Review: Fear The Walking Dead S04E12 - PewPewPew


AMC

Wie befürchtet zeigt der Sturm erst in der 12. Folge der 4. Staffel von Fear the Walking Dead seine wirklichen Ausmaße. Während wir June und Althea auf ihrem Weg durch die Zombie-Apokalypse folgen, offenbart sich aber nur eine weitere enttäuschende Episode.

Langsam, aber sicher wäre eine Einkaufsliste für die Autoren angebracht, denn aktuell fehlt es an so ziemlich allem. Fear the Walking Dead besitzt in der zweiten Staffelhälfte bisher keinen roten Faden, Spannung entwickelt sich höchstens punktuell und eine ordentliche Geschichte wird erst recht nicht erzählt. Hinzu kommt, dass ältere Figuren wie Strand oder Luciana bereits seit drei Episoden nicht aufgetaucht sind und Morgan daran scheitert, die Serie auf seinen eigenen Schultern zu tragen. Es ist nicht mehr fair zu sagen, dass es sich bei seiner Ankunft um ein Crossover-Event der beiden The Walking Dead-Serien handelt. Vielmehr ist es ein Takeover, eine feindliche Übernahme, die die Serie mit geradezu böser Intention bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet hat, sodass ein Übergehen des Spin-offs in die Mutterserie als logische Schlussfolgerung erscheint. Weak, die 12. Folge de 4. Staffel, liefert den nächsten Beweis dafür.

Althea und June sind zu schwach, um Fear the Walking Dead zu retten

Weder Althea noch June können diese Folge tragen. Beide Figuren sind bisher blass geblieben, Althea mehr als June. Jenna Elfman gibt weiterhin ihr Bestes, aber auch wenn ihre Flashback-Folge und Junes Hintergrundgeschichte durchaus berührend waren, ist sie schlussendlich nur eine weitere Figur inmitten des großen Nichts, die der Serie weder Richtung noch Gewicht verleiht. Althea hingegen ist noch ärmer dran. Ihre Obsession mit den Tapes wird in dieser Woche immerhin so erklärt, dass wohl auch Aufnahmen von ihren (wohl verstorbenen) Liebsten darunter sind und sie große Risiken eingehen würde, diese zu sichern. Dennoch bleibt sie eine absolute Randfigur, deren mentale Bindung zu den materiellen Objekten selten zur Geltung kommt. Sein eigenes Leben und das anderer für nicht überlebenswichtige Sachen zu riskieren, ist doch ein durchaus interessanter Ansatz in einer Welt, in der Menschen für ein bisschen Benzin, Wasser oder Essen töten würden. Dass diese Auseinandersetzung erst in der zwölften Folge nach der Einführung der Figur und dann auch nur so zaghaft verläuft, verdeutlicht das eigentliche Desinteresse der Autoren an Althea.

Desinteresse beschreibt auch mein Verhältnis zum dieswöchigen Plot ganz gut. Der Sturm ist vorüber gezogen, nun beginnt das Überleben von neu. Der Truck hat kein Benzin mehr, das Essen geht den Beiden aus und Al wird dazu auch noch krank. Der perfekte Sturm der Postapokalypse treibt das Duo also wieder auf die ewig gleichen Straßen von Fear the Walking Dead auf der Suche nach Ressourcen. Da Althea weder ihre Tapes in einem Rucksack transportiert noch die Schlüssel ihres Trucks mit sich trägt, wird beides im Laufe der Folge gestohlen. Wie praktisch. Schon entsteht der Plot. Die darauffolgende Verfolgungsjagd mit den Autos ist knapp, aber rasant und spannend inszeniert von Regisseur Colman Domingo, der in der Serie Strand spielt. Kurz darauf trifft June den Dieb und hat mit ihm eine moralische Diskussion über das Richtige und das Falsche. Ihr Betteln ist zwar authentisch, das anschließende Gespräch jedoch weniger. Diese Moralpredigten sind zwar durchaus plausible, gehören aber eher in eine Zeit, in der die Zombie-Apokalypse die Welt noch nicht dermaßen verändert hat. Wie bei Shakespeare treten diese Individuen ohne Geschichte und Ethik von der Seite hervor, um mit unseren Figuren kurze Begegnungen zu haben, nur um dann wieder zu verschwinden. Als wäre es der Chor, der die Kernthemen der Serie Woche für Woche beschwören muss.

Ein roter Faden in Fear the Walking Dead? Fehlanzeige.

Am Ende treffen Althea und June auf Morgan und seine Crew. Zusammen wollen sie sich auf die Suche nach den anderen Überlebenden machen. Wird die große Wiedervereinigung dann auch das Staffelfinale bilden? Bisher waren die Staffeln unter Scott M. Gimple stets vorhersehbar. Im Auftakt kommt ein erregendes Moment, im Finale dann die Auflösung, dazwischen viel Kram, der übersprungen werden könnte. Doch Fear The Walking Dead fehlt es an Schwung und einem roten Faden – mit der Ausnahme einer Fahrt nach Alexandria, die in der nächsten Staffel besser aufgehoben wäre. Neben einem buchstäblichen Ziel existierte in früheren Staffeln auch die Motivation, ein Hindernis zu überkommen. Ein Bösewicht wäre an dieser Stell einmal wieder angebracht. Die waren bisher nicht wenige an der Zahl in Fear The Walking Dead und immer als Gegenentwurf zu cartoonhaften Figuren wie dem Governor oder Negan zu verstehen. Von den tollen realistischen Ansätzen des Spin-offs ist nicht mehr viel geblieben. Nun verfolgt eine verrückte Frau unsere Helden und wird womöglich noch Strand oder Luciana aus der Serie beseitigen, sodass Morgan am Ende mit einer völlig neuen Crew in Virginia aufkreuzen kann. Toll gemacht, Serie kaputt.