Rogen. Doch etwas fehlt Margot. Die Beziehung ist nicht mehr frisch und ein wenig eingerostet, funktioniert aber noch, ist aber nicht mehr aufregend. Routine und Alltag sind eingekehrt. Daniel, der bei Margot nicht locker lässt, bietet da erfrischende Abwechslung.

Der Plot von Polleys Drehbuch ist eigentlich Material für sämtliche Rom-Coms unter der Sonne, aber ihr realer und nuancierter Ansatz an die Geschichte, der Margots Zwiespalt versteht und in kleinsten Details auf die Leinwand bringt, verzaubert jeden, der schon einmal die Liebe für sich gewann und dann verlor.

Polleys Film ist magisch. Die Bilder ihrer Kleinstadt irgendwo an der Ostküste der USA bringen einen nachbarlichen Charme auf die Leinwand und zeigen, wie nah die Geschichte am Alltag und der Realität liegt. Dabei ist Polley eine sehr ökonomische Regisseurin. Jede Szene treibt die Geschichte voran, jede Einstellung vermittelt uns die Gefühle der Charaktere und jede Umgebung spiegelt die Beziehungen der Charaktere zueinander wider.

Auch wenn Polley Margot als empathische Hauptperson, gespielt von der Indiekönigin Michelle Williams, gekonnt als ambivalente und liebenswerte Person zeigt, ist die Botschaft doch klar: auch neue Dinge werden alt. Großartig zeigt das Polley in einer minutenandauernden Szene, in der die Kamera, ähnlich dem Karussel des Lebens, die neu einbezogene Wohnung von Daniel und Margot zeigt und die Charaktere in Zeitsprüngen umkreist. Zunächst haben sie leidenschaftlichen Sex und sind verliebt. Später, um die Dinge ein wenig aufzupeppen, laden sie dritte Sexualpartner ein und am Ende, nach einiger Zeit, sitzen beide dort alleine vor dem Fernseher, wie Lou und Margot zu Beginn des Films. Die Innenausstattung ändert sich parallel. Findet sich zu Beginn der Szene in dem Atelier nur ein einziges Bett, weichen nach und nach diese Objekte dem Alltäglichen.

Eine Nebengeschichte um Lous Schwester und ihre Alkoholabhängigkeit wirkt etwas deplatziert und findet nur so halb später ihren Platz in dem großen Ganzen, aber Sarah Silverman beweist hier deutlich, was für eine gute Schauspielerin sie ist.

Polleys ‘Take This Waltz’ ist jedem Menschen wärmstens ans Herz zu legen, der schon einmal Liebeskümmer hatte. Er verkörpert diese magische Schwebe zwischen den Dingen perfekt und zeigt, für uns schmerzvoll, Personen, die man aus dem Freundeskreis oder von eigenen Erfahrungen kennt.

‘Attack The Block’ Review

21 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

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Großbritannien, 2011
Regie: Joe Cornish
Drehbuch: Joe Cornish
Darsteller: John Boyega, Jodie Whittaker, Alex Esmail
Länge: 88 Min.
Rating: ★★★★☆

“That’s an alien bruv, believe it.”

Als die Blockkiddies um ihren Anführer Moses gerade die Krankenschwester Sam auf ihrem Nachhauseweg überfallen wollen, stürzt neben ihnen ein Asteroid in ein Auto. Doch das war noch nicht alles: Aus dem Asteroid kriecht ein kleines Alien, dass die Jungs verfolgen und umlegen. Doch plötzlich tauchen überall Aliens auf, die unsere Jungs mysteriöserweise verfolgen.

Joe Cornishs kleiner Hoddiehorrorfilm ist besonders und einzigartig und muss im Originaton gesehen werden. Es ist zwar schwierig, dass die eigentlichen Helden des Films am Anfang eine arme Frau, dazu noch Krankenschwester, überfallen und ausrauben wollen, aber Cornish bedient sich dieses Klischees als kluge Einführung um später die Dekonstruktion des Stereotypen als Subplot interessant auszubauen.

