Review - PewPewPew

‘Chronicle’ Review

04 Sep, 2012 · Sascha · Film,Review · 1 comment

Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Josh Trank
Drehbuch: Max Landis
Darsteller: Dane DeHaan, Michael B. Jordan, Alex Russell, Michael Kelly
Länge: 83 Minuten
FSK: 12
Kaufen: Chronicle ist hier erhältlich. (Amazon-Partnerlink)

Auf dem Papier ist ‘Chronicle’ Standardware aus Hollywood, wie wir sie aus den Nullerjahren gewohnt sind. Teenager, Superkräfte, Love Interest. Alles da, alles dutzende Male gesehen. Doch dank Max Landis’ gutem Drehbuch und Tranks leidenschaftlicher Umsetzung des Found-Footage-Ansatzes gelingt dem Film das, was vielen Superheldenfilmen fehlt: echter Tiefgang.

Andrew hat es nicht leicht: In der Schule gilt er als Loser, sein einziger Freund Matt gibt sich nur mit ihm ab, weil er mit ihm verwandt ist. Dazu ist seine Mutter ist todkrank und sein Vater, überfordert mit der Krankheit seiner Frau und seinem entfremdeten Sohn, wendet sich dem Alkohol zu. Andrew beginnt sich zu wehren und kauft sich eine Kamera um die Misshandlungen seines Vaters an ihm aufzuzeichnen. Als er, Matt und Schulsprecher Steve eine Höhle nahe einer Party im Wald finden, verändert sich das Leben der drei radikal. Die Tagline ‘Boys will be boys’ könnte nicht treffender sein, denn Andrew, Matt und Steve benutzen ihre neugewonnen Superkräfte nicht für die Verbrechensbekämpfung, sondern zum Spaß im Supermarkt.

Insbesondere Andrew ist anders als andere Superhelden. Er will weder den Tod seiner Eltern rächen, noch das Mädchen von nebenan gewinnen. Er will eigentlich nur ein normales Leben. Und das erhält er durch seine Fähigkeiten. Doch auch wenn sein Leben sich durch neue Schulfreunde und Klamauk im Supermarkt kurzzeitig verbessert, bleibt sein soziales Umfeld konstant. Sein Vater schlägt ihn weiterhin, in der Schule wird er weiterhin gemobbt – auch wenn er sich jetzt brutal und schockierend wehren kann – und bei den Mädels blamiert er sich, wofür ihn sogar seine engsten Freund schikanieren, was ihn noch weiter an den sozialen Rand treibt.

Während sich ‘We Need To Talk About Kevin’ eindrucksvoll mit der Frage beschäftigt, wieso ein Kind zum Amokläufer wird – ohne eine Antwort zu geben – zeigt uns Landis nachvollziehbare Faktoren, die auf Andrew einwirken und das Fass zum Überlaufen bringen. Es fehlt oft nur die Kraft dazu. Oder die Waffe. Mit großer Kraft kommt große Verantwortung, weiß Peter Parker dank Onkel Ben. Andrew hatte nie eine Leitfigur oder Vaterfigur, zu der er aufblicken kann. Er ist emotional instabil, launisch und, erschreckenderweise, empathisch. Man versteht, wieso Andrew nicht mehr kann und wieso er rebelliert. Dank seiner Kräfte ist er losgelöst. Als Mobbingopfer will man einfach mal laut schreien und auf den Tisch hauen, sich alles nicht mehr bieten lassen – genau das tut Andrew.

Die finalen, viel kritisierten zehn Minuten sind fuer mich mit die interessantesten des Kinojahres. Als es zum Konflikt zwischen Matt und Andrew kommt, nimmt Regisseur Josh Trank sich Kameras von Zeitzeugen und Überwachungsanlagen an. Ein kluger Schachzug, denn Andrew ist zu beschäftigt, um eine Kamera zu halten. Früh im Film stellt Cousin Matt die Frage, weshalb Andrew alles aufzeichnet. Eine existenzielle Frage für jeden FF-Film; es muss einen Grund geben, weshalb man aufzeichnet. Andrew sagt, dass es ihm einfach wichtig ist, alles zu dokumentieren. Doch in Wahrheit bildet die Kamera sein Schutzschild. Sie bietet Distanz zur Außenwelt, zu der sich Andrew dennoch Kontakt wünscht.

Viel interessanter ist jedoch die Frage, wer sich dieses Material ansehen könnte und wieso es von Interesse sein könnte. ‘Cloverfield’ eröffnet mit kurzen, verschlüsselten Meldungen darüber, dass das folgende Material Eigentum des Departments of Defense ist. In ‘Chronicle’ wurde ebenso jedes verfügbare Material zusammengesetzt, um sich ein Bild über die Geschichte dieser Figuren zu machen.

Es ist daher im FF-Genre minder wichtig zu fragen, wieso jemand aufzeichnet, sondern wichtiger zu fragen, für wen das Footage interessant sein könnte. Sehr meta, aber nachvollziehbar: Wenn zwei Figuren eine Viertelstunde lang durch Seattle springen, dabei Hochhäuser zerstören und Busse durch die Luft wirbeln, wird das die Aufmerksamkeit der Welt und insbesondere des Militärs auf sich gezogen haben, weshalb wir auch einen Charakter gegen Ende des Films am Ende der Welt wiederfinden.

