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“You know everything’s gonna work out, right?”

Mehrere Monate sind vergangen. Der Governor ist in alle Winde verstreut und die Einwohner Woodburys waren eine willkommene Ergänzung um das Gefängnis endlich auf Vordermann zu bringen. Es gibt Feldanbau im Vorgarten, ein neues Tor wurde gebaut und das Gefängnis mit Holzanbauten und Gardinen wesentlich heimeliger gestaltet. Doch, natürlich, warten die Walker immer noch hungrig vor den Zäunen.

Es ist keine Überraschung, dass ein Staffelauftakt viel Exposition bietet. Doch es ist überraschend, dass The Walking Dead unter dem neuen Showrunner Scott Gimple und den vielen Veränderungen am Settings teilweise so nahtlos in der Erzählung funktioniert. Nach all der berechtigten Kritik der letzten Staffeln gibt diese Folge zuallererst Hoffnung. Hoffnung, dass man Kritik verstanden hat. Hoffnung, dass man sich ein wenig mehr am Comic orientiert. Hoffnung, dass es endlich um mehr geht, als um die direkte Gefahr der Beißer und die damit verbundenen Schockelemente.

Während der folgende Smalltalk-Einstand natürlich in seiner Belanglosigkeit nervt, fängt die Folge noch sehr atmosphärisch dicht an. Rick, der Gärtner, der sich als neuer und friedliebender Mann neu erfinden will und gleichzeitig zu jeder Zeit spürt, dass er sich der Verantwortung gegenüber dieser Welt nicht entziehen kann, ist ein erfreulicher Subplot, der den Charakter wieder breiter aufstellt und die Staffel hoffentlich lange begleiten wird. Ebenso wird Michonne binnen einer Sekunde – und das nur durch ein Lächeln – sympathischer. Vergessen ist die grüblerische Einzelgängerin. The Walking Dead hatte schon immer das Talent dafür reinen Tisch zu machen zum Staffelauftakt. Dies liegt natürlich daran, dass das Vorangegangen so ohne Wert und schwammig war, dass man es einfach nahezu vergessen kann, aber mit einem neuen, fähigen Showrunner kann man das noch ein letztes Mal versuchen.

Die zwei Handlungsstränge der Episode ergänzen sich schön. Auf der einen Seite haben wir den brachialen Umgang und die Zombieeffekte, die durch Ricks emotionale Bewältigung seiner Depression ergänzt wird. Insbesondere die durch das Dach hereinstürzenden Zombies ergeben ein äthetisch ansprechendes Element. Natürlich ist es nervig, dass wir direkt wieder ein paar Red Shirts verlieren, aber man darf davon ausgehen, dass die Gruppe nicht die gesamte Staffel im Gefängnis verbringen wird und im weiteren Verlauf der Staffel eventuell dem Fear The Hunters Plot der Comics auf der Reise nach Norden folgen wird. Daher gehe ich davon aus, dass der Governor und die finale Schlacht im Winterfinale stattfinden werden. Ein paar Nebendarsteller weniger bis zu diesem Zeitpunkt können also nicht schaden.

Teilweise werden gewisse Subplots wie den um Maggies Schwangerschaft wieder aufgewärmt, aber all diese Entwicklungen sind eine willkommene Abwechslung. Die Serie stellt sich breiter auf. Es geht zwar immer noch hauptsächlich um die direkte Bedrohung (Carols Initiative bei der Kindererziehung unterstreicht diese Dringlichkeit), aber die zwischenmenschlichen Momente und der Alltag werden wichtiger und interessanter. Es darf gerne so weitergehen.

Rating: ★★★½☆

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Für alle, denen diese Review nicht reicht, haben René und ich die Folge wesentlich ausführlicher in unserer ersten offiziellen Ausgabe des Werewolves on Wheels Podcasts besprochen. Ich muss sagen, dass ich im Podcast dann doch ein kleines Stück zu negativ bin und mir die Folge besser gefiel als ich klinge.

