Ein Tag nach dem Ende der Late Show ist Stephen Colbert wieder im TV und endlich wieder witzig - PewPewPew - PewPewPew

Ich habe in meinen Kommentaren unter YouTube-Uploads und auf Social Media nie einen Hehl daraus gemacht, für welche große Tragödie ich die Übernahme der Late Show durch Stephen Colbert gehalten habe. Ich sollte leider Recht behalten: Seine Sendungen waren harmlos, ohne Biss und im schlimmsten Fall hochpeinlich.

Da gab es in all den Jahren sicherlich hier und da gute Ideen, aus denen verheißungsvolle Ansätze wuchsen – besonders während der Coronapandemie, während der er in diesem rudimentären Home Office Set offensichtlich mehr kreative Freiheiten genießen konnte. Am Ende passte ihm das enge Kostüm des Late Night Showmasters aber nie und das liegt nicht unbedingt an Colbert selbst, sondern an dem Medienwandel und dem Aussterben dieses Formats. Es ist jetzt nicht so als gäbe es aktuell ein gutes Gegenbeispiel. Conan hat den Weg bereits gezeigt. Das grundlegende Paradox des Showbusiness ist, dass die materiellen Voraussetzungen für “Erfolg” der Entstehung interessanter und origineller Comedy völlig entgegenstehen.

Colbert hatte von Anfang an keine guten Quoten, fing sich aber ein Jahr nach dem Start durch die erste Wahl von Trump und konnte besonders durch ein Anti-Trump-Kontrastprogramm Zuschauer*innen für sich überzeugen. Es ist aber auch eine Tatsache und Schande, dass er nun durch Paramount abgesägt wurde. Eine kommerzielle Entscheidung kann es kaum sein, wie CBS berichtet, denn Fallon und Meyers rangieren sogar noch unter ihm. Colbert kritisierte CBS’ Dachgesellschaft Paramount für eine Vergleichszahlung an Trump nach einer Rechtsklage scharf und er wurde gecancelt während des Mergers von Paramount und SkyDance Media, deren Eigentümer (David Ellision und Sohn) Trump-Fans sind und Zustimmung der Regierung suchten. Der US-Präsident veröffentlichte auch einen Tag nach dem Ende der Late Show ein KI-generiertes Video, in dem er auf die Bühne tritt und Colbert in eine Mülltonne wirft – und somit keine Fragen an der politischen Motivation offen lässt.

Es ist schade, dass mit der Late Show generell Schluss ist. Ich habe Letterman früher fast täglich geschaut, nachdem ich das US-Fernsehen für mich entdeckte. Nicht nur Colbert hört auf, die Sendung sowie die Ausstrahlung aus dem berühmten und zwischenzeitlich hübsch restaurierten Ed Sullivan Theater hören auf. Ein Zeichen unserer Zeit, des Medienwandels, sicherlich; aber auch ein Zeichen, wie politisch der Wind steht.

Colbert bleibt uns aber erhalten, das will er uns nur einen Tag nach dem Ende aber wissen lassen: Bereits 2015 – nach dem Ende des Colbert Reports und dem Start der Late Show – hostete er die Sendung Only in Monroe im Public Access TV. Die Sendung berichtet über lokale Nachrichten aus Monroe, Michigan und Colbert wirbelt da für eine Stunde alles auf. Es gibt hier sowohl witzig geschriebenen Momente als auch improvisierte, in denen Colbert in laugh-out-loud-Moments zeigen kann, dass er es noch drauf hat. Mit dabei sind Jack White als Musik-Sidekick, Steve Buscemi in einem der witzigen Einspieler, sowie Michigan-Native Eminem. Ich habe das aus Neugierde mal kurz anmachen wollen und dann doch direkt die ganze Stunde am Stück gesehen. Ganz unironisch, vielleicht wäre echt eine Art YouTube-Kanal für ihn am besten.