07 Jan, 2025 · Sascha · Games
Spannender als die Frage, warum ein Fan Star Wars liebt oder was daran so besonders ist, wäre für mich die Frage nach dem wie. Wie lebst du dein Fandom aus? Wie liebst du Star Wars? Die Antworten fallen individueller aus und der Erfahrungsgewinn über die Person ist definitiv höher. Das Gespräch wird interessanter, als die immer gleichen Antworten à la Lichtschwerter oder Effekte oder Charaktere, etc. zu hören. Manche Fans dringen tiefer in die Erzählwelten über die Bücher ein, andere wiederum finden Lichtschwertkämpfe so gut, dass sie einen Sportverein darüber gründen, während die extremst coolen auf Twitter über die neuen Serien jammern.
Und andere wiederum erwecken ihr Lieblingsspiel in liebevoller Detailtreue zum Leben, weil es ihnen genommen wurde.
Über das Expanded Universe war mir diese Galaxie sehr vertraut und Star Wars zu lieben, bedeutete für mich vor allem in der Erzählwelt selbst zu leben und Geschichten zu erzählen. Zuerst durch das Schreiben von Fanfiction. Später bot mir die Welt von Star Wars Galaxies die Möglichkeit, diese Geschichten in einer always-online 3D-Welt kontinuierlich mit Anderen zu erweitern. Zu Zeiten des Galaktischen Bürgerkriegs konnten Spieler*innen in Star Wars Galaxies einen eigenen Charakter erschaffen und gemeinsam mit Hunderttausenden anderen ihr persönliches Star Wars-Abenteuer online erleben. Natürlich bot das MMORPG von Sony Online zahlreiche typische Mechanismen, die auch andere erfolgreiche MMOs der damaligen Zeit wie World of Warcraft prägten: PVE, Raids, Clans – SWG hatte all das.
Was das Spiel jedoch besonders für mich machte, waren die unzähligen Möglichkeiten, die Welt von Star Wars als Spieler*in selbst zu gestalten. Neben begehbaren Planeten wie Tatooine und Naboo, die mit all den bekannten Schauplätzen der Saga (“Points of Interest”) gefüllt waren, konnte nur einen Kilometer weiter eigene Spielerstädte erbaut, Geschichten erzählt und persönliche Kämpfe ausgefochten werden. Mit eben allem, was dieses Universum so zu bieten hat. In Star Wars Galaxies gab es hunderte Cassian Andors. Baby Yodas Order 66 Survival Story? Get in life, an den Starports von Corellia findest du solche Charaktere an jeder Ecke. Aber natürlich gab es auch Ausgestaltungen und Rollenspiele, die weit über das Übliche, das Erwartbare, hinausgingen. Ebenso individuell waren die Avatare selbst; über die bis heute in einem MMO unerreichten, vielfältigen Möglichkeiten des Character Creators schrieb ich einmal für die WASD.
In einem längeren Piece über das Ende der Galaxien ging es dann um das Ende und einen eventuellen Neuanfang. Im Jahr 2011 gingen die Server von Sony offline, weil kurz darauf mit The Old Republic ein neues MMO starten sollte. Viele Fans konnten jedoch nicht ab und seit vielen Jahren füllt eine Community an Loyalisten diese Spielwelt wieder mit Leben. Für mich war das vor knapp zehn Jahren keine Option für eine glorreiche Rückkehr:
Vor rund einem Jahr griff ich mal wieder zu meinen Galaxies-DVDs und installierte das Spiel erneut. Ein paar Hardcore-Fans hatten einen Emulator gebaut, um die ursprüngliche Version meines geliebten Star Wars MMORPGs wieder aufleben zu lassen.
Ich kreierte Reeft 2.0 und versuchte, ihn so ähnlich wie möglich nach seinem Vorgänger zu gestalten. Ich loggte mich ein und da war es, vier Jahre nach seinem offiziellen Ende: *Star Wars Galaxies. Vor den totbringenden „New Game Enhancements“. Vor dem Spieler-vertreibenden Combat Upgrade. Bevor Sony Online Entertainment den Stecker zog. Aber es war nicht das Gleiche. Natürlich nicht, wie könnte es auch sein? Die mir so vertrauten Städte waren nicht mehr da, meine Gilden verschwunden, meine Freundesliste leer. Ich hatte immerhin den gleichen Nicknamen und hoffte, dass mich jemand erkennen würde. Nach einer Woche deinstallierte ich verbittert das Spiel.
Vor ein paar Tagen jedoch spülte der verdienstvolle YouTube-Algorithmus den obigen Trailer zu den Erweiterungen der Neuauflage zu. Sieben Jahre lang, von 2004 bis 2011, nahm dieses Spiel einen großen Teil meiner Freizeit in Anspruch, und diese Bilder erneut zu sehen, weckt eine starke Welle der Nostalgie. “It calls to you.” Ich spüre eine Erschütterung in der Macht, vielleicht sogar ein Erwachen… eines starken Interesses, doch einmal diese Server auszuchecken. Einfach um mal auszuchecken, wie sehr mich das 20 Jahre später nochmal abholt.
Interessant ist auch, dass uns heute keine Grenzen mehr in der Vorstellung gesetzt werden. Die Assets – wie Stadtverschönerungen, Items, Spezies und mehr – die früher nur den Entwicklern zur Verfügung standen, wurden nun endlich freigeschaltet. Zudem wird am Ende mit Coruscant ein Planet angeteast, der nie Teil des Originalspiels war und eine völlig eigene Umsetzung des Restoration-Teams darstellt. Allein das wird mich wohl für einige Stunden zurücklocken, und hoffentlich werde ich wieder in den Bann gezogen. Ich würde es mir sehr wünschen, denn es war für mich immer eine der erfüllendsten Antworten auf die Frage, wie ich diese Welt am meisten liebe. Ich werde berichten.