Shownotes

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Moviepilot: Wir schauen The Walking Dead – Staffel 4, Episode 1
Badass Digest: Zombies Have Conquered Pop Culture: 16.1 Million People Watched WALKING DEAD

MP3: wowcast01.mp3 (118MB)
Soundcloud: Wowcast 01: Walking Dead S04E01 – 30 Days Without An Accident
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Autor: Christophe Bec
Illustration: Christophe Bec & Stefano Raffaele
Verlag: Splitter
Erschienen: 05/2013
ISBN: 978-3-86869-643-1
Seitenzahl: 48 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Bilder © Splitter

Es ist vollbracht. Mit “Die Theorie des 100. Affen” schafft es Bec endlich wieder auf das Niveau der ersten drei Bände und vereint narrativen Fortschritt mit dem Ausbau des Mysteriums.

Story

Der Band beginnt erneut mit einigen Flashbacks. Zunächst sehen wir, wie die gesamte Bevölkerung eines Dorfes in Alaska plötzlich verschwindet und nur ein metallischer Würfel in einem riesigen Loch zurückbleibt. Als das Militär versucht den Würfel zu transportieren, sehen die Soldaten Lichter über dem nahegelegenen Wald. Als sie diesen nachgehen, kommt es erneut zum blutigen Kontakt mit den Außerirdischen.

In der Gegenwart versucht die Regierung weiterhin jeden Beweis für diese Kontakte zu vertuschen. Das im Amazones gestrandete U-Boot wird mit einer Atombombe beseitigt, die Crew nahe dem Grand Canyon umgebracht und verdächtigte Personen erleiden blutige Schicksale. Währenddessen wird beim Projekt Montauk immer klarer, dass sich die Visionen eindeutig um die Zukunft handeln und dass die Invasion am 13. Tag nach dem Start der Ereignisse beginnen wird.

In Providence – was für die Figuren zunächst wie ein Paralleluniversum wirkte – wird allmählich klar, dass die Zeit langsamer vergeht. Jedoch steckt man nicht im Paralleluniversum, sondern schlicht in einer Zukunft der Erde nach der Invasion. Die Gruppe bricht auf um einen Weg in die Vergangenheit, zurück durch einen der Spiegel, zu finden und die Menschheit zu warnen.

Dann geschieht es: Das 10. Ereignis, bei dem sich an bekannten Sehenswürdigkeiten der Erde plötzlich kilometertiefe und -breite Löcher auftun. Spektakulär versinkt fast ganz Rio, ein riesiger Sog bildet sich im Pazifik und die Pyramiden von Gizeh sind verschwunden.

Der Hauptteil des Bandes folgt dann mit dem Treffen von NASA-Chef Spraudling und Barnes auf den Experten Carl Allen, der die Vorgänge nicht nur in einen Gesamtzusammenhang bringen kann, sondern auch eine Theorie (Die Theorie des 100. Affen) voranbringt, die sehr viele bisher zusammenhangslosen Szenen des gesamten Comics erklärt und eine klare Warnung an die Menschheit wäre. Das Ganze erinnert stark an den grandiosen Monolog der Alienexpertin in Band 3. Dazu erklärt Carl Allen endlich naheliegend den Titel des Comics.

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Illustration

Wie bereits zuvor arbeiten Christophe Bec und Stefano Raffaele wieder alleine an ihrem Comic und das sieht man auch. Die Zeichnungen sind wieder im Vergleich zu vorherigen Banden mit mehreren Zeichnern wieder einheitlich und eine klare Struktur und Vision sind zu erkennen. Dies ist erfreulich, ergeben sich doch soviele coole Panel in diesem Band. Die riesigen Panel von der Zerstörung der Löcher sind bewunderswert und detailreich. Die erste Begegnung in Alaska mit den Aliens ist super inszeniert. Die Szene prägt auch das Cover dieses Bandes, das mit Abstand das beste der Serie bisher ist und mit der Verbindung aus Aliens und Vergangenheit gleichzeitig stellvertretend für die Serie stehen könnte. Die Serie leidet zwar immer noch unter den eher schwachen Charakterzeichnungen, aber die Action gleicht das wieder aus. Lediglich das Design der Aliens scheint mir ein wenig unerklärlich, die hier bewusst im Schatten gehalten werden. Man sah sie bereits zuvor in anderen Teilen, aber hier wirken sie eher wie die genretypischen Greys und nicht wie die, die wir zum Beispiel bei der Apollo XX Mission auf dem Mond oder in Providence sahen.

