Review: The Leftovers S01E06

05 Aug, 2014 · Sascha · Fernsehen,Review

TheLeftovers 106 HBO
© HBO

Wie in Noras Fragebogen ergibt sich auch nun bei den Episoden ein Muster: Sobald sich The Leftovers auf das Schicksal einer einzelnen Figur konzentriert, ist das Endergebnis eine faszinierende, mitreißende und außerordentlich produzierte Glanzleistung, die das Potential dieser Ausnahmeserie verdeutlicht. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

In „Guest“ liefert Carrie Coon ein prachtvolles Gegenstück zu ihrem Serienbruder Christopher Eccleston, dessen Matt die beiden Boote und sogar den Helikopter in der Hoffnung, doch noch von Gott persönlich gerettet zu werden, verweigerte. Nora weiß dagegen, dass sie nicht mehr so weitermachen kann. Sie nimmt jede Hilfe an. Sie versucht mit Kevin nach Miami zu fliegen, sie nimmt die Droge auf der Party an und der ultimtive Perspektivenwechsel kommt mit Wayne. Carrie Coon trägt diese Folge mit Bravour. Die ehemalige Theaterschauspielerin konnte bereits in kurzen Auftritten in vorangegangen Folgen dem Paradebeispiel ihrer Rolle eine reale Note verpassen. Doch in ihrer Einzelfolge wird Nora mit all ihren wilden Seiten, ihrem Schmerz, ihrer Trauer und eigentümlichen Ritualen lebendig.

Ein besonderer Kritikpunkt, den man der Serie momentan durchaus vorhalten könnte, ist das Fehlen eines überhängenden, dominierenden Plots, der alles vereint. Doch das ist natürlich nicht nur auf einer thematischen Ebene durch die Symbolkraft dieses narrativen Kniffs zu erklären, sondern vor allem für den Zuschauer interessant, der oftmals von so komplizierten und übernatürlichen Vorfällen in ähnlichen Serien wie FlashForward oder The Event zu sehr eingenommen wurde. Als Folge wirkten die Figuren austauschbar und der sich immer windende und mit Twists vollgepackte Plot fungierte als einziger Reiz. Stattdessen ist The Leftovers die Antithese zu dieser Erzählweise. Hier wird kein überkomplizierter und allzu gefälliger Plot vorgegaukelt, sondern den Figuren Platz gegeben, um zu atmen und zu existieren. Es beschleicht einen das Gefühl, dass diese Welt lange vor dem 14. Oktober existiert hat, als ob diese Figuren tatsächlich existieren und real sein könnten. The Leftovers bietet jedoch nicht nur lebensechte Figuren und nachvollziehbare Emotionen, sondern eine glaubhafte und durchdachte Welt, die in Sachen Qualität und Detailreichtum ihresgleichen sucht. In einer Serie, die die globale Gesellschaft kollektiv den Existenzialismus hinterfragen lässt, ist dies unabdingbar.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 6