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Noah Kalina über Langzeitprojekte

18 Mar, 2026 · Sascha · Kunst

Der Fotograf Noah Kalina ist wohl am besten für sein Projekt Everyday bekannt, für das er jeden Tag ein Selfie macht – sogar die Simpsons haben ihn parodiert. That guy made it. Das Ding ist aber: Obwohl das Projekt schon über 25 Jahre alt ist, gibt es ein paar Dutzend Tage, für die er keine Fotos hat. Mal rauchte eine Festplatte ab, mal hat er es schlicht vergessen, dann war eine Reise schuld. Angesichts tausender Fotos nicht ein riesiges Problem, aber doch irgendwie ärgerlich, oder?

Kalina ist nebenberuflich ein großartiger Hobby-Philosoph, dessen Newsletter ich abgöttig liebe. In seinem neuesten Eintrag “Missing Days” erzählt er vom Besuch einer Ausstellung des Performancekünstlers Tehching Hsieh und wie ihn die fehlenden Tage in dessen Langzeitprojekte inspirierten.

Long-duration projects are not science experiments. The rules you set at the beginning are a promise you make to yourself, not a law of physics. Life will negotiate with those rules whether you want it to or not. You will be asleep. You will be late. You will lose a hard drive. You will cross the international dateline on a ship and the calendar will just skip a day. The project continues anyway because the project is bigger than any single day.

Nothing is perfect.

I always believed this. I just needed to see it confirmed by a true master of the medium.

Da ich seit über einem Jahr wieder täglich blogge, kann ich diese Gedanken sehr gut nachvollziehen. Einen Tag habe ich zwar noch nicht komplett verpasst – Ideen für einen Post habe ich eigentlich immer -, aber an gut einem Dutzend Tagen ging der Beitrag dann doch erst am nächsten Tag online. Mal bin ich eingeschlafen, mal war die Arbeit zu viel, manchmal fehlte einfach die Lust. Aber am Ende stimmt das schon alles so. Darum geht es ja eh nicht.

Mein Freund Lucas Barwenczik ist Filmkritiker und Podcaster, und wir haben schon öfter nach Aufnahmen über dieses Gefühl gesprochen, den eigenen Beitrag irgendwie vergeigt zu haben. Vielleicht war man nicht ganz auf der Höhe, fand nicht die richtigen Worte oder hatte zu wenig Zeit zur Vorbereitung – whatever. Am Ende sind wir aber eigentlich immer zu der Überzeugung gekommen, dass diejenigen, die einen anhand so einer einzelnen Performance übermäßig judgen, ohnehin falsch liegen und das meist aus eher fragwürdigen Motiven tun. Aber egal, denn beim nächsten Mal wird es besser. Nothing is perfect. The project is bigger.