Ebenfalls gut ist da Design der Aliens. Kein großes CGI-Tentakel-Spektakel, sondern einfach pechschwarze Monster mit Fell und glühenden Zähnen. Es zeigt sich immer wieder, dass Budgetlimitationen sich kreativ positiv auf junge Regisseure auswirken. Mit großen Budgets kommt Freiheit und weniger Druck.

Druck spürt man auch im Film. Die Kämpfe innerhalb des Blocks sind unterhaltsam, die Sprüche klasse, die Gewalt überraschend spaßig brutal und die Bilder sprießen vor kinetischer Energie. Doch diese Energie wird nach einer gewissen Laufzeit zu groß. Die Charaktere und ihre Larger-than-Life-Geschichte verlangen nach mehr Platz, den das Setting und das Budget nicht hergeben.

Daher wäre es mir eine Freunde, wenn an den Sequelgerüchten ein Fünkchen Wahrheit wäre. Joe Cornish ist inzwischen ebenfalls – dank seiner engen Freundschaft zu Edgar Wright – viel mit Drehbüchern beschäftigt. So schrieb er Spielbergs Adaption von ‘Tim und Struppi’ und momentan schreibt er an Edgar Wrights Marvelfilm ‘Ant-Man’. Es wäre zu wünschen, dass Cornish zwischendrin Zeit findet, ein wenig Regie zu führen.

‘Ralph Reichts’ Review

21 Dec, 2012 · Sascha · Film,Games,Review · 1 comment

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USA, 2012
Regie: Rich Moore
Drehbuch: Phil Johnston & Jennifer Lee
Darsteller: John C. Reilly, Sarah Silverman, Jane Lynch, Jack McBrayer
Länge: 108 Min.
Rating: ★★★★☆

Man kann sich für Regisseur Rich Moore nur freuen. Nach jahrelanger Arbeit an den Simpsons und Futurama gelang dem sympathischen Regisseur der Sprung auf die große Leinwand mit dem äußerst unterhaltsamen Animationsfilm für Disney, ‘Ralph Reichts’. Aber auch für Disney stellt der Film eine Wende dar. Unter neuer Führung von John Lasseter kommt das traditionsreiche Studio mit der verspielten Videospielhomage endlich im 21. Jahrhundert an und übertrumpft in diesem Jahr auch den kleinen Bruder Pixar.

Ralph ist ein Videospielebösewicht und könnte eigentlich froh sein, da sein Spiel doch stolze 30 Jahre überstanden hat und sich immer noch großer Beliebtheit erfreut. Doch in seiner Welt wird er wie der Bösewicht behandelt, der er eben ist. Jeder versteht, dass es nur sein Job ist, aber befreundet sein, wollen sie mit ihm trotzdem nicht. Ralph reicht es, er verlässt sein Spiel und geht in andere Spiele, die alle über eine große Spielehalle miteinander verbunden sind, und verirrt sich in Sugar Rush, einem Rennspiel, in dem er der kleinen Vanellope helfen muss.

Wer auch nur im Ansatz Videospiele mag, wird den Film lieben. Er nimmt das Genre ernst und macht mehr als ein paar oberflächliche Andeutungen, sondern lebt seine Nerdigkeit voll aus und ich freue mich bereits jetzt auf die Blu-Ray-Version, die ich an bestimmten Punkten anhalten werde, nur um im Hintergrund nach Referenzen zu suchen.

Die Geschichte ist unterhaltend und sehr schön erzählt, die Set-Pieces sind einfach unglaublich und ich würde sofort das Spiel Sugar Rush kaufen, wenn es wirklich existierte. ‘Ralph Reichts’ macht ähnlich wie die Pixar-Filme einen ähnlichen Spagat und kann sowohl Jung als auch Alt zu. Natürlich darf es auch an der Moral nicht mangeln und hier ist der vielleicht größte Schwachpunkt des Films.

Man kann es Kindern nicht oft genug sagen, dass sie sich selbst akzeptieren müssen und das auch in den Medien, die sie konsumieren, aber im Gesamtkontext des Genres gesehen, sagt der Film nichts Neues aus. Ein zynischer Blogkollege brachte es auf den Punkt: Ralph ist eine wichtige Komponente im Status-Quo. Er ist ein Terrorist, der lernt, seinen Platz in der Welt zu finden und damit glücklich zu sein. Solche Nuancen bleiben Kindern natürlich verwehrt.

