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Alan Moore hat es satt. Die beschissenen Comicverfilmungen wie ‘Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen’ kann er ja noch irgendwie seelisch verkraften, aber wenn die Leute sich an seine heilige Graphic Novel Bibel ‘Watchmen’, dem wohl besten Comic aller Zeiten, ranmachen, versteht er keinen Spaß mehr. Also dachte er sich: Wenn andere Leute sich an meinen Charakteren zu schaffen machen, kann ich das auch.

Im kommenden letzten Band der Trilogie um von The League wird sich Moore wieder literarischen Charaktere annehmen, was für die Serie ja nichts neues ist, aber Harry Potter ist schon etwas kontrovers, insbesondere, wenn er, wie The Independent berichtet, als Antichrist dargestellt wird und Leute mit Blitzen aus seinem schlaffen Penis umlegt.

Though the words “Harry Potter” are never mentioned, the allusions are unmistakable. One section features a magical train hidden between platforms at King’s Cross station which leads to a magical school. The Antichrist character has a hidden scar and a mentor named Riddle. (Lord Voldemort, born Tom Riddle, is Harry Potter’s arch enemy in the Potter series.) Characters resembling both Ron Weasley and Hermione Granger also appear and, at one point, the Potter character kills someone with a lightning bolt from his flaccid penis.

Es ist wohl Moores Art mit ‘Before Watchmen‘-Serie, die Hintergrundgeschichten zu seinen Charakteren erzählt, die er immer nur andeutete, klarzukommen. Darüber sagte er ja mal in einem Interview:

What the comics industry has effectively said is, “Yes, this was the only book that made us briefly special and that was because it wasn’t like all the other books.” It was something that stood on its own and it had the integrity of a literary work. What they’ve decided now is, “So, let’s change it to a regular comic that can run indefinitely and have spin-offs.” and “Let’s make it as unexceptional as possible.” Like I say, they’re doing this because they haven’t got any other choices left, evidently.

Ich bin Team Moore und bin mal gespannt, ob die Anwälte von Warner Bros. und Scholastic so entspannt sind und Moore damit durchkommen lassen werden.

Actually Naked Shia Labeouf

18 Jun, 2012 · Sascha · Musik · Comments


via MTV; Direktvimeo

Shia Labeouf spielt die Hauptrolle im neuen Video “Fjögur Píanó” von Sigur Rós, die gerade für ihr neues Album “Valtari” (Partnerlink, sehr zu empfehlen) ein Videoprojekt am laufen haben, bei dem das wunderbare Varúð herausgekommen ist, aber eben auch das obige, das ein wenig zu prätentiös für meinen Geschmack ist. Eine Sache ist klar: Ich liebe Shia. Er ist echt und lustig, aber hier probiert er sich ein wenig zu angestrengt als seriöser Schauspieler hervorzuheben, der er ja in meinen Augen schon eigentlich ist. Naja, hübsch ist es dennoch.


via Devour

In etwas weniger als einem Monat startet die fünfte Staffel von Breaking Bad und wir werden wissen, wie es mit der Legende des Walter White zu Ende geht. Gibt es noch etwas Zeit für ihn oder ist da nur noch Heisenberg? Hier gibt’s ein nettes Video, das die wichtigsten Ereignisse der letzten vier Staffeln zusammenfasst (Spoilers, obviously), unterlegt zu Clint Mansells “Requiem for a Dream”, das ja bekanntlich alles doppelt so awesome macht.

Bill Murray’s SloMo-Autograph

15 Jun, 2012 · Sascha · Kurzfilm · Comments


via Nerdcore

Was ist besser als Bill Murray nach einem Autogramm zu fragen? Bill Murray fragen, ob er mit einem kurz in Slow-Motion im Wes-Anderson-Stil durch den Korridor geht. Ich bin so neidsch.

This guy was shooting something with Bill Murray, and he and his friends wanted an autograph. Instead they got this – a slomo walk down a hallway, Wes Anderson style. The best part? Bill insisted on doing the slomo on set, not in post.


via LikeCool

USA, 2012
Regie: James Swirsky, Lisanne Pajot
Personen: Jonathan Blow, Edmund McMillen, Thomas Refenes, Phil Fish
Länge: 96 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★★★

“Ich wünschte, dass es mir nicht so wichtig wäre. Aber das ist es. Es ist mir so verdammt wichtig.”, sagt Phil Fish in die Kamera, kurz nachdem er feststellt, dass ein Post über den Trailer seines Indie-Games “Fez” doch nicht wie zunächst angezeigt 11000 Likes hat. Es sind nur Klicks, virtuelle Zuneigung. Phil weiß das, er sagt es mehrfach, aber er kann es nicht ändern. Er braucht Kommunikation. Er will Feedback. Er will Anerkennung.

‘Indie Game: The Movie’ ist eine Dokumentation über vier Videspielentwickler, die allesamt das stemmen, was große Firmen mit mehreren tausend Mitarbeitern schaffen. Über Monate hinweg verfolgte das Team um die Regisseure James Swirsky und Lisanne Pajot mehrere Entwickler und schnitt dann aus über 300 Stunden Material die vorliegende Doku. Herausgekommen ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die die vier Hauptfiguren tief beleuchtet und als wesentlich mehr als vier Nerds, die Spiele in ihren Kellern machen, darstellt.

