Featured - PewPewPew

inside-review-1024x576

Ich rutsche eine Böschung hinab und laufe. Ich weiß nicht, woher ich komme oder wohin es mich treibt, also laufe ich weiter. Meine Augen beobachten den Horizont. Der neblige Wald bietet mir Möglichkeiten, mich zu verstecken. Maskierte Arbeiter bewachen merkwürdige Technikvorrichtungen. Kleine Kammern, Schläuche, mitten im Wald. Schwerbewaffnete Männer mit Jagdhunden stehen bereit. Sie suchen mich. Ich laufe weiter. Wenn sie mich schnappen, sterbe ich. Immer und immer wieder. Ich werde erschossen, die Hunde zerfleischen mich, ich falle in einen Graben, ich ertrinke. Doch diese Hindernisse überwinde ich. Eines nach dem anderen. Ich verstecke mich. Ich warte. Und ich laufe weiter. Mit der Zeit verliere ich die Verfolger und mir wird bewusst, dass ich nicht mehr fliehe. Ich bewege mich auf etwas zu. Etwas zieht mich an. Und ich laufe weiter.

Inside ist das neue Spiel von Playdead und der spirituelle Nachfolger des Indie-Erfolgs Limbo, in dem ein kleiner Junge in einem monochromatischen Sidescroller durch Landschaften läuft und Rätsel löst. Erneut erwacht der Spieler im Körper eines Jungen, der im Wald von links nach rechts laufen muss. Die Farben dieser Welt sind erneut entsättigt, lediglich mein rotes T-Shirt gibt dieser tristen Welt so etwas wie Identität. Ähnlich wie in Limbo wird auch in Inside kein Wort gesprochen, die Geschichte ist wieder lose erzählt durch vage Informationen im Hintergrund und der Umgebung, aus denen sich der Spieler einen Reim machen soll. Und ich sterbe. Oft. Doch die Reise geht immer weiter.

Inside jedoch wirklich zu beschreiben, fällt mir äußerst schwer. Die Gemeinsamkeiten mit dem im Vergleich verblassenden Vorgänger hören bereits nach wenigen Minuten auf. Inside ist mehr, will mehr. Und das klappt! In den ersten Minuten erinnert esnoch an Nineteen Eighty-Four, George Orwells dystopischen Roman über einen allmächtigen, totalitären Überwachungsstaat. Überall lauern Gefahren, meine Freiheit ist eingeschränkt, man jagt mich – und tötet mich skrupellos, wenn man mich, einen kleinen Jungen, findet. (weiterlesen…)

Stranger Things Wowcast

In der 70. Ausgabe des Wowcasts besprechen wir nach den ersten drei Folgen im letzten Podcast (Wowcast 69: Der VHS-Core von Stranger Things) nun die komplette Staffel von Netflix 80s-Reference-Porno Stranger Things.

René (@nerdcoreblog, Facebook) und ich erklären, warum die Duffer Brothers kein Tarantino sind, warum der ganze 80s-Overkill in Stranger Things nur auf Mariobarthschem-Kennste-Kennste-Niveau bleibt, warum genau das einer der Gründe für den Hype ist, warum dieser Hype und der 80s-Overkill nervt und warum das ganze auf einen tatsächlich pathologischen (und vielleicht auch nötigen) Eskapismus in einem eher uncoolen Sommer hinweist.

strangersssssDas Intro wurde uns freundlicherweise vom großartigen Herrn Kaschke eingesprochen, Musik und Produktion von 3typen, Intro-Intro: S U R V I V E – Theme from Stranger Things, Outro: Reagan Youth – Go Nowhere (aus S01E02 The Weirdo on Maple Street).

