The Walking Dead: Das neue Spin-off ist die dringende Adrenalinspritze fürs Franchise - PewPewPew


AMC

Nach meiner Teaserbesprechung hier im Blog schrieb ich auf Moviepilot noch einmal etwas länger über das neue Walking Dead Spin-off und wieso die Prämisse großes Potenzial bietet.

Das neue Walking Dead Spin-off ist die dringende Adrenalinspritze für das Franchise

Das zweite Spin-off des Walking Dead Serienuniversums kündigt sich mit einem verheißungsvollen Teaser an, der eine aufregende, neue Welt ohne Altlasten der Comics und alten Serien in Reichweite stellt. Warnung: Einige leichte Comic-Spoiler sind enthalten.

Es steht nicht gut um The Walking Dead. Während die Langform der Erzählung einmal der größte Pluspunkt von Robert Kirkmans Zombieansatz war, erscheint das Franchise knapp ein Jahrzehnt später zäh und auserzählt. Wo die Serien früher den verhältnismäßig kurzen Zombiefilmen voraus war, ist nun die Luft raus.

Bei The Walking Dead ist die Luft raus

Die Mutterserie hat sich zwar unter der neuen Showrunnerin Angela Kang erholt und feierte in der neunten Staffel nach dem katastrophal schlechten All Out War Arc eine Rückkehr zur Mittelmäßigkeit mit netten Akzenten, doch ohne Carl und Rick fehlt der Serie der Herzschlag, der den Comic mit Leidenschaft zum Ende führte.

Um das Spin-off steht es noch schlechter. Die neuen Staffeln unter den ausgewechselten Showrunnern gipfelten in einem Midseason-Finale, welches einer kreativen Bankrotterklärung gleichkommt.

Dabei sollte Fear The Walking Dead doch anders werden, eine andere Seite der Apokalypse zeigen und eine eigene Geschichte erzählen. Dies tat die Serie auch über drei Staffeln, zuletzt sogar sehr erfolgreich, bis zur feindlichen Übernahme durch Walking Dead Überlord Scott M. Gimple, dessen neu einberufene Showrunner die Serie umwälzten, die Hauptfiguren töteten und nun Dwight und Morgan aus der Hauptserie importierten. Auch visuell existiert kein Unterschied mehr. Die Serie ist derzeit kaum zu retten.

Dennoch ist nicht ans Aufhören zu denken. Wie die titelgebenden Toten wandeln AMCs Serien weiter voran, die nächsten Staffeln sind bereits geplant, werden produziert und ausgestrahlt, selbst wenn das Herz schon lange aufgehört haben wird zu pochen.

Frisches Blut könnte die Rettung für The Walking Dead sein

Vielleicht ist gerade deshalb der Teaser zum neuen Spin-off so verheißungsvoll. Ohne Altlasten, Crossover-Spielereien und Limitationen einer Comic-Adaption wird die noch unbenannte Spin-off-Serie mit dem Arbeitstitel „Monument“ von einer Gruppe Jugendlicher erzählen, die ihre sichere Umgebung verlassen und eine neue Welt erkunden werden.

Worum es in dem Spin-off genau gehen wird, steht noch in den Sternen. Doch die ersten Details begeistern und könnten die dringende Adrenalinspritze sein, die das Franchise jetzt nach dem Comic-Ende braucht.

Nur so viel ist sicher: Die Serie spielt in der weit entfernten Zukunft. Jahrzehnte nachdem Rick Grimes (Andrew Lincoln) im Krankenhaus erwachte, ist die Zombieapokalypse für eine neue Generation zur Normalität geworden. Die Konzeptzeichnungen des Teasers sind überraschend bunt. Die Natur hat sich die Welt zurückerobert und die Überlebenden haben einen gewissen Zivilisationsstand zurückgewonnen.

