16 Jan, 2026 · Sascha · Film
Wie in den Jahren zuvor möchte ich nun auch wieder auf das vorliegende Kinojahr blicken und ein paar meiner Highlights vorab besprechen.
15. Mother Mary (David Lowery)
Kaum jemand fasst dieses oft zitierte Hollywood-Mantra aus “One for them, one for me” so gut zusammen wie David Lowery, dessen Karriere von Sundance bis Disney in kürzester Zeit sehr viel abgedeckt hat. So folgte auf The Green Knight, mein Lieblingsfilm 2021, Peter Pan & Wendy. Zwischen A Ghost Story und Ain’t Them Body Saints erschien Pete’s Dragon. Sein neuer Film Mother Mary stand schon letztes Jahr auf dieser Liste und markiert einen Return zu “one for me”. Natalie Portman spielt die Hauptrolle (ursprünglich war Anne Hathaway gecastet). Der Film soll ein “psychosexual pop thriller” werden, der sich um einen Popstar dreht. Damit hat Natalie Portman nach Vox Lux schon ein bisschen Erfahrung. Auf den Stoff habe ich ehrlich gesagt weniger Lust, aber ich vertraue Lowery sehr mit seinen A24-Produktionen.
14. Remain (M. Night Shyamalan)
Ein neuer Shyamanlan-Film landet natürlich automatisch auf dieser Liste. Remain hat er zusammen mit dem berühmten Buchautor Nicholas Sparks geschrieben. Die Handlung erzählt von einem Architekten, der nach dem Verlust seiner Schwester nach Cape Cod zieht, wo er auf eine mysteriöse Frau trifft und unerwartete Ereignisse erlebt, die seine Welt auf den Kopf stellen. Remain ist vorab als Buch erschienen. Erst letztens stand ich wartend vor dem Schaufenster eines Buchladens gegenüber meinem Lieblingskino in Saarbrücken, der Camera Zwo, und sah dort den Roman. Ich habe mich entschlossen, ihn vorher nicht zu lesen. Eine neue Geistergeschichte von Mr. Sixth Sense möchte ich lieber zuerst auf der großen Leinwand erleben. Jake Gyllenhaal wird die Hauptrolle übernehmen, was mich weniger überzeugt. Dessen Karriereverlauf fand ich in diesem Jahrzehnt leider echt langweilig. Dennoch ist das ein Format an Schauspieler, der genau wie Josh Harnett im letzten Jahr mit Trap jederzeit in vollem Maße zurückkehren kann.
13. Project Hail Mary (Phil Lord and Chris Miller)
Tatsächlich halte ich mir die Augen im Kino zu, wenn der Trailer für Project Hail Mary läuft. Meine große Liebe für Buch und Film von The Martian ist im Blog wohl dokumentiert und der erste neue Film von Phil Lord und Chris Miller nach Solo – A Star Wars Story ist sowieso direkt auch ein Highlight. Ich habe das Buch gelesen und bin daher sehr gehypet, ein absoluter Pageturner par excellence. Ich möchte mir dieses visuelle Erlebnis komplett fürs Kino aufbewahren. Gosling natürlich auch ein Faktor hier.
12. Artificial (Luca Guadagnino)
Dass Guadagnino weder für Challengers oder Queer in irgendeiner Weise größere Anerkennung in der damaligen Awards-Season bekam, halte ich immer noch für einen regelrechten Skandal. Klar, After The Hunt (nicht gesehen) kam jetzt nicht so gut weg in diesem Jahr, aber Andrew Garfield als OpenAI-CEO Sam Altman hat das Potenzial zu einem neuen The Social Network. Alleine deshalb steht das hier auf der Liste. Wenn der Film genügend Biss entwickelt, könnte er gut für das Gemeinwohl werden. Abwarten!
11. The History of Concrete (John Wilson)
“After attending a workshop on how to write and sell a Hallmark movie, filmmaker John Wilson tries to use the same formula to sell a documentary about concrete.” Bei dieser Sundance-Logline lache ich schon jetzt alleine bei der Vorstellung laut auf! HBOs Serie How To with John Wilson war jedes Mal wie eine grandiose Wundertüte und der wirklich singuläre Blick Wilsons ist noch so frisch, dass dieser Jump to the Big Screen für mich riesiges Potenzial innehat.
