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16 Jahre PewPewPew

02 Jul, 2025 · Sascha · Personal

Heute vor genau 16 Jahren fing alles an mit PewPewPew. Ich begann, meine ganz eigene Interpräsenz mit Inhalten zu füllen. Das drücke ich bewusst so komisch und altmodisch aus, weil ich es schön finde. Das ist ein tolles Wort. Internetpräsenz. Es gefällt mir wirklich sehr.

Internetpräsenz

Viele User*innen sind präsent im Internet. Aber was heißt das schon: „im Internet“? Für die jüngeren Generationen bedeutet das doch oft nur eins: abgeschirmte, mit Content überströmende walled-garden-Apps. Aber das hier? Das ist mein Acker. Was hier wächst, entscheide zu 100 % ich.

Und was bedeutet am Ende präsent sein denn wirklich? Es ist doch in den allermeisten Fällen nur der passive Medienkonsum mit den – wenn überhaupt – monatlichen Dumps und privatem DM-Sharing. Und so verschwindet der Mensch im Netz inmitten von Algorithmen und AI-Bots. Das ärgert mich. So machen die mir mein schönes Internet kaputt.

Dass auch ich mich hier rar machte in den vergangenen Jahren, war mir persönlich immer ein großer Dorn im Auge. Es wurmte mich wirklich und sorgte oft dafür, dass schlechte Stimmungen sich noch intensivierten, weil etwas, das mir eigentlich ja riesigen Spaß brachte, schleifen gelassen wurde.

Blogfrequenz

So richtig aufgehört mit dem Bloggen habe ich natürlich nie. Hier gibt es seit 16 Jahren stetige Updates, keine erklärten Pausen, keine ewig langen Unterbrechungen. Nur die Frequenz nahm eben stark ab. Vorhandene Aufmerksamkeit und Energien verschoben sich hin zum PewCast und Social Media, hauptsächlich Twitter.

In dieser Zeit merkte ich zunehmend, dass mir der direkte Draht zu meinem eigenen digitalen Raum und den dort geknüpften Beziehungen fehlte. Eben der Ort, an dem nicht nur Inhalte entstehen, sondern auch Austausch ohne Gatekeeper oder andere lästige Gruppen stattfindet.

Gegen Ende des letzten Jahres intensivierte sich die Atomisierung meines Online-Zirkels auf Twitter. Gute Menschen verließen eine vielschichtige, zwielichtig gewordene Plattform zugunsten einer in meinen Augen schwächeren Alternative, um irgendwie minimal das Gefühl zu haben, etwas zu tun.

Eine Verbesserung der Lage liegt in meinen Augen in der eigenen Internetpräsenz. Der richtige Schritt wäre, parallel zu dem, was auch immer auf Instagram und Bluesky und so weiter passiert, das Internet wieder mit menschengemachten Sachen zu befüllen. Nicht die Taschen eines Milliardärs. Dann muss man auch nicht unterscheiden, welche die wirklich bösen sind und welche toleriert werden.

Für mich erschien das als der glasklare Ausweg aus dieser erlernten Hilflosigkeit unter Musks Twitter und dem global beobachtbaren Rechtsruck in liberal-demokratischen Gesellschaften, die das Netz weitläufig bis dato prägten.

Und je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir auch, weshalb die Leute das heute kaum noch machen. Weshalb Bloggen eigentlich eine Nichenkunst (geworden?) ist. Am Ende macht man das – und keinen interessiert’s!

Natürlich konsumieren die Menschen Inhalte heute anders als vor zehn, geschweigedenn 16 Jahren. Wer “Content Creator” ist, der geht dorthin, wo Menschen bereits sind. Es bedarf also eines neuen Kanals für mich. Nicht notwendigerweise einer neuen Idee. Aber eben einer, die genauso unabhängig bleibt, aber direkter ist. Persönlich, aber nicht aufdringlich.

All das beschäftigte mich sehr zum Jahreswechsel. Ein halbes Jahr später lässt sich sagen:

Meine lieben Freundinnen und Freude… the state of our PEW is STRONG!

Ich bin aus naheliegenden Gründen kein großer Freund von Neujahrsvorsätzen. Aber irgendwie juckte es mir in den Fingern, einen längergehegten Wunsch von Beginn an in die Tat umzusetzen.

Ich wollte wieder bloggen. Denn ich war mir recht sicher: Das würde helfen. Irgendwie. Und wenn am Ende nur mir selbst.

Daily Blogging like it’s 2005

Und nun habe ich ein halbes Jahr bisher jeden Tag gebloggt. Das ist eine Leistung. Und auch wenn es an manchen Tagen nur ein Musikvideo oder Meme war, ohne großen Kommentar, um die Kette nicht zu unterbrechen – es ist mir trotzdem gelungen und darauf bin ich stolz.

Das war nicht immer einfach inmitten eines Arbeitsalltags oder unerwarteter Ereignissen wie Unfällen. Aber es hat geklappt. Bloggen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Blogging hatte nämlich immer viele schöne Nebeneffekte. Ich schreibe jedes Jahr gerne über die vielen lieben Menschen, die mir dieser digitale Leuchtturm in mein echtes Leben brachte. An dieser Stelle sei auch wieder die immerwährende Freundschaft und Unterstützung durch Matthias und Lucas wirklich erneut hervorgehoben.