Vulture: A Stranger Things Glossary: Every Major Film Reference in the Show, From A–Z
Nelson Cash: The Typography of ‘Stranger Things’ – How one designer got hooked to a TV show in 52 seconds
Variety: ‘Stranger Things’ Tests Limits of Netflix’s Nostalgia Strategy
The Ringer: ‘Stranger Things’ Phones Home – The new Netflix show taps into the ’80s childhood imagination
Thrillist: 11 Questions we still have after binging Netflix’ „Stranger Things“
The Playlist: The Excellent ‘Stranger Things’ Score Will Be Getting An Official Release
Bandcamp: S U R V I V E

References to 70-80’s movies in Stranger Things

References to 70-80's movies in Stranger Things from Ulysse Thevenon on Vimeo.

Stranger Things Point’n’Click-Mockup

Links zu MP3, Soundcloud und Podcast-Feeds:

MP3: wowcast70.mp3 (106,4MB)
Soundcloud: Wowcast 70: Stranger Things und sein pathologischer 80s-Eskapismus
iTunes: NC-Podcast
Podcast-Feed: http://feeds.feedburner.com/nc-podcast
Bildquelle © Netflix/Amblin

Warner Bros. nennt es “Comic-Con Footage”, aber es ist ein Trailer – und ein guter dazu. Nach dem Debakel von Batman v Superman setzt man nun alles daran, DC im Kino doch noch zu einem Erfolg werden zu lassen. Da ist zwar bei diesem Trailer noch viel Luft nach oben, aber die getroffenen Entscheidungen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Ich meine, die Figuren reden miteinander! Und es gibt so etwas wie Chemie! Unglaublich!

divbar

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei mir will da auch nach etlichen Trailern nicht so wirklich der Funke überspringen. Als großer Fan der Harry Potter Bücherreihe und Bewunderer der Filmadaptionen kann ich einfach nicht viel mit dem Konzept der “Wizarding World” anfangen. Das klingt für mich alles sehr aufgezwungen. Warner Bros. braucht ein neues Franchise, J.K. Rowling macht sowieso gerade den Lucas und die Geschichte um irgendwelche Monster wirkt jetzt nicht unbedingt spannend. Womöglich liegt es an den Trailern, aber irgendwie scheinen selbst größte Potter-Fans sich aktuell ständig erinnern zu müssen, dass es bald einen neuen Film in einem ihrer Lieblingsuniversen gibt. No buzz! Sad!

divbar

Apropos no buzz: Doctor Strange kommt bald im November ins Kino und abgesehen von Aufnahmen der Dreharbeiten mit hohem Memepotential sowie der Marvel-Marke sehe ich für den Sorcerer Supreme aktuell schwarz. Cumberbatch selbst ist trotz Tumblr-Fandom kein Star, geschweigedenn ein Box Office Magnet und die Action ist nicht so klar wie in Inception, sondern sie verwirrt mich bereits im Trailer. Es hilft natürlich auch nicht, dass selbst dieser Film mit Zauberern und der letzten großen Seite des Marvel-Universums nach der Erde, Asgard und dem Weltall auch wieder aussieht wie jeder andere Film des Franchises. Berechtigte Zweifel gab es bereits im Vorfeld von GotG und Ant-Man. Marvel hat die Kritiker und Zweifler schlussendlich überzeugen können. Ich glaube, dass Doctor Strange vielleicht etwas unerwartet den Marvelzug zum ersten Mal etwas verlangsamen könnte.

divbar

Marvel-News: (weiterlesen…)

Das Ende der Galaxien

22 Jul, 2016 · Sascha · Featured,Games,Personal · 0 comments

Dieser Artikel erschien zuerst in der 9. Ausgabe des WASD-Magazins.

divbar

In jedem Game stirbt man tausend Tode, aber nur einen davon wirklich. 

Das Ende eines MMORPGs ist eine gleichsam seltsame und tieftraurige Angelegenheit. Man müsste meinen, die meisten Videospiele seien für die Ewigkeit gemacht. Habe ich Lust auf Super Mario World, schließe ich mein über zwanzig Jahre altes Super Nintendo Entertainment System an und lege los. Vielleicht brauche ich noch einen Adapter, weil ich mir einen neuen Fernseher gekauft habe, der die alten NTSC/Pal-Signale in HD umwandeln muss, aber ansonsten steht dem Spielvergnügen nichts im Weg. Bei einem MMO ist das jedoch anders. Sobald die Verbindung unterbrochen wird, sobald die offiziellen Server heruntergefahren werden, ist die Show vorbei. Für immer.

