Die Kommentare sind deaktiviert, der Like/Dislike-Leiste hält sich die Waage und das Video hat dramatisch mehr Views als die anderen Ankündigungen des Kanals. Es ist nicht schwer zu verstehen, dass das Video, in dem uns Frederikke Hoff von der Lego Idea (früher Cuusoo) Abteilung das neue Winter Set vorstellt, umstritten ist. Gewonnen hat nämlich das Female Minifigure Set von Lego-Bauerin und Geologin Ellen Kooijman mit Wissenschaftlerinnen, die Dinosaurierskelette untersuchen, das Universum erforschen und im Labor Entdeckungen machen.

Das steht im krassen Gegensatz zu den bisherigen Sets, die von Fans zunächst gewählt, dann von Lego bewertet und bei grünem Licht in Produktion geschickt wurden. Zunächst gewannen ein Tiefseetauchboot sowie eine Nachbildung eines Satelliten, als das Cuusoo-Projekt ausschließlich in Japan startete. Später, mit der weltweiten Öffnung des Wahlprozesses, gewannen popkulturelle Themen die Oberhand. Kurz darauf folgten ein Minecraft-Set, der Mars Curiosity Rover sowie die der DeLorean aus Zurück in die Zukunft und der Ecto-1 der Ghostbusters.

Das Projekt von Ellen Kooijman setzte sich gegen andere Domänen der Popkultur durch. Sherlock. Zelda. Adventure Time. Daneben sehen zwei aufwendig produzierte Eigenproduktionen wie ein traditionell japanisches Haus oder ein nostalgischer Anime-Roboter aus den Achtzigern, die ebenfalls die Mindestpunktzahl erreichten, blass aus in den Augen der meisten Kunden.
female mini set
Photo: © Ellen Kooijman

Und nun bringt Lego Wissenschaftlerinnen als Set heraus. Ein wirklich nobles Produkt, das nichts für die berechtigte Kritik kann, die jetzt im Kontext dieser Ankündigung ausgesprochen wird. Denn die dänische Firma hat ein Kommerzproblem, welches bisher zumindest im Lego Film selbstironisch akzeptiert und kommentiert wurde. Immer mehr des Angebots wird von Partnern übernommen. Was mit Star Wars und Harry Potter vor rund 15 Jahren begann, endet heute in Produkten zu cineastischen Flops wie The Lone Ranger sowie Figuren der Simpsons.

Die traditionellen Produkte werden an den Rand gedrängt, wodurch es viel weniger Platz gibt, um auf natürliche Weise Frauenfiguren für junge Mädchen einzuführen, wie es eigentlich sein sollte. Wieso gibt es kein Labor mit weiblichen Figuren, wenn in der City Produktreihe Polizeiwachen und Feuerwehren für Jungs bereitstehen? Es ist nicht schwer zu erkennen, dass Lego klugerweise diese Möglichkeit nutzt, um das Genderproblem des Konzerns aus der Welt zu schaffen. Seit Jahren nämlich versucht Lego sich attraktiver für Mädchen zu positionieren und scheitert dabei teilweise spektakulär, jüngst mit der Friends Produktreihe, die nicht mehr viel mit traditionellen Lego-Produkten gemein hat, wie Pia Volk in der Taz aufzeigt.

Von einer Firma, die in vergangenen Jahrzehnten mit bis heute einzigartigen Werbeplakaten warb, würde man doch im Jahr 2014 ein solches Set als gegebenen Standard erwarten – und eben nicht als glorreich zelebrierte Ausnahme. Es handelt sich hier eben buchstäblich nur um eine Idee. Normalität sieht anders aus. Auf das Set freue ich mich persönlich als Cuusoo/Ideas-Sammler und Feminist natürlich trotzdem, aber es bleibt der bittere Beigeschmack, dass das Produkt als Schuldeingeständnis ausgewählt wurde und man wohl in Zukunft deutlich darauf verweisen wird, sollte wieder Kritik an neuen Produkten geäußert werden.