Aber Blogging führt auch dazu, dass man einfach mehr am Ball ist. Ich habe dieses Jahr zum Beispiel wieder mehr und unterschiedliche Videospiele gezockt als in mehreren Jahren zuvor und das führe ich auf das tägliche Bloggen zurück. Sind der innere Schweinehund und alle Zweifel einmal überwunden, habe ich das Gefühl wieder mehr am Nabel der Zeit zu sein bzw. sein zu wollen. Weniger passiv wahrzunehmen, sondern konstruktiver und aufmerksamker zu konsumieren und im Idealfall am Ende Kritik oder Kommentar zu produzieren.

Der tägliche Rhythmus führt aber auch dazu, dass neben viele kürzeren Inhalte dann doch zwischendurch auch längere Sachen kommen. Wenn man an etwas sitzt und merkt, dass es länger wird, das ist ein gutes Gefühl. So entstehen Inhalte, für die kein Platz auf Microblogging-Plattformen ist. Inhalte, die nicht in sieben Sekunden auf TikTok weggewischt werden. Inhalte, die überdauern.

Das Beste? Es entsteht ein Logbuch. Wenig freut mich hier mehr als ein Thema bewerkeln, bei dem ich dann casually einen Link zu einem Post von vor zehn+ Jahren einbauen kann. So entsteht das Gesamtwerk. Andere bauen sich brick by brick ihren Algorithmus. Ich baue mir mein digitales Tagebuch.

Bedeutung liegt im Auge des Betrachters

Wenn ich Leuten in meinem Leben bisher davon begeistert berichtet habe, schwankte die Reaktion zwischen relativem Desinteresse und Ignoranz. Was war nochmal, ein Blog? Ah, achso, ja. Hey, echt cool, du!

Und ja, das ist schon klar: Die positiven Effekte sind zunächst mal primär individuell, subjektiv. Aber ich glaube auch, viele User*innen könnten von dem schönes Gefühl der Selbstwirksamkeit profitieren und am Ende haben wir alle etwas davon. Glücklichere Menschen, besseres Internet.

Wenn man den Acker also bearbeitet, das vertrocknete Pflänzchen mit Wasser und Liebe versorgt, dann kann auch wieder etwas sprießen. So geschah das auch hier. Plötzlich kommen wieder Kommentare, langjährige Leser*innen meldet sich zu Wort, es kommen Anfragen über Mail; die Leute sind eben doch nicht verschwunden. Die Atomisierung auf den Social Media Apps ist oberflächlich, eine Illusion.

Ich werde hier immer schreiben, auch gerne gegen die Wand, aber es wäre natürlich schön, wenn man ins Gespräch kommt. Und genau hier kommt der Gedanke ins Spiel, wie wir den Kontakt besser aufrechterhalten wollen.

Ich will nicht, dass ihr lieben Pew-Freunde, die sich für meine Inhalte interessieren, durch Algorithmen übersehen werden oder sich von Plattform zu Plattform hangeln müssen.

Und an dem Punkt komme ich nun zum eigentlichen Thema. Ihr seid nicht weg, ich war nicht weg, bin aber wieder voll da. Aber die wenigsten folgen heute noch Blogs über Feeds. Kaum jemand tippt jetzt jeden Tag drei Mal p e w und punkt d e auf seiner Tastatur in den Browser. Das soll auch niemand unbedingt müssen.

Aber ich würde gerne in Kontakt bleiben. Ich hätte gerne eine Möglichkeit denen, die es interessiert, weiterhin Inhalte zukommen zu lassen. Nicht über Apps, die abhängig machen. Sondern im gleichen Indie-Spirit des Bloggings. Ich möchte einen Newsletter starten.

Ja, darüber kann man gerne schmunzeln, vor allem nachdem dieser neu aufgeflammte Hype auch schon wieder vorbei ist. Aber ich habe Bock. Mal schauen, was wird!

Wahrscheinlich habe ich mir mehr Gedanken über den Namen gemacht als notwendig. Branding fand ich aber schon immer ein reizvolles Thema und Wortspiele sind mit der Identität irgendwie bisher auch verbunden. PewPewPew. PewCast. Und nun? Pewsletter, Pewsflash, Pewspaper, PewPress?

Am Ende war die Antwort ganz einfach. Darf ich vorstellen? PewPost – Der PewPewPew-Newsletter.

Ich mag, dass es sowohl in Deutsch und Englisch funktioniert. Dass es gut zum PewCast passt. Und ja, ne? Es macht halt Sinn in meinem Kopf: Ja, klar, halt Post vom Blogträger. Ich habe mehr im eigentlichen Beitrag zum Newsletter geschrieben, also was es sein soll, was kommt und – ganz wichtig – wie oft.

Wer in Zukunft öfter von mir hören will ohne den Blog direkt besuchen zu müssen, dem sei ein Abonnement ans Herz gelegt.