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Es muss irgendwann in den Anfangstagen von tumblr gewesen sein, als ich zum ersten Mal Fotos von Ray Kappes Eigenheim sah. Das moderne Design des Hauses und die grünen, überwachsenen Hänge der Pacific Palisades üben auf mich bis heute eine magische Faszination aus. Viele Leute glauben, dass modernes Design kühl wirkt, aber Kappe gelingt es sehr gut, seine Häuser mit Wärme zu überziehen und in seinem eigenen Haus gelang ihm das am besten. Die vielen Ebenen, Wrights Lehre aus Compression and Release, die Natur ins Haus bringen… das alles macht die Kappe Residence für mich zum schönsten Haus der Welt.

Kappe verstarb bereits 2019. Seine Frau Shelly, die als Architekturhistorikerin die Mid-Century-Residenzen von Los Angeles dokumentierte, starb im vergangenen März. Nun steht ihr Haus zum ersten Mal zum Verkauf – und das für nur elfeinhalb Millionen US-Dollar. Die Bilder zeigen ein nahezu unverändertes Haus inklusive den vielen primärfarbenen Möbelakzenten. Das Haus dürfte heute wohl nicht mehr den aktuellen Bauvorschriften entsprechen und unter Bestandsschutz stehen. Das ist natürlich großartig, weil man so eine Immobilie in dieser Art und Weise heute kaum noch bekommt. Ich finde den Preis im Vergleich vergleichbaren Häusern fast schon spottbillig. Nur schade, dass ich damals 2011 nicht in Bitcoin investierte, als mir mein Nachbar davon erzählte.

Grafikdesigner Simon Marchner, von dessen Gigpostern ich auch ein paar mein Eigen zählen darf, ist Münchner und hat beim diesjährigen Gewinner des Oktoberfestplakats ein paar Fragen. Ärgerlich natürlich, aber in der ganzen Welle an Slop auch wieder nicht wirklich überraschend. Es ist schon eher viel schlimmer, dass das einfach so durchrutscht. Entweder weil es keiner bemerkt oder – schlimmer – es keinen stört. Das sind immer so kleine Anlässe, aber in der Masse einfach seelenzerstörend irgendwie.

Angesichts dieser Aufnahmen bleiben dann für die Verschwörungentheoretiker nur noch die Ausflüchte, dass es sich um CGI handelt oder die Inder mit drin stecken. Ich bin mir sicher, dass die da keine Probleme haben werden, sich was Dummes auszudenken. Währenddessen bleibt uns wohl nur zu sagen: Wow! Ich hoffe sehr, dass diese Landestellen mal wirklich ein Museum oder “Moon Park” werden.

Ralph McQuarrie, Joe Johnston und Doug Chiang. Das sind die drei wichtigsten Menschen – neben George Lucas versteht sich – wenn wir über Star Wars reden. Doug Chiang kam Mitte der 1990er zu Lucasfilm und prägte als Design Director maßgeblich die visuelle Identität der Star-Wars-Prequels. Er ist bis heute maßgeblich prägend bei neuen Projekten und inzwischen zum Senior Vice President aufgestiegen. Seine Entwürfe für Raumschiffe, Architektur und Technologie schlugen bewusst die Brücke zwischen klassischer Star Wars-Ästhetik und neuer, digitaler Bildsprache, die Lucas avancierte.

Adam Savage arbeitete in den Neunzigerjahren selbst bei Industrial Light & Magic als Modellbauer und kennt Chiang aus der Prequel-Ära. Zum Release eines riesigen Doppelbands (zwei richtige Oschis, will ich unbedingt haben), gefüllt mit Chiangs Konzeptzeichnungen und Designs zu Star Wars und anderen Projekten, besuchte Savage ihn auf seiner alten Wirkungsstätte. Herausgekommen ist meine Lieblingsart von Interview: Zwei Leute, die sich gut kennen und auch sehr gut auskennen, daher in ihrem Gespräch eigentlich weniger didaktisch für den Zuhörer arbeiten, sondern einfach ein authentisches Gespräch führen und man lauschen darf.