Die Kids werden jedoch hinausziehen und die Welt außerhalb des sicheren Nests verlassen. Das ist sicher eine schöne Metapher für das Heranwachsen und gleichzeitig eine großartige Möglichkeit, viele Fragen zum Stand der Welt zu beantworten und neue Konflikte darzustellen.

Neue Beziehungen zu den Untoten

Die neunte Staffel hat bereits mit Judith Grimes gezeigt, wie interessant eine Figur sein kann, die erst nach dem Ausbruch des Virus‘ geboren wurde und für die Zombies zum Alltag gehören.

Andererseits könnte auch der Mangel an Walkern zu problematischen Beziehungen führen. In der Comic-Vorlage entwickelt sich beispielsweise Glenns Sohn in eine tragische Richtung. Er fängt Walker ein und stellt sie für Geld in Käfigen aus, um so die Leute an die vergangene Gefahr zu erinnern und gleichzeitig durch die Angst seinem toten Vater näherzukommen.

Eltern schützen ihre Kinder vor Gefahren, müssen ihnen aber auch gleichzeitig Chancen bieten, eigene Erfahrungen zu machen. Diesen Spagat hinzukriegen stellt schon jeher eine enorme Herausforderung dar – selbst ohne Zombies.

So ist Carl Grimes im Comic zum Beispiel bemüht, seiner Tochter ihre Unschuld so lange wie möglich zu bewahren. Zombies haben in ihrer Welt keinen Platz mehr, während aber ein erneuter Zusammenbruch der Zivilisation eine ständige Konstante in ihrer Welt bleiben wird. Handelt Carl richtig? Wie wird seine Tochter reagieren, wenn sie die Wahrheit erfährt?

Auch die Beziehungen untereinander bieten Potenzial für großartiges Fernsehen. Carl hat in den Comics mehrere Liebesbeziehungen, die nie richtig den Weg in die Serie fanden. Wie finden Jugendliche in dieser Welt zueinander? Wie manövriert man erfolgreich Pubertät und Nachwelt? Setzen sich nur die Stärkeren durch? Wenn die Kreativen ihre Karten richtig spielen, erwartet uns eine aufregende Zombieversion von Der Herr der Fliegen.

The Walking Dead und auch sein Spin-off zeigten bereits mehrere solcher Handlungsstränge, aber immer im Kontext der Erwachsenen. Die neue Serie könnte losgelöst von alten Strukturen und Traditionen schwierige Fragen stellen und posthumanistische Gebiete durchstreiten.

Neue Handlungsorte in The Walking Dead

Der spannendste Aspekt der Serie ist jedoch zweifellos der Exodus aus der Sicherheitszone. Die Kinder werden das sichere Gebiet, mühevoll über Jahrzehnte durch Menschen wie Rick Grimes erkämpft, verlassen und in die Welt ziehen. In den Konzeptzeichnungen begegnen sie unberührter Natur und abgestürzten Flugzeugen, in denen die Passagiere noch in ihren Sitzen zappeln. Schönheit und Schrecken zugleich.

Hier erschließt sich das größte Potenzial der neuen Serie, die endlich andere Handlungsorte abbilden könnte. Noch ist nicht klar, in welche Richtung die Kinder wandern oder was sie antreibt, aber auf ihrem Weg könnten sie anderen Kulturen und Überlebenden begegnen und lernen, wie schön die Welt ist oder wie andere überlebt haben.

Diversität spielt nach zehn Jahren Eintönigkeit die größte Rolle. Die alten Serien unterscheiden sich visuell kaum, das Setting wechselt zu selten und die Geschichten wiederholen sich mit zu wenigen Innovationen. Ein buchstäblicher Ausbruch ins Unbekannte könnte das Franchise auffrischen und noch auf Jahre am Leben erhalten – wenn AMC den Mut hat, in die Serie zu investieren. Sonst kommt am Ende eine harmlose Young Adult Version heraus, die das Zombiegenre weiter verwässern könnte.