Die 30 Minuten Bullyparade vor TV total, noch bevor Raab fast täglich die Late Night bei ProSieben übernahm, gehörten für mich fest zur Montagabendplanung in meiner frühen Jugend. Ich mochte diese Truppe schon lange vor den großen Kinoerfolgen und fand es schade, dass die große Popularität zu weiteren Filmprojekten statt zu mehr Folgen der Sendung führte, die dann auch ein jähes Ende fand.
Das ist zumindest das, woran ich mich erinnere. Mein persönlicher Bullykanon besteht aus vielen kleinen unbekannten Sketches, die heute niemand zitiert. Woran ich mich auch gerne selbst erinnere, ist, dass die Bullyparade ein bezeichnendes Produkt ihrer Zeit war, in der Parodien von Schwulen an der Tagesordnung standen, die zwar in der Mediengesellschaft angekommen waren und toleriert wurden, jedoch nur als Projektionsfläche für den vermeintlich spaßig gemeinten Spott des Hetero-Mainstreams. Im Sinne von “Ich habe kein Problem mit Schwulen, aber zu nahe kommen mögen sie mir bitte nicht.”
Den Bullyparade-Film von 2017 habe ich gar nicht erst geschaut, es interessierte mich nicht, wie man womöglich mit dieser Thematik umgehen möchte. Den Rest vermisst auch niemand und trotz des gigantischen Erfolgs überlebte popkulturell wenig bis auch nur in die späten Zweitausender. Von Bullys weiteren Projekten fand ich kein einziges spannend, besonders das gänzlich enervierende und schlicht über weite Strecken extrem langweilige LOL fand in Deutschland logischerweise großen Gefallen, keine Überraschung selbstverständlich.
Nun soll es mit Das Kanu des Manitu auch für einen der größten Nachkriegshits der deutschen Kinogeschichte ein Legasequel geben. Jetzt zeigen auch wir Deutschen, dass wir uns für seelenlose Fortsetzungen nicht zu schade sind. Der einzige interessante Punkt für mich ist, dass der Trailer uns Winnetouch noch ausspart. Will man Fans hier teasen oder sich den Shitstorm der queeren Gen Z-Tiktoker erst für den Release aufheben?
Insgesamt mutet das Projekt zynisch und anachronistisch an. Mehr als die typisch viel zu verspäteteten Sequels versinkt dieser cash grab nicht nur in Nostalgie, sondern fällt durch sein Genre des Westerns, der zu Zeiten der Bullyparade durch Gen X Bud Spencer Ultras wenigstens noch eine gewisse TV-Tradition pflegte, doppelt aus der Zeit und wirkt altbacken, genau wie die abgehalfterten “Stars” und erwartungsgemäß unsäglichen Cameos.