Viele der Lehren hat mein Freund und PewCast-Co-Host Matthias Hopf in der Vergangenheit auf seiner Seite The Beauty of Star Wars Concept Art zusammengefasst. Chiang ist oft auf den Celebrations zugegen und gibt dort Einblick in die Designphilosophie der Bildsprache Lucasfilms sowie seiner Karriere im Unternehmen.

-> Doug Chiang: The Cinematic Legacy (Volume I) & The Star Wars Legacy (Volume II)

Wenn sich in wenigen Milliarden Jahre die Sonne graduell zu einem Roten Riesen erwärmen wird und die Erde verschlingen wird, dürfte es uns Menschen wohl schon lange nicht mehr geben. Dennoch – und das ist vielleicht für manche wie mich – ein beruhigender Gedanke, wird dort draußen im tiefen Kosmos mit den Voyager-Missionen immer noch ein Lebenszeichen, eine Aufzeichnung unserer Existenz existieren.

Wenn sich in nur wenigen Jahren die radiaktiven Batterien ausschalten und die Voyager-Sonden für “tot” erklärt werden, beginnt eigentlich erst ihr richtiger Zweck. Die Voyager Golden Records sind Datenplatten an Bord beider Missionen mit Bild- und Audio-Informationen der Menschheit: Wo wir wohnen, wer wir sind, was wir wissen, Mozart. Selbst intergalaktischer Staub, der wie Schmirgelpapier mit der Platte reagiert, wird sie für über fünf Milliarden Jahre nicht zerstören können, das belegen Tests.

Während hier dann also die Hütte brennt, werden die Sonden – die gerade einmal ungefähr einen Lichttag von uns bisher entfernt sind und noch 30.000 Jahre brauchen, bis sie aus der kosmischen Nachbarschaft entkommen sind – in der Milchstraße auf ihren eingeschlagenen Routen einige Sterne “besuchen”. Dieses Video oben zeigt in erschreckender Brutalität die immense Größe, die furchterrengenden Distanzen unseres Kosmos auf und wie sich die Sonden ihren Weg suchen werden.

Ryan Mitchell hat im letzten Jahr den Mount Everest bestiegen und der Bergsteiger hat dies auf seinem YouTube-Kanal in Vlogs Tag für Tag dokumentiert. Die gesamte 42-tägige Reise ist in einem riesigen, knapp fünfstündigen Video zusammengefasst. Seine GoPro war ihm natürlich ein treuer Begleiter, besonders auf den letzten Höhenmetern. Das Unternehmen vergibt jedes Jahr Preise für die besten Videos und hat Mitchell nun geehrt. Sein atemberaubendes Summit-Video ist oben nochmal neu hochgeladen worden.

WE ARE GOING

18 Jan, 2026 · Sascha · Wissenschaft · 0 comments

Meine Feeds sind vollgestopft mit genialen Fotos der Artemis-II-Rakete, die das Vehicle Assembly Building verlassen hat und nun an ihrem Startplatz steht. Artemis II ist die erste Mission seit 53 Jahren, die Astronauten wieder zum Mond bringen soll. Der Flug umrundet den Erdtrabanten und soll insgesamt etwa zehn Tage dauern. Der Start ist für den 6. Februar angesetzt.

Mich hat das gerade an dieses wunderbare Ankündigungsvideo der Artemis-Missionen erinnert. WE ARE GOING – TO STAY. Gänsehaut pur. Let’s FUCKING GOOOOOOOOOOO! Godspeed, Artemis II.

Man kann übrigens immer noch seinen Namen online eintragen. Die Liste fliegt dann auf einer SD-Karte mit der Raumkapsel um den Mond. Neat!

Alex Honnold will am Samstag, den 23. Januar den Wolkenkratzer Taipei 101 in Taiwan free-solo’en. Das heißt: Der Ausnahmeathlet will ohne Seile und ohne Hilfsmittel bis nach oben klettern – nur mit seiner eigenen Kraft und einem Chalkbag. Vor ihm hat das so noch keiner geschafft bzw. sich getraut. Aus gutem Grund, denn nur ein einziger Fehler bedeutet hier den Tod.