Man konnte im Verlauf der Jahre spüren, dass *Star Wars Galaxies leerer wurde. Städte verschwanden von der Flugroutenkarte. Ehemals von Jedi, Rebellen, Space-Piraten, Sith und Stormtroopern bevölkerte Siedlungen liegen im Staub und es ist ein unglaublich trauriges Gefühl, wenn man auf seinem Speederbike schon aus weiter Entfernung die zerstörten Stadtplanungen erkennt.

Wo einstmals Politiker – was tatsächlich ein Beruf mit Skill Points im Spiel war – in einem der vielleicht besten Sandkasten-MMORPGs aller Zeiten mit virtueller Stadtplanung und geschickt verlaufenden Straßen für nahezu lebendige  und eigenständige Metropolen im Star Wars Universum sorgten, stehen heute verlassene Häuser von lange deaktivierten Spieleraccounts. Im Star Wars-Film-Universum wären sie längst von den Sanddünen Tatooines verschlungen worden.

Die Entvölkerung der virtuellen Star Wars Galaxis nahm schließlich solche Ausmaße an, dass Sony einen „Leerstehendes Haus“-Alarm für die Verbleibenden einbaute. Diese wurden dann mit einem „Luftangriff des Imperiums“ ausradiert. Und als wäre das schon nicht traurig genug, erhielten besonders fleißige Spieler dafür sogar eine Auszeichnung.

Die Freundesliste wurde ebenfalls immer kleiner. Ging man früher in der Woche abends online, erstrahlte eine Ansammlung von illustren Namen in gelber Schrift. Später laß man  dann nur noch die immer gleichen fünf Namen. Hardcorespieler, die ihre Dungeons nur verließen, um ihren Loot zu verkaufen, und jene, die bis zum bitteren Ende Gäste in ihrer Cantina bewirtschaften wollteb. Dabei war oft die Anzahl der Bandmitglieder höher als die Anzahl der Gäste. Man wusste eigentlich, dass es vorbei war. (weiterlesen…)

E3 2016 Trailerfest

14 Jun, 2016 · Sascha · Featured,Games · 9 comments

E3 2011 - Teaser

Hier ein paar Trailer zur aktuell andauernden E3 2016. Ich stelle nicht alle Trailer zusammen, sondern binde nur das ein, das mich halbwegs interessiert und womöglich irgendwann von mir auch gespielt wird. Ich werde den Thread nach Nintendos und Sonys Präsentation noch aktualisieren.

The Legend of Zelda – Breath of the Wild

Da ist es also, das neue Zelda. Ich habe meine Probleme mit der Reihe und Nintendo, vor allem in grafischer Hinsicht. Wieso man sich nicht endlich mal aufrafft und trotz des zwar ikonischen und künstlerischen Stils ein bisschen mehr Polygone leisten kann, mag ich nie verstehen. Aber nun gut, es ist Nintendo. Dafür sehen das Gameplay und die Physikeffekte fantastisch aus und man wird deutlich mehr RPG-Elemente im Spiel haben als erwartet. Link muss essen, seine Kleidung und Ausrüstung haben Stats und können verschleißen. Dazu ist nun ganz Hyrule problemlos für ihn zu erkunden. Die Wildnis ist zwar besonders im Titel hervorgehoben, aber ich erhoffe mir auch noch ein paar mehr Menschen und Goronen, etc. Bisher sieht die Welt zwar groß, aber auch irgendwie leer aus.

The Last Guardian

!!!!!! RELEASE DATE EINEN TAG NACH MEINEM GEBURTSTAG! ES GIBT EINEN GOTT!

Battlefield 1

Zu Battlefield 1 habe ich schon sehr viel geschrieben, aber der Trailer zeigt noch einmal eine ganze Menge mehr. Sieht für Fans der Reihe natürlich absolut spitze aus.

