The Mandalorian Archives - PewPewPew - PewPewPew

Ein neuer Star Wars-Film startet heute in den Kinos und ich sitze nicht samt Kostüm in der Mitternachtsvorstellung. Das passiert mir so zum ersten Mal seit knapp 25 Jahren und das markiert eine radikale Umkehr in meiner Haltung als Fan. Ich habe bisher sogar noch nicht einmal ein Kinoticket vorbestellt. Den Film verpassen will ich aber auf keinen Fall.

The Mandalorian and Grogu ist der erste neue Film seit dem Ende der Sequel-Trilogie, The Rise of Skywalker, der 2019 erschien. Die Wartezeit unterläuft somit noch die zwischen den Trilogien, jedoch steht seit der Pandemie nicht nur Zeitgefühl Kopf und der letzte große Fantriumph fand sich für mich zuletzt mit Rogue One nun wiederum doch schon vor zehn Jahren. Es ist keine Überraschung, dass viele Fanherzen endlich wieder etwas Großes sehen wollen.

Der Mythos ist keiner mehr

Es ist aber kein Geheimnis, dass die generelle Vorfreude sich gerade in Grenzen hält. Der Film bietet nicht den Aufbruch, der nun bitter notwendig wäre. Weder narrativ, noch inszenatorisch ist Neues zu erwarten. Und die Trailer schwanken irgendwo zwischen Kino und TV-Episode.

Der Mythos “Star Wars” ist dadurch mehr in Gefahr denn je. Star Wars im Kino – das war ein Event und eben nicht nur für Fans. (weiterlesen…)

Ob es ein guter Film wird, das steht auf einem anderen Blatt. Ich glaube jedenfalls nicht daran. Nach dem verwirrenden Superbowl-Clip erscheint nun ein Full Trailer für The Mandalorian and Grogu und siehe da, ein paar Einstellungen des Films haben eine markante Farbgebung. Aha, aha.

In der Vergangenheit habe ich bereits viel über diesen wirklich komischen “Kinofilm zur Serie” und diese ärgerliche Rückkehr von Star Wars auf die Kinoland geschrieben. Deshalb halte ich es hier sehr kurz: Dieser Trailer lässt mich nicht ganz kalt, zumindest nicht so sehr wie der Superbowl-Clip auf Hoth. Denn es gibt ein paar witzige Momente, bestimmt recht viel Herz und womöglich hier und da Fanreferenz, die mein Interesse wecken.

Aber grundlegend sieht das nach dem aus, was es ja eigentlich ist: Der vierten Staffel von The Mandalorian ohne das typische Fett am Gerippe dieser sonst kurzen Staffeln. Für diesen Weg entschied man sich Berichten zufolge während des Writers’ Strikes. Und mehr kann oder will es eben auch nicht sein. Ich weiß nicht, inwiefern man das diesem einzelnen Projekt jetzt vorwerfen kann. Jon Favreau steht in der Verantwortung, daraus für die Kinoleinwand mehr zu machen, scheitert aber an recht vielen Dingen. Das ist halb so schlimm, aber schon sehr schade.

Für mich sticht vor allem die langweilige Action heraus. Charaktere bewegen sich schwungvoll durch Räume, während ihre Gegenspieler nur auf den gewaltvollen Aufprall warten. Das wirkt träge und einfallslos. Auch die Räume, in denen die Figuren agieren, sind in ihrer Vision beschnitten. Entweder steht man in einer offenen Arena ohne abgesteckte Dimensionen oder in einem engen Gang, in dem man sicht entlang bewegt.

Grundlegend fühle ich mich als Fan in der Post-ROTJ-Phase sehr zu Hause. Hier kenne ich mich aus. Hier geht es um die Neue Republik, den Wiederaufbau der Jedi-Akademie, die Überreste des Imperiums und eine Galaxis mit abgesteckten Konflikten und einem spannenden Machtvakuum. Din und Grogu passen da für mich nicht so richtig rein. Wir haben im PewCast zu jeder einzelnen Folge eine Review produziert – hört gerne nach – und meine Lieblingsgeschichten der Serie involvierten die beiden Abenteurer auf einer Reise durch eine komische, gefährliche Galaxis. Sie schmieden gemeinsam ihr Schicksal und lernten sich besser kennen und lieben, in dem sie den Wesen auf ihrer Reise halfen. Das hatte Format, das hatte Potenzial. Und das hatte auch ein logisches Ende: Der große Abschied, bei dem Grogu von Luke Skywalker höchstpersönlich zu Größerem (buchstäblich: der Kinoheld kommt in die Serie) gerufen wird.