Honnold hat Respekt vor der Aufgabe und trainiert deshalb. Und Angst spürt er auch, nur ein bisschen weniger oder zumindest anders als wir, wie ein MRT-Scan im Film Free Solo aufzeigte. Dort ging es um seinen wichtigsten Free Solo Erfolg: Die Besteigung von El Capitan im Yosemite Valley. Ich halte das für eine, wenn nicht die außerordentlichste körperliche Leistung, die ein Mensch je alleine vollbracht hat.

Und nun will er knapp zehn Jahre später erneut so einen Rekord aufstellen und da hochklettern. Vor ihm hat nur Alain Robert getan, der immer lustigerweise als “French Spider-Man” in the Medien bezeichnet wird. Robert tat dies aber auf Bitten der Eigentümer mit Erlaubnis und mit einer Absicherung.

Ich halte diesen Versuch für unverantwortlich. Bereits Free Solo beschäftigte sich ausgiebig mit der Frage, was geschieht, wenn Honnold keinen Erfolg hätte und in seinen Tod fällt. Dabei ging es nicht nur um die eigene Verantwortung für sein Leben oder die Beziehung zu seiner neuen Partnerin, sondern auch um die ethischen Bedenken Regisseure Jimmy Chin und Elizabeth Chai Vasarhelyi.

Doch dieses Netflix-Ding ist eben anders. Statt einer langwierigen Vorbereitung, einer vertrauten Wand mit abgesteckter Route und vielen erfolgreichen Besteigungen mit Seil soll es nun einfach mal so da raufgehen vor laufenden Kameras. Es gibt keinen wirklichen Grund, dies livezustreamen – außer um indirekt damit zu kokettieren, dass Zuschauer möglicherweise live Zeugen eines tödlichen Unfalls werden können. Honnold Freund Dean Potter, ebenfalls Bergsteiger, verlor bei einem Base-Jump mit Wingsuits sein Leben vor etwas mehr als einem Jahrzehnt. Potter trug dabei eine GoPro-Kamera. Wie auch bei einem möglich denkbaren Fall, bei dem Honnold am El Capitan gestorben wäre, wurde das Video niemals veröffentlicht. Schickt Netfix also den Livestream mit Verzögerung raus? Ich finde das, was zwischen den Zeilen steht, pervers.

Honnold ist älter und hat inzwischen zwei Kinder. Ich möchte gar nicht in die Debatte jetzt zu tief gehen, denn es gibt vielfältige Berufe oder Hobbys, bei denen sich Menschen in Gefahr bringen und als erfahrener Athlet wird Honnold sich nicht übernehmen, aber das Restrisiko bleibt. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Erdbeben oder zu starker Wind und eine Familie verliert ihren Vater. Das kann sicherlich auch am Granitfels passieren, aber in den vergangenen Jahren probierte Honnold eben verständlicherweise nichts mehr in der Hinsicht. Er hat sich auch eigentlich nichts mehr – oder uns – zu beweisen. Geht es hier um einen guten Deal, den er nicht abschlagen konnte? Ist das ein verzweifelter Versuch seitens Netflix einen Monokultur-Moment zurückzubringen?

Ich habe mir nun das exklusive Podcastinterview bei Jay Shetty in Gänze gegeben und verstehe immer noch nicht, warum es jetzt dieser Wolkenkratzer sein muss. “I should be well within my cover zone. […] But the physically exciting thing for me is that I’ve never done that.”, sagt Honnold dort mit Begeisterung, die ich nicht nachvollziehen kann. Seine Frau unterstützt ihn und er wäre eben nicht El Capitan hochgeklettert, wenn er nicht so wäre, wie er nun mal ist. Er lebt halt dafür. Und genau aus diesem Grund wohl weitermachen muss und da hochklettern wird. Nur mit zwei Kindern, dem Druck des Livestream-Termins und der kurzen Vorbereitung sorge ich mich und werde das nicht live mitverfolgen. Godspeed.