Fazit

Mit dem siebten Teil findet Christophe Becs Blockbustercomic wieder zurück zu seinen Wurzeln. Es gibt das große Spektakel, geheime Regierungsmachenschaften und die pseudowissenschaftlichen Diskussionen um das Mysterium der 13:13 Ereignisse. Lediglich die eindimensionale Darstellung der Regierung verärgert ein wenig, aber das dient nur der übergeordneten Geschichte und ist verschmerzbar.

Rating: ★★★★★

Halbzeit! Vier Folgen sind vorbei, vier Folgen erwarten uns noch. René und ich haben uns nun “Rabid Dog” vorgenommen, die zwölfte Folge der fünften Staffel und sie aus allen Winkeln betrachtet. Zur Abwechslung kam die Folge mal ohne große Überraschungen, Wendungen und Höhepunkte aus und hat sich ganz und gar der Exposition verschrieben. Dabei werden schön die beiden Seiten aufgebaut, nur um ihr Aufeinandertreffen dann anzuteasen und aufs nächsten Mal zu verschieben. Aber das wird sich alles in den kommenden Wochen auszahlen, da sind wir uns sicher. Das dieswöchige Intro ist Jesses Hello Kitty Klingelton. Was wir jetzt in der Folge nicht besprochen haben, ich jedoch so genial finde, dass mir der Kopf explodiert, ist der rosa Teddybär im Baum.

MP3: heisencast_04.mp3 (80MB)
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René und ich besprechen immer noch die beste Serie der Welt und dieses Mal sind wir pünktlich, gut vertont und außer Rand und Band, denn die 11. Folge Confessions zeigt zwar eine titelgegebende Beichte, aber die hat so niemand kommen gesehen und ich gehe im Podcast so weit und nenne diese Wendung den Twist der Serie. Lehne ich mich gar nicht so weit aus dem Fenster, finde ich mal, denn inzwischen hat sich die Szene binnen der ersten 24 Stunden zu einem Meme entwickelt. Ansonsten endet die Folge erneut mit der Auflösung eines Geheimnisses, das die Beziehungen wiederum auf die Folter spannt. Ich weiß beim besten Willen nicht, wo das alles noch enden soll.

MP3: heisencast_03.mp3 (69MB)
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Besser spät als nie: René und ich besprechen die 10. Folge der fünften Staffel Breaking Bad, Buried, im zweiten Heisencast. Darin diskutieren wir über Walt und Hanks Standoff, Maries Kleptomanie, Lydias mexikanische Eskapaden und wie wichtig eigentlich der Humor der Serie ist. Wie immer in entspannter Atmosphäre und sogar einigen Live-Einschnitten wie diesem Tweet oder Querverweisen auf Videos, die die humoristischen Seiten der Serie betrachten. Mir macht’s Spaß, hoffe euch auch. Nächste Folgenbesprechung kommt schneller. Versprochen.

Die Reviewentwürfe sammeln sich seit teilweise Monaten und nun wird mal durchgefegt für den Herbst. Daher hier ein paar lose Gedanken zu ein paar Filmen.

