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Google Kills The Website

21 May, 2026 · Sascha · Personal

Wenn ihr wie ich schon länger das Gefühl hattet, dass das Internet, wie wir es kennen und lieben, aus dem letzten Loch pfeift, dann habe ich jetzt ganz schlechte Nachrichten. Denn Google entpuppt sich als doch recht böse, denn das Unternehmen hat angekündigt, seine Suchleiste komplett mit KI zu überholen. Aus Search wird Ask Google. So berichtet Tech Crunch:

The era of the “ten blue links” is officially over.

At its Google I/O conference on Tuesday, Google unveiled an AI-powered overhaul of Search centered around a reimagined “intelligent search box” — what the company describes as the biggest change to this entry point to the web since the search box debuted more than 25 years ago.

Instead of returning a simple list of links, Google Search will drop users into AI-powered interactive experiences at times. Google is also introducing tools that can dispatch “information agents” to gather information on a user’s behalf, along with tools that let users build personalized mini apps tailored to their needs. [Highlight mine]

Da muss man sich gar nichts vormachen: Das ist das Ende des Internets, wie wir es kennen. Google will mit OpenAI Schritt halten und nicht ersetzt werden. Und das wird eine der weitreichendsten Änderungen sein, die wir in knapp 30 Jahren erleben. Lasst mich das kurz mal am Beispiel von PewPewPew ausführen und einen seltenen Blick hinter die Kulissen geben.

Ich habe jetzt schon in diversen Postings zu dem Thema aufgerufen, dass sich die Leute wieder Webspace kaufen sollen. Bei meinem Beitritt zum UberBlogr-Netzwerk zum Beispiel, um private Webseiten und Blogs wieder zu vernetzen und Synergieeffekte zu erzeugen – hoffentlich so etwas wie eine Blogosphäre wieder zu schaffen. PewPewPew ist mein halbes Leben und ich versuche es am Leben zu halten, täglich zu bloggen, mit Inhalten zu füttern, persönlich davon zu profitieren und hoffentlich einen klitzekleinen Mehrgewinn für alle im Netz zu produzieren.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Webspace Geld kostet. Ich werde keine Rechnung über alles jetzt offenlegen, aber ich kann mal kurz aufzählen, wieso das hier nicht nur eine private Hobbyausübung ist, sondern ein angemeldetes Kleinunternehmen. Neben der Webseite selbst hoste ich einen Podcast selbst hier, mein Hoster Estugo unterstützt mich dabei freundlicherweise. Doch über bald zwei Jahrzehnte gibt es hier große Datenmengen, die gehostet werden. Domains kosten Geld, und ich habe einige. Soundcloud, Audacity, Logodesigns. Ja, ich mache das hier “zum Spaß” – d.h. nicht hauptberuflich und in manchen Jahren zahle ich gut drauf, aber dahinter steckt dann doch eine Rechnung, die für die meisten normalen Internetnutzer nicht sinnvoll erscheint.

Was ich mit dem kleinen Exkurs nur sagen will: Ich mache das hier alleine, aber so ziemlich alle lohnenswerte Outputs im Internet nicht und sie müssen sich finanzieren. Ja, großes Wunder, Webseiten kosten Geld und müssen wirtschaften. Und sie brauchen Besucher, die sie finden, denn nur so lässt sich mit Werbungschalten bzw. Google Adsense Geld verdienen. Durch Feeds oder algorithmische Suchmaschinen finden die Nutzer diese Inhalts, so machen diese Unternehmen ihren Umsatz.

Mit diesem Update durch Google wird sich das aber ändern. Kurzum: Google wird den Leuten die Webseiten killen.

Und irgendwie wirkt das auf mich dazu wie ein Suizid, denn Google torpediert damit Adsense und eine eigene Einnahmequelle selbst. Und gleichzeitig weiß ich nicht, wie diese AI-Suchleiste funktionieren soll, wenn sie selbst keine Inhalte mehr findet, auf die sie zugreifen kann.

Denn AI ist Diebstahl. Diese künstlichen Intelligenzen grasen das Internet ab und bauen dann in ihren (oft mit Fehlern übersäte) Antworten basierend auf den Webseiten auf. Diese Zusammenfassungen sind Diebstahl. Genau wie eine KI zu trainieren auf der Basis von Internetvideos, Filmen und Serien. Es ist Diebstahl von kreativem, menschlichen Schaffen, mit dem diese Firmen dann ihren Profite generieren.

Denn die KI selbst kann nichts. Sie weiß nichts. Sie generiert Antworten basierend auf menschlicher Leistung. Und wenn diese sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt, woher kommen dann die Zusammenfassungen?

