Review: Fear The Walking Dead S05E05 - PewPewPew


AMC

Eine Fear the Walking Dead-Folge über Althea und die Organisation, welche Rick Grimes in der Mutterserie rettete. Das sollte für eine gute Episode genügen. Warum dies nicht gelingt, lest ihr im Recap.

Ein Viertel dieser Staffel ist vorüber und bisher ließ Fear the Walking Dead mich relativ kalt. Doch nun erscheint mit der 5. Folge der 5. Staffel eine Geschichte über die entführte Althea (Maggie Grace) und die mysteriösen Helikopter-Menschen, bei denen auch Rick Grimes vermutet wird. Klingt nach einem anregenden Szenario und die Folge namens “Das Ende von Allem” – so ein Titel weckt Erwartungen! – beginnt auch stark.

Ist das also der Wendepunkt der bisherigen Fear the Walking Dead-Staffel, ja vielleicht sogar endlich die Erlösung erwartungsvoller Fans?

Leider nein. Nach einem visuell starken Einstieg und einer spannenden Verfolgungsjagd zieht die Serie wie so oft die Handbremse für ein Drama, das diese Bezeichnung nicht verdient.

Gleich zwei Mal findet sich Althea (Maggie Grace) nach dem Aufwachen angekettet wieder, um sich dann zu befreien, nur um dann wiederum von ihrer Entführerin aufgegabelt zu werden. Diese repetitiven Handlungskreise der Serie wirken frustrierend. Doch es wird noch schlimmer.

Fear The Walking Dead und die Geheimnisse der Helikopter-Fraktion

Versteht mich nicht falsch. Die Folge ist nicht schrecklich, sie ist vielleicht die interessanteste Folge seit John und Junes großem Liebesdrama in der vergangenen Staffel. Doch das liegt eben nicht unbedingt an der Brillanz der Episode, sondern an dem niedrigen Niveau seit dem Showrunner-Wechsel.

Trotzdem bleibt am Ende großer Frust und Verwirrung zurück, weil die Fear the Walking Dead-Folge zwar endlich mit einer verheißungsvollen Story aufwartet, diese aber gleichzeitig vorerst beendet und wir ohne erkennbare Konsequenzen zum Status Quo zurückkehren.

Zunächst einmal der kleine Schock: In der Region gibt es weder eine geheime Basis der mysteriösen Fraktion, die sich Rick Grimes und Althea schnappte. Noch erwarten uns Bösewichte, die die 5. Staffel dominieren werden. Stattdessen trifft Al auf eine Frau namens Isabelle (Sydney Lemmon), eine eher grüblerische Soldatin, die ihrer Mission nachgeht. Diese bleibt weitestgehend unbekannt, ebenso werden die Größe und die Ressourcen ihrer Helikopter-Fraktion nur angedeutet.

Natürlich sollen nicht alle Fragen direkt in einem Schwung beantwortet werden. Lost bot zum Beispiel eine gute Balance zwischen Antworten und neuen Fragen, die sich aus den Antworten ergeben. Fear The Walking Dead sagt uns in dieser Folge eigentlich gar nichts.

Sind diese begrenzten Ausmaße kreative Storyentscheidungen oder handelt es sich um die Folgen eines sichtlich geschrumpften Budgets? Insider-Details sind mir unbekannt, aber die ersten fünf Folgen dieser Staffel wurden weitestgehend nahe irgendwelchen Büschen in “Texas” verbracht. “Everything is bigger in Texas” – aber nicht in Fear the Walking Dead, wo nicht einmal eine beeindruckende Totale pro Folge drin ist.

Interessant ist jedoch, dass sich bei einem Fehler Isabelles “Reklamationsteams” auf den Weg machen, was für sie nichts Gutes zu bedeuten hat. Gleichzeitig scheint Isabelle jedoch an die Mission der Gruppe zu glauben. “Wir sind die Zukunft”, betont sie an einer Stelle voller Überzeugung.

Was das zu bedeuten hat? Man kann nur spekulieren, aber womöglich handelt es sich um den Wiederaufbau der Zivilisation – und eine Verbindung zum Commonwealth, der riesigen Siedlung aus den The Walking Dead-Comics und dem nächsten großen Thema nach dem Whisperer-Krieg in der Mutterserie.

In der Stadt herrschen strenge Regeln, die das soziale Gefüge und den Alltag der Menschen bestimmen. Es ist eine Art Kastensystem, wodurch die Unterscheidung der Menschen in A- und B-Kandidaten endlich Sinn ergeben würde.

Liebe regiert in Fear The Walking Dead

Aber all das ist nicht so interessant wie die Liebesgeschichte, die sich zwischen Althea und Isabelle in der Folge anbahnt. Wir begleiten die junge, ambitionierte Journalistin bereits seit fast anderthalb Staffeln und wissen dennoch so gut wie nichts über sie.

Deshalb war ihr Verschwinden auch nicht wirklich tragisch. Die Figuren mögen Althea auf dem Papier vermissen und finden wollen, weil dies der moralisch richtige Schritt ist, aber als Zuschauer fühlt man eher ein großes Vakuum.

Um dieses zu füllen, kreieren The Walking Dead-Serien immer Charakterfolgen, in denen sich die Serien nur einem Schicksal widmen. Statt die Charakterentwicklung über Staffeln hinweg zu fördern, schmeißen die Autoren alles in einen Topf und hoffen, dass es funktioniert.

Da Althea also das Gewicht einer Folge nicht allein tragen kann, kommt ihr Isabelle zur Unterstützung ganz recht. Uns auch. Die Figur legt eine überraschende Verletzlichkeit an den Tag. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden gleicht einem erotischen Tanz, der allerdings in einem viel zu späten Kuss endet, ein verschleppter Höhepunkt nach so viel Vorbereitung.

Am Ende realisiert Althea, dass Isabelle ihre Spuren verwischen muss. Dadurch erkennt Isabelle, dass sie ihre frischgewordene Liebhaberin doch nicht töten will. Dann gehen die Figuren ohne Worte der Verabschiedung wieder getrennte Wege. Sicherlich, um irgendwann in den Rick Grimes-Filmen wieder aufeinanderzutreffen, wo ihre gegenseitige Anziehung eine Rolle zu spielen hat.

Doch diese hingeworfenen Teaser-Häppchen reichen nicht. Die Serie muss auf eigenen Beinen stehen können.

Hirnrissige Action statt aufregendes Kammerspiel

Dabei hätte das alles so viel aufregender sein können. Ich bin kein Freund von Fanfiction, aber Isabelle hätte womöglich eher eine Althea zugeneigte Aufseherin in einem größeren Gefängniskomplex sein können. Stattdessen suchen die beiden nach einer Kassette im Schlamm und Kerosin, das auf einer Anhöhe gelagert ist. Um dort hinzukommen, entpuppen sich die beiden als die neuen Stars von Free Solo 2 und erklimmen eine Steilwand mit Leichtigkeit. Und ja, natürlich gibt es auf dem Weg nach oben Zombies, die die Route versperren.

Fear The Walking Dead besitzt wie so oft das Potential, eine bessere Serie zu sein. Liebesbeziehungen scheinen zum Beispiel gut zu funktionieren. Doch es hilft nicht, auf bessere Zeiten zu hoffen. Die Autoren respektieren die Intelligenz und Zeit der Zuschauer nicht und erzählen hirnrissige Geschichten.