Daher bietet ‘Ralph Reichts’ trotz seiner spaßigen Referenzen und guter Charaktere nicht Neues. Been there, done that. Ein guter Film ist er dennoch.

‘The Bay’ Review

20 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

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USA, 2012
Regie: Barry Levinson
Drehbuch: Michael Wallach
Darsteller: Kristen Connolly, Jane McNeill, Christopher Denham
Länge: 86 Min.
Rating: ★★☆☆☆

“Shoot me! SHOOT ME!”

‘The Bay’ ist ein Öko-Found-Footage-Horror-Film von Barry Levinson. Ja, genau, der Typ, der ‘Wag the Dog’, ‘Rain Man’ oder ‘Good Morning, Vietnam’ gemacht hat. Levinson hat aber auch mehr als ein paar Wildcards in seiner Filmographie wie zum Beispiel Bandits oder Man of the Year. Und ‘The Bay’ ist sehr wild.

Der Film spielt in einem kleinen Städtchen an der Küstes von Maine, in dem Menschen plötzlich von Parasiten von innen heraus aufgefressen werden. Und das war es dann auch schon. ‘The Bay’ hat weder Charaktere, noch eine tiefgehende Story, die Menschen werden plötzlich von Wasserasseln gefressen und das war’s. Der Film ist vielleicht am ehesten als ‘Contagion’ im Found-Footage-Stil zu beschreiben. Er versucht die Geschichte des Ablaufs zu erzählen, bedient sich dabei einer schrecklichen Rahmenhandlung einer amateurhaften Reporterin, die den ganzen Film über ein Voice-Over darbietet, und Kameraaufnahmen aus Polizeiwagen, Handys und mehr.

Ein paar inzwischen bekannte Gesichter wie Kristen Connolly (The Cabin in the Woods) oder Christopher Denham (Argo, Sound of my Voice) hat der Film zwar, aber da sie nicht im Mittelpunkt stehen und die Szenen eher verbindungslos aneinander gereiht sind, kommt auch weder ein Spannungsbogen noch eine Identifikation auf, denn es ist dank des offensichtlichen Standpunktes der Erzählung recht schnell klar, was und wieso alles passiert und wie es endet.

Es gibt 2 bis 2 1/2 richtig gute Jump Scares, die Effekte sind ganz ordentlich, aber es gab auch viele dieser für FF typischen Momente des “Wieso filmst du das noch?”. Dazu sind viele eingebaute Aufnahmefehler enthalten – obwohl JEDE Person auf Video aufzeichnet. Dazu sind die Aufnahmen bis zur Unkenntlichkeit verwackelt. Man gehe auf YouTube, finde Aufnahmen zu jeder Katastrophe oder jedem Anschlag und wird bessere Aufnahmen finden. Die große Masse der Leute weiß, wie man eine Kamera zu halten und zu bedienen hat. Das nimmt einen sehr aus dem Film.

Insgesamt ist der Film aber ein großes Fest der Langeweile, das mich trotz seiner ohnehin recht kurzen Laufzeit mehr als einmal auf die Uhr schauen ließ. Es gibt durchaus tiefere Themen, so wurde die Seuche durch Umweltverschmutzung und gedopete Tierhaltung ausgelöst, Stadt vertuschte dies, die Regierung ignorierte zunächst alle Warnzeichen und ließ dann die Menschen im Stich, riegelte die Stadt ab und erkaufte sich bei den Überlebenden mit horrenden Summen Totenstille über den Vorfall, weshalb natürlich bis heute niemand von der Katastrophe in 2009 weiß.

‘The Bay’ ist also kein dummer Film, seine Botschaft nicht neu, etwas plump, aber trotzdem wertvoll. Die Ausführung ist auf allen Ebenen mittelmäßig und die Geschichte weder spannend noch wirklich unterhaltend, aber bei weitem nicht so schlimm wie andere Found-Footage-Horrorfilme. Kann man sich mal antun. Einmal.