Das ist das dümmste Eigentor, dass sich Google schießen könnte. Denn natürlich gibt es Alternativen zu Google wie DuckDuckGo, die datenschutzrechtlich besser aufgestellt sind und Antwortmöglichen anbieten ohne KI. Doch Google war wie Tempo, wie Zewa – stellvertretend für Suchmaschinen als Verb genutzt worden. Ein Eponym, vielleicht das wertvollste aller Zeiten.

Ja, Webseiten an und für sich werden nicht verschwinden. PewPewPew wird nicht verschwinden. IGN wird wohl bleiben. Liebhaberseiten und Magazine wie Kino-Zeit werden sich anpassen, aber was passiert mit Seiten wie Slashfilm, die ich über Jahre gerne verfolgte und die vor allem durch ihre Überschriften – und somit Klicks – leben? Wird sich Forbes weiterhin einen TV-Kritiker wie Paul Tassi leisten wollen? Es fühlt sich an wie der Beginn vom Ende einer ganzen Industrie. Was ist mit den vielen Geschäften vor Ort, die von Google- Ergebnissen leben?

SEO soll nicht ganz tot sein. Im Dokument zu den Änderungen sagt Google Folgendes:

“Is SEO still relevant for generative AI search? in short, yes! […] From Google Search’s perspective, optimizing for generative AI search is optimizing for the search experience, and thus still SEO.

Was heißt das tatsächlich? Unklar, schwammig, und am Ende wohl vielleicht nicht mehr als die Quelllinks in Klammern wie bei ChatGPT.

Viel klarer dagegen scheint mir: Die Webseite als Ziel einer Suche wird verschwinden. Der Hyperlink wird noch existieren, aber niemand wird sich für ihn interessieren. Keiner tappt mehr aus der App raus. Und das macht uns alle und vor allem nachkommenden Generationen so viel uninformierter, unkritischer, unsicherer, gläserner. User sollen nichts mehr suchen, ihnen werden Antworten präsentiert. Dazu gibt es Gesetzesinitiativen, die anonymes Posten verbieten wollen. Sein Alter soll man mit Gesichtserkennung bestätigen, Klarnamenpflicht steht immer irgendwo auf einer Shitlist an Ideen von unseren Gegnern.

Wer noch kann, zieht sich zurück. Das Resultat? Überall Walled Gardens. Der ideale Durchschnittsuser im Internet sieht für die Konzerne und Regierungen aus wie die Typen, die in den Replys Grok fragen, ob das so stimmt. Die Wenigstens werden hinter die Oberfläche klicken und sich genauer informieren. Eine digitale Bohème existiert weiter, aber als immer marginalisiertere Kohorte, die gesamtgesellschaftlich keine Rolle mehr spielt.

Aus persönlicher Erfahrung erlebe ich das ziemlich extrem, um nicht sogar zu sagen ich durchleide es haha. Ich komme nicht aus dem Bildungsbürgertum, sondern bin ein Arbeiterkind und der erste in meiner Familie mit Abitur, Uniabschluss, Staatsexamen. Schon in der Oberstufe, spätestens aber dann zu Unizeiten, waren die Weiten und Tiefen des Netzes eine Landschaft für persönliche Entwicklung, für Wachstum und Inspiration für mich und gleichzeitig eine fantastische Hilfe beim Erlernen von wissenschaftlichem Arbeiten. Heute erlebe ich in meinem Beruf in der Bildung sowohl Lernende als auch – erscheckend häufiger sogar – Lehrende, die bei der Verwendung von KI nicht mit der Wimper zucken. Das ist impulsartig.

Irgendwie scheint diese Entwicklung rückblickend natürlich unausweichlich. Ist das so? Ich weiß es nicht. Aktuell bleibt vor allem nur dieses Scheißgefühl zurück, dass die Welt sich nicht in die Richtung verändert, die man für richtig hält. Das ist einerseits eine universale, menschliche Erfahrung und das kommt vor allem auch mit dem Altern, denke ich. Andererseits lässt sich hier in meinen Augen schon objektiv festhalten: Das ist doch einfach Scheiße! Die töten das Internet, wie wir es kennen. Unabhängiger, kritischer Journalismus wird noch schwieriger. Menschengemachte Webseiten werden zu Hobbys für Exoten und gleichzeitig sitzen diese Firmen auf dem gesamten menschlichen Kapital und fahren damit Gewinne ein? Das ist alles so trist. Es ist höchste Eisenbahn für legislative Schranken und die EU ist hier unsere einzige Hoffnung.

Bis dahin: