Review: Fear The Walking Dead S05E04 - PewPewPew


AMC

Fear The Walking Dead gelingen keine authentischen Konflikte, doch immerhin kann der alte Cast Funken versprühen. Ein Zeichen für Hoffnung auf eine letzte Chance?

Es wird Woche um Woche schwerer, Enthusiasmus für diese Version von Fear the Walking Dead aufzubringen. Auch in Auf leisen Pfoten, der 4. Folge der 5. Staffel (mit dem Original-Namen Skidmark, dazu aber später mehr) kann die Serie einfach nicht begeistern. Auch wenn sie einen kleinen Sprung nach vorne macht.

Es ist nicht so, als würde ich diese 5. Staffel hassen, wie ich es im letzten Jahr tat, aber es gibt auch nicht wirklich viel zu mögen. Die bisherigen Handlungsstränge erbringen keine nennenswerten oder bedeutungsvollen Resultate und alles wird weiter träge und öde, ohne größere Ambitionen weitererzählt. Es scheint, als sei die Serie von sich selbst gelangweilt.

Morgan bleibt das größte Problem von Fear The Walking Dead

Das liegt vor allem an Morgan (Lennie James). Immer wieder Morgan. Am Ende dieser Folge gibt es einen kleinen Moment, in der sich der stoische Edelmann kurz gegenüber Alicia (Alycia Debnam-Carey) öffnet und über seine tote Frau und den Verlust seines Sohnes spricht. Die kurze Szene war ein richtiger Schock; weil klar wird, dass Alicia und Morgan zum ersten Mal in zwei Staffeln sowas wie eine normale Konversation führen.

Aktuell scheinen zwei Pole die Figuren in zwei komplett falsche Richtungen zu ziehen. Auf der einen Seite machen sich die Verbindungen zu den kommenden Rick Grimes-Fernsehfilmen wie nie zuvor bemerkbar. Althea (Maggie Grace) könnte womöglich erst wieder neben Andrew Lincoln auftauchen. Gleichzeitig zieht Morgan die gesamte Truppe auf einen hanebüchenen Plan, der jedes Mal, wenn man nur eine Minute über ihn nachdenkt, wütend macht.

Morgans Verantwortungsbewusstsein steht im Kontrast zu dem Grund, wieso wir Zombieserien überhaupt schauen. Und ganz besonders zu der Geschichte, die Fear The Walking Dead über drei Staffeln erzählte.

Dabei tragen die Figuren und die Schauspieler natürlich keine Schuld. Problematisch verbleibt dagegen das wirre Plotting der Serienautoren, die ihre Figuren in völlig konfuse Situationen stecken, in den sie nur stören, höchstenfalls jedoch nicht auffallen können.

Um Fear The Walking Dead zu retten, muss Morgan dringend verschwinden. Die Figur ist seit Jahren ausgespielt. Danach kann Alicia das Erbe der Show weitertragen und in die Fußstapfen ihrer Mutter treten. Morgans lästige Philosophie darf dabei sogar gerne als Katalysator dienen.

Fear The Walking Dead kann mit altem Cast überzeugen

Im Zentrum der neuen Folge stehen jedoch glücklicherweise Daniel (Rubén Blades) und sein bester Feind Strand (Colman Domingo). Natürlich kehrt Strand zurück, um Daniels Flugzeug zu stehlen. Und natürlich sieht Daniel dieses Manöver voraus und entfernt wichtige Instrumente aus dem Cockpit, bevor er sich aus dem Staub macht. Dass Charlie, die in dieser Staffel zum ersten Mal wirklich in Erscheinung treten darf, sich in seinem Auto versteckt, weiß Daniel selbstverständlich auch.

Es ergibt sich ein nettes, aber höchst oberflächliches Szenario. Auf der Suche nach Lebensmitteln überschätzen sich Daniel und Charlie, wodurch ihnen eine kleine Horde an Walkern folgt. Während der Episode begleitet die beiden übrigens Daniels Katze Skidmark, als Bremsspur zu übersetzen … okay. Immerhin ist die Katze echt und nicht CGI. Und sehr süß! Das sei der Serie mal gegönnt.

Daniel beweist hier eine neue Art von Humor, die er sich während seiner Abwesenheit angeeignet haben muss. Der sonst todernste Kerl mit mysteriöser Vergangenheit in Südamerika bekam wohl dazu ein weiches Herz, da er sich plötzlich grundlos opfern will, weil das Drama es verlangt.

Es ist nicht ganz klar, was Daniel überhaupt vorhat. Es existierten wie so häufig viele Möglichkeiten, Figuren aus dem Schlamassel zu retten (Wieso hat zum Beispiel immer noch keiner daran gedacht, die anderen mit dem Auto statt dem Flugzeug zu retten?!), die die Serie aber schlicht ignoriert. Sie werden nicht einmal diskutiert. Alles ist perfekt auf den banalen Konflikt zugeschnitten: Strand rettet Daniel das Leben, Daniel verzeiht Strand. Friede, Freude, Eierkuchen.

Klar, alle Genrefans jubeln, wenn Strand Zombies mit dem Flugzeugpropeller zerschnetzelt. Aber so einfach darf es nicht sein.

Zwei Pole zerreißen Fear The Walking Dead

Währenddessen stoßen Alicia und Morgan auf das Camp der Entführer, doch der Helikopter verschwindet plötzlich. Es ist schade, dass Fear The Walking Dead wieder so viel dramaturgisches Gewicht auf einen Cliffhanger legt, den die Staffel aufgrund der Verbindungen zu Rick Grimes nie aufrichtig erörtern wird.

Dazu wartet nach der Abhandlung dieser Filmexposition auch kein spannenderer Konflikt auf die Gruppe. Truckie-Chef Logan bleibt weiterhin verschollen, abseits des Hauptplots, um wohl für die zweite Staffelhälfte aufgewärmt zu werden. Wird die Gruppe dann den Kampf mit Logan aufnehmen, um sich über Essenspakete am Straßenrand zu streiten? Werden Menschen sterben, um den Mann aus einem Unterschlupf zu treiben, der ihm gehört – während gleichzeitig mit Daniels Unterschlupf eine perfekte Alternative existiert?

Es ist so viel unklar in Fear The Walking Dead. Und gleichzeitig ist so vieles vorhersehbar, da sich die Staffelstrukturen nie ändern. The Walking Dead konnte in der 9. Staffel so deutlich überzeugen, weil der aufgebaute Abschied in der ersten Hälfte die übliche Struktur durchbrach. Solch Abwechslung hätte auch Fear The Walking Dead bitter nötig. Stattdessen sind die Aufteilungen für die zwei Staffelhälften längst klar. Zwei Hälften, die nie ein Ganzes ergeben werden.

Das ist schade, denn die Serie beweist in der Folge: Alicia, Strand, Daniel können es immer noch. Die Überreste des alten Cast könnten mit John Dorie und Dwight die Serie retten. Wenn die Showrunner sie lassen.