Troll Hunter

Wie erfrischend es doch ist, wenn das Found Footage mal nicht für eine billige Horrorproduktion benutzt wird. Das bewies Josh Trank letztes Jahr mit Chronicle und Troll Hunter ist ein weiteres Beispiel dafür. Trolle sind real und eine kleine Filmcrew schließt sich einem Trolljäger an. Dieser arbeitet für die Regierung und versucht die Trolle in ihrem natürlichen Lebensraum zu behalten. Die drei Filmleute wandern als mit dem Typen umher. Wirkt alles ein wenig zu episodisch für mich, aber dafür ist das Finale sehr beeindruckend, auch wenn das Ende sehr frustrierend ist. Ansonsten erfindet der Film das Rad nicht neu und verharrt stets in den Genrekonventionen, eingeegent von Wackelcam, keuchenden Figuren und unpassenden Einstellungsspielchen. Aber dafür funktioniert das Worldbuilding inklusive Trollregeln, Trollrüstungen und mehr so fulminant, dass das alles nicht stört. Die Trolle an sich sind so unverbraucht und alles wirkt so frisch, dass man großartig unterhalten wird.

Rating: ★★★★☆

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Stell dir vor du bist endlich wieder in einer Beziehung und deine Freundin will dich ihren Freunden vorstellen. Diese sind jedoch alle viel zu sehr mit ihren eigenen Problemen und interpersonellen Konflikten beschäftigt, dass du gar nicht so auffällst und den Tag eigentlich genießen könntest. Wenn da nicht so ein Arschloch wäre, das in der Nähe sogenannte dirty bombs hochgejagt hätte. Nun kannst du nicht fliehen und musst den letzten Tag deines Lebens mit diesen nervigen Leuten verbringen.

Meines Wissens existieren nun mit It’s A Disaster und Right At Your Door zwei No-Budget Filme über dirty bombs, die die Figuren in ihren Häusern einschließen. It’s A Disaster mit Right At Your Door zu vergleichen wäre jedoch nicht fair, denn die Filme bewohnen zwei völlig unterschiedliche Genre. It’s A Disaster versucht nicht wirklich die Folgen dieser Katastrophen zu erkunden und ist daran gar nicht interessiert. Es ist leider nur ein MacGuffin um uns einer Gruppe von Leuten vorzustellen, die selbst eine tickende Zeitbombe ist. Die Terroristen liefern nur einen Grund zur Explosion.

Der gesamte Film spielt in einer Location, dem Haus, und lediglich die Dialoge dienen zu Unterhaltung. Echte Spannung kommt zur keiner Zeit auf. Solange man nicht zu viel erwartet, wird man dank cleveren und witzigen Dialogen unterhalten, die einen aber nie laut auflachen lassen. Dazu kommt, dass der Film trotz seiner ohnehin kurzen Laufzeit im dritten Akt unglaublich gezogen wird. Dafür ist die letzte Szene jedoch wahnsinnig lustig und unterstreicht den offenen Ansatz mit den Themen des Films wie Vertrauen und Liebe.

Rating: ★★★☆☆

Jiro Review

Jiro Dreams of Sushi ist die beste Dokumentation der letzten Jahre. In einer kongenialen Mischung aus Food Porn und Familiendrama erzählt Regisseur David Gelb die Geschichte um das Restaurant von Masuhiro Yamamoto. Musuhiro stammt aus ärmlichen Verhältnissen, von seinem Vater kennt er nur Geschichten und trotz diesen Umständen schaffte er es mit seinem Restaurant an die Spitze Japans und erhielt als erster und bisher einziger Sushikoch die Drei-Sterne-Auszeichnung von Michelin. Makroaufnahmen von Sushi lenken ab und an gewollt aber, können aber nie wirklich das interne Zerwürfnis der Familie überschatten. Jiros ältester Sohn, der oft als eigentlich besserer Koch und wahrer Meister hinter dem Erfolg angedeutet wird, kann aus Familienehre nie den Vater zum Aufhören bitten. Das wäre ohnehin das Todesurteil für den 92-Jährigen, der seit Anbeginn nur für Sushi und seine Restaurant lebte. Sein anderer Sohn konnte derweil beim Vater lernen, aber sich später abspalten und sein eigenes Restaurant eröffnen. Trotz des massiven und finanziellen Erfolgs ist eine unterschwellige Tragik immer zu verspüren. Jiro Dreams of Sushi ist daher eine großartige und unterhaltende Meditation über Perfektionismus und Erfolg, aber auch über Tradition und Loyalität und die Frage, wie man im Leben das Glück im Beruf finden kann.