Inside

Hype, Hype, HYPE! Playdead meldet sich nach sechs langen Jahren nach Limbo endlich mit handfesten Infos und Gameplay zu Inside zurück, dem spirituellen Nachfolger über einen jungen Rebellen in einem dystopischen Regime. Das erinnert alles an Limbo, aber scheint in jeder Hinsicht – und vor allem grafisch und bezüglich der Animationen – noch ein Stück besser zu sein. Mein Highlight für das restliche Jahr erscheint bereits am 7. Juli für den PC.


Death Stranding

Nach dem Hickhack im letzten Jahr mit PT hat Hideo sich einem neuen Projekt gewidmet und dafür nimmt er Norman Reedus gleich mit. Ich bin sogar erfreut, dass das neue Spiel sehr originell aussieht und, ich schätze mal, irgendwas mit Zerstörung in globalen Ausmaßen und Klonen und Geistern zu tun hat. Super.

Telltale’s The Walking Dead

Telltale erzählt nach der enttäuschenden zweiten Staffel seine The Walking Dead Geschichte weiter. Selbst Hardcore-Fans müssen wohl zugeben, dass es besser beim perfekten Ende von Staffel 1 belassen hätte. Nun haben wir den Salat. Clementine ist gefühlt 6 Jahre älter und damit kommen wir in ein zeitliche Territorium, das selbst der Comic nicht einmal bisher abdeckt. Das könnte also interessant werden. Was das Besondere an dem Zombie war, verstehe ich basierend auf dem Teaser nicht, aber wenn die jetzt mit Klassifizierungen anfangen, hat man mich verloren.

Vampyr

Obwohl ich mir nach dem für mich ausgewählten und enttäuschenden Finale von Life is Strange lieber einen Nachfolger gewünscht hätte, macht Dontnod Entertainment jetzt erstmal etwas mit Vampiren und viktorianischem Kram, den man schon gefühlt 100 Mal gesehen hat. Da ich die bisherigen Spiele des Studios sehr mochte, werde ich dem Spiel mal eine Chance geben. Berauschend finde ich dies allerdings nicht.

EA und Star Wars (weiterlesen…)

twdspinoffthealien
PanelSyndicate

Vor etwas mehr als acht Jahren machten die zwei Comic-Größen Robert Kirkman und Brian K. Vaughan einen Deal aus: Vaughan soll seinen digitalen Comic The Private Eye, den der Künstler Marcos Martin zeichnete, über die Druckpressen des Image-Verlags in analoger Form veröffentlichen und dafür würden Vaughan und Martin in Kirkmans Walking Dead Universum rumspielen dürfen.

Dieser Scherz wurde vor geraumer Zeit nun zur Realität, ich vergaß nur darüber zu bloggen. Natürlich habe ich schnellestens den Comic, der unter dem Titel The Walking Dead: The Alien veröffentlicht wurde, gelesen. Es gibt ihn kostenlos auf Vaughans DRM-freiem Online-Verlag Panel Syndicate.

the walking dead barcelona
PanelSyndicate

The Alien handelt nicht von der ironischen Alien-Invasion am Ende von Issue 75, sondern spielt tatsächlich im eigentlichen Comic-Universum und ist Teil des offiziellen Kanons. Leider handelt es sich nur um eine einmalige Angelegenheit – diese lohnt sich aber vor allem für langjährige Fans der Comics. (SPOILER-WARNUNG (weiterlesen…)

Adr1ft-Review-2

Ich hatte die Ehre drüben bei Superlevel eine Review zum Weltallspiel Ar1ft zu schreiben und einzusprechen, auf das ich mir sehr gefreut hatte. Ob sich die Vorfreude gelohnt hat oder ich bitter enttäuscht wurde, könnt ihr auf Superlevel nachlesen oder aber ihr lauscht der lieblichen Stimme von Onkel Pew, während er euch sein Urteil vorliest.