Da sind zum Beispiel Edmund und Tommy, die gerade Super Meat Boy am bauen sind, ein Spiel über einen Klumpen Fleisch, der sich durch Level vorbei an Sägen und anderen scharfen Objekten schlagen muss um zu seiner Freundin zu gelangen. Einerseits um sie zu retten, aber auch andererseits um zu überleben, weil sie Bandagen hat, die ihn retten. Sie komplettiert ihn. Edmund ist ein eher cooler Typ, die Sorte Kerl, die seiner Freundin bei einer Preisübergabe einen Heiratsantrag macht. Tommy ist chronisch krank und eher nachdenklich und hat außer seiner Familie keinen wirklichen sozialen Kontakt, Geld oder Unterstützung durch eine Frau wie Edmund, weil er sich 100% auf das Spiel konzentrieren muss.

Jonathan Blow hat es eigentlich bereits geschafft. 2008 hat er mit Braid die Indie-Spiel-Szene revolutioniert. Sein Spiel war ein kritischer und finanzieller Massenerfolg, aber wirklich glücklich ist er nicht. Sehr nachdenklich und reif hat ihn diese Zeit gemacht, aber auch sehr verletzt. Verletzt ist auch Phil Fish, der seit vier Jahren an dem Spiel Fez arbeitet, vom Spielprinzip vielleicht mit am ambitioniertesten, dafür aber alles alleine stemmen muss, seit sein Partner und er sich überworfen haben. Er hat weder Geld, noch ein Releasedatum in Aussicht und verzweifelt, weil alles umsonst sein könnte, falls sein ehemaliger Partner ihm nicht eine sehnsüchtig erwartete Unterschrift gibt.

Was hätte ‘Indie-Game: The Movie’ für eine nerdige Dokumentation werden können, die nur Gamern zu empfehlen wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn der Film mal kurz abdriftet in Spielmechaniken oder Design, ist das Zentrum stets der kreative Konflikt innerhalb der Personen oder Teams. Am Ende des Tages spielt es keine Rolle, ob Tommy, Edmund, Jon und Phil Bücher schreiben, Comics illustrieren, Filme machen oder Spiele designen. Was sie antreibt, ist die Hoffnung auf Kommunikation, Interpretation, Feedback und Liebe. Jonathan Blow hat Millionen mit seinem Spiel Braid verdient, kritische Erfolge links und rechts abgesahnt, sich und sein Spiel aber in den Kommentaren jedes auch so kleinsten Blogs verteidigt, gerechtfertigt oder Fehler korrigiert. Die Leute mögen das Spiel lieben, aber sehen sie es und interpretieren sie es so, wie er es gewollt hat? Worauf er es abgesehen hat?

Als Edmund die ersten Zahlen des ersten Verkaufstags von Super Meat Boy bekommt, tanzen und freuen sich er und seine Frau über den Rekord von 15000 Einheiten, eine Zahl, die die von Braid weit übersteigt. Tommy nimmt diese Zahlen wahr, doch freuen tut er sich nicht wirklich, obwohl er nun locker die Schulden seiner Familie bezahlen kann. Erst als er sieht, wie die Leute Videos von sich selbst beim Spielen hochladen, verzweifeln und geheime von ihm versteckte Level finden, kann er aufleuchten.

Am Ende geht ein Schatzsucher mit einem Metaldetektor am Strand entlang. Das Gerät empfängt etwas und er beginnt zu graben, doch findet nichts. Er geht weiter. Wie er saßen die vier jungen Männer auf einem Schatz und grabten. Manche waren sich sicher, dass dort etwas ist, sie müssen nur tief genug graben. Andere waren sich nach einiger Zeit gar nicht mehr so sicher. Würden sie überhaupt etwas finden? Wie tief noch? Währenddessen spricht Edmund in einem Voice-Over darüber, dass er Zeichnungen von Super Meat Boy gefunden hat. Ein junger Fan hat sie gemacht, genau wie er damals Super Mario zeichnete. Edmund ist inzwischen wohlhabend, hat ein großes Haus gekauft und sein Spiel verkaufte sich weltweit über eine Million mal, doch was ihn zu Tränen rührt, ist die Vorstellung, dass er durch sein Spiel einen kleinen Jungen dazu animiert haben könnte, selbst kreativ zu werden.

‘Indie Game: The Movie’ ist erhältlich zum Kauf oder Verleih bei iTunes und Steam. Jim Guthries atmosphärischer Soundtrack ist hier erhältlich.