Rating: ★★★★★

Now-You-See-Me-First-Trailer

Louis Leterriers Now You See Me stellt uns in charmanter und verspielter Weise vier sympathische Magier, Straßentrickser und Mentalisten vor. Nur um sie dann in den Hintergrund zur rücken als sie alle von einer mysteriösen fünften Figur kontaktiert werden, die ihr Leben verändern soll. Ein Jahr später sind die Vier ein gefeiertes Bühnenteam in Las Vegas und leben ihren Traum in Saus und Braus. Bei einem Coup lassen sie scheinbar einen französischen Touristen nach Paris teleportieren und dort eine Bank ausrauben. Das FBI schaltet sich ein und es entwickelt sich ein kurzweiliges Katz-und-Maus-Spiel.

In Nebenrollen tragen Michael Caine und Morgan Freeman einen Stellvertreterkrieg aus. Hier versucht ein TV-Reporter über den Manager an Geheimnisse zu gelangen. All dies ist relativ unspanennd und trägt nicht viel zu eigenen Jagd bei. Die Charaktere bleiben derweil stets flach, über die anfänglichen fünf Minuten Charakterisierung lernen wir unsere Helden nie genauer kennen. Stattdessen dürfen sie clevere, aber auch schnell ermüdende One-Liner rausplappern, die das Publikum an Ocean’s Eleven erinnern sollen.

Am ärgerlichsten, und deshalb auch diese niedrige Wertung, ist dann aber der Twist. (Spoiler folgen jetzt.) Was eine ganz nette Ensembleunterhaltung hätte sein können, wird plötzlich durch einen unvorhersehbaren Twist zu einem Racheakt einer Person. Der Twist kommt deshalb so ungesehen, weil er absolut keinen Sinn macht. Der von Mark Ruffalo großartig gespielte Polizist stellt sich als Magier heraus, der sich für den Tod seines Vaters rächen möchte – dazu hat er dann Jahre gewartet, in denen er sowohl zum meisterhaften Magier als auch Polizisten wurde, der dann dank seinen neuen Komplizen endlich die Chance sieht seinen Plan durchzuziehen. Alles davor spielt keine Rolle mehr, jedes Bild dient jetzt nur noch diesem pseudodramatischen Racheakt, der sich fernab menschlicher Logik abspielt.

Rating: ★★☆☆☆

Man-of-steel-Christ-pose

Geht ganz schnell: Man of Steel ist kein Superman-Film. David Goyer, Nolans Einflüsse und Snyder sind viel mehr mit der interessanten, aber unmenschlichen First-Contact-Idee beschäftigt. Dazwischen geht Clark Kent einfach verloren. Wir sehen in zusammengeschusterten Rückblenden seine schwierige Kindheit, während er hier und da Menschen rettet. Noch fehlt ihm die Richtung, er ist Jesus ohne seinen Sinn. Die Parallelen (Kent ist 33 im Film) und symbolschwangeren Bilder Snyders werden einem so sehr eingetrichtert, dass man das Kopfweh bekommt. Bis auf Jor-El, bei dessen überlangem Intro man ästhetisch alles an die Wand warf und abwartete, was kleben bleibt, sind die meisten Nebenfiguren trotz beeindruckender Besetzung marginalisiert worden und funktionieren entweder nur als Plot Device (Lois), emotionaler Beeinflussung (Perry White & Crew) oder Charaktersierung von Clark (Pa Kent). Besonders schwach bleibt dabei Kevin Kostners Pa Kent, der eigentlich in den Trailern noch ein kleines Highlight vermuten ließ.

