02 Nov, 2025 · Sascha · Wissenschaft
Heute vor genau 25 Jahren flog die erste Besatzung der Expedition 1 zur ISS. An Bord waren mit dem Amerikaner William Shepherd und den Russen Juri Gidsenko und Sergei Krikaljow die ersten drei Menschen, die diesen Traum einer gemeinsamen Raumstation im All wahr werden ließen. Die Idee einer Zusammenarbeit zwischen den USA und der Russischen Föderation entstand schnell nach dem Ende des Kalten Kriegs, u.a. auch um einen russischen Brain Drain zu vermeiden.
Die Zusammenarbeit war so im Konzept angelegt, dass ein Überleben nur mit beiden Staaten funktionieren kann. Daneben waren auch viele Astronauten anderer Nationen mit dabei, vor allem durch die Beteiligung von Japan, Kanada und der ESA. Insgesamt sind es fast 300 Frauen und Männer aus 26 Ländern, die im letzten Vierteljahrhundert für eine kontinuierliche, menschliche Präsenz im All gesorgt haben. Dazu gehören auch die vier deutschen Astronauten Thomas Reiter, Hans Schlegel, Alexander Gerst und Matthias Maurer.
Dieser Traum wird Ende des Jahrzehnts zu Ende gehen und es ist festzustellen, dass aus dem Traum und seiner Symbolkraft nicht mehr gemacht wurde. Das ist nicht die Schuld der ISS, sondern einfach das mangelnde Interesse an der Raumfahrt selbst. Sie ist größtenteils nur ein Ausdruck wirtschaftlicher Interessen oder geopolitischen Säbelrasselns. Nirgendwo ist dieses Jubiläum heute ein großes Spektakel, weder in den Medien, noch auf politischer Ebene, trotz dieser unfassbar großen technologischen Leistung. Im Gegenteil: Die ISS ist zuletzt Schauplatz auch trauriger politischer Spielchen geworden, als Kosmonauten Fotos mit einer Flagge der “Republik Luhansk”, der von Russland besetzten Region der Ukraine, an Bord schossen.
In wenigen Jahren werden SpaceX-Antriebe die Station aus ihrem Orbit bringen und über dem Südpazifik größtenteils verglühen lassen, bis die restlichen Teile am “Point Nemo”, dem weit vom Land entferntesten Puntk der Erde, ins Meer fallen werden. Ein besseres Bild für das bittere Ende dieses Traums kann man sich kaum ausmalen. Währenddessen planen diverse Unternehmen private Raumstationen, China hat mit der Tiangong seine eigene Station und aus dem Monddorf der ESA wird auch nichts. Die NASA könnte aufgrund des Government Shutdowns nicht einmal feiern, selbst wenn sie wollte.
25 Jahre nach “End of History” muss man bitter anerkennen, dass die Welt sich doch weitergedreht hat – wie man von oben gut beobachten konnte – und von dem ursprünglichen Traum nicht mehr viel übrig ist. Trotzdem ist dieses mechanische Wunderwerk, ein Fußballfeld groß, ein Ort für Magie und Wissenschaft. Die Liste der Forschung auf der ISS ist lang, ein enorm wichtiger und lohnenswerter Akt, der nicht aufhören sollte. In diesem Sinne: Happy 25th, ISS!
Hier die alle ISS-Posts auf PewPewPew, sowie ein paar persönliche Favoriten:
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