Diesen überaus befriedigenden Punkt erreichte die Geschichte trotz den vielen Fehltritten der zweiten Staffel. Dann hat man ihn zerstört, willentlich und gewaltvoll. Das ruiniert nicht den Moment selbst, aber so ziemlich alles was danach kommt. Deshalb ist mir der Film recht egal. Dass sich Din jetzt um Grogus Zukunft sorgt, muss natürlich der Konflikt weiterhin sein. Aber wie soll dieser Konflikt noch sinnvoll weitergeführt werden, nachdem sein emotionaler Höhepunkt bereits verspielt wurde?

Ich bin einfach nach wie vor überrascht, dass der Film keinen klaren Bösewicht zu haben scheint und der Plot nach wie vor recht undurchsichtig ist, and not in the good way. Aber immerhin gibt es hier Raumschiffe, Planeten, Figuren, Monster. Charaktere bewegen sich! Moving Images, am Ende wohl ein Film. Jon Favreau verriet vor Kurzem im Interview, dass sich der Dreh wie früher das Spielen mit seinen Actionfiguren anfühlte – also genau diese Action und das Storytelling des Aufeinanderprallens ohne Tiefe, das Fans seit Jahren kritisieren.

Welp, we’ll always have “The Child.”

Eigentlich bin ich ja schon ein massiver Fan von The Mandalorian. Ich mochte die Figuren Din und Grogu sehr, ihre Lone Wolf & Cub-Dynamik war weder neu noch bahnbrechend, aber ein kluger Rückgriff zur richtigen Zeit für Star Wars. Nach der Sequel-Trilogie war dies genau die erfrischend unverbrauchte Narrative an einem aufregenden Punkt in der Galaxis.

All das ist nachzuhören in den etlichen PewCasts zur Serie, die wir episodisch besprachen. Nicht alles davon war immer perfekt, aber im Großen und Ganzen – und wichtiger: im Herzen – gefiel mir das alles echt richtig gut. Es war süß, spaßig, spannend und steuerte auf ein sehr reizvolles Finale zu. Doch genau an diesem Punkt schlug die Serie einen rücksichtslosen Haken – und machte damit alles zunichte.

Nahezu alles, was die Serie zuvor erzählte, wurde im Laufe der dritten Staffel und darüber hinaus rückgängig gemacht. Din verlor eigentlich zuerst seine Ideologie und nahm den Helm ab, später folgten sein Schiff und sein Ziehsohn und im Trailer ist inklusive der Waffen alles plötzlich wieder da. Nichts spielt eine Rolle, nichts hat Konsequenzen. Alles existiert nur, um auf ewig Merchandise und die Marke zu bewerben. Seelenloser kann eine Firma dem Fan nicht klarmachen, worum es eigentlich geht.

Es macht mir keine Freude heute wieder negativ über Star Wars zu schreiben. Nichts würde mich glücklicher stimmen, diesen Trailer zu The Mandalorian and Grogu in den Himmel zu jubeln. Der Teaser zu The Force Awakens war ein Event. Überhaupt war der Vermarktungsbeginn eines neuen Star Wars-Films ein Event an sich. Im Internet schwirrten Beschreibungen umher, es wurde heftig in der Gerüchteküche gekocht und dann kam der Trailer und gab uns einen ersten Einblick in eine komplett neue weit, weit entfernte Galaxis.

Dieses Konzept ist verloren gegangen. Überhaupt: Sich nicht auf einen neuen Film wenigstens zu freuen deprimiert mich enorm. Wo ist die Magie nur hin?

Nehmen wir mal den großen Schlusspunkt dieses Trailers, fangen wir also hinten an: Da fällt ein AT-AT langsam die Klippe herunter und dann wird der neue Titelschriftzug (peinliches Design!) offenbart. Ich meine, ich hatte nach den geleakten Videoschnippseln wirklich geringe Erwartungen, aber die wurden nicht einmal getroffen. Erneut veröffentlicht man hauptsächlich bereits vor Monaten gezeigtes Material. Wo bleibt der Wow-Effekt? Das wirkt hier alles wie lieblos zusammengestückelte Episoden der Show.

Das sieht alles aus wie ein Fanfilm. Straight-to-DVD, etc. Nicht einmal die Story wird klar. Das Mantra scheint: Der Mando und das Baby sind zurück und das Baby ist ziemlich süß, oder? Okay, jetzt kauf dein Ticket und halt die Fresse.