Besonders ärgerlich wird es dann aber im letzten Akt in dem Superman gegen ein CGI-Tentakel-Monster abseits unseres Interesses kämpfen muss, während Metropolis gerade zerstört wird. Holy 9/11 images, Batman! Da fallen Häuser reihenweise um und wir sehen wie Menschen in die Luft gesogen werden und dann mit fürchterlicher Kraft gen Boden geschmettert werden. Darauf wird selbstverständlich wie schon bei Star Trek Into Darkness nicht eingegangen. Wie im wahren Leben werden wir mit den Bildern bombadiert, ohne dass man einen Diskurs zur Verarbeitung eröffnen kann. Aber nach dem Kampf in Smallville, bei dem man sich eigentlich bereits satt gesehen hatte, musste dank Hollywood-Blockbuster-Logik wohl ein noch größeres Finale im dritten Akt alles toppen, aber das geht dann doch irgendwann zu weit und wirkt überfordernd und abschreckend. Und dann lässt Goyer Superman im finalen Kampf mit Zod ganz Metropolis zum Spielplatz werden, während Hundertausende im Sterben liegen. Dann muss Superman plötzlich Zod töten (!), weil sonst vier Menschen sterben. Inklusive Lois schafft es Superman somit 5 Leute zu retten. Goyer und DC haben sich dort ein Loch gegraben und es wird spannend sein, ob und wie sie dort herausklettern können.

Rating: ★★☆☆☆

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Es wird im Filmjahr 2013 schwer werden einen Film zu finden, der langatmiger, uninteressanter, grotesker ist und dabei so wenig zu sagen hat wie Michael Bays Pain & Gain. Selbt die nahe dem absurden Finale einblendete Schrift, dass sich dies immer noch um eine wahre Geschichte handelt, kann das Desinteresse nicht überwinden. Was Bay hier bei der wahren Geschichte um Daniel Lugo und seine Mittäter vorfindet, ist ein unterhaltsamer Thriller mit Humor dunkelster Art mit einer Maximallänge von gut 90 Minuten. Stattdessen bläst Bay die Story unnötigerweise auf 130 Minuten auf, sodass die Story-Fetzen nur noch mit einem penetranten Voice-Over ALLER Figuren zusammengehalten werden kann, die uns stets erzählen, wie unfair die Welt doch ist, weil sie nicht im Mittelpunkt stehen. Verständlich, dass Bay Interesse für die Geschichte aufbringen konnte. Wahlberg und Freunde machen alle ihren Job ganz gut, lassen aber teilweise auch spüren, dass sie nicht so recht wissen, wo der Film tonal gerade zu finden ist. Zwischen seinen Transformers-Blockbustern wollte Bay einen kleinen Film machen. Herausgekommen ist ein überladener, überlanger Film, der selbst beim US Publikum floppte. Zu recht.

Rating: ★½☆☆☆

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Vereinigte Staaten, 2013
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Darsteller: Saoirse Ronan, Diane Kruger
Länge: 125 Minuten
Rating: ★☆☆☆☆

Während der Abspann über die Leinwand projiziert wird, dass man gerade den neuen Film von Andrew Niccol gesehen hat. Niccols Gattaca gehört für mich zu den zeitlosensten Filmen über den menschlichen Zustand, den besten Science-Fiction Filmen aller Zeiten und ist vielleicht mein definitiver Lieblingsfilm. Doch nach einigen mäßigen Versuchen den Erfolg zu wiederholen, erleidet er nun die völlige Bruchlandung.

