Politik - PewPewPew

VP Debate 2012

12 Oct, 2012 · Sascha · Politik · 0 comments

Als Politikstudent und Person, die sich gerade in den USA aufhält, schaut man natürlich die Debatte von Biden und Ryan. Das Gif fasst die Debatte perfekt zusammen. Biden 2016. Mein Lieblingstweet des Abends:


via René

Köstlich!

Chuck Norris ist ein Idiot

16 Sep, 2012 · Sascha · Politik · 7 comments

Chuck Norris ist ein Idiot. War er schon immer und wird er bei seinem Dickschädel auch immer bleiben. Chuck Norris Witze waren nie witzig. Nur für Leute, die keine Ahnung haben, wer Chuck Norris ist. Chuck Norris ist nämlich neben seiner sporadischen und eher gerade so befriedigenden Tätigkeit als Schauspieler von Nebenberuf Geisteskranker, der jegliche Bezüge zur Realität verloren hat.

Chuck Norris findet nämlich, dass, sollte Barack Obama Anfang November für eine zweite Amtszeit gewählt werden, die Vereinigten Staaten von Amerika untergehen und in eine tausendjährige Dunkelheit verfallen. Kein Scheiß.

Dass Chuck schon immer ein Konservativer war, wissen natürlich Freunde seiner Filme und Walker, Texas Ranger. Er spielte nie Charaktere, nur sich, den harten, ur-amerikanischen Hund. Achja, und verrückt ist er auch. Nicht vergessen!

Immerhin unterstützte er bereits 2008 Mike Huckabee, den damaligen Hoffnungskandidaten der rechten Fundis in den USA. Nachdem der aber nach einem Auftaktsieg bei den Kindern des Korns gewann, dann aber schnell gegen McCain verlor (weil Realität, und so, ne?) und nun eine Show bei dem Teufel Fox News hat, muss Chuck natürlich einen neuen Lieblingskandidaten finden: Das war dann zuerst Newt Gingrich. Natürlich nicht Romney. Niemand an der Basis wünscht sich ernsthaft Mitt Romney. Aber Gott/Geld sprach und nun ist es Romney. Huzzah!

Noch immer nicht genug? Okay, letztens wollte er, dass die Boy Scouts of America für Schwule verbieten und Obamas Staatsangehörigkeit zweifelt er auch an. Vielleicht. Jedenfalls kann er die natürlich berechtigten und keineswegs rassistisch motivierten Nachfragen in dieser Hinsicht voll verstehen.

Kleine Andeutungen zum Ablauf der Staffel sind enthalten.

Eine momentan gern genutzte Strategie der Republikaner im US-Wahlkampf ist es Barack Obama als Außenseiter darzustellen. Der sei doch so anders, neu und ohnehin unmöglich. Dass Obama tatsächlich seine Geburtsurkunde veröffentlichen musste war nur ein Höhepunkt der rassistisch motivierten Schmutzkampagne von im Hintergrund agierenden PACs der Rechten. Obama, der erste farbige Präsident. Das kann ja gar nicht stimmen, er kann gar kein echter Amerikaner sein. Kenianer sei er in Wahrheit, eingeschleußt von einflussreichen Machtgruppen im Hintergrund, die Amerika transformieren wollen, wie es mir letztens einer meiner Mitarbeiter mittleren Alters erzählen wollte. Dabei fällt auch immer wieder die Stadt “Chicago”, aus der Obama und sein direktes Kampagnenmanagement um David Axelrod stammen. Dahin soll er wieder zurück, in die in der Geschichte durch Korruption und organisiertes Verbrechen in Verruch geratene Stadt am Michigansee.

Genau diese Stadt nimmt sich Boss vor und betrachtet sie durch die Augen von Tom Kane, der gerade gesagt bekommen hat, dass er unter Lewy-Körper-Demenz leidet und nur noch ein paar Jahre übrig hat. Ein Todesurteil, keine Frage. Jeder andere Mensch würde sein Leben radikal umkrempeln, womöglich seinen Job kündigen und die übrigen, guten Jahre im Kreise der Familie und Freunde verbringen. Nicht Tom Kane, denn er ist Bürgermeister von Chicago und eine öffentliche Bekanntmachung seiner Krankheit wäre das Todesurteil für seine Karriere und das Leben, an das er und seine Frau sich über die Jahre gewöhnt haben. „Politik ist die Summe der Mittel, die nötig sind, um zur Macht zu kommen und sich an der Macht zu halten und um von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen“, wusste Machiavelli 1515 und fast 500 Jahre später könnte diese Definition nicht besser auf Tom zutreffen.

