Review: Fear The Walking Dead S05E07 - PewPewPew


AMC

Lange passierte nichts in Fear The Walking Dead, nun überschlagen sich die Ereignisse und die Wolken am Himmel lassen nichts Gutes erahnen.

Fear the Walking Dead verschwendet in dieser Woche keine Zeit. Der Cliffhanger der letzten Woche wird nämlich in der 7. Folge der 5. Staffel (Still Standing bzw. Boden unter den Füßen) direkt aufgelöst. Nach einer Notlandung müssen Charlie und Strand (Colman Domingo) sich radioaktiv verstrahlten Zombies stellen und gleichzeitig die wichtigen Flugzeugpropeller retten.

Das ist aber noch nicht alles!

Gleichzeitig versuchen Alicia (Alycia Debnam-Carey) und Morgan (Lennie James) die Welt zu retten: Madison (Kim Dickens) Tochter kümmert sich um die Kinder des Waldes, während Morgan die Kernschmelze im Atomkraftwerk aufhalten möchte. Währenddessen hilft John Dwight weiterhin bei der Suche nach dessen Frau Shelly und Luciana stellt ein Leck im Tank des Flugzeuges fest, weshalb June und Althea (Maggie Grace) nochmal auf den Berg klettern, um Kerosin zu stibitzen.

Puh. Ganz schön viel los!

Fear The Walking Dead ist eine einzige Moralpredigt

Kommen wir angesichts dieser Masse an Handlung auch zum Punkt: Nur wenig, was die Serie kurz vor dem Midseason-Finale hier macht, ist erfolgreich oder bewegend. Das liegt wieder vor allem an dem schlechten Pacing der Folge, der Staffel, der Serie. Nichts fühlt sich organisch oder spannend an.

Da steht ein Kernkraftwerk kurz vor der Kernschmelze und Freunde müssen gerettet werden, doch jedes einzelne dieser Pairings findet in Fear the Walking Dead Zeit, Ansprachen über den Sinn des Lebens in der Postapokalypse einzubauen. Das ist einfach nur frustrierend und bizarr.

Bestes Beispiel: Charlie (Alexa Nisenson) und Strand landen in der Folge inmitten einer radioaktiv verstrahlten Zombielandschaft und benutzen die Nylon-Hülle ihres Heißluftballons (in der Form einer Bierflasche, so viel Zeit muss sein), um ein 360°-Schutzschild um sich herum zu ziehen, durch das die Zombies nicht durchbeißen können.

Dann gesteht Strand Charlie endlich, dass seine Angst und sein Eigensinn dazu führten, dass er nicht am Steuer des Flugzeugs saß. Jetzt kann er aber stolz sein, da die beiden nicht nur richtig handeln, sondern auch etwas Außergewöhnliches tun.

Eine bessere Serie als Fear the Walking Dead würde aus dem Szenario eine tickende Zeitbombe basteln, deren pulsierender Score zu jeder Zeit daran erinnert, dass das menschliche Drama angesichts der direkten Bedrohung zurückgestellt werden muss. Figuren würden laufen, die Kamera würde in Bewegung sein, Figuren müssten zusammenarbeiten. Action eben!

Teilweise funktionieren einzelne Szenen schon, zum Beispiel die stimmige Offenbarung des Briefs durch John. Auch wenn mir Dwight (Austin Amelio) in seinem gutgläubigen Ton à la “Yes, Mr. Dorie?” ziemlich auf die Nerven geht, können die Schauspieler die Szene retten.

Aber es klappt eben nicht im Kontext der Kernschmelze und der großen Not, die die Serie vorgibt, aber nie umsetzt oder darstellt. So sehen wir in der 7. Folge nun zum ersten Mal überhaupt das Kernkraftwerk aus nächster Nähe.

Fear The Walking Dead darf Alicia nicht verlieren

Angesichts des Höhepunkts dieser Folge verblassen jedoch Ärgernisse und kleine Siege der Serie, die gerade im Stande ist, einen immensen Fehler zu begehen. Alicia, die mit einem der Knirpse in dieser Woche treffend feststellt, dass all dies ein großer Alptraum ist, wird nämlich das Zeitliche segnen.

Die eigentliche Hauptdarstellerin und letzte Überlebende des Clark-Clans ist der letzte Funke, der die Flamme von Fear the Walking Dead wieder entzünden könnte. Nun sprach die Serie ihr das Todesurteil aus. Bei der Verteidigung der Kinder (die in sich wieder sehr unstimmig und konstruiert wirkt) gerät Alicia in direkten Kontakt mit radioaktiv verstrahltem Zombieblut.

Den Autoren ist inzwischen alles zuzutrauen, doch seit etlichen Folgen wird genau vor dieser Gefahr und den tödlichen Folgen gewarnt. Tschechows Gewehr lässt grüßen.

Fear The Walking Dead steht nun vor dem Problem, dass kein Ausgang dieser Situation wirklich befriedigend wirkt. Sollte sich die Warnung der Wissenschaftlerin als falsch herausstellen, verliert das Atomkraftwerk als Big Bad der Staffel an Wert. Falls die Verstrahlung doch nicht Alicias Tod bedeutet, entkräftet diese Überraschung die Geschichte der Kinder, deren Eltern Alicias Schicksal teilten.

Sollte Fear The Walking Dead sich tatsächlich der letzten spannenden Figur entledigen, verliert die Serie den letzten Bezug zu dem, was sie einmal ausmachte und gleichzeitig auch die Möglichkeit, eine sinnstiftende Geschichte mit rotem Pfaden zu erzählen.

Darüber hinaus darf auch die Wirkung von Alicias möglichem Tod außerhalb des Narrativs nicht vergessen werden. Alycia Debnam-Carey wechselt von der durchaus erfolgreichen Science-Fiction-Serie The 100 zu Fear The Walking Dead. Die Schauspielerin verfügt über jede Menge Clout, also viel Einfluss auf sozialen Medien durch ihre große Followerschaft. Die Serie könnte eine ganze Demographie verlieren.

Fear The Walking Dead: Ohne Sinn und Verstand

Schlussendlich wäre Alicias Tod aber nur das i-Tüpfelchen auf dem Scherbenhaufen dieser bisherigen Staffel. Nochmal zur Erinnerung: Unsere Figuren befinden sich auf einer undurchdachten, chaotischen Rettungsmission für Leute, die gar nicht gerettet werden wollen, und stecken nun in einem undefinierten Gebiet in Texas fest, das nur mit einem Flugzeug verlassen werden kann, aber Dwight und Daniel (Rubén Blades) kommen und gehen wie sie wollen.

Über die Motive für den möglichen Abschied lässt sich sicher streiten. Vielleicht hat die Schauspielerin auch einfach genug davon, die zweite Geige hinter einer inzwischen schlicht abstrusen Figur wie Morgan zu spielen. Dieser stellt übrigens während all dessen fest, dass Selbstfürsorge für Menschen nicht unwichtig ist.

Aber eins ist klar: Dümmer hätte es nicht kommen können. Die Gruppe beschloss zum Ende der letzten Staffel, Morgans Philosophie anzunehmen und Leuten zu helfen. Alicia betont in dieser Folge erneut, wie wichtig ihr das sei. Dass sie Böses getan habe, und nun deshalb Gutes in die Welt bringen muss. Mal davon abgesehen, dass Alicia noch das größte Unschuldslamm ihrer Familie war, ist diese Ansicht narzisstisch und offenbart Morgans lähmende Heuchelei. Dafür stirbt sie nun. Es ist zum Haare raufen.