the interview bound3

Der Sony-Hack ist ein schwieriges Ding. Oder zumindest die Frage, wie man mit den Informationen als Journalist und Blogger umgeht. Ich habe mich auf Grund der illegalen Natur der Beschaffung der Informationen hier auf PewPewPew bisher überhaupt nicht damit auseinandergesetzt, weil ich mir hier schwer tue und ich sowieso hier nicht über diese Art von “News” berichte.

Auf der einen Seite kann ich es verstehen, dass Journalisten es als ihre Aufgabe betrachten, Filmneuigkeiten aus diesem Batzen an Informationen zu Meldungen zu formen. Es besteht immerhin ein aufrichtiges Interesse beim Publikum. Gleichzeitig fand ich es aber höchst befremdlich, wie selbst eMails und höchst private Sachen so vergnügt von den Trades verbreitet wurden. Mit einem gehässigen Lächeln. Es ist abscheulich, wie darüber teilweise berichtet wurde.

Das kann man ignorieren, doch der Hack hat auch Auswirkungen auf die Filme, die das Publikum sieht – und dies es nie womöglich nie sehen wird, weil sie nicht gedreht werden. Man muss sich daher auch mal als unbeteiligter Filmfan bewusst werden, dass neben den vielen persönlichen Schicksalen und Problemen (Social Security Numbers, Handy-Nummern, Gehaltszahlungen, etc.) auch die Filmwirtschaft selbst darunter leidet.

Studios sollen Sachen diskret diskutieren dürfen. Sie sollen Ideen entwickeln. Nur wer antreibt, kommt am Ende bei einem Produkt an, das man vorzeigen kann. Dass man nun Angst haben muss, dass jede dumme Idee ständig an die Öffentlichkeit geraten kann und Erwähnung findet, Karrieren verändern oder zerstören kann, ist eine Schande und eine weitere Barriere für die kreative Freiheit. Diese Einschränkungen unterstützen ganz aktiv die sicheren Schienen, die Hollywood und die Kultur Tag für Tag mehr franchisieren. (-> The Birdcage)

Während für eine öffentliche Diskussion der Causa Sony-Hack durchaus einen legitimen Platz in unserer Mitte haben sollte, dürfen wir jedoch eines nicht tun. Wir dürfen uns nicht von kriminellen Machenschaften in unserer Freiheit einschränken lassen. Das hat Sony heute getan. The Interview, die Komödie mit Seth Rogen und James Franco über die Ermordung von Kim Jong-Un, kommt nicht mehr ins Kino.

Das erfolgt nachdem die Hacker, die “Hüter des Friedens” (höchstwahrscheinlich nordkoreanische Regierungshacker), zunächst von einem “Weihnachtsgeschenk” sprachen und dann gestern mit Ereignissen drohten, die an 9/11 erinnern würden. Zunächst sagten Seth Rogen und James Franco alle Auftritte ab, dann wurde die Premiere ebenfalls abgeblasen und nun das:

“In light of the decision by the majority of our exhibitors not to show the film The Interview, we have decided not to move forward with the planned December 25 theatrical release. We respect and understand our partners’ decision and, of course, completely share their paramount interest in the safety of employees and theater-goers.

Sony Pictures has been the victim of an unprecedented criminal assault against our employees, our customers, and our business. Those who attacked us stole our intellectual property, private emails, and sensitive and proprietary material, and sought to destroy our spirit and our morale – all apparently to thwart the release of a movie they did not like. We are deeply saddened at this brazen effort to suppress the distribution of a movie, and in the process do damage to our company, our employees, and the American public. We stand by our filmmakers and their right to free expression and are extremely disappointed by this outcome.”

Read that again.

Let it sink in.

Heute ist einer der offiziell bizarrsten und dunkelsten Tages des Kinos. Das meine ich genau so und da braucht man nicht mehr viel dazu zu sagen. Es klingt pathetisch, aber es ist so: die Terroristen haben gewonnen. WTF?

Und während ich den Artikel gerade geschrieben habe, hat New Regency ein Dark Comedy Projekt mit Steve Carrell namens Pjöngjang in die Tonne gekickt, das die weirden Erlebnisse eines Karikaturisten erzählt hätte, der ein Visum über zwei Monate erhielt. What the fuck is going on?

Savages ‘Fuckers’ from Pulse Films on Vimeo.

[Update:] Holy fucking shit. Sony hat gerade bekannt gegeben, dass sie nicht planen, den Film jemals – VOD oder DVD – zu veröffentlichen.

“Sony Pictures has no further release plans for the film,” a spokesman said Wednesday.

What the actual fuck?

  • Was für eine scheiße. Ich hatte nicht mal große Hoffnungen, dass der Film besonders gut wird. Aber darum geht es hier ja gar nicht (mehr).

    Irgendwie hoffe ich ja doch noch darauf, dass das alles ein riesiger PR-Stunt für den Film ist…

  • CarFreiTag

    Große Kacke, aber irgendwann über irgendwelche dubiosen Kanäle wird es den Film dann geben – nur hilft dass dann auch niemanden.
    Im Endeffekt bin ich sprachlos. Mehr als “Große Kacke” fällt mir da nicht wirklich ein.
    Obwohl es nicht sein wird, aber könnte rein theoretisch ein anderes Studio einspringen und sagen: “Wir verleihen den Film – jetzt erst recht!”?

  • Fuck, unglaublich. :/

  • Irgendwie findet der Film schon den Weg ins Netz. Dann wird er eben so geschaut…

  • Pingback: Sony will The Interview nun doch veröffentlichen - PewPewPew()