In Verbindung mit Max Webers Politikbegriff („Politik ist das Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung […]”) ergibt sich das zentrale Leitmotiv aller Charaktere in der Serie. Tom bedient sich hinterhältiger Politik um seinen festen Griff um Chicago zu erhalten, der ihm all die Jahre Wohlstand und ein befriedigendes Leben gebracht hat. Er bedient sich im Laufe der acht Folgen der ersten Staffel jeglicher Reserven, macht nicht vor Freunden und Familie halt, um seine Machtposition zu erhalten. Klar, Tom hat in seinen vielen Jahren als Bürgermeister auch gute Taten vollbracht, aber es sind die Skandale, die ihn fast zum Rücktritt drängen. Aus dieser Ecke kämpft er sich geschickt mit schmutzigen Tricks. Er ist in jeglicher Hinsicht ein klassischer Politiker Machiavellis, den es heute zu Genüge in der Realität zu finden gibt. Spät in der Serie spricht ein Twist diese Thematik an und gibt dem eigentlichen Erfolg Kanes, den wir uns selbst entgegen unseren guten Verstandes erhofft haben, einen schweren Dämpfer.

Ihm gleich gesinnt ist der agierende Governeur Illinois’ Cullen, den Tom natürlich in der Tasche hat. Er kommt nach Chicago Toms Unterstützung bei einer Wahlkampfveranstaltung zu erhalten, während der bereits mit Ben Zajac, dem Schatzmeister, einen Nachfolger gefunden hat. Der ist jedoch weitaus mehr an Toms attraktive Assistentin Kitty O’Neill interessiert. Die Opposition im Stadtrat ist außerdem auch an ihm interessiert und die Frage seiner Loyalität zu Kane ist in der ersten Staffel leitend. Treu an Toms Seite jedoch agiert seine rechte Hand Ezra Stone, der Kontakte zu Leuten im Untergrund hält, die Toms Gegner beseitigen und ihm verschreibungspflichtige Medikamente illegal besorgen können.

Und dann ist da noch Reporter Sam Miller beim Chicago “Sentinel”, der die Bauarbeiten nahe dem Herzstück von Kanes Karriere, dem Flughafenausbau, untersucht und tief in die Vergangenheit unseres Protagonisten gräbt. Er wird fündig und stürzt den Bürgermeister in den Abgrund, unter anderem mit Hilfe eines Insiders, der Tom ganz nahe zu stehen scheint.

Schauspielerisch ist die Serie allererste Sahne. Ein großes Plus der Serie ist, dass fast ausschließlich unbekannte und unverbrauchte Gesichter gecastet wurden, denen man dank ihrem Talent ihre Rollen sofort abkäuft. Kelsey Grammer überzeugt in jeglicher Hinsicht und verdient den Emmy, den er für seine Rolle erhalten hat, über alle Maße. Es ist Grammers erste Rolle in einer Dramaserie. Es war wichtig eine markante Person für Tom Kane zu casten, deren Gewicht man in diesem Poker um den Thron in Chicago sofort abkauft, aber trotz aller Härte doch in sein Herz schließen kann. Das klappt dank dem Frasier-Star absolut.

Ich kann nicht von mir behaupten, Chicago gut zu kennen, aber mein Gefühl sagt mir, dass man interessante und gute Schauplätze gewählt hat. Wenn auch viele der Szenen in dunklen Räumen und dem Büro des Bürgermeisters spielen, haben sich die Produzenten Denkmäler und historisch signifikante Ecken Chicagos ausgesucht, um ihre Figuren über ihre Pläne oder die Stadt philosophieren zu lassen. Insbesondere das Intro der Serie, unterlegt zu “Satan, your Kingdom must come down” von Robert Plant ist wunderbar und atmosphärisch.