Laut ersten Meldungen soll sich Max Landis dieser Ansicht fuer das Sequel annehmen, das durchaus interessant sein dürfte und als erster Film wirklich die Frage behandeln dürfte, wie die Welt mit Superhelden Gone Wild umgehen würde.

prometheusreviewfeatured

Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Sir Ridley Scott
Drehbuch: Jon Spaihts, Damon Lindelof
Darsteller: Noomi Rapace, Charlize Theron, Michael Fassbender, Idris Elba, Guy Pearce, Logan Marshall-Green
Länge: 117 Minuten
FSK: 16
Rating: ★★★★½

“Big things have small beginnings.”

Ridley Scotts Prometheus wie jeden anderen Film wie jeden anderen Film zu reviewen, bringt einen nicht weiter. Denn es kommen Erwartungen und Vorurteile gegenüber Regisseur und Drehbuchautor zusammen, dazu Hoffnungen und allerhand Emotionen und 30 Jahre Filmgeschichte. Heute kann sich jeder eine Bühne bauen um einen Film zu reviewen und das ist eine verdammt gute Sache, aber das ist auch er Grund, weshalb so viel Müll dort draußen zu finden ist und weshalb viele in der Blogosphäre meine Sympathie verloren haben.

Man geht mit Erwartungen an einen Film, das ist anders gar nicht möglich. Diese Erwartungen werden erfüllt – oder nicht. Aber das ist kein Grund zu sagen: Das will ich, und wenn ich das nicht kriege, bin ich wütend. Das ist kindisch. Trotz enttäuschten Fans und Schutz meinerseits ist Ridley Scotts Rückkehr zum Sci-Fi dennoch nicht ganz unproblematisch, aber der große Fehlschlag, für den ihn manche Outlets abtun, ist er bei Weitem nicht.

Die Prometheus ist auf der Suche nach dem Ursprung der Menschheit. An Bord ist Dr. Elizabeth Shaw (Noomie Rapace), die zusammen mit ihrem Freund und Wissenschaftler Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) überall auf der Welt Höhlengemälde gefunden, die den Weg zum Planeten LV232 zeigen. Mit an Bord ist David 8 (Michael Fassbender), der persönliche Android von Firmengründer Weyland, der die Mission finanziert, sowie Missionsleiterin Meredith Vickers, gespielt von Charlize Theron, und der Rest der Crew, eine gemischte Gruppe von Waffenspezialisten und Wissenschaftlern. Auf dem Planeten angekommen entdecken sie Überbleibsel einer ausgestorbenen Zivilisation und Hinweise darauf, dass sie die Menschheit erschaffen hat. Darüber hinaus viel erschreckender: Kurz bevor ein Event sie alle tötete, waren sie auf dem Weg zur Erde um ihre Kreation auszulöschen.

Ohje, was wollten die Leute das Alien-Prequel! Da hieß es plötzlich, dass ‘Prometheus’ ein doch sehr eigenständiger Film sein wird und alle machten sich vor Freude in die Hosen und dann kam die große Enttäuschung. Ja, ‘Prometheus’ funktioniert in seinen wenigen Sekunden, in den es die Brücke zur Alien-Quadrilogy schließt, als Prequel, aber das ist sowas von überhaupt nicht das, woran Scott und Lindelof interessiert sind. Beide Filme haben ein Raumschiff mit einer Crew im Weltall, doch die Filme sind thematisch und tonal so unterschiedlich, dass ein Vergleich einfach nur unfair ist.

Die Ähnlichkeiten hören jedoch zum Beispiel bei den Raumschiffen auf. Die Prometheus und die Nostromo teilen keine Gemeinsamkeiten, weder im äußeren Design noch in ihrem opposen Innenleben, was Puristen des Alien-Universums momentan auf die Palme bringt. Dabei ist die Lösung dieses Ärgernisses einfach und bereits im Prolog gegeben. Die Prometheus ist ein State-of-the-Art-Erkundungsschiff, ausgerüstet mit den neuesten, wissenschaftlichen Instrumenten, wohingegen die Nostromo ein abgewrackter Schlepper ist, der schon einige Lichtjahre auf dem Buckel hat. Dadurch lässt sich auch die 1970er Technologie an Bord der Nostromo erklären, obwohl diese knapp 30 Jahre nach der Prometheus durchs Weltall schippert.

Es sind kleine Dinge wie diesen, an denen sich die Leute aufreiben. Dabei hat der Film wirkliche Gründe zur Kritik. Angeblich fehlen 20-30 Minuten und die sind mit Sicherheit gegen Ende des zweiten Aktes entnommen worden, wo der Film schnelle Wendungen nimmt und Charaktere scheinbar aus dem Nichts Entscheidungen treffen, die konträr ihrer bisherigen getroffenen Charakterisierung sind. Aber das stimmt aber auch nur wieder so halb. ‘Prometheus’ ist nicht nur vom Konzept, sondern auch in der Charakterisierung seiner Figuren Smart-Sci-Fi und legt viel Tiefe in einen Blick oder einen heruntergezogenen Mundwinkel.

