Ich würde den Jurassic World Rebirth Trailer wirklich gerne mehr mögen - PewPewPew - PewPewPew

Eigentlich wollte ich meine kongeniale Trailer-Analyse bereits wenige Minuten nach der Veröffentlichung der ersten Bewegtbilder von Gareth Edwards’ Jurassic World-Fortsetzung posten. Doch dann entschied ich mich, lieber eine Nacht darüber zu schlafen. Aus einer Nacht wurden zwei. Nun, hm. Vielleicht sollte ich erst einmal erklären, woher ich komme.

Ich liebe Jurassic Park. Auch 30 Jahre später ist der Film eine cineastische Wucht. Und natürlich freue ich mich auf das Soft Reboot bzw. den Start der neuen Trilogie. Aber nach Dominion war erstmal gar kein Benzin mehr im Fantank drin – alles leer gesaugt. Auch einige Extra-Sequenzen konnten diesen Schlamassel am Ende nicht fixen.

Doch wie die Engländer wissen: Absence makes the heart grow fonder. Und drei Jahre später kann man einige Fehltritte auch eher verzeihen und ist bereit auf etwas Neues (Watch and learn, Lucasfilm). Insofern stieg mein Hype-Level im letzten Jahr immens und dafür gibt es einige gute wie namhafte Gründe (selbst wenn viel Skepsis nach dem Heuschrecken-Blödsinn noch vorhanden war): Drehbuchautor David Koepp kehrt zurück. Gareth Edwards übernimmt die Regie. Scarlett Johansson spielt die Hauptrolle. Mahershala Ali endlich wieder im Kino.

Ich genoss die On Location Teases von Produzent Frank Marshall sehr, während Gerüchte um “Jurassic City” als Titel verwirrte. Jurassic World Rebirth ist nicht perfekt, aber zweckdienlich auch wenn eine namentliche Abgrenzung trotz verständlicher brand becognition gut getan hätte. Wenn schon Wiedergeburt, dann bitte richtig.

Plot-Details umschiffte ich größtenteils erfolgreich, doch als hartnäckige Dino-Leaks über mutierten Freaks die Runde machten, musste ich erinnert an frühere fürchterliche JP4-Pläne von Mensch-Dino-Kreuzungen mit der Nase rümpfen. Als die ersten Details um den Heist-Plot und farbenfrohen Bilder der Hauptfiguren erschienen frohlockte ich, das ging wohl doch in eine andere Richtung. Right? Nun war er da, der langersehnte Trailer.

Das Wichtigste zuerst: Ich freue mich immens und finde, der Film hat viele tolle Momente, die mein Fanherz höher schlagen lassen. Ebenfalls wichtig: Der Film sieht gut aus. Immerhin das! Oder wie Pew-Freund Nikolas in den DMs schrieb: The Gareth Guarantee. (Darüber lache ich immer noch but it’s true! Emphasis mine.)

The Boys Are Back

Dazu die guten Dino-Nachrichten: Der neue Rex sieht super aus, wohl die beste Schnauze seit dem Original, wenn nicht sogar noch besser. Der Mosasaurus bleibt uns erhalten. Spinochads rejoice, our boy is back and he’s not alone! (Auch wenn sich da jetzt dummerweise um das Design gestritten wird…) Ganz am Rande völlig untergegangen in der Fandom-Rezeption: Dilophosaurus ist ebenfalls wieder da – nicht als Hologramm, nicht kurz vor knapp als Gag. Die Raft-Szene aus dem Buch (und Original-Drehbuch) wird adaptiert (Der Dilo bestätigt es, hätte Koepp es nicht selbst bereits im Vanity Fair Artikel angekündigt). Titanotosaurus, Quetzalcoatlus und Raptoren – gotta have the staples! Okay, gut.

Wenig Neues, Wenig Wow

Vielleicht liegt die Enttäuschung ein bisschen daran, dass die gezeigten Bilder größtenteils nur eine Weiterentwicklung der bereits teilweise vor Monaten veröffentlichten promo stills. Mahershala Ali mit der Fackel? Cool, aber das kennen wir nun jetzt schon etwas länger. Dazu wollen viele der Bilder groß wirken, aber so richtig umhauen tut mich kein einziges. Ich bin auch ein wenig anders als viele Dino-Fans: Ich brauche neben der Tiere leider auch etwas Park-Architektur, das fehlt hier bisher in der etablierten Ikonografie. Und das, was wir sehen, wirkt aus der Zeit gefallen. Zu viel High-Tech für die späten Achtziger/frühen Neunziger. Dieser anachronistische Look ist im Jeep, in den Labor-Szenen sehr evident leider.

