Review: Fear The Walking Dead S05E03 - PewPewPew


AMC

K(l)eine Überraschung: Die bereits im Marketing verkündete Rückkehr einer wichtigen Nebenfigur aus der Mutterserie findet diese Woche in Fear the Walking Dead statt. Trotzdem ist es etwas anderes, das die Serie in fahrt bringt.

Fear the Walking Dead gelingt mit der 3. Folge der 5. Staffel, Der San Antonio Split, die erfolgreiche Wiedereinführung einer Figur aus der Mutterserie. Gleichzeitig weben die Autoren einige Handlungsfäden der Geschichte zusammen.

Das macht jedoch noch keine gute Folge aus. Erneut scheitert die Serie bei der Glaubhaftigkeit ihrer Konflikte oder der schieren Plausibilität ihrer Erzählung. Vielleicht ist es Zeit, diese Ansprüche in Zukunft einfach fallen zu lassen.

Fear the Walking Dead – June und John retten die Show

Ohne John Dorie (Garret Dillahunt) und seine geliebte Junebug (Jenna Elfman) wäre Fear The Walking Dead verloren. Bereits in der vergangenen Staffel gehörten die Bottle-Episoden mit dem Liebespaar zu den wenigen Lichtblicke der Serie. Nun sind die Beiden wieder unterwegs. Die Gruppe hat sich erneut in Teams aufgeteilt, um die Region auszukundschaften und die Zombie-Straßensperren zu beseitigen.

Per Walkie-Talkie werden die Standpunkte zurückgemeldet, sodass Luciana (Danay Garcia) auf einer Karte langsam ein eingekreister Gegner erscheint. Die Auflösung dieser Erkenntnisse verschiebt Fear the Walking Dead jedoch auf die nächste Folge, ebenso wie viele andere Figuren: Luciana und Alicia (Alycia Debnam-Carey), aber besonders auch Morgan (Lennie James) kommen in dieser Episode recht kurz. Ein absoluter Segen, die Serie kann endlich atmen.

In Fear the Walking Dead trennen sich wieder die Wege

Je weniger über diese Handlungsstränge gesagt wird, desto besser. An einer Stelle zum Beispiel fahren Luciana und Alicia mit ihrem Auto über ein Nagelbrett, die Reifen des Autos platzen und das Auto landet im Seitengraben. Morgan eilt zur Hilfe. Wird das Nagelbrett vorher beseitigt? Natürlich nicht.

Gleichzeitig saugt die ständige Bereitschaft anderer Teammitglieder, selbst über große Distanzen hinweg, kleine Konflikte auf. Die Gruppe aufzuteilen, sollte eigentlich ähnliche Abschiedsszenen wie die aus Before Sunrise hervorrufen. Ein Versprechen zum Wiedersehen, das nicht sicher ist.

In Fear The Walking Dead besitzt jede Figur zu jeder Zeit ein Walkie-Talkie und so gibt es in dieser Staffel etliche nervige Szenen, in denen die Figuren ins Nichts starren und in ein Gerät sprechen. Das ist visuell natürlich langweilig und raubt dazu dem Szenario der Zombieapokalypse bedrohliche und starke Gefühle der Einsamkeit.

Allgemein ist es verwunderlich, dass erneut alle Figuren so einfach aufeinandertreffen – und das wiederum ohne Hilfsmittel, sondern per Zufall. Laut Autor Robert Kirkman existieren von The Walking Dead noch ungefähr 1,6 Millionen Menschen. Und das weltweit! Es existierten etliche Todeszonen, in denen niemand mehr lebte.

Wer weiß schon, ob das Serienuniversum von den gleichen Zahlen ausgeht. Es spielt aber auch keine Rolle, denn wir sehen nicht mehr Menschen, sondern stoßen immer wieder auf die gleichen. Das hebt erneut die Hirnrissigkeit des gesamten Plots hervor. Für wen, außer seinen Narzissmus, tut er das?

Wenn Morgans Hilfspakete ein Nebenplot wären oder auf eine Figur reduziert beschränkt wären, würde das nicht so unangenehm hervorstoßen. Die Serie muss diese Problematik anerkennen.

Alles für die Liebe in Fear the Walking Dead

Glücklicherweise konzentriert sich die Folge aber ausnahmsweise nicht auf den Hohepriester der Allheiligkeit. Stattdessen kehrt Dwight zurück, der – wenn man meiner Before Sunrise-Parallele folgen möchte – als verliebter Jesse eingeführt wird. Seine Frau Sherry ist verschwunden und hinterlässt ihm ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd Hinweise. Er sehnt sich nun schon bittere Jahre nach einem Wiedersehen in seinem Exil.

Als er auf das Auto von June und John stößt, eröffnet er daher das Feuer ohne nachzudenken. Es muss sich nämlich um die Entführer seiner Frau handeln, deren Fährte er schon lange verloren hat.

Das passt und sitzt alles thematisch und kann dazu unterhalten. Der (Sand-?)Sturm, der die Figuren ins Innere flüchten lässt, ist zwar wieder etwas einfallslos, aber der Westworld-artige Schauplatz Humbug’s Gulch als Fluchtort hat durchaus seinen Charme. John Dorie kennt sich auf seinem ehemaligen Schauplatz seiner Schießkünste bestens aus und rettet Dwight in einem brenzligen Moment:

John hat nur noch eine Kugel, aber hinter Dwight stehen zwei Walker. Also hebt der Ex-Savior seine Axt und John schießt so, dass sie die Kugel spaltet und die Fragmente beide Gefahrenquellen erledigen. Ein unnötiger ulkiger Moment, der den sonst so geerdeten und ernsten Umgang mit der Zombieapokalypse der Serie kaputtmacht.

Aber was soll’s. Das Drama um Dwights Verzweiflung, seine Selbstmordgedanken sowie Junes Auftritt als Retterin sind allesamt aufrichtige Momente, die sich die Serien erarbeitet hat. Hier kommt vieles zusammen und es fruchtet. Dwights Rückkehr ist daher eigentlich begrüßenswert, aber statt neuen Figuren hätte die Serie eher einen besseren Plot nötig.

Die kleinen Biester in Fear the Walking Dead

Glücklicherweise kommt nach dem langweiligen Wiedersehen zwischen Morgan und Dwight genau das: Die Kinder, die zuvor als hilflose Spielbälle in einer von ominösen Mächten dominierten Welt eingeführt wurden, entpuppen sich als die wahren Zombiekünstler. Sie sind es, die Zombies als Straßensperren aufbauen, Gedärme als Seile benutzen und Zombie-Köpfe als Dekoration an Bäumen hängen.

Die Frage ist nur, wieso.