Im Weltall ist kein Problem so schlimm, als dass man es nicht noch schlimmer machen könnte, behauptet Chris Hadfield. Er muss es wissen. Schließlich ist der Kanadier nicht nur ein weltberühmter „David Bowie“-Cover-Artist, sondern er flog auch bisher zwei Mal ins Weltall. Es ist seine ruhige und besonnene Art, mit der er mögliche Probleme des Astronautenleben in seinem TED-Talk schilderte und anging, an die ich denken muss, als ich im Körper von Alex Oshima erwache und auf die Trümmer der Raumstation Northstar IV blicke. Hadfield betont, dass das Training die zukünftigen Astronauten rigoros auf potentielle Gefahrensituationen vorbereitet. Diese Szenarien würden immer und immer wieder durchgespielt werden, bis das Subjekt selbst in den Situationen mit absoluter Routine reagiert, in denen der Durchschnittsmensch die Nerven verlieren würde. Diese Routine fehlt mir.

Ich greife mit zittrigen Händen nach dem Kabel, das sich um meinen Fuß gewickelt hat. Glück im Unglück: Das Kabel schützt mich davor, in die Weiten des Weltalls abzudriften. Ich kann mich gerade so zu größeren Raumschifftrümmern retten, als ich ein Leck in meinem Raumanzug bemerke. Meine Atemzüge werden tiefer und schneller. Sekunden bevor ich zu ersticken drohe, kann ich eine umherschwebende Sauerstofflasche ergreifen und meinen Vorrat auffüllen. Als ich einen Blick um mich herum wage, stockt mir der Atem erneut.

Wer bei dieser Beschreibung der ersten Momente von Adr1ft, dem ersten Spiel des Entwicklerstudios Three One Zero Games um Adam Orth (#dealwithit), an den Oscar-prämierten Film Gravity denken muss, liegt nicht falsch. Adr1ft ist in vielerlei Hinsicht Gravity – The Game. Die Hauptziele sind nämlich sehr simpel: Überleben – und zur Erde zurückkehren. Ähnlich wie im Film finde ich mich im Low Earth Orbit ungefähr 400km über der Erde im Körper einer Frau wieder, die inmitten einer Katastrophe ums Überleben kämpft. Glücklicherweise bin ich darin ein wenig gewandter als Sandra Bullock. Mein Raumanzug besitzt eine Düsensteuerung, mit der ich mich im Schneckentempo durch die Gänge der zerstörten Raumstation wage. Alle paar Meter schweben Notfall-Sauerstoffflaschen, die meine Tanks auffüllen. Den Sauerstoff brauche ich jedoch nicht nur zum Atmen, sondern er treibt auch die Düsen meines Raumanzuges an, sodass ich anfangs meine Bewegungen sehr behutsam überlegen muss.

Adr1ft-Review-1-1024x576

Leider erreicht Adr1ft schon direkt zu Beginn den Höhepunkt an Spannung. Die Steuerung des EVA-Raumanzuges ist trotz eines kleinen Tutorials recht schwer zu erlernen, besonders mit der Tastatur. Und daher sieht man Alex vielleicht zwei oder drei Mal dabei zu, wie sie qualvoll erstickt und sich in den letzten Momenten noch verzweifelt die Hände vor das Visier drückt, bevor sie das Bewusstsein verliert. Diese dramatischen Momente kann man jedoch an einer Hand abzählen. Sobald man die Steuerung gut beherrscht, kann man die omnipräsenten Sauerstoffkoffer auch mal überspringen. Dazu gibt es nach einer Stunde Spielzeit bereits ein Upgrade, welches das Leck im Anzug repariert und den Vorrat um das Doppelte erhöht. Und echte Gefahren gibt es auch keine mehr. Die umherschwebenden Trümmer werden einem kaum gefährlich; sie können mich weder töten, noch gefährlich weit von dem Trümmerfeld wegstoßen.