Niccol ist stets faszniniert von innergesellschaftlich ausgetragenen Konflikten, die als Setting für intime menschliche Geschichten dienen. In Gattaca wird durch die Erschaffung von genetisch manipulierten Menschen eine neue Unterklasse geschaffen. In In Time wird Zeit zu Geld und die Unterprivilegierten sterben auf offener Straße, während die Reichen sich einer jahrhundertelangen Party sicher sein können. In The Truman Show ist die Gesellschaft selbst ein virtuelles Konstrukt, das in ständiger Gefahr ist mit ihrer Hauptperson in Konflikt zu geraten und so die Simulation zu zerbrechen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Niccol sich von Stephanie Meyers Roman The Host (deutsch: Seelen) angezogen fühlt. Wir beginnen wo Invasion of the Body Snatchers aufgehört hat. Der Kampf der Menschheit ist am Ende. Aliens, die sich als pulsierende, parasitartige Lichtigel in den Hirnstamm der Menschen einsiedeln, haben die Erde kolonialisiert. Sie übernehmen die Körper der Menschen und unterdrücken die Persönlichkeit ihres Wirts. Aber dabei meinen es die Aliens nur gut mit uns. Oder mit der Erde. Binnen weniger Wochen sind alle Probleme der Menschheit gelöst. Rassismus, Hunger und Gewaltverbrechen gehören der Vergangenheit an. Nur eine kleine Gruppe von Menschen schafft es noch Widerstand zu leisten.

In dieser Welt hat es Melanie Stryder lange geschafft zu überleben. Eines Abends wird sie in ihrer Wohnung von einem jungen Mann überfallen. Sein erster Instinkt, als er merkt, dass sie noch menschlich ist? Ein Kuss. Die beiden Überlebenden verlieben sich ineinander und führen ein gemeinsames Leben; immer auf der Flucht, bis Melanie entdeckt und in die Enge getrieben wird bis ihr letzter Ausweg der Sprung aus dem Fenster ist. Der sichere Tod, aber immer noch besser als Alien zu enden. Ihre Verfolger haben sich ganz der Erde angepasst. Die Außerirdischen passten sich der menschlichen Technologie an, verfügen aber über magische Heilsprays, die Tote wieder lebendig machen. So geschieht es mit Melanie, der daraufhin Wanda, kurz für Wanderer und eine uralte, viel bereiste Außerirdische, eingesetzt wird. Diese soll Melanies Erinnerungen anzapfen und die Seeker, unter Führung von Diane Kruger, auf die Spur der letzten Überlebenden bringen. Doch Melanie kann überleben und trägt im gemeinsamen Bewusstsein einen verbalen Kampf mit Wanda aus.

Diese Szenen sind unfreiwillig komisch, da Niccols selbst nicht weiß, wie er den inneren Kampf von Melanie und Wanderer auf die Leinwand übertragen soll. Zu meist verlässt Saoirse Ronan ein Gespräch, stellt sich ein wenig entfernt vom Geschehen hin und blickt in die Ferne. Dann hören wir die hallende Stimme Melanies, die Wanderer bittet, etwas zu tun oder etwas zu lassen. Wanderer spricht derweil ihren inneren Dialog mit Melanie laut aus. All dies geschieht während Charaktere weiterhin im Szenenbild stehen und verwundert die Situation beobachten.

Exposition findet über Voice-Over statt, das Setting und seine durchaus interessanten Auswirkungen auf das alltägliche Leben der neuen Welt werden nie betrachtet und sind für die Produktion gar nicht interessant. Dabei wäre genau dies in dem ohnehin viel zu langen Film eine notwendige Investition gewesen. Das mit größte Problem des Films ist, dass wir nie die eigentliche Invasion mitbekommen und die Motivationen der Aliens, insbesondere die von Dianes Krugers Seekerin, stets nebulös bleiben. Wieso jetzt diese autark im Versteck lebende Gruppe von Überlebenden unbedingt ebenfalls assimiliert werden muss, wird nie eindeutig erklärt und sogar von den Aliens in Frage gestellt. Als einziger Antrieb verbleibt der nie verdeutlichte Hass von Frau Seeker. Weiterhin leidet der Film unter seiner direkten Umsetzung. Auf dem Papier wird man nicht über jede Fahrt nachdenken, doch wenn ein Lastkraftwagen durch die Wüste Nevadas brettert und dabei unglaubliche Mengen Staub aufwirbelt, wirft dies die Frage auf, weshalb die Aliens nicht Satellitentechnologie nutzen um so die letzten Rebellen verfolgen zu können. Sie kennen immerhin das ungefähr Gebiet in dem sich die Rebellen befinden.