Auch schade: Die anhaltende Überzeugung der kreativen Schöpfer, dass die menschlichen Bewohner einer jurassic world nicht mehr in die Museen oder Parks gehen würden, wenn überall Dinosaurier frei herumlaufen würden. Die kürzlich erschienene erste Staffel von Chaos Theory war da weitaus kreativer und schuf z.B. ein Dorf, in dem die verkehrte Welt herrscht. Dort zäunen sich die Menschen von den Dinosauriern ab und wollen so Sicherheit und ein wenig Nostalgie besserer Zeiten garantieren. Wenn ein Park keine Innovationen schafft, in Ordnung,  da kann ich die Stagnation als Plotpunkt runterschlucken, suspension of disbelief whatever. Aber freie Dinos? Leute, es gibt Millionen Ornithologen jeder Altersgruppe!

Secret Islands all the way down

Dazu vermisse ich die Hawaiianischen Berghänge der Kualoa Ranch. Insel-Setting top, aber diese südostasiatischen Tropen passen für mich weniger zum Vibe. Der Vibe-Killer für, but you’re mileage might vary here: Secret labs all the way down! Diese neue Insel soll wohl nahe Barbados liegen. Wie viel Sinn macht es, Dinosaurier literally in einem anderen Ozean zu entwickeln? Mit Isla Sorna hatte man bereits eine Entwicklungsinsel – wieso eine weitere? Ich meine, ich kann mir die Gründe bzgl. kreativer Freiheit dahinter schon denken, aber hier hätte sich sicherlich ein selbst für eingeweihte Fans weniger verwirrender Weg finden lassen. Das Lore bietet da viele Möglichkeiten. Videospiele wie Trespasser führten Site C ein. Es gibt die Cinco Muertes, wieso nicht diesen Soft-Canon nicht nutzen wie bei Mount Sibo in Fallen Kingdom? Und wie passt Lockwood’s Sanctuary hier in diese Rechnung? Alles noch nicht so wirklich klar.

The Big Bad (Problem?)

Das Wichtigste zum Schluss: WTF ist das denn? Was soll das? Oh, ich habe echt kurz daran gezweifelt, ob ich das machen kann. Aber erstmal: Ich mag die Idee von gescheiterten Dino-Freak-Experimente, aber nur, wenn man das richtig framet. Wenn dieser D-Rex, wie ihn das Fandom inzwischen taufte, auftritt, dann darf das kein weiterer Indominus Rex, kein Scorpios Rex oder Indoraptor sein. Wenn man Crichton folgt, und das wird Koepp, dann wird die Tragik des ganzen monströsen menschlichen Unterfangens in der Existenz dieser Kreatur verkörpert werden. Und daher muss der erste Kontakt sich falsch anfühlen, er muss schocken.

Ich merke deutlich, dass ich den D-Rex immer mehr mag, desto mehr von ihm sichtbar wird und je mehr ich darüber nachdenke. Rancor, Xenomorph, und der Belugawal dienen als Inspiration, doch am Ende muss diese Figur selbst überzeugen. Die Dinosaurier des Jurassic Park Franchises waren schon immer Mutanten, Kreationen gestützt auf Frosch-DNA-Sequenzen, um eine unnatürlich Rückkehr möglich zu machen. Auch sie sind keine “echten” Dinosaurier, entsprachen jedoch in ihren Ähnlichkeiten mit etablierten Illustrationen bekannten Spezies. Der D-Rex ist aber eine komplette Neuschöpfung und sieht nicht richtig aus. Das ist gewollt. Wenn es Edwards gelingt, die Tragik im Tod dieser Fehlbildung und dadurch die menschliche Hybris wieder in den Vordergrund zu stellen und Crichtons Techno-Noir-Thriller-Elemente zu betonen, dann kann das alles doch gelingen. Wenn auch vielleicht mit Abstrichen. Gut, dass ich eine Nacht drüber schlief.