Da es mir hier im Blog weniger um den Wert einer Breaking News geht, sondern um scharfsinnige Einordnung, ist es hoffentlich auch zwei Wochen nach dem offiziellen Ende der Star Wars Celebration Japan erlaubt – dazu noch am höchsten Feiertag – ein paar Worte zu den Ankündigungen zu verlieren.
Für Fans vor Ort oder diejenigen, die die lange Reise nach Fernost auf sich nahmen, gab es sicherlich viele tolle Kostüme, Sets, Toys, Celebrities und vieles mehr zu bestaunen und große Con-Momente zu feiern. Ich weiß, wie sich das anfühlt. I get it: Die Celebration Essen steht diesen heutigen, von vorne bis hinten durchexerzierten Ankündigungsmaschinerie sicherlich in vielen Aspekten nach, dazu war mit dem Zeitpunkt – 2013 – auch einige gehörige Ungewissheit im Fandom über die Zukunft des Franchises insgesamt zu spüren, was sich auf die Con abwälzte. Aber hey, I enjoyed my time!
Zuhause aber formte sich für mich ein anderes Bild, geprägt von großem Unbehagen. Andor kann wenig darüber hinwegtäuschen, dass die große Offensive an Live-Action-Serie abebbt. Von den drei (ja, drei: Der neue Rey-Film/Episode X, Dave Filonis Heir to the Empire und James Mangolds Dawn of the Jedi) Filmen, die groß vor zwei Jahren in London angekündigt wurden, gab es keine Präsenz auf der diesjährigen Celebration. Filoni kümmert sich erstmal um Staffel 2, James Mangold dürfte sich vielleicht nach A Complete Unknown dieses Ultra-Prequel jetzt endlich bald vorknüpfen und der Rey-Film verliert hoffentlich nicht mehr Kreative hinter der Kamera. Eine recht gräßliche Gesamtsituation.
Die Filme, Serien und andersweitigen Projekte, die neu angekündigt oder umworben wurden, können bei mir leider kaum eine Regung erzeugen. Gehen wir sie mal durch.
Jon Favreau, Pedro Pascal und Grogu machten es offiziell: Der nächste Star Wars Film im Kino wird am 22. Mai 2026 erscheinen und The Mandalorian and Grogu heißen. Ein wahrlich scheußlicher Titel, wie ich in meinem Essay darüber festhielt. Mit “Dem Kinofilm zur Serie” ist dort auch alles gesagt. Eine beschämend traurige Situation für die Marke.
The Mandalorian and Grogu comes to theaters May 22, 2026. #StarWarsCelebration pic.twitter.com/Z7DRuvkG7M
— Star Wars (@starwars) April 18, 2025
Für mich endlos lustig: Ein mehrfach angeschossenes, ausblutendes Franchise glaubt, dass con-exklusive Trailer eine schlaue Idee sind. Natürlich es die abgefilmten Versionen einen Weg ins Netz zu finden und genauso gelingt es den Fans, die nur ambitioniert und pfiffig sind, diese zu schauen, bevor die Medienpraktikanten bei Lucasfilm die Teile von Social Media ziehen. Es ist besonders ärgerlich, weil schon vor einiger Zeit Material in einem Teaser erschien und dort draußen existiert. Ein Jahr vor dem Release wäre ein guter Zeitpunkt, um mit der Marketingkampagne zu beginnen.
Ich schrieb erst kürzlich über die kurios kurzen Zeitfenster von Lucasfilm-Trailern. Besonders ärgerlich ist diese Geheimnistuerei, wenn wie bei The Acolyte dann am Ende ein nahezu identischer offizieller Trailer erscheint. Das heißt, es wurde nichts groß exklusiv für die Fans auf der Con geschnitten und es lag auch nicht daran, dass Effekte noch fertiggestellt wurden. Sondern für die zahlenden Kunden vor Ort sollte ein Hauch an Exklusivität erzeugt werden und somit ein Gefühl gegeben werden, dass sich die Reise lohnt.
Ich bin zwar der Auffassung, dass ein neues – gutes – Star Wars Projekt jede Form an Aufmerksamkeit genießen sollte (Andors Einschaltquoten sind trotz super Kritiken und vollen Feeds schlechter als die von Obi-Wan Kenobi), aber das könnte ich irgendwo noch verstehen. Aber von befreundenten Con-Gängern weiß ich, dass die Plätze in diesen Hallen streng begrenzt sind und somit nicht alle, die reinwollen und den Trailer-Reveal sehen wollen, dies auch können.