USA/UK, 2011
Regie: Lynne Ramsay
Drehbuch: Lynne Ramsay, Rory Stewart Kinnear
Darsteller: Tilda Swinton, Ezra Miller, John C. Reilly
Länge: 112 Minuten
FSK: 16
Rating: ★★★★★

Das erste Mal sehen wir Eva, wie sie in einem See voll Blut auf Händen getragen wird. Dreckig, nass, rot. Doch sie grinst, es gefällt ihr. Menschenmassen drängen sich eng aneinander vorbei. Es sind grausige und erschreckende Bilder, die kein Stück ihrer Energie verlieren, selbst wenn man weiß, dass sie beim Tomatima-Festival entstanden sind. Später Abends schlendert sie betrunken mit einem Mann durch die Straßen. Dann trägt sie einen Anzug. Eine Frau kommt ihr auf dem Nachhauseweg entgegen, gibt ihr eine Ohrfeige und rennt bitterlich weinend davon. Eine Mann will die Polizei rufen, doch Evan winkt ab und geht weiter. Sie trägt es mit Fassung. Einige Jahre später sitzt Eva (Tilda Swinton) mit ausdruckslosem Blick auf einem Krankenbett. Ihr Baby Kevin schreit aufhörlich in den Armen des Vaters (John C. Reilly).

Dass Eva sich nicht auf Kevin gefreut hat, wäre eine Untertreibung. Sie ist die Person, die in diesem Moment alles bereut, die Uhren zurückdrehen möchte und dennoch nicht abhaut, sondern die Sache durchzieht. Sie begegnet Kevin freundlich, spielt mit ihm geduldig und sorgt sich liebevoll um ihr Kind. Doch schon im Säuglingsalter stößt Kevin sie brutal ab, hört sich nicht auf zu schreien. Wenn der Vater nach Hause kommt, überarbeitet und ohne wirkliche Verbindung zur Familie, probiert er trotzdem mit überschwänglicher Freude alles gut zu machen. Kevins Einstellung dreht sich um 180 Grad. Er umarmt freudig seinen Vater. Ein dunkles Grinsen verrät: Nur um seine Mutter zu bestrafen.

‘We Need To Talk About Kevin’ ist ein non-linearer Film. Höchstens die Falten auf Evas Gesicht oder ihre Haarlänge verraten uns, wo und wann wir uns gerade befinden. Sich einen Reim draus zu machen ist am Anfang nahezu unmöglich und auch nicht ratvoll, denn Regisseurin Ramsay setzt den Zuschauer in Evas Kopf, in dem nichts mehr Sinn macht, alles zusammenhanglos sich abspielt. Wir sollen uns nicht zurechtfinden. Frühere Einstellungen, in den Eva zu einem Ort fährt, an dem sich Blaulicht an den Scheiben ihres Autos spiegelt, verraten, dass etwas Schreckliches stattgefunden haben muss. Und umso länger der Film voranschreitet merken wir, dass Kevin dafür verantwortlich sein muss.

Gefangen in Evas Kopf kommt der Zuschauer zu keinem Schlusstrich, nichts macht wirklich Sinn. Sie würde am liebsten zurück nach Paris oder nach Spanien. Sie richtet sich einen Raum mit Karten und Anekdoten ihrer früheren Reisen ein, Kevin starrt sie finster an. Bereits bevor der Junge sie verbal für ihre Gefühle bestrafen kann, bringt er sie mit Taten zu Tränen. Den ganzen Film über sehen wir wie etwas zu einem Event hinführt. Aber selbst wenn es passiert, wissen wir nicht wieso. Die Frage nach dem genauen Warum quält uns.

Kevin ist jung, gut aussehend, groß und dünn. Er scheint keine Probleme zu haben sich verbal zu verteidigen, ist intelligent und dabei noch sehr schlagfertig. Er ist kein Opfertyp. Seine Familie ist wohlhabend und für ihn und seine Kindheit in ein riesiges Vorstadthaus gezogen. Doch das gesamte Haus ist leer, selbst nach Jahren minimalst eingerichtet. Vielleicht ein Stil von Eva, aber besonders Kevins Zimmer fällt heraus: Kein Poster, kein Buch, kein Film, keine Comics und besonders keine Videospiele. Nichts scheint Kevin wirklich zu interessieren. Die Frage nach dem warum wird noch quälender. Vorgeschobene Gründe und Mythen der Medien werden entmystifiziert. Wir stehen wie Eva zum Schluss desillusioniert vor den Scherben ihres Lebens und wissen, was passiert ist. Aber nicht warum. Eine Qual.

John C. Reilly füllt seine Rolle alleine mit seinem ahnungslosen und liebenswürdigen Gesicht völlig aus und Ezra Miller braucht nur dunkel zu gucken, um dem Zuschauer einen Schauder über den Rücken zu schicken. Perfektes Casting. Doch der wahre Star des Films ist natürlich Tilda Swinton, der alle Emotionen durchlebt, als wären sie ihre eigenen. Ihre Performance ist eine Tour-de-Force, die alle Ehrungen verdient, die es gibt. Wieso der Film dennoch so gut wie leer ausging, ist mir unverständlich. Wahrscheinlich weil er zeigt, dass die Wahrheit komplex ist. Dass das Leben keine einfachen Antworten bietet. Wahrscheinlich, weil er zu real ist.

Heisenberg. FULL. ON.