Der zentrale Charakter in dieser Hinsicht ist der des David, grandios verkörpert von Michael Fassbender. David wird von seinen Crewmitgliedern gemobbt, dass er keine Seele hat und nicht viel wert ist. Was verständlich und, no pun intended, menschlich ist. Da steht einem eine Maschine gegenüber, die in jeglicher Hinsicht besser ist, als man selbst. Das letzte, was einem bleibt, was einen von der Maschine abhebt, ist die Seele. Dies treibt David an. Er hat definitiv eine Agenda, ob sie seine eigene oder die eines Chefs ist, soll offen gelassen werden; doch katastrophale Folgen sind sicher.

David findet in Meredith Vickers seine Gegenspielerin. Charlize Theron spielt die pragmatische Mitarbeiterin von Weyland, die mit an Bord ist, aber entgegen David absolut keinerlei Interesse an dieser Mission hat. Diese Dynamik in den Figuren spiegelt sich in vielen Duos wider. So findet Hauptcharakterin Elizabeth Shaw mit ihren tiefgehenden Fragen bei ihrem realitisch-denkenden Freund Charlie kein Gehör. Dann wären da noch der Kapitän und sein Schiff, zwei Co-Piloten und eine Wette, sowie zwei Wissenschaftler, die sich nicht stets wie Wissenschaftler benehmen, was fatale Folgen hat.

Ja, einige der Charaktere sind eindimensional. Welch Schock. Das ist heute nichtsbedeutend und Schlagwort von halbgebildeten Internettrolls geworden. Ein Drehbuch wie dieses, ein Film wie dieser über ein Schiff mit 17 Crewmitgliedern, braucht eindimensionale Charaktere. Charaktere, deren Namen und Funktion wir wissen um kurz darauf ins Gras beißen zu dürfen, um uns über die Gefahren zu informieren, die unseren Helden, an die wir uns wahrhaftig binden, bevorstehen.

Und diese Gefahren sind real. Die ‘Prometheus’ ist auf der Suche nach dem Ursprung menschlichen Lebens und nichts Geringeres wird sie finden. Und nur weil man das findet, wonach man sucht, heißt das noch lange nicht, dass das eine gute Sache ist. Soviel sei gesagt. Diese existenzielle Suche ist thematisch leitend. Ridley Scott und Drehbuchautor Lindelof, der nach eigenen Angaben in enger Kollaboration mit Scott das Drehbuch in nur zwei Wochen schrieb, bewegen sich thematisch mit dem Film viel näher an ‘Blade Runner’, einem Film, den beide wohl in Kongruenz mit der Filmgemeinschaft höher schätzen als Alien selbst.

Die Kreation, die nach mehr Leben verlangt, kommt auch in ‘Prometheus’ vor. Die Beziehungen zwischen Schöpfer und Schöpfung sind so interessant und vielseitig. Wieso erschaffen wir etwas? Weil wir es können. Bei den meisten Dingen gibt es keinen tieferen Sinn. ‘Prometheus’ ist der Film, nach dem man noch stundenlang nach dem Verlassen des Kinosaals mit seinen Freunden debattieren kann – und das ist gut. Diese Sorte Film gibt es nicht mehr oft.

Probleme hin oder her, visuell ist Ridley Scotts neuester Film zweifellos und unbestreitbar ein Meisterwerk. Sogar das 3D funktioniert, man verspürt es nach gewisser Zeit gar nicht mehr, es gibt keine billigen Tricks. Mit vielleicht das beste 3D, das ich bisher in einem Kinosaal außerhalb des Animationsgenres bestaunen durfte.

Positiv herauszuheben ist auch Marc Streitenfeld, dessen Score genau weiß, wann er pompös und abenteuerlich klingen muss und wann geheimnisvoll, mystisch und gefährlich.

Nachdem ich nun alles ein wenig habe ruhen lassen (ich sah den Film am 30. Mai und dann im Juli ein weiteres Mal), kann ich einige der Enttäuschungen und Beschwerden nachvollziehen, aber die Art wie die Leute bisher reagierten verblüfft mich immer noch. Ich kann verstehen, wenn einige Leute alles andere als begeistert waren, aber das ist nicht der Fehler des Films, sonder viel mehr der Personen, die sich so sehr haben hypen lassen. Und für die Leute, die sagen, dass es nicht so spannend gespenstig war wie ‘Alien’: Ja, richtig, aber wie schon gesagt geht der Film gar nicht in diese Richtung. Die Bandbreite des Films ist wesentlich größer: Die Geschichte spielt nicht auf einem Fracht-, sondern auf einem riesigen Expeditionsschiff und in einem außeriridischen Militärschiff.