All das wäre kein großes Problem, wenn Adr1ft neben seiner atemberaubend schönen Präsentation noch Weiteres zu bieten hätte. Doch dem ist leider nicht so. Entgegen der Logik eines schnellen und unkomplizierten Fluchtvehikels muss die Raumkapsel nämlich zuerst aktiviert werden. Der zentrale Computer in der Mitte der Raumstation ist zwar noch intakt, doch die umliegenden Systeme sind abgebrochen. Also muss ich durch endlose Gänge schweben, nicht an Schleusen anecken, mich durch schwebende Wassertropfen bewegen, schwerelose Pflanzen aus dem Weg räumen, kurze Sprünge zwischen Trümmerteilen wagen und ein System nach dem anderen wieder hochfahren. Das klingt nicht nur spannend und aufregend, das ist es auch. Aber eben auch nur für eine gewisse Zeit.

Und da Three One Zero Games unbedingt ihre einzigartige Erfahrung mit Adr1ft mehr zu einem Spiel trimmen wollten, muss man von einem Ende der Trümmer zum nächsten fliegen, um immer gleiche Werkzeuge von A nach B zu bringen. Das Gameplay verändert sich zu keinem einzigen Zeitpunkt, es gibt keine Abwechslung oder Interaktionsmöglichkeiten, mit denen man sich nicht schon nach den ersten zehn Minuten langweilt. Auch das Oculus Rift, das zeitgleich auf den Markt gekommen ist und quasi als VR-Plattform für Adr1fts Techdemo dient, dürfte das Spielerlebnis nicht wesentlich aufwerten, da die Ansatzpunkte dafür schlichtweg fehlen. Zwar dient es der Immersion, dass die Sicht aus dem Helm durch das Display und die Limitierung des Visiers selbst in der Virtuellen Realität eingeschränkt ist, aber da das Gameplay in seinem rudimentären Design dies kaum nutzt und man nur in seltenen Fällen die 2D-Plattform mit einem Blick nach oben oder unten durchbrechen muss, bleibt viel Potential auf der Strecke. Weiterhin ist es ärgerlich, dass das Spiel die Ziele einer dreidimensionale Welt auf einem zweidimensionalen Radar abgebildet und die Kommandantin sich so mehr als einmal auf ihrem eigenen Schiff verläuft. So wird der Walking Simulator im Weltall künstlich verlängert.

Sobald man sich aber an seine neue Umgebung gewöhnt hat, wird das Durchspielen von Adr1ft zu einem äußerst schwerfälligen Unterfangen. Ein Gang sieht aus wie der nächste, das Schiff besitzt keine eigene Persönlichkeit und die Geschichte ist so bruchstückhaft und bewusst vage gehalten, dass man jegliches Interesse daran verliert. Über Audiologs werden dem Spieler zwar nach und nach die Beziehungen der toten Crew zu Alex bewusst, doch es ergibt sich kein schlüssiges Gesamtbild. Dieses ähnelt eher dem chaotischen Trümmerfeld um den Spieler: Es gibt Bruchstücke einer Geschichte, die jedoch kein stimmiges Gesamtbild ergeben. Die Figuren und Vorgeschichte sowie das Setting bleiben größtenteils ein Mysterium. Dazu ist es höchst frustrierend, dass das Ende dahinplätschert, ohne Höhepunkt oder befriedigenden Abschluss. Dies macht die initiale Enttäuschung darüber, dass wir die auslösende Katastrophe nicht geschildert bekommen (oder nachträglich den Grund dafür erfahren), noch größer.

Adr1ft-Review-3-1024x576

Adr1ft verfolgt schlicht und ergreifend nur das Ziel, dass sich der Spieler isoliert und einsam fühlt. Dies gelingt zwar zu Beginn, dochnach einigen Stunden der Isolation sehne ich mich nach menschlichem Kontakt. Nicht, weil ich unbedingt zur Erde zurückkehren will – immerhin macht das Herumschweben schon einen gewissen Spaß – aber die ständigen Kontaktversuche von der Erde würde ich trotzdem gerne beantworten. Hier wird großes Potential verschenkt, das jüngst Firewatch deutlich besser zu nutzen verstand. Der Kontakt zu einem anderen Menschen muss schließlich nicht grundlegend dazu führen, dass das Gefühl der Isolation verloren geht. Im Gegenteil, denn die Kommunikation hätte die Entfernung noch stärker verdeutlicht. So bin ich dazu verdammt, ein paar Stunden im Schneckentempo herumzufliegen und sporadisch die F-Taste zu drücken, bis man mich nach Hause lässt.

