‘Frankenweenie’ Review

20 Jan, 2013 · Sascha · Film,Review

Vereinigte Staaten 2012
Regie: Tim Burton
Drehbuch: John August
Darsteller: Charlie Tahan, Martin Short, Martin Landau, Winona Ryder
Länge: 87 Minuten
Rating: ★★★★½

“They like what science gives them, but not the questions science asks.”
“Ladies and gentlemen, I think the problem here is… you are all very ignorant.”

Im Jahr 1984 macht der junge Tim Burton einen Kurzfilm namens Frankenweenie für Disney über einen Jungen, der seinen toten Hunden wieder zum Leben erweckt. Der Film war so erfolgreich, dass Burton gefeuert wurde. 28 Jahre später macht Tim Burton den gleichen Film erneut, nur länger, in Stop-Motion und Schwarz-Weiß – und erneut für Disney. Es zeigt schön, wie weit Tim Burton gekommen ist und wie Leidenschaftsprojekte es trotz widriger Umstände schaffen können, realisiert zu werden. Burton kehrt somit in seine Vergangenheit zurück und das überaus erfolgreich. ‘Frankenweenie’ ist ein visuell bestechender, leidenschaftlich geschriebener und mit Herzblut gemachter Film.

Viktor Frankenstein ist ein kleiner Junge und lebt mit seiner unscheinbaren Familie in der Vorstadt. Viele Freunde hat der kleine Nerd und Wissenschaftler in spe bis auf seinen treuen Hund Sparky jedoch nicht und somit lebt er ein glückliches, aber einsames Leben. Das stört ihn nicht, denn immerhin tut er das, was er am liebsten mag. Doch seine Eltern sehen darin eine Bedrohung und zwingen ihn dazu Sport auszuprobieren. Als Sparky bei einem Baseballspiel tödlich verunglückt, bricht für den jungen Viktor eine Welt zusammen. Sein neuer Physiklehrer Rzykruski, der die Kinder für einen Wissenschaftswettbewerb ermutigt, bringt Viktor jedoch auf eine verrückte Idee. Also gräbt Viktor Sparky aus, flickt ihn zusammen und erweckt ihn mit Hilfe eines Blitzes wieder zum Leben. Doch Viktors neu gewonnenes Glück ist erst der Anfang einer ganzen Reihe von Problemen.

Eine morbide Geschichte über einen Jungen, der sein Haustier ausgräbt und wieder zum Leben erweckt hat es nicht leicht bei Eltern, die mit ihren Sprösslingen am Wochenende mal dem Kino einen Besuch abstatten wollen. Man füge das Nischengenre Stop-Motion-Animation hinzu und drehe den Film noch in Schwarz und Weiß und fertig ist der Marketingclusterfuck. Doch wer sich traut eine Karte zu kaufen, wird mit Burtons Magie aus vergangener Zeit belohnt, die vor allem im Subtext überraschenderweise viel zu sagen hat.

Allen voran steht dort der ausländische Lehrer im Vordergrund, der die Wissenschaftsignoranz und den Hass in der amerikanischen Gesellschaft abstößt. Als er da der versammelten Elterngemeinschaft sagt, dass sie dumm sind, ist das einer der Momente des Films. Dass er dann von seinem Posten gefeuert wird, ist es John Augusts Abrechnung mit dem Stillschweigen des Klimawandels, dem Hass der Tea Party und schlicht der dargestellten Unmöglichkeit des anders seins und dem Fragen stellen.

Während August seine Rahmengeschichte um das Loslassen geliebter Lebenspartner geschickt mit kleinen Botschaften an die großen Zuschauer spickt, verbeugt sich Tim Burton im dritten Akt vor den B-Movie-Monstern seiner Kindheit. Die Synchronisation ist authentisch und liebevoll, das 3D gerne gesehen und wirkungsvoll. ‘Frankenweenie’ ist ein wunderschöner Film, visuell und narrativ, und schlichtweg der beste Animationsfilm des Jahres. Der Oscar wäre hochverdient.