Die außerirdischen Lebensformen schauen auch in Ordnung aus; während man dort sitzt, sagt man sich: Komm schon, raus mit den Aliens, aber dann wiederum weiß man, dass das einfach zu billig wäre und nicht passt. Die Verbindung zu ‘Alien’ passt auch. Einige Leute müssen nur mal runterkommen. Ich meine, wenn ich etwas nicht mag, werde ich nicht wütend darauf und diskutiere in dieser Art und Weise. Scott ist wahrscheinlich immens zufrieden, wieviel Diskussion der Film hervorgerufen hat. Es ist ein guter Film, nicht sein bester, aber im Moment würde ich wesentlich lieber ein ‘Prometheus’ Sequel sehen als einen Blade Runner 2.

Vorwort

Ich hatte mit ‘The Cabin in the Woods’ so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. Ich wusste absolut nichts, hatte nicht einmal den Trailer geguckt – dem Herrn sei Dank, denn dort stecken viele unspaßige Spoiler drin. Daher sollte man meiner Meinung nach mal versuchen, ‘The Cabin in the Woods’ mit so wenig Vorkenntnis wie möglich zu sehen. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass ich den Spaß meines Kinojahres hatte. Der Film lässt einen nicht los, ist so unglaublich schlagfertig geschrieben, und erhöht das Tempo und seine Verdrehtheit alle 15 Minuten bis zum großen Knall am Ende. Versucht es einfach mal – für mich hat es sich gelohnt.

Weiterlesen also auf eigene Gefahr. Eine Review ohne Spoiler, so klein sie auch sein mögen, hat nämlich keinen Mehrwert. (weiterlesen…)

‘THX 1138’ Gast-Review

17 Jul, 2012 · Sascha · Film,Review · 10 comments

Vereinigte Staaten, 1971
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas, Walter Murch
Darsteller: Robert Duvall
Länge: 88 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★★½

23 Jahre alt ist George Lucas, als er seinen fünften Studentenfilm dreht. Er hat eine Dauer von 15 Minuten, die hauptsächlich einfangen, wie ein Mann mit der Nummer 1183 durch eine technokratische Welt hetzt, um dem System zu entrinnen. Der Name des Filmes lautet Electronic Labyrinth THX 1138 4EB und ist ein Nachfolger seines Filmes Freiheit.
Kurz darauf wurde er durch Zufall erst ein wertvoller Assistent Francis Ford Coppolas und wenig später dessen engster Freund. Angewidert vom hierarchischen System Hollywoods und dessen versteinerten Strukturen, gründeten beide das unabhängige Studio American Zoetrope. Zusammen mit vielen kreativen Köpfen arbeiteten sie an der Umsetzung von Filmen, die freier, gewagter und unkonventioneller werden sollten als das, was die Graue Eminenz der Traumfabrik wiederkäute.
Das erste Projekt war eine Langfassung von Lucas‘ dystopischem Kurzfilm.

Story:

Der Film fängt an mit dem Ende der zweiten Episode des 1939er Buck Rogers. „Tragedy on Saturn“ flimmert über die Mattscheibe, dann erst ist es dem Zuschauer vergönnt, einen Blick auf die wirkliche Welt von THX 1183 zu werfen. Er wird feststellen, dass sich nominell erst einmal wenig seit dem Kurzfilm getan hat, Setting und Handlung sind weitestgehend identisch, beides wurde aber um entscheidende Elemente erweitert.

THX 1183, so die Bezeichnung der Hauptfigur, wurde hineingeboren in eine Welt der Totalitäten – totale Effizienz, totaler Konsum, totale Nivellierung, totale Überwachung. Menschen werden vom System einem Wohnpartner und einer Arbeit zugeteilt. Sie sind nicht mehr als Masse, die dazu dient, Lücken in der Produktionskette zu schließen. Das gesamte Dasein steht im Dienst der permanenten Erzeugung zur permanenten Konsumtion. „Work hard, increase production, prevent accidents, and be happy.“ Das Individuum ist nur eine Nummer und so austauschbar wie eine Schraubenmutter. Triebe, die dieser Gesellschaft nicht direkt von Nutzen sind, werden durch Drogen einfach unterdrückt. Die Verweigerung der vorgeschriebenen Ration ist ebenso eine verbrecherische Handlung wie der Geschlechtsakt, beides wird mit umgehender Eliminierung sanktioniert. Um jene zähen Bedürfnisse, die sich nicht rückstandslos durch Medikamente betäuben lassen, kümmern sich in letzter Instanz ein primitives Fernsehprogramm und reizende Fahrstuhlmusik. Sollten sich trotz allem Zweifel oder Unzufriedenheit bilden, wird einem verständnisvollen Terminal alles gebeichtet. Gott wurde nicht ersetzt von einem Computer, der Computer wurde zu Gott. Die Bewohner sind derart entmenschlicht, dass sie mechanischer agieren als die allgegenwärtigen Wachroboter, deren Tonlage und Kleidung variabler ist als die uniforme Existenz ihrer Erschaffer.
Während THX seine Aufgaben anstandslos erfüllt, macht seine Mitbewohnerin Anstalten, aus dem ewigen Kreislauf auszubrechen. Sie verweigert heimlich die tägliche Dosis Drogen und tauscht später auch THX‘ Psychopharmaka aus. In Folge wachsen Sorge und Verwirrung in ihm heran, aber auch eine sonderbare Zuneigung für seine Zimmergenossin.