Trotz all der Kritik bietet Adr1ft jedoch eine einzigartige Erfahrung, die nicht nur für Weltraumfreunde interessant ist. Die Texturen sind atemberaubend – und das liegt nicht am Leck meines Raumanzuges. Noch nie zuvor sah die Erde in irgendeinem Spiel so schön aus. Wenn man nach dem Sauerstoffupgrade größere Sprünge von einem Trümmerteil zum nächsten wagt und minutenlang durch die Leere schwebt, fällt der Blick unweigerlich zur Erde. Da sind wir. Das ist unser Zuhause. Keine Ländergrenzen, nur ein sehr verletzbarer Planet mit einer hauchdünnen Atmosphäre – alles photorealistisch darstellt und erlebbar. Man bekommt ein Gefühl dafür, was Astronauten als den “Overview-Effekt” beschreiben; ein Gefühl, das bei Anblick dieses irdischen Paradieses alle Kriege, Hungersnöte und Probleme der Menschheit so nichtig erscheinen lässt. Auch die Northstar IV selbst ist eine äußerst ansprechend gestaltete Raumstation, die zwar wenig einzigartige Details hat, jedoch durchaus in der ersten Begegnung eine realistische Zukunftsversion der Raumfahrt abbildet.

Im starken Kontrast zur Schönheit der Erde steht jedoch der spürbare Terror, der sich um einen herum entfaltet hat. Im Umgang mit gefährlichen Situationen und der ausgelösten Angst offenbart Adr1ft nämlich ein sehr selten angewendetes Konzept. Die meisten Videospiele konfrontieren ihre Spieler in Gefahrensituationen mit “Kampf oder Flucht”-Optionen und gestalten ihr Gameplay dementsprechend. Hier erwartet das Entwicklerteam jedoch von Spielerinnen und Spielern keine direkte Handlung. Er muss nur die eigene Angst tolerieren und den Druck, den diese außergewöhnliche Situation aufbaut, aushalten. Die Augen offenhalten, während man dem eigenen Tod in die selbigen schaut. In dieser völlig lebensfeindlichen Umgebung muss man die ständige Todesangst ausblenden und nach einer neuen Möglichkeit suchen, aus diesem Schlamassel zu entkommen. Adr1ft vermittelt diesen Kontrast wie kein zweites Spiel mit so eindrucksvollen und schönen Bildern. Leider muss man jedoch länger in dieser Welt verharren, als einem lieb ist. Aus der einmaligen Erfahrung musste unbedingt ein Spiel mit Aufgaben und Spielwegen entstehen, das einen gewissen Preis in der äußerst kunstfeindlichen Spielergemeinschaft rechtfertigt. Schade, denn manchmal ist weniger mehr.

Rogue One Cast Photo
Disney

Ich weiß nicht mehr genau, wo ich das folgende Zitat gefunden habe, aber ich hatte es mir bei der Konzeption dieses Posts hier reingeklebt. Das ist nun einige Monate her, ich hatte den Entwurf des Artikels vergessen. Aber heute erscheint der erste Teaser Trailer zu Rogue One – A Star Wars Story, weshalb ich noch einmal einen Blick zurück wage.

Es sieht einfach nicht nach Star Wars aus..kein bischen…deshalb heulen alle rum ihr klugscheisser. Das sieht aus wie der neueste Resident evil Teil.

Das sieht nicht mehr wie Star Wars aus? Ich könnte dieser Aussage nicht stärker widersprechen. Die Blaster, die Holster, die Jacken, die Rüstungen, die Triebwerke im Hintergrund, das Gemäuer des Massassi Tempels auf Yavin IV, die Metallstifte an den Oberarmen des Jacke, ja sogar die Lagerkisten im Hintergrund schreien förmlich “Das ist Star Wars”.

Ich glaube aber zu wissen, was der Kommentator eigentlich meint: (weiterlesen…)