Nichts davon hier überzeugt mich, dass das nicht auch eine vierte Staffel hätte sein können. Wenn Serien zuvor den Sprung auf die große Leinwand wagten, dann ging das mit einem massiven Sprung in scale, scope und budget einher. Man wollte sich mal was gönnen, den Erfolg feiern, ein bisschen protzen. Davon ist hier nichts zu sehen. Es sieht identisch aus wie die anderen Staffeln auch, die ohne Greig Freiser sowieso rapide an Qualität verloren.

Ein paar Fan-Sachen, die ich trotzdem kommentieren will: (weiterlesen…)

Ich kann immer noch nicht wirklich glauben, dass der Jon Favreaus Kinofilm The Mandalorian & Grogu heißen soll. Der erste Star Wars Film seit sieben Jahren wird einfach so heißen, wie die zwei darin herumhüpfenden Serienhelden. Das ist einfallslos und traurig. Es zeigt auf der einen Seite total dieses Filoni-Cameo-Paradigma, welches schon die Star Wars Serien ab der zweiten Staffel von The Mandalorian dominierte (und ruinierte), nämlich dass mehr bekannte Figuren immer ein Pluspunkt sind. Gleichzeitig offenbart es schamlos, wie risikoscheu die Köpfe bei Disney operieren. Das Marketing selbst muss fast keine Arbeit mehr leisten. Wen interessiert es schon, worum es in dem Film geht oder was passiert. Hauptsache ist doch, dass Mando und Baby Yoda dabei sind. This is your brain on chicken jockey logic. And, unfortunately, it is likely going to work.

Ich hegte durchaus Hoffnung, dass man sich noch etwas Besseres einfallen lassen würde. Oder dass eventuell noch ein Untertitel dazu kommt. Die Mythologie der Mandalorianer gibt da durchaus mehr her. Aber nein, es bleibt bei den zwei titelgebenden Hauptfiguren. Einerseits ist das keine Überraschung. Seit der gescheiterten Sequel-Trilogie sind dies die einzigen neuen Star Wars Figuren, die wirklich in den Zeitgeist vorgedrungen sind. Wieso sie noch hinter größeren Ambitionen verstecken wollen?

Dazu passt es voll in das Muster, das Lucasfilm-Veröffentlichungen seit 2015 dominiert. Betrachtet man zum Beispiel die Star Wars-Comics von Marvel, kann man beobachten, wie sich immer stärker auf einzelne Charaktere konzentriert wird – nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Art und Weise, wie die Geschichten strukturiert sind. Das zeigt sich nicht nur in den Titeln der Reihen, sondern auch in ihrem Aufbau: Statt einer großen, übergreifenden Handlung, die sich organisch durch alle Veröffentlichungen zieht, stehen zunehmend Einzelgeschichten im Fokus, die sich tief in die Psyche und die Motivationen bestimmter Figuren graben.

Ein gutes Beispiel ist die Hauptreihe Star Wars, die sich nach der Übernahme von Marvel durch Disney zunächst um die Abenteuer von Luke, Leia und Han nach Eine neue Hoffnung drehte, später aber immer deutlicher auf Lukes Weg zum Jedi fokussierte. Parallel dazu hat die Darth Vader-Reihe eine ähnliche Entwicklung durchgemacht: Während die ersten Bände noch versuchten, Vaders Rolle im Imperium zu kontextualisieren, rückten nach und nach persönliche Konflikte und innere Dämonen in den Mittelpunkt. Die Pathologisierung von Darth Vader ist sowieso eine riesige Sünde dieser Comics. Das geht mittlerweile so weit, dass selbst große Crossover-Events wie War of the Bounty Hunters oder Crimson Reign zwar mit einem gigantischen Marketing-Buzz als „game changing“ angekündigt werden, am Ende aber eher als Vehikel für noch mehr Einzelcharakter-Erforschung dienen.

Marvels Ansatz ist damit ein klarer Bruch zu den Dark-Horse-Comics der 90er und 2000er. Damals gab es natürlich auch viele figurengetriebene Geschichten, aber gleichzeitig wurde stets versucht, größere Narrative zu erzählen – und damit das Star Wars Universum in all seinen Facetten scheinen zu lassen. Reihen wie Knights of the Old Republic, Legacy oder Republic / Empire haben ganze Epochen definiert und dabei ein weitverzweigtes, sich stetig weiterentwickelndes Universum erschaffen. Heutzutage scheint die Prämisse eher zu lauten: “Wie können wir aus jeder noch so kleinen Lücke in den Filmen etwas herausholen?”