Und wieder flieht der Mann mit der Nummer 1183 durch die kalten Räume vor seinen Häschern.

Kritik:

Lucas‘ Weiterspinnen gegenwärtiger Situationen ist vielleicht nicht überall kohärent, dafür aber absolut stimmig. Jede Kameraeinstellung sitzt, jeder Ton trifft ins Schwarze, die Bildkompositionen sind ausgeklügelt und strotzen vor Eleganz. Die Welt in den engen Räumen vermittelt eine beispiellose Klaustrophobie und jeder Schnitt trägt seinen Teil zur Stimmung bei. Dies ist umso verwunderlicher, wenn man sich vor Augen führt, mit welcher Eile das junge Team den Film geschaffen hat. Immer die Zeit im Nacken, an zufälligen Orten drehend und nur im Ausnahmefall mit einer Genehmigung, fing man THX 1138 im Sauseschritt mit der Kamera ein. In erster Linie kam dabei ein wahnsinnig guter, bewundernswert zeitloser Film heraus, der keinen Deut von seiner imponierenden Sogwirkung eingebüßt hat. In zweiter Linie handelt es sich um das erste unzweideutige Zeugnis von dem wahnsinnigen Talent des Filmemachers, der später mit Indiana Jones und Star Wars zwei Marken ins Leben rufen sollte, die nicht nur die Filmkultur für immer veränderten. So ehrlich, eindringlich und intensiv wie sein Langfilmdebut sollte aber keine seiner späteren Produktionen mehr ausfallen.
Verdaulicher, unbeschwerter und epischer wurden seine Filme. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn THX 1183 nicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Warner Bros reagierte aufs Höchste irritiert, als Coppola ihnen den Film vorstellte. Lucas‘ Erstling wurde nicht angenommen und American Zoetrope hatte das im Voraus gezahlte Geld, das lange schon ausgegeben war, zurückzuzahlen. Vielleicht dachte man sich auch dort, dass THX 1138 mit ein wenig Fantasie als Parabel auf das seelenlose Treiben im schwerfälligen Studiosystem lesbar war.
Dieses Desaster trieb das ambitionierte Team an den Rande des Ruins, dem es nur knapp durch Coppolas Überraschungserfolg Apocalypse Now entrinnen konnte.
Nach einem weiteren Versuch nahm sich Warner Bros THX 1138 zwar an, doch wurde der Science Fiction-Film gegen den Willen des Regisseurs umgeschnitten und ihn um 5 Minuten gekürzt. Er kam schließlich quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit in die amerikanischen Lichtspielhäuser und blieb – einzelner wohlwollender Kritiken zum Trotz – nahezu unbeachtet. Die idealistische Künstlerkommune war danach nie wieder dieselbe. Wie die Zusammenarbeit der kreativen Köpfe, in deren Wirkkreis auch weitere namenhafte Personen ihrer Generation wie z.B. Martin Scorsese flanierten, sich ohne diesen Rückschlag weiterentwickelt hätte, kann nur gemutmaßt werden. Was stattdessen geschah, ist Geschichte.

Fazit:

Erst im Zuge der DVD-Veröffentlichung im Jahre 2004 unterzog man den Film einem aufwändigen Restaurationsprozess. Die ursprüngliche Schnittfassung wurde rekonstruiert und Bild und Ton erhielten eine achtbare Frischzellenkur.
Das Ergebnis ist ein Film, der (insbesondere auf BluRay) aussieht, als wäre er irgendwann nach der Jahrtausendwende entstanden anstatt 1971. Tricktechnisch wirkt THX 1138 so taufrisch, dass Machwerke wie Michael Bays Die Insel gleich in mehrfacher Hinsicht drittklassig und überholt erscheinen.
Wirklich wichtig ist jedoch, dass der Transfer in die Moderne diesem Klassiker zwar ohne Frage fantastisch zu Gesicht steht, ihn aber natürlich nicht besser gemacht hat. THX 1138 ist heute ebenso großartig wie er es damals schon gewesen ist und auch in der Zukunft noch sein wird, wie dystopisch diese auch ausfallen mag.

Diese Review ist eine Gast-Review von Martin, der sich auf seinem Blog SciFi Filme mit Science-Fiction Serien und Filmen in seinen Kritiken ausführlich auseinandersetzt. Sehr lesenswerter Blog.

Das ist eine Review der 100. Ausgabe von Robert Kirkmans ‘The Walking Dead’. Weiterlesen sollte man nur, wenn man selbige bereits gelesen hat, denn die Review enthält Spoiler für Geschichte und Charaktere.

“You see, Rick. Whatever you do…no matter fucking what…you do not mess with the new world order. The new world order is this, and it’s very simple, so even if you’re fucking stupid…which you may very well be…you can understand it. Ready? Here goes…pay attention.
Give me your shit or I will kill you.”