USA, 2012
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan & Christopher Nolan
Darsteller: Christian Bale, Anne Hathaway, Tom Hardy, Morgan Freeman, Michael Caine, Marion Cotillard
Produktion: Warner Bros.
Länge: 163 Min.
FSK: 12
Rating: ★★★★½

“A hero can be anyone, even a man doing something as simple and reassuring as putting a coat around a young boy’s shoulders to let him know the world hadn’t ended.”

Was kann man eigentlich noch zum Abschluss der Batman-Trilogie von Christopher-Nolan sagen, das nicht gesagt wurde? Es scheint, aber ob alle Seiten all ihre Argumente aufgebraucht, alle Positionen klar gemacht wurden und die Diskussion um den Film nicht mehr so wichtig ist. Trotzdem möchte ich noch eine Review hier im Blog dazu haben, weil er mir sehr gefiel und ich es schade finde, wie gemischt er aufgenommen wurde. Vielleicht kann ich den Film ja den ein oder anderen umstimmen.

Die Geschichte ist bekannt und bedient sich stark an Frank Millers legendärem Comic The Dark Knight Returns. Batman existiert quasi nicht mehr. Er fiel tief am Ende des vorherigen Films, buchstäblich und metaphorisch. Er wird gejagt, er gilt als Mörder von Harvey Dent und musste aufhören. Aber er wird auch nicht mehr gebraucht. Der Dent Act räumte Gotham auf, die harte Hand des Gesetzes siegte. Doch dann taucht Bane auf, ein maskierter Bösewicht von unvorstellbarer Kraft und Entschlossenheit. Er bricht die Fledermaus, unterwirft die Stadt und lässt das Chaos herrschen.

Dass ‘The Dark Knight Rises’ wegen dem tragischen Tod von Heath Ledger ein wesentlich anderer Film wurde, ist klar, aber nicht spürbar. Bane ist definitiv ein guter Ersatz, doch mit ihm verändert sich auch der Pathos des Films dramatisch. Schon ‘The Dark Knight’ war kein wirklicher Comic-Film mehr, sondern repräsentierte für mich den endlosen Kampf zwischen zwei zum Tode entschlossenen Parteien. Der Joker hatte keinen Plan, er war ein Terrorist ohne wirklichen Grund, wir wussten nichts über ihn und er tat all dies scheinbar nur aus Spaß an der Freude. Er war ein Hund, der Autos hinterherläuft, ohne zu wissen, was er tun würde, wenn er eins einholen würde. Batman war schlicht die Motivation, diese Dinge zu tun. Er stand nie im Weg.

Bane hingegen ist ein eher traditioneller Bösewicht. Er will die Stadt unterjochen und später zerstören, er hat klare Motive, die sich nicht nur gegen Batman richten, und wir haben ein Gefühl davon, wofür er steht und woher er kommt. Dadurch ist der Film viel näher an ‘Batman Begins’ und ist nicht so fokussiert wie sein hoch gefeierter Vorgänger auf den Kampf zweier Männer, sondern es geht in vielerlei Hinsicht um wesentlich mehr. Es geht um die Reflektion der sozioökonomischen Unterschiede der Schichten Gothams, Batmans Symbolkraft, Bruce Waynes Privatleben und die Infragestellung der herrschenden Ordnung. Manche der Themen sind sicherlich nicht ganz neu und tauchten bereits in ‘The Dark Knight’ auf, wurden aber nur erwähnt oder angespielt, nie zu Ende gedacht. Dass das hier aber geschieht, macht ‘Rises’ besser als seinen Vorgänger.

Batman ist mehr als eine Person. Er ist ein Symbol. Dass sich Nolan nur grob immer durch den Einfluss seines Bruders an den Comics orientierte, ist der große Erfolg dieser Trilogie, die nur bedingt noch als Comicverfilmung oder “Superheldenfilm” zu bezeichnen ist. Es ist eine Trilogie, die tonal so stimmig nicht wieder zu finden ist, und etwas zu sagen hat über unsere Welt. Das muss doch heute noch etwas wert sein.