Das ist kein reines Problem, aber es verändert die Art, wie sich das Star Wars-Universum anfühlt. Geschichten wie Doctor Aphra oder Bounty Hunters haben natürlich ihre Daseinsberechtigung und mit der High Republic existiert das perfekte Gegenspiel für mein Argument, aber es fällt auf, dass Star Wars zunehmend fragmentierter wirkt. Manchmal hat man das Gefühl, dass jede Figur, die mehr als zwei Minuten Screentime hatte, unbedingt ihre eigene Miniserie braucht – und wenn die nicht gut genug ankommt, dann eben noch eine weitere, bis es passt. Watch this space for any surviving Andor character, btw.

Ob das nun gut oder schlecht ist, hängt davon ab, was man von Star Wars erwartet. Wer sich gerne in den Köpfen einzelner Charaktere verliert, kommt aktuell mehr denn je auf seine Kosten. Wer sich hingegen nach epischen, zusammenhängenden Erzählungen sehnt, wie sie einst The New Jedi Order, Legacy of the Force oder selbst die großen Dark-Horse-Sagas boten, könnte zunehmend das Gefühl haben, dass Star Wars sich in Einzelporträts auflöst, ohne das große Gesamtbild weiterzumalen. Und der neue Ryan Gosling Film Starfighter? Ein “Standalone”-Film.

Insofern passt The Mandalorian & Grogu, “der Kinofilm zur Serie”, total in diese langjährige Entwicklung, die aber den Mythos von Star Wars zerstört.

Ja komm, ist gut. Bevor die dritte Staffel The Mandalorian komplett und zurecht vergessen ist (nicht vergeben), möchte ich mir diesen herzlichen Moment doch noch gerne in den Blog kleben. I am not above it.

Gelingt The Mandalorian auf der Zielgeraden doch noch das Wunder einer sanften Landung oder crasht die umstrittene dritte Staffel gnadenlos auf die glasige Planetenoberfläche Mandalores? Wahrscheinlich sollte ich hier nicht weiterschreiben und alles wie die Serie selbst undefiniert lassen, um mir alle Hintertüchen offen zu halten und zu hoffen, dass ihr dadurch weiter am Ball bleibt.

Aber: Die Wahrheit, wie uns die achte und finale Folge “The Return” beweist, liegt irgendwo dazwischen. Matthias und ich finden zwar hier und da lohnenswerte Momente im Finale, können aber grundsätzlich diese Staffel und ihren Ausblick nicht gutheißen.

Zu viel bleibt unerklärt zurück, zu wenig wird vertieft, zu oft sucht sich die Serie den einfachsten Weg und bleibt unter dem Möglichen. Nicht so enttäuschend wie The Book of Boba, handwerklich kompetenter und mit weniger Fallhöhe als Obi-Wan Kenobi, aber meilenwert von der Genialität Andors entfernt und dem, was Fans von Star Wars erwarten sollten.

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Kurz vor Schluss kriegt The Mandalorian in der dritten Staffel noch gerade so die Kurve. Nachdem die bisherigen Episoden korrekt als “Kraut und Rüben” von Matthias abgestempelt werden, kann die siebte Folge “The Spies” zumindest endlich mit der Rückkehr von Moff Gideon aufwarten. Dazu hat sie noch ein paar andere erfreulichen Entwicklungen in petto, während sie aber gleichzeitig schon einige böse Überraschungen für das Finale andeutet. Es bleiben gemischte Gefühle zurück, die wir wie immer ausgiebig reflektieren.

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The Mandalorian spaltet mit der sechsten Folge der dritten Staffel die Gemüter. “Guns For Hire” ist eine der kontroversesten Geschichte im Star Wars Universum seit The Last Jedi und Boba Fetts Biker Gang, obwohl relativ wenig bis zum Ende für die Staffel überhaupt relevant ist. Vielleicht aber erklären sich die mindestens verdutzten Reaktionen auch hauptsächlich über die Platzierung der Folge innerhalb der Staffel und nicht nur über den eigentlich recht harmlosen Inhalt. Oder ist nun doch alles Jack Blacks Schuld?

Matthias bekam von all dem Onlinezoff recht wenig mit, denn er war auf der Star Wars Celebration in London und weiß davon zu berichten.

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