Wann auch immer ein Comic einen Meilenstein erreicht, erwartet Fans und Sammler ein Ereignis sondergleichen. Insbesondere bei einem Comic, der so zentral in der Popkultur und Medienwelt verankert ist. Der Medienhype, der The Walking Dead dank Zombiekult, TV-Serie und Fancraze umgibt, nahm unglaubliche Züge an. Dazu gab es jeglich erdenklichen Comic-Con-Quatsch, 8 Variant-Cover und eine Serie will ja auch noch davon profitieren. Dass man fast 400.000 Ausgaben verkauft hat, ist ein Meilenstein und eine beachtliche Leistung für Charlie Adlard und Robert Kirkman. Als schlichter Fan jedoch wünscht man sich, dass die Ausgabe auf eigenen Beinen stehen kann und der Comic seine Qualität beibehält. Zu viele Comic-Autoren verloren mit dem Erfolg den Fokus auf das Wesentliche.
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Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Marc Webb
Drehbuch: James Vanderbilt, Steven Kloves, Alvin Sargent
Darsteller: Andrew Garfield, Martin Sheen, Sally Fields, Rhys Ifans, Emma Stone
Länge: 136 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★☆☆

Manchmal ist Schmonzette gut. Als Sam Raimi seine Spider-Man Trilogie plante, war die Welt noch komplett anders. Das ist keine Übertreibung, die Twin Towers standen noch und sollten in einem abgedrehten Teaser sogar prominent gezeigt werden. Das Superhelden-Genre wie wir es heute kennen, mit drei oder vier großen Titeln pro Jahr, steckte gerade in seinen Kinderschuhen. Raimi und Bryan Singer (mit X-Men) legten den Grundstein für das, was wir heute in einer etwas abgewandelteren Form bei Marvel Studios vorfinden. Natürlich nicht zu vergessen ist Christopher Nolan, der mit seinen pseudorealistischen Ansatz bei seiner Batman-Trilogie Studios durch Milliardenumsätze dazu zwang einen neuen, dunkleren Ansatz zu wählen. Plötzlich müssen Superheldenfilme “dark and gritty” sein. Funktioniert es nicht, war es nicht “dark and gritty” genug, habe ich recht, Hal? Das kann doch nicht die Lösung sein. Dunkle Seiten gibt es in uns wie in Superhelden, doch den Spaß sollte man nicht vergessen. Whedon hat das bewiesen. Wieso also Raimi nicht einen viertel Teil drehen lassen? Geld.

‘The Amazing Spider-Man’ ist eigentlich ein Film, den niemand wollte. Weder Sam Raimi und seine Schauspieler, die gerne noch einen vierten Teil gedreht hätten, noch die Fans der Filme oder die wirklichen Fans, die Spidey lieber im Marvel Cinematic Universe rumspinnen sehen würden. Doch damit man die Rechte behält, muss man einen Film produzieren, also ein Reboot, weil billiger, realistischer, “darker and grittier”, weil genau das ja der Fehler in Spider-Man 3 war. Versteht das nicht falsch, das Reboot von Marc Webb mit Andrew Garfield und Emma Stone ist weit davon entfernt ein Fehlschlag zu sein, doch der große Befreiungsschlag, die endgültige filmische Version der “Spinne”, ist es auch nicht. Dabei passt Andrew Garfields Physik fantastisch, seine emotionale Weite überflügelt die von Tobey Maguire bei weitem und der Ansatz ist vielversprechend. Raimis Filme starteten in einer anderen Zeit, und blieben dort. Nun ist Peter Parker im neuen Jahrtausend. Nerd is chic. Peter ist cool: Er skatet, seine Photos sind beliebt und er hat eine Freundin – ganz ohne, dass der Spider-Man ist. Die Beziehung von Gwen und Peter wird durch Spider-Man vertieft, nicht erst ermöglicht, wie es bei Raimi noch der Fall war, wo der Nerd erst eine Maske braucht um eine Chance zu haben.

Martin Sheen und Sally Fields als Petes Onkel und Tante funktionieren ebenso grandios, Sally Fields hat zwar nicht viel zu tun, aber ihre sorgende Blicke sind denen eines Alfreds nicht fern. Ben Parkers neue, engere Bindung im Film vollzieht Wunder und sorgt für einige der rührendsten Momente im Film. Was Vanderbilt in der ersten Stunde in Spideys Originstory abarbeitet ist magisch, der Ansatz mit den Webshootern und Peters Kostüm ist realistisch und anders genug um ein Reboot zu rechtfertigen und Regisseur Marc Webb liefert mit musikalisch grandios unterlegten Szenen, in denen Peter seine Kräfte entdeckt, den Rest. Das große Problem liegt viel mehr darin, dass man den geplanten vierten Teil mit dem neuen Ansatz vermischte, aber dadurch beide Aspekte an Reiz verlieren. Das fantastische Element des Lizards, ein Mann, der zu einer wahrhaftigen, überdimensionalen Echse mutiert, steht im starken Kontrast zu dem realistischen Ansatz von Spider-Man, der nun Spinnendrähten von Oscorp braucht, um sich durch New York zu schwingen. Ebenso werden Plotlines eingeführt, die nicht wieder aufgegriffen werden. Am ärgerlichsten dabei ist wohl, dass einem die “Untold Story” versprochen wurde, aber man wohl in letzter Minute alles aus dem Film rausstrich um es sich für den zweiten Teil aufzuheben. Dazu werden Subplots wie die Jagd um Onkel Bens Mörder, die Polizisten, die der Lizard verseucht und in Echsen verwandelt, sowie was mit dem Vorarbeiter von Connors bei Oscorp geschah, einfach fallen gelassen. Ironischerweise sind viele Szenen aus diesen rausgeschnittenen Plots in den Trailern vorhanden.