10. Wildwood (Travis Knight)
Gerade gestern ist der erste Teaser für Wildwood erschienen. Der neue Laika halt: automatisch auf der Liste, klar. Aber auch weil es der erste Film von Laika ist seit der GenAI-Explosion ist und spannenderweise konzentriert sich auch dieser First Look nicht so sehr auf die Story oder Charaktere, sondern die Handarbeit und Stop-Motion-Effekte der Firma. Das ist ein Statement.
9. Resident Evil (Zach Cregger)
Ich bin nicht der größte Fan von Resident Evil. Zwei Erinnerungen prägten meine frühen Begegnungen: Einmal erschrak mich mein Cousin fast zu Tode, weil er mir das Intro mit den Hunden ohne Vorwarnung zeigte – hatte ich schon direkt kein Bock mehr drauf und bis heute meide ich fast alle Horrorspiele. Später dann die Realisierung, dass es sich nicht nur um Zombies dreht, sondern auch andere Monster im Spiel vorkommen. Hä, was soll das denn? Außerdem mochte ich Zombiemutationen als Konzept noch nie! Trust me: I know I’m missing out! Ich habe genügend Playthroughs gesehen, um ein rudimentäres Verständnis zu haben und genügend Filme gesehen, um zu wissen, dass Zach Creggar da wohl einen neuen Ansatz gehen wird. Resident Evil fühlt sich jetzt nach den Erfolgen mit Barbarian und Weapons wie ein großer Test an: Kann Creggar auch Big Budget? Mit Kameramann Dariusz Wolski neu an der Seite wird in Prag im Wintersetting gedreht, sich dabei auf den Outbreak des Virus konzentriert und Austin Abrams, der die Hauptrolle spielt, soll nur ein normaler Lieferbursche im Chaos sein. Darauf habe ich dann direkt riesigen Bock. Die Spiele sollen Spiele bleiben, Creggar will eine neue Story erzählen und orientiert sich dabei an Resident Evil 2 und 3 – das wird, oder?
8. Disclosure Day (Steven Spielberg)
Der Teaser Trailer zu Disclosure Day hat mich noch nicht überzeugt. Das fängt eigentlich schon beim Filmtitel an und hört bei Kaminski als Kameramann auf. Aber: Es ist der neue Spielberg und es geht wieder um Aliens. How could I not? Come on.
7. The Dog Stars (Ridley Scott)
Es nervt mich, dass Ridley Scott in den letzten Jahren irgendwie so ein bisschen von Filmtwitter-Trolls belächelt wird. Klar, Gladiator II war schon nicht gut und auch Napoleon packte mich nicht, aber die Arbeitsmaschine liefert da einen großen Kracher mit Epos-Ansatz nacheinander heraus und das ist schon bemerkenswert, ich finde es sogar sehr bewunderswert. Wenn er nichts drehen würde oder für die Zukunft planen würde, würde er wohl auch morgen tot umfallen – so ist mein Eindruck. Und wer mit gefühlt manchmal Autopilot auf diesem Level abliefern kann, der verdient immer meine Aufmerksamkeit. Bei The Dog Stars ist es aber nicht nicht nur Scott, der mich anzieht. Die postapokalyptische Vorlage von Peter Heller wurde von Mark L. Smith und Christopher Wilkinson adaptiert und wird Jacob Elordi, Margaret Qualley, Josh Brolin, Guy Pearce und Benedict Wong in den Hauptrollen haben. Das ist genau mein Wetter. Ich habe in den letzten zwei Wochen die beiden Serien von The Revenant-Autor Smith aus dem letzten Jahr, American Primeval und Untamed, nachgeholt und glaube, dass so ein postapokalyptischer Western aus seiner Feder und von Scott inszeniert total in meiner Top 10 am Ende des Jahres landen wird. Ich kann mich auch erinnern, dass ich das Buch in einem Laden sah, als ich selbst an einem ablegenden Ort in den USA lebte und mich der Stoff schon damals reizte.
6. Dune: Part Three (Denis Villeneuve)
Der Hype um Dune: Part Two war riesig und ich bin sehr gespannt, wie a) Villeneuve Messiah und eventuell wohl auch Children of Dune hier zu einem Film verarbeiten wird und b) wie das bei dem Mainstreampublikum ankommen wird. Ich glaube, das könnte für heftigen #discourse sorgen und hoffe darauf. Ansonsten bitte mehr Space, mehr Space Guild und Robert Pattinson. Enorme Fallhöhe, wird Villeneuves weitere Karriere bestimmen. Ich hoffe auf einen riesigen Erfolg und einen blank check, sodass er endlich Rendezvous with Rama macht, der Film für den er geboren wurde.