Boss ist eine moderne Version von Game of Thrones. Es geht um Macht, es gibt Sex und Krieg geführt wird auch, jedoch mit anderen Waffen und versteckt. So wie sich das Fernsehen Politik eben vorstellt. Eine dunkle Version des West Wings mit einer schillernden Persönlichkeit, mit der wir leiden und fühlen, die wir aber dennoch nie ganz verstehen werden. Die ultimative Botschaft im Finale ist so real wie die Politik selbst. Sie war die ganze Staffel vor unserer Nase, doch wir haben sie dank einem Mix aus Bequemlichkeit und falscher Zuneigung nie vernommen. Parallelen zur Realität und echten Bürgermeistern in (nicht nur) Chicago sind daher selbstverständlich nicht zufällig und schmerzhaft. Ein gewisses Interesse für Politik ist von Vorteil, aber die Intrigen und Beziehungen, die die Serie ausmachen, sind überaus menschlich und auch ohne genauere Kenntnisse nahbar. Boss ist beste neue Serie der letzten Season.

Rating: ★★★★★

Ach, Clint…

31 Aug, 2012 · Sascha · Politik · 0 comments

Ich mag Clint Eastwood. Sehr. Klasse Typ, fantastischer Regisseur, legendärer Schauspieler. Die Coolness in Person – immerhin ist er bestens mit einem Eichhörnchen befreundet. Aber das war nichts. Was auch immer sich Romneys Schergen mit dem Überraschungsauftritt bei der Republican National Convention erhofft hatten, es hat nicht nur nicht funktioniert, sondern Eastwood verlor seine Coolness. Damn!

Clint Eastwood trat dort zur besten Sendezeit am letzten, wichtigsten Tag der Convention nämlich auf und improvisierte einen Dialog mit einem imaginären Obama. Clint Eastwood sprach also mit einem leeren Stuhl. Danke, Mitt. Das kriege ich nie wieder aus meinem Kopf. Welch ein bizarres, planloses Schauspiel. Sogar die Romney-Leute hinter der Kulisse zuckten zusammen.

Dass Clint Eastwoods politische Natur nicht halb so cool ist wie sein Filmimage, ist unlängst dank Filmen wie Firefox und ähnlichen Granaten bekannt. Doch im letzten Jahrzehnt vernahm, zumindest ich, eine Wandlung vom reaktionören, amerikanischen Rebell. Er schien offener. Immer noch große Klappe, aber immerhin gegen die Richtigen.

In ‘Gran Torino’, seinem eigentlichen letzten Auftritt als Schauspieler bis zum bald erscheinenden ‘Trouble with the Curve’, bei dessen TV-Spots es mir kalt den Rücken runterläuft, spielte Eastwood für mich eine gewisse Wandlung an. Nicht umsonst sollte es ja sein letzter Film als Schauspieler sein. Das hat doch Bedeutung.

Eastwood war schon einmal Bürgermeister der Stadt Carmel, CA. Dass er also auf einem RNC auftauchen könnte, war keine komplette Überraschung. Sogar Bush Senior dachte mal über die Möglichkeit nach, ihn als VP zu nominieren (Kein Scheiß.). Aber sein Auftritt in einem Chevy-Werbespot beim Superbowl vermachte bei mir den Eindruck, dass er mit Obama zufrieden ist. Immerhin sprach er von “Halbzeit in Amerika”. Nicht nur beim Football. Ich vernahm dabei eine Aufforderung für vier weitere Jahre Barry-Love.

Wie auch immer man das jetzt sehen mag, eine gute Sache ist dabei heraus gekommen. Es gibt jetzt ein neues Meme: Clint Eastwooding. Obamas Reaktion über Twitter kann man übrigens hier sehen – Kommentar? “This seat’s taken.”

Wieso er das tut, erklärt David Corn: Obama Comes Out.

“America’s dogs can’t afford four more years of Obama’s dog socialism. For them, that’s 28 years!”

Neues von President Cool! Gestern war das diesjährige White House Correspondents’ Dinner, bei dem unter anderen Obama selbst und sein besonderer Gast Jimmy Kimmel auftraten. Die Veranstaltung ist immer sehr locker und lustig. Falls Obama die Wahl 2012 verlieren sollte, kann er aber auch ohne Probleme eine zweite Karriere im Stand-Up einschlagen.