Dadurch wirkt der Film oftmals hektisch, der Schnitt hüpft unkontrolliert von Szene zu Szene, insbesondere der dritte Akt fällt völlig aus der Reihe. Curt Connors ist als Charakter ohnehin so schlecht gezeichnet, aber dass er dazu noch Peter retten darf, macht absolut keinen Sinn. Wenn es einen Menschen auf der Welt gibt, den man nicht retten muss, wenn er von einem Hausdach fällt, dann Peter Parker. Ebenso versteht wohl niemand die Beweggründe Connors plötzlich eine Gaswolke auf Manhattan niederregnen zu lassen. Ja, er ist eine Echse und will alle anderen Menschen auch in Echsen verwandeln, weil er plötzlich merkt, wie toll das ist, aber es will trotzdem keinen Sinn machen. Liegt wohl vor allem daran, dass er keine Persönlichkeit besitzt, außer, dass ihm ein Arm fehlt, was. er in. jeder. Szene. anmerkt. In die gleiche Schiene fällt die Szene, in denen New York Spider-Man helfen muss. In der Zeit von Raimi funktionierte das im Post-9/11-Trauma wunderbar, hier wirkt es gezwungen, wie eine Szene, die auf einer Liste stand, was in einen guten Spider-Man-Film muss.

Trotz allem ist das Reboot keine Enttäuschung. Es funktioniert als Film, auch wenn es nicht komplett befriedigt. Der Film ist mehr “vertane Chance” als Fehlschlag. Kein radikaler Neuanfang, langweiliger Bösewicht, keine große Enthüllung und dazu fehlen Schlüsselkomponenten wie die Osborns oder der Daily Bugle. So richtig ohne Origin-Geschichte hätte dieser Schritt ins neue Jahrtausend nicht gelingen wollen (zumal das der beste Teil des Films ist), aber dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass es sich hier nur um das filmische Fundament für weitere Filme handelt. Das ist nicht verwerflich, das machen andere Filme schließlich auch, nur können die es besser vertuschen und erzählen noch eine Geschichte. Viele der Probleme liegen im Drehbuch, nicht bei Marc Webb, der hier seinen ersten Actionfilm mit Bravour abliefert und hoffentlich weiterhin als Regisseur für einen weiteren Teil zur Verfügung steht, in dem dann mal eine stringente Geschichte erzählt wird und nicht Knetmassen von links und rechts zu einem Mischmasch zusammengedrückt werden.

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Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Marc Webb
Drehbuch: James Vanderbilt, Steven Kloves, Alvin Sargent
Darsteller: Andrew Garfield, Martin Sheen, Sally Fields, Rhys Ifans, Emma Stone
Länge: 136 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★☆☆

Marc Webb, James Vanderbilt und Alvin Sargent sollen also das Franchise ins neue Jahrzehnt bringen und mit Spider-Man umsetzen, was ihre Kollegen mit Iron Man und The Avengers geschafft haben.

Jedoch muss ich gleich zu Anfang sagen, dass sie dies nicht so hundertprozentig geschafft haben. Aber kommen wir dazu später.

Peter Parker im Jahre 2012: Skateboard statt Physik Bücher. Kontaktlinsen statt Hornbrille. Mini-Rebell statt Vorzeigestreber. Viel wurde umgestellt damit Peter Parker sein Oberstreberimage verliert: Peter widerspricht den Lehrern, lässt sich von Mädels nicht an der Nase herumführen und lehnt sich gegen die Bullys auf. Insgesamt nicht schlecht umgesetzt, denn die Comics scheinen hier wirklich nur noch als Richtlinie und Inspiration zu dienen und längst nicht mehr als Vorlage. Jedoch wurde der Streberanteil an Peters Persönlichkeit so weit reduziert, dass er nur noch super intelligent wirkt und sein Interesse gegenüber den Naturwissenschaften überhaupt nicht mehr rüberkommt. Davon, dass er auf der High School ursprünglich mal Reed Richards’ Bücher in der Pause auf dem Schulhof las, merkt man im Jahre 2012 leider gar nichts mehr.
Im Groben und Ganzen macht das aber Sinn, denn die „Underdogstreber-goes-Superhero“-Story wirkt doch schon sehr angestaubt. Ein bisschen mehr Streber hätte ich mir aber schon gewünscht. Darüber hinaus gibt Andrew Garfield sein Bestes um den zwiegespaltenen Teenie zu spielen, jedoch sieht er einfach zu alt aus und das zögerliche Kopfschütteln wirkt auch nicht in jeder Szene.