5. The Odyssey (Christopher Nolan)
Der neue Nolan halt. Der erste Film, der komplett mit IMAX-Kameras gedreht wurde. Enormer Cast, epische Story, alles echt. Das wird schon ein richtiges Event wieder, denke ich.
4. Flowervale Street (David Robert Mitchell)
Flowervale Street ist der neue Film von David Robert Mitchell, der mit It Follows und Under The Silver Lake zwei meiner Lieblingsfilme des letzten Jahrzehnts geschrieben und gedreht hat. Nach knapp einem Jahrzehnt geht es nun nach dem finanziellen Misserfolg endlich wieder bei Bad Robot mit einem Science-Fiction-Film weiter, der Anne Hathaway und Ewan McGregor als Familie vereint. Der Plot soll sich um mysteriöse Vorkommenisse in einer Nachbarschaft in den Achtzigerjahre drehen. Dinosaurier, bizzare Ereignisse und Zeitreise sollen irgendwie eine Rolle spielen. Leute, muss ich mehr sagen? Amblin-Vibes – I’m sat!
3. The Adventures of Cliff Booth (David Fincher)
Das Wort, welches mein Gefühl hier am meisten beschreibt, ist Neugierde. Wie fühlt es sich an, wenn Quentin Tarantino nicht wieder selbst Regie bei einem seiner Drehbücher führt. Wo steht David Fincher nach einem Jahrzehnt Netflix(-Slop? Spaß! Oder?) und was geht da noch? Hätte man dieses perfekte Ende nicht besser für sich stehen lassen sollen? Fragen über Fragen.
2. The Way of the Wind (Terrence Malick)
Nach einem extrem produktiven letzten Jahrzehnt wurde es still im Terrence Malick. Um seinen nächsten Film ranken sich seit vielen Jahren recht viele Mythen. Kurz vor der Coronapandemie erschienen Berichte, dass er in Island und Italien einen Film über Jesus drehte – in gewisser Weise wohl Malicks Lebenswerk. Der französische Schauspieler Mathieu Kassovitz ist mit von der Partie und sagte in einem Radiointerview, dass Malick täglich bis zu fünf Stunden Filmmaterial sammelte. Bis heute soll er sich im Schneideraum mit den über 3000 Stunden einbefunden haben und am Film werkeln. Hoffentlich erblickt dieser Film endlich dieses Jahr das Licht der Welt.
1. 28 Years Later: The Bone Temple (Nia DaCosta)
28 Days Later ist mein Lieblingsfilm des letzten Jahres. Nach mehrmaligem Schauen besteht kein Zweifel mehr für mich, dass Danny Boyle ein neues Meisterwerk geschaffen hat und er nach T2: Trainspotting der unangefochtene King der Legacysequels ist. Das liegt aber auch an dem mutigen Drehbuch von Alex Garland, dessen kompromisslose Suche in The Bone Temple auf wohl noch krassere Momente und Tiefen stoßen wird. Der Trailer steht dem ersten zumindest in wenig nach und der eigentlich Bone Temple sowie sein Bewohner waren im ersten Teil eben auch das Highlight. Ich habe sooo Bock!!
2024 US Releases, die bei uns später kommen und natürlich geschaut werden: Marty Supreme, Hamnet, Nouvelle Vague, Blue Moon
Bockt, hauptsächlich wegen den Regisseuren: Cliffhanger (Jaume Collet-Serra), Send Help (Raimi), Hope (Na Hong-jin), Ink (Danny Boyle), October (Jeremy Saulnier), Whitney Springs (Trey Parker), Bucking Fastard (Werner Herzog), Werwulf (Robert Eggers), I Want Your Sex (Gregg Araki)
Mal gugge, aber eher mittelgroße Zweifel: Digger (Iñárritu), Ghostwriter (Abrams), Narnia: The Magician’s Nephew (Gerwig), The Entertainment System Is Down (Ruben Östlund), zi (Kogonada), Her Private Hell (Nicolas Winding Refn), Teenage Sex and Death at Camp Miasma (Jane Schoenbrun), The Hunger Games: Sunrise on the Reaping (Francis Lawrence), Masters of the Universe (Travis Knight), The Death of Robin Hood (Michael Sarnoski)
Hoffentlich geil: Coyote vs. Acme (Dave Green), The Backrooms (Kane Parsons), Scream 7 (Kevin Williamson)
Hau mir ab: das Anthony Bourdain Biopic Tony (Matt Johnson), “Wuthering Heights” (Emerald Fennell), Avengers: Doomsday (Die Russo-Brüder)