Disney Star Wars klaut wieder bei Fans - PewPewPew - PewPewPew

 

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Es ist wieder passiert: Der Regisseur des Fanfilms Dark Jedi bemerkte zwei Jahre nach der offiziellen Veröffentlichung der Serie, dass die siebte Folge der zweiten Staffel von Star Wars: Visions seine Choreographie aus einem Lichtschwert-Duell nicht nur eins zu eins kopierte. Shot. For. Shot.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich neue Star Wars Inhalte bei den Fans bedienen. Über Jahre hinweg wurde in mehrfachen Marvel-Comics entdeckt, dass 3D-Assets und Fan-Modelle online einfach von den Comic-Künstlern abgepaust wurden oder andersweitig verwendet wurden. Lustigerweise oft fehlerhaft, was den Spürhunden die Arbeit sogar leichter machte. So wurden zum Beispiel die Pegs von 3D-Druck-Modellen mitabgezeichnet.

Für mich ist solch ein Fall selbst also wenig neu und überraschend, aber dennoch schockierend. Ich finde es nämlich wirklich beachtlich, dass bei so einer einmaligen Chance, in diesem Universum schöpferisch tätig zu werden, bei anderen bedient wird. Es ist schlicht traurig. Es gibt Leute, die würden für diese Chance alles hergeben. Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Da ruft dich Disney an und dir fällt nichts Besseres ein als die Hausaufgaben bei wem anderes abzuschreiben? Eine kreative Bankrotterklärung. Es ist beschämend.

Hinter der Visions-Folge steckt das indische Animationsstudio 88 pictures, Regie und Drehbuch stammen von Ishan Shukla. Lorenz Hideyoshi, der deutsch-japanische Regisseur von Dark Jedi, wird jetzt in den Kommentaren von empörten Fans nahegelegt, Disney zu verklagen. Das sollte er nicht versuchen. Ich bin kein US-Copyright-Experte, aber Anderson v. Stallone, der Fall zu Rocky IV, kommt mir dabei in den Sinn.

Grundlegend ist es so, dass Disney natürlich das Urheberrecht für Star Wars besitzt. Theoretisch könnten die zahlreichen, gut bezahlten Anwälte der Maus jeglichen Fanfilm aus dem Orbit nuken. Das tun sie natürlich nicht; Lucasfilm toleriert diese Fanamibtionen nicht nur, sondern feierte sie sogar mit den Lucasfilm Fanfilm Awards, die erst 2018 eingestellt wurden. Und, auch problematisch: Der 2019 veröffentlichte Fanfilm Dark Jedi von Hideyoshi hat zwar in den Kommentaren die typischen Buzzwods als Anmerkungen stehen (non-profit, unofficial, no commercial use, etc.), aber das Video auf YouTube zeigt trotzdem Werbung an. Es wird also Geld damit verdient. Ist die Choreographie nun das geiste Eigentum Hideyoshis? Sicherlich. Aber Disney hätte hier natürlich ein leichtes Spiel vor Gericht.

Die Schuld liegt auch weniger direkt bei Disney, sondern bei Shukla, dessen Produktion schamlos dieses Werk kopiert und für ihr eigenes ausgab. Dennoch trägt auch Disney eine gewisse Verantwortung. The buck stops somewhere. Müssen jetzt vorher alle Fanfilme abgegrast werden, um in der Qualitätssicherung künftig solche Fälle auszumerzen? Sicherlich nicht, aber es ist eben ultimativ schon eine Konsequenz der Contentplanung des Konzerns. Visions klingt auf dem Papier nach einem tollen Experiment, aber man lädt auch in der Breite eine weniger kontrollierbare Masse an Schöpfern in die Contentmaschinerie ein. Dieses Risiko führt dann zu solch peinlichen Momenten, die dem Ansehen von Star Wars als Marke in den Augen vieler Fans weiterhin schadeb und gleichzeitig die Mär vom “fans tell it best”-Narrativ nähren.