Will sagen: Es ist eigentlich damit mit niemandem wirklich geholfen.
Auch hier gibt es bisher wenig Handfestes, das man berichten könnte: Shawn Levy wird einen Film mit Ryan Gosling drehen und er wird Star Wars: Starfighter heißen. Das klingt mehr wie eine Drohung als eine Meldung. Ein neuer Film, der wirklich einmal wieder wie Rogue One die Raumschiffe in den Vordergrund stellt, wäre jedoch herzlich willkommen geheißen von meiner Seite.
Dass bis in die Stunden vor der Celebration um ein mögliches Casting von Mikey Madison gerungen wurde, konnte man auf Social Media groß verfolgen und ihre Absage lag spürbar über den Interviews mit Levy und Gosling.
Immerhin konnte man aus dem Interview ein paar beachtenswerte Punkte herausziehen. Der Film scheint tatsächlich hinsichtlich der Preproduction weit fortgeschritten zu sein und nicht wie andere angekündigten Projekte im Sand zu verlaufen. Wenn Levy mit Selbstbewusstsein sagt, dass im Herbst gedreht werden wird (“We’re not in development, we’re in preproduction, we’re shooting [this fall].”), wäre es natürlich peinlich, wenn es anders käme.
Alles schon passiert, deshalb mal abwarten. Denn dass wir nicht einmal eine Logline erfahren, finde ich schon bemerkenswert schwach. Standardmäßige Beteuerung an die Kernelemente des Franchises und dünne Versprechen (“So much adventure, so much heart. Original characters. It’s opportunity to shine a light into a side of the universe that we may not have seen.”) ziehen zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr. So sehr, dass sogar Levy (“I know there is very little you have to say at this point.”) und Gosling (“The force is the fans. May the fans be with us.”) wohl das Gefühl verspürten, dies kommentieren zu müssen.
Genau genommen wurde Lucasfilm Animation, das Tochterunternehmen und Animationsstudio hinter The Clone Wars, Rebels, usw., im Jahr 2005 gegründet. Das Video, das das zwanzigjährige Jubiläum feiern soll, klammert aber die Grundlage für den ganzen Erfolg, nämlich Genndry Tartakovsky Clone Wars, völlig aus und wirkt daher wie ein Puffpiece für den Cowboy und Alphawolf in charge, Dave Filoni. Klar, genau genommen war das noch keine Produktion von Lucasfilm Animation. Doch der Stil prägte die Staffeln und Serien, die danach kamen. Dies zu leugnen und nicht mal ein halbherziges Lippenbekenntnis einzubauen, ist es mega schade in meinen Augen. Das lässt tief blicken.
Am Ende des Panels gab es dann diese Übersicht der Charaktere, die in den zwanzig Jahren Star Wars für eine ganze Generation an neuen Fans geprägt hat. Das darf man sicherlich nicht vergessen und einiges davon trage auch ich im Herzen. Das ist wiederum schon cool!
Cheers to 20 years of Lucasfilm Animation. #StarWarsCelebration pic.twitter.com/v2gop2lckH
— Star Wars (@starwars) April 18, 2025
Der Drehstart zur zweiten Staffel von Ahsoka war diese Woche, daher gab es noch relativ wenig zum Zeitpunkt der Celebration zu zeigen. Der tragische Tod von Schauspieler Ray Stevenson lag über den Panels und der Produktion, das merkte man. Als Neubesetzung der Rolle wurde Rory McCann vorgestellt, sogar mit Bild. Sowohl die frühzeitige Ankündigung in Kostüm wie auch die Klärung über den Umgang mit dem Tod war erfreulich. Den Con-Gängern wurde ein Concept-Art-Trailer gezeigt, der mehr Action verspricht. Er ist online recht leicht zu finden. Da Filoni weiterhin Regie führt und alle Episoden schreibt, mache ich mir aber keine große Hoffnungen.
Better quality look at Rory McCann as Baylan Skoll in AHSOKA Season 2 pic.twitter.com/4Nnqn8KWc6
— Star Wars Holocron (@sw_holocron) April 19, 2025
In unseren PewCasts zur Serie fanden wir wenig Aufregendes an dieser Erkundung einer anderen Galaxis. Vielleicht kann die zweite Staffel dort mehr Akzente setzen. Als erklärter Feind der Mortis-Macht-Götter erwarte ich aber auch hier nichts Gutes!
