Musik - PewPewPew

Regisseur John Angus Stewart drehte den Konzertfilm Chunky Shrapnel von King Gizzard and The Lizard Wizard auf 16mm Film und schoss zuvor ein paar Probeaufnahmen, die jetzt online gestellt wurden. Leider war Chunky Shrapnel nur einen Tag online streambar (kluge Fans machten sich natürlich eine private Kopie), insofern ist es schön, dass der Unterschied zwischen Test- und eigentlichem Filmfootage gering ist. Somit gibt es eine schöne Aufzeichnung der Tracks “Self-Immolate”, “Planet B” und ein Stück von “Organ Farmer” vom Album Infest The Rats’ Nest.

Bei den Musikfilmen von Pew-Freund Hilmar Stehr ergibt eins plus eins drei. In seinem neuesten Werk vereint er den mir vorher unbekannten Hammer-Track “Warmer Bruder” von EROBIQUE (kommt direkt auf meine Sommerplaylist) mit Wirtschaftsvideos und es ergibt sich ein sehr angenehmer Retrovibe, in dem der Glaube an den deutschen Perfektionsmus im Glanz vergangener Tage kurzlebig wiedererstrahlen darf.

Der wunderbare Hibou aka Peter Michel veröffentlichte diesen tollen vibey Frühlingstrack auf Französisch und wahrscheinlich wird davon in Zukunft mehr kommen, denn er zieht jetzt nach Paris um. Hibou spielten mir mein letztes pre-Lockdown-Konzert in Luxemburg und ich hoffe, dass es vielleicht bald wieder mehr Shows von ihm in der Nähe gibt. Definitiv einer meiner Lieblingskünstler der letzten Jahre und ein ein maßgeblicher Künstler im Dreampop-Genre.

Musik und Video passen nicht zusammen (muss ja nicht der Fall sein, hier werden aber parallel zwei Geschichte erzählt, eher verwirrend), mag aber beides sehr. Der Rest vom neuen Album OK Human ist genau wie alle anderen Weezer-Alben mit der Ausnahme von Weezer: Ein paar Standouts, alles nett, nichts weltbewegendes.

Das Musikvideo finde ich dagegen schon hübscher. Ist schon was dran, dass ICQ und MSN früher zu einer anderen Sorte Treffen im wahren Leben ohne größeren Computerzwischenebenen dann führten und Smartphones heute eher stören, aber das ist auch ein abgedroschenes Thema. Wie man sich früher traf, so den Menschen hinter dem Bildschirm, ist hier aber hübsch visualisiert.

Neue FOALS CCTV Sessions

13 Feb, 2021 · Sascha · Musik · 0 comments

FOALS haben mal wieder spannende CCTV Sessions am Start. Durch die Pandemie waren die Konzerte der zweiten Veröffentlichung von Everything Not Saved Will Be Lost limitiert, viele der Songs konnten nicht gespielt werden. Daher gab es im letzten Jahr viele Remix-Versionen ihrer Songs und nun gibt es als Abschluss eine neue CCTV-Session, wo sie die Kameras im Studio einfach laufen lassen und ihre Songs runterbrechen, leicht abwandeln, und eine primitivere, leichtere, zärtlichere Version kreieren und sich darin, dadurch dass man die Kameras nach einer gewissen Zeit Big-Brother-Style vergisst, verlieren. (weiterlesen…)

Funktioniert nicht in allen Beispielen, da der Parental Advisory Sticker eben nur bei Explicit Content funktioniert und sich einige Motive daher beißen. Aber hey, die Idee ist klasse. Mit ein bisschen mehr Type-Kunst könnte man hier mehr rausholen.

Live: Phoebe Bridgers @ SNL

12 Feb, 2021 · Sascha · Fernsehen,Musik · 0 comments

Phoebe Bridgers spielte am vergangenen Wochenende bei SNL zwei Songs und erntete einen Shitstorm. Ich fand den Auftritt ironischerweise sehr lahm, da extrem verhalten und ein schlechter Mix mit flachem Sound und viel zu leiser Stimme. Auch total typisch für SNL-Live-Versionen. Aber am Ende des zweiten Songs “I Know The End” zerstörte Phoebe ihre Gitarre, bzw. versuchte dies in einem geplanten Stunt inklusive vorinstallierten Funken, hatte jedoch nicht genug Kraft, um das Ding richtig zu zerbersten. Süß. Ein paar Boomer hat das extrem erzürnt und Phoebe erntete einen richtigen Shitstorm auf Twitter ein. Wo kommen wir denn da bitte hin? Rock’n’Roll muss dringend wieder zurückkehren zu Schlangen und Blut auf der Bühne, vielleicht beißt jemand schnell nochmal einer Taube den Kopf ab oder so, bitte.

Robin Pecknold, Frontmann der Fleet Foxes, performte mit Unterstützung des Resistance Revival Chorus ein einmaliges Konzert in der Brooklyner St. Ann & the Holy Trinity Kirche. Pecknolds Bruder Sean führte Regie bei dem Konzertfilm, der unter dem Titel A Very Lonely Solstice Livestream kurz vor Weihnachten streamte und dann dank großer Fanbegeisterung etwas verlängert bis Silvester online blieb. Es existieren illegale Kopien im Netz, meine Hoffnung bleibt es aber, dass Robin die Aufnahme noch offiziell veröffentlichen wird. Nun erschien eine erste Auskopplung zu “I’m Not My Season”.

Das neue Album der Fleet Foxes, Shore, welches Pecknold im Alleingang während des Lockdowns ohne die restlichen Bandkollegen produzierte, war nicht nur mein persönliches Lieblingsalbum des Jahres, sondern wahrscheinlich auch einer der wenigen Lichtpunkte im vergangenen Jahr. Wir besprachen das Album in der Kulturindustrie und ich überschlug mich quasi mit Lob. Aus meiner Sicht aber völlig gerechtfertigt natürlich. Musik ist ein ständiger Begleiter in meinem Leben, der gute Momente besser und schlechte Momente weniger schlimm macht. Sie ist ein emotionale Zündholz und oft ein nostalgisches Tor in andere Zeiten. Shore ist für mich ein perfektes Album, welches die schwierigen Lebensphasen mit goldenen Sonnenstrahlen erwärmt. Das hatte im letzten Jahr natürlich einen besonderen Effekt. Selten hat mich Musik so intim berührt, mit jedem Song so gepackt. Ein Meisterwerk.

Für Stephen Colberts Late Show und das Intro des Films sang Robin zusammen mit dem Chor zwei Lieder ein, doch für den Rest des Konzerts sitzt er hoch über den Kirchenbänken neben der Orgel und singt in der scheinbar völlig leeren Kirche nur mit seiner Akkustivgitarre ausgestattet Songs vom neuen Album und dem Œuvre der Band. Besser kann es die Fleet Foxes eigentlich nicht treffen, denn der pastorale Klang der Band verbunden mit den existenziellen Zweifeln in den Texten Pecknolds kommen hier getragen von der Architektur einer zum Himmel reichenden Elegie gleich. Der gefeaturete Titel oben markiert den Abschluss des relativ kurzen Konzerts und fasst mit dem wunderbaren Vers “I’m not the season I’m in.” alles zusammen, was dieses intime Konzert so besonders machte.