Aber all dies wäre doch zu entschuldigen. Immerhin handelt es um eine Liebesgeschichte für Teenager, die sich nicht wirklich den Hard-Sci-Fi Elementen seines Settings stellen will oder muss. Der Todesstoß kommt in Form der Vorlage, denn es handelt sich um eine Adaption eines Teenagerromans von der überzeugten Mormonin Stephanie Meyer (Twilight). Ihre Frauen sind schwach, müssen sich unterordnen und geschützt werden – sind dies all noch selbst schuld. In der Twilight-Reihe wird dies am deutlichsten sichtbar, wenn der eigentliche Held Edward seine Liebe Bella direkt in die Opferrolle zwängt:

It is partially your fault. If you didn’t smell so appallingly luscious, he might not have bothered.

Victim blaming 101. Und genau so ist es auch in Seelen, nur noch schlimmer. Wir lernen nie viel von der Vorgeschichte, der Invasion oder wie Melanie all die Zeit überlebt hat. Sie hatte Glück und passte sich an. Daraufhin wird sie überrumpelt und direkt geküsst. Eine Liebe entsteht von der wir nie viel sehen. Meyers Verständnis einer Beziehung bewegt sich auf dem Niveau ihrer Leserschaft. Küssen heißt Liebe.

Weiterhin erfahren wir nie, weshalb Melanie von den Seekern aufgespürt wird. Wieso befindet sie sich in diesem Gebäude zu diesem Zeitpunkt? Wieso ist sie alleine? Alle Tatumstände sind unbekannt. So ist es besonders bezeichnend, dass die erste Reaktion auf ihre Rückkehr zur Rebellengruppe ein Faustschlag ins Gesicht ist – von ihrem Freund. Klar, Wanderer hat von Melanie Besitz ergriffen, aber Melanie steht doch noch immer vor ihm. Ist es auch ihre Schuld? Hat sie nicht genug aufgepasst? Hat sie es provoziert? Wir erfahren es nie und fühlen die Verzweiflung und Verwirrung in negativem Sinne, die durch die Morddrohungen direkt auftreten. Nein, das Opfer kann nicht mehr in die Gemeinschaft zurück, es muss aussortiert werden. Es ist zu bestraften. Immerhin drang etwas in sie ein und nun ist sie nicht mehr wie zuvor oder es wert, geliebt zu werden. Ob dies gegen ihre Willen geschah, spielt keine Rolle.

Die Auflösung des nervigen Beziehungsdreiecks geht ganz ähnlich wie in der Vampir-Quadrilogie von statten. Die Protagonistin teilt sich einfach in zwei und jeder Mann bekommt eine ab. So muss es sein im Patriarchat. Ein einziger Lichtblickt bleibt hierbei, dass es sich nicht erneut um ein Kind handelt.

Nein, The Host ist nicht Andrew Niccols großartige und erhoffte Rückkehr zum intelligenten Science Fiction Kino. Dafür adaptiert er auch ohnehin das falsche Buch. Aber auch die ästhetischen Entscheidungen sind nicht immer nachvollziehbar. Immerhin heißt es in den Credits “Written for the Screen”, was ein paar gewisse Freiheiten bei einem Auteur dieses Formats andeuten könnte. Die Umsetzung bewegt sich jedoch tragischerweise sklavisch nah an ihrer Vorlage, die ihre Zielgruppe schändlich behandelt und mit falschen Moralvorstellungen für das Leben vorbereitet. Der Schaden des Films wirkt über den Kinobesuch hinaus.

René von Nerdcore und ich sind riesige Breaking Bad Geeks und haben deshalb für die letzten acht Episoden der Serie einen Podcast aus dem Boden gestampft. Der erste Heisencast geht über die Folge “Blood Money” (S05E09) und ist voller Spoiler und Analysen.