Wohin geht es mit Lucasfilm Animation als nächstes? Man will wohl mal wieder Löcher stopfen und orientiert sich an dem Altbekannten. Darth Maul kehrt zum 4. Mal zurück! (for those keeping Track: The Clone Wars, Rebels, Solo, Shadow Lord) Voice-Actor Sam Witwer dürfte das als einen von wenigen freuen, man’s gotta eat! Ich fand das schon vor 14 Jahren beim ersten Mal eine richtig dämliche Idee und bleibe dabei. Dass man mit einer der coolsten Legends-Charaktere, Darth Talon, hier nun wieder was für die Resterampe verplant, passt leider insgesamt total ins Bild. Ärgerlich!
Literally einen Tag nach dem Ende der Celebration überbringt Variety heimreisenden Fans die Nachricht, dass Carlton Cuse und sein Sohn Nick eine neue Live-Action Serie entwickeln. Like, lol, I guess they didn’t have time for that on stage somehow? Zu dieser mysteriösen neuen Show existieren laut Variety noch gar keine Details, womöglich gibt es außer einem Pitch auch noch nichts vorzustellen, aber das Timing amüsiert mich dennoch. Genau wie die Absage von Oscar-Gewinnerin Mikey Madison zeigt es nämlich deutlich, wie chaotisch die Planung bis zur letzten Minute gelaufen sein muss.
Ha, in den Kommentaren schrieb einer: “The NASA of VFX!” Und ja, schon so ein bisschen, ne? Anyway, ich mochte die erste Staffel und werde hier auch wieder Spaß mit haben. Vieles ist bekannt aus den vielen Jahren an DVD-Specials und dennoch auch vielleicht gerade durch die Vertrautheit einen Blick wert.
Die Kollegen bei Star Wars Union haben eine fantastsiche Übersicht aller Comic- und Bücherveröffentlichungen verfasst. Da ich nie Fuß gefasst habe in der High Republic und mich die vielen, neuen Anime-Storys sowie die Neuveröffentlichungen der alten, die ich bereits besitze, kalt lassen, halte ich mich hier kurz. Aber: ENDLICH kommt The Art of Andor. Das wird ein Fest!
Auch hier verweise ich auf die Kollegen bei Greedo’s Guide für eine vollständige Übersicht.
Spannend finde ich vor allem den neuen Masterpiece Grogu, der jetzt mit beweglichen Armen und in einer Tasche kommt. Ich habe hier noch die erste Generation stehen, aber dem kann man gut die Arme brechen und neu gestalten, wie Adam Savage zeigte. Ich weiß nicht, ob es wirklich eine große Nachfrage nach dem Black Series Ronin gab, aber die Celebration in Japan verdiente dieses passende Sammlerstück. Ähnlich passend dazu der Cherry Blossom Stormtrooper. Von Hasbro gibt es endlich gute Figuren der Hauptcharaktere aus Jedi: Survivor, die bei mir im Regal landen werden, sowie ein echthaariges Bantha und Dash Rendar. Man kann ja viel Negatives zu Star Wars sagen, aber Hasbro ballert in den letzten Jahren echt aus allen Rohren. Genial!
Der Blick auf die Videospiele war für Star Wars über Jahrzehnte eine gute Methode zur Überprüfung des Wasserstandes. Seit vielen Jahren klappt es da nicht mehr, trotz einzelner Highlights. Das lässt sich auf nahezu den gesamten Output übertragen. Ich habe noch nie Fortnite gespielt, doch die Videos dazu überraschen mich. Das wirkt fast wie Battlefront III, das mich mehr begeistern würde als angekündigter DLC zu einem mittelmäßigen Spiel oder ein turn-based Strategie-Shooter. Alles sehr lame leider.
Tja, und das war’s dann. Ich bin mir sicher, dass ich hier und da ein paar Sachen übersehen oder vergessen habe. Mit Sicherheit keine Absicht, aber eine faire Warnung, dass das keine Komplettübersicht ohne Gewähr auf Vollständigkeit oder Richtigkeit ist. Grundsätzlich ergibt sich eben ein Bild einer trägen Contentmaschinerie, die hier und da Akzente setzen kann und mich in bestimmten Momenten immer noch packen kann. Es bleibt natürlich auch die Frage, ob so eine Convention überhaupt überraschen will. Große Momente, die den Popkulturdiskurs für einige Zeit bestimmen und die Feeds durchbrechen, sind sicherlich Ziel dieses ganzen Unterfangens. Aber wieso dann nicht mehr zeigen? Auch hier zeigt sich leider wieder die risikoscheue Trägheit, die Star Wars seit vielen Jahren bestimmt. Es war erwartbar und ist dennoch enttäuschend.