Review: Fear The Walking Dead S04E14 - PewPewPew

AMC

In der 14. Folge der 4. Staffel von Fear The Walking Dead gibt es ein wenig Action, einen Zombiekill, eine Hintergrundgeschichte für die neue Gegenspielerin und sonst nicht wirklich viel. Die Fahrt nach Alexandria ist zäh wie Kaugummi und daran wird sich wohl bis zum Staffelfinale nichts ändern.

Eigentlich beginnt diese Folge ganz positiv. Die 14. Folge der 4. Staffel Fear the Walking Dead heißt MM 54, benannt nach den wichtigen Mile Markern, an denen die Trucker ihre Hilfsladungen hinterlassen, um deren Hilfsbereitschaft sich diese zweite Staffelhälfte dreht. Die Episode beginnt an diesem Mile Marker mit einem Flashback und zeigt uns Martha (Tonya Pinkins), später als die „Filthy Woman“ bekannt, inmitten der beginnenden Apokalypse. Auf der Flucht aus der Stadt passiert ein Unfall und ihr Ehemann wird tödlich verletzt. Da ein Stück Leitplanke in der Seite des guten Mannes steckt, gibt es für ihn eigentlich keine Rettung mehr.

Dennoch versucht Martha, die vorbeifahrenden Autos um Hilfe zu bitten. Aber niemand hält an. Ihre Verzweiflung wächst und es entsteht ein tatsächlich tragischer Moment, der bewegt. Eine Seltenheit in der Serie, die natürlich nicht von langer Dauer ist. Nachdem sie den ersten Zombie umlegt und ihren Mann unter die Erde bringt, ist Marthas Entstehungsgeschichte bereits abgeschlossen. So kurz sie auch war, immerhin erhält die Gegenspielerin für den Rest der Staffel eine längere Erklärung als der Zeitsprung zwischen Staffel 3 und 4.

Die Fear The Walking Dead Showrunner haben kein Gespür für ihre eigene Serie

Es folgt eine Montage, unterlegt zu „Keep on Truckin“ von Eddie Kendricks, in der Martha einen Trucker nach dem anderen umlegt. Die Begründung, so hanebüchen wie kurz: Weil ihr niemand in der Notsituation half, ist Helfen an sich nun böse und deshalb darf sie als Serienkillerin die Leute rechtschaffend töten. Es ist ja nicht so, dass die Erwartungen an eine Figur, die als „Filthy Woman“ eingeführt wird, relativ hoch waren. Aber das ist alles? Dazu lässt mich die musikalische Untermalung glauben, dass die Showrunner tatsächlich kein Gefühl für ihre eigene Serie haben. Statt Tragik wie Trauma aufzuarbeiten, dient Martha nur als cartoonhafte Schurkin, die es zu überkommen gilt. Der Einsatz der Musik wirkt dabei wie eine verzweifelte Nachahmung erfolgreicher Serien wie Better Call Saul oder Breaking Bad, andere AMC-Serien, in denen klassische Songs oft augenzwinkernd das Geschehen kommentieren. Doch in diesen Serien ergibt sich eine Synergie aus Musik und Bildern. An dieser Montage ist nichts ironisch, nein, sie untergräbt die ohnehin dünne Charakterzeichnung und zieht den noch kommenden Konflikt und den Ausgang ins Lächerliche.

Ohnehin ist es kurios, dass scheinbar nur ein Alligator und eine verrückte Frau der Fahrt der Gruppe nach Alexandria im Weg stehen. In den vergangenen Reviews habe ich stets den fehlenden roten Faden bemängelt und auch diese Folge ändert nichts daran. Das Ziel, Alexandria, ist klar. Aber wie geht es nach Virginia? Welche thematische Untermalung wird geboten? Wer ist eigentlich die Hauptfigur? Wieso erschießt Wendell nicht einfach Martha, als er die Chance dazu hat, wenn es ihm zuvor nichts ausgemacht hat, den unschuldigen Jim in einem Feld mit Zombies auszusetzen? Fragen über Fragen, auf die die Serie keine wirkliche Antwort hat und an deren Auflösung sie auch nicht interessiert scheint. Wie ein verzweifelter Student, der die Seiten seiner Hausarbeit füllen muss und dabei die Schriftgröße ändert, weiß die Serie wieder, wo sie am Ende der Staffel landen will – dazwischen gibt es aber nur unsinnigen Quatsch, der groß aufgebläht wird. Die Vultures waren bereits keine wirklichen Gegenspieler, ihre Strategie war purer Blödsinn. Nun soll eine einzige Frau inmitten des größten US-Staats dieser Gruppe von fast einem Dutzend Menschen gefährlich werden? Also bitte.

Fear The Walking Dead füllt verzweifelt die Episoden

Daher ist es auch kein Zufall, dass Morgans (Lennie James) Gruppe Zuflucht in einem Krankenhaus sucht. Wahrscheinlich gibt es keinen Ort in der Apokalypse, an dem man eher auf Zombies trifft. Doch das kommt den Showrunnern natürlich gerade recht. Immerhin bietet das Krankenhaus eine perfekte Möglichkeit für ein bisschen Zombie-Action, die allerdings weder Spannung aufbaut noch überraschen kann. Auch dass Jim heimlich gebissen wurde und es erst nach der vermeintlichen Rettung herausfindet, ist ein ausgelutschter Einfall. Die Zuschauer kennen das Spiel und da Jim als Figur auch kein herber Verlust ist, wirkt der ganze Plot Point wieder nur wie gigantisches Füllmaterial.

Es verwundert wirklich, dass Fear The Walking Dead noch eine Staffel erzählen möchte. Angekündigt ist sie bereits. Es würde jedoch mehr Sinn machen, das ganze Theater nun für beendet zu erklären und die Figuren am Staffelende nach The Walking Dead zu überführen. Vielleicht kann man sie schon zur zweiten Staffelhälfte dort hineinschreiben. Dann würde die vierte Staffel mit ihren irrsinnigen Plots, Handlungsebenen und Charakteren auch irgendwie rückblickend Sinn ergeben. Bleiben die Autoren jedoch bei dem Vorhaben, eine fünfte Staffel zu schreiben, kann man jetzt schon zwei Wochen vor dem Ende ein vernichtendes Fazit ziehen. Nichts wird diese Staffel mehr retten. Nach der grandiosen dritten Staffel kamen neue Showrunner und haben die Serie buchstäblich Stück für Stück zerstört, sodass sie aktuell Woche um Woche nur ein einziges Trauerspiel abgibt. Fear The Walking Dead ist bereit für den Gnadenschuss.