24 Feb, 2026 · Sascha · Film
Die moderne Creepypasta-Sage um die Backrooms, ein Ort in den man mit Videospiellogik aus der Realität glitchen kann und der sich unendlich in unterschiedlichen Formen ausbreitet, beschäftigt mich schon lange. Dank der menschlichen Reaktion mit Unbehagen auf diese liminal spaces entsteht auch ganz ohne Monster ein horrorhafter Grauen. In gewisser Weise kollidiert hier unser menschliche Erfahrung mit der Unendlichkeit und Unerklärlichkeit unseres Universums; die Existenz in diesen Schwellenräumen treibt die Figuren, die in ihnen verschollen sind, dann langsam in den Wahnsinn. In einer Folge der Kulturindustrie haben wir uns diesem Thema näher beschäftigt.
Die Backrooms gewannen als Konzept im Laufe der Jahre an Popularität und es entstanden unterschiedliche Levels. Als Teil des übergeordneten SCP-Storytellings mit mehreren Autoren sind die Backrooms ein Open-Canon-Projekt, d.h. jeder kann etwas hinzufügen. Der Ursprung der Backrooms war ein Foto eines leeren Büroraums auf 4chan. Die Wände waren alle in einer altmodischen Tapete eingekleidet, es gab einen alten, braunen Teppichboden, Einbauwände, die nicht zur Decke reichten, die Leuchtröhren an der Decke tauchten alles in ein fahles, gelbes Licht. Der Ort wirkte unwirklich und dazu machte ein ikonischer Greentext den Lore perfekt: Hier bist du gefangen, die Wände erschrecken sich Millionen Quadratkilometer weit und womöglich bist du doch nicht ganz so alleine, wie du denkst.
Das Foto war auch so ikonisch, weil es zunächst keine Originalquelle gab. Bis heute ist durch die gelöschten Archive nicht ganz klar, wann der Bild zum ersten Mal auftauchte. Dieser Lost Media Hauch verlieh diesem SCP natürlich eine besondere Note. Erst vor knapp zwei Jahren fand man das Originalbild: es stammt aus dem Jahr 2003 und es handelt sich um einer Halle in Wisconsin, die für eine RC Car Rennstrecke renoviert werden sollte. Derweil hatte sich um die Backrooms ein riesiger Hype entwickelt, der zum Erfolg führen sollte. Dahinter steckte der junge Filmemacher Kane Parsons, der mit einem Kurzfilm über die Backrooms viral ging. Parsons baute die Backrooms täuschend echt in Blender nach und verband den damals sehr populären Analog-Horor-Vibe mit der ikonischen Creepypasta. Bis heute zählte das Video 71 Millionen Aufrufe.
Parsons Erfolg animierte andere Kreative und seitdem spawnte dieses neue Interesse mehrere Onlineserien und Videospiele. Und auch einen A24-Film, der diesen Mai im Kino laufen wird – gedreht von Parsons selbst. Der inzwischen gerade mal 20-jährige Regisseur hat dafür Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett und Lukita Maxwell vor die Kamera gekriegt und der erste Teaser ist in mehrfacher Hinsicht großartig.
Zunächst wäre da der Fakt, dass die unterschiedlichen Ebenen hier allesamt mit Blender produziert worden – bis auf die letzte, finale Einstellung, die das gebaute Live-Action-Set des Films zeigt. Das digitale Internetphänomen wird hier somit real und greifbar für eine breite Masse. Das ist ein ziemlich cleveren Kniff!
Auch die Erzählung im Teaser setzt schon neue Maßstäbe. Während die meisten Backrooms-Shorts entweder ein Monster hatten oder entlos lange Welten zeigten, in die man hineinglitcht, wird hier das Lore umgedichtet: Die Backrooms sind ein Schwellenraum, der sich manchen Leuten öffnet – und der Erzähler kam auch wieder heraus! Das geschah so bisher nur in wenigen Ausnahmen. Auch die Erklärung für den Ort selbst hebt dieses Projekt auf eine neue Ebene: “This place builts them. Actually, more like it remembers them. And the more times it remembers something, the less it does.” So ähnlich sahen auch andere Autoren den Ursprung dieser Welten, doch die Prägnanz des Drehbuchs hier hat eben Hollywood-Niveau.
Es wird sehr spannend sein, wie Parsons und das kreative Team, das ihn hier unterstützt hat, dieses langjährige Gemeinschaftsprojekt durch eine singuläre Vision interpretiert und popkulturell in Form gießen wird. Meine Hoffnung ist, dass der Film auf Monster verzichten wird und den Creepiness-Faktor dem Liminal Space überlässt. So oder so freue ich mich aber auf diesen Film. Hätte ich nichts vorher gewusst, hätte mich dieser Teaser ins Orbit genuket, glaube ich. Großartig!