Emma Stone macht da als Gwen Stacy schon eine bessere Figur. Sie spielt die Mischung aus „Daddy‘s Girl“ im Minirock und Naturwissenschaftlerin sehr solide, ohne große Ausreißer nach oben oder nach unten. Insgesamt ist Stacy sehr nahe an der Comicvorlage und bei ihr wurde weniger Neuzeit-Kosmetik vorgenommen als an Peter Parker. Gwen soll hier als Sympathieträger fungieren und ist sehr viel weniger zickig als die zweiglasig fahrende Gwen aus dem Comics (Sie datet Harry Osborn und Flash Thompson gleichzeitig und macht dazu auch noch Peter Avancen, macht ihm Druck sie zu heiraten, nur um dann wieder kleinbeizugeben, etc., etc.). In den Silver Age Jahren war Gwen Stacy noch zu manchen Zeiten eine waschechte Zicke. Ein Charakterzug, den man hier komplett rausgenommen hat. Jedoch genau dieser kleine, aber feine Eingriff gibt dem Ganzen dieses cleane Hollywood Feeling, das alle Unebenheiten weggestrichen werden, was mich erheblich stört.

Was mich auch sehr gestört hat: Die Handlungsabschnitte rund um Peter Parkers Eltern und Curt Conners. Gehetzt und nicht richtig ausgearbeitet. Den konspirativen Einschlag mit den Flashbacks von Peters Eltern wirkte viel zu erzwungen um Peters Psyche mehr Tiefe zu geben und ihm irgendeine Motivation an die Hand zu geben, sich bei Oscorp einzuschleichen. Hätte man Peters Charakter dieses angeborene Interesse für Naturwissenschaften nicht rausgekürzt, wäre dieser absurde Subplot auch gar nicht nötig gewesen. Und überhaupt: Wieso ist Peter Parkers Vater auf einmal renommierter Genetiker? Und wieso arbeitet er ausgerechnet mit Curt Connors zusammen? Und ausgerechnet seine Formel sorgt dafür, dass Dr. Connors in eine schlecht animierte Echse verwandelt? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich als Fan Boy hat das ganze überhaupt nicht funktioniert. Mal davon abgesehen, dass erst im Jahre 1997 (!) die Origin Geschichte rund um Peters Eltern in ein paar Spin-Offs erzählt wurden und noch nie eine wirklich bedeutende Rolle gespielt hat.
Wieso braucht Peter eigentlich 17 Jahre um das erste Mal den Namen seines Vaters zu googlen?

Rhys Ifans spielt auch hier nur eine Karikatur eines Naturwissenschaftlers und vermasselt selbst die wenigen Szenen, die ihm vom Skript gegeben werden. Selbst sein Alter Ego Lizard (wieso kann The Lizard sprechen?! Bitte, bitte nicht!) sieht einfach nur grottig aus und der Produktionsdesigner sollte gefeuert werden!
Da ist es nicht überraschend, dass Martin Sheen und seine Partnerin alle an die Wand spielen.

Aber es kommt, wie es kommen muss und Peter wird Opfer seiner Neugier und wird von der legendären radioaktiven Spinne gebissen. Insert Dramatic Music here!
Doch auch die U-Bahn Szene überzeugt nicht so richtig. Sie ist nicht kompletter Schrott, jedoch auch nicht dieser grandiose Moment in dem Peter seine Kräfte entdeckt. Die Szenen, in denen Peter sine Kräfte beim Skateboarden oder klettern erkundet, sind da sehr viel sympathischer und lassen einen richtig nachempfinden wie genial dieses Gefühl für einen sein muss.

Doch dann kommt die Szene um Onkel Bens Tod.

Versteht mich nicht falsch. Peter Parker als Wrestler im Jahre 2012? Das wäre albern gewesen. Somit bin ich eigentlich ein Freund der Überfallsszene im Supermarkt, nach der Onkel Ben erschossen wird. Aber so tölpelhaft und ungelenk hätte man es dann aber doch nicht darstellen müssen. Alles wirkt so erzwungen. Ben stolpert viel zu zufällig in die Szenerie. Der Spruch mit der Heilsarmee wirkt zu künstlich. Insgesamt war die Idee nicht schlecht, doch die Umsetzung allerdings schon.

Sehr positiv sind mir jedoch die Bewegungen von Spidey aufgefallen. In der Luft, an der Wand, im Kampf oder im Schwung. Seine Bewegungen sehen nach ultimativer Agilität und Beweglichkeit aus. Wenn die Bewegungen eine Bezeichnung verdient hätten, dann „spinnenartig“.
Doch so toll Spideys Bewegungen waren, so lieblos sind die Kampfchoreografien. Einzig und allein die Kampfszene in der Schule war nicht schlecht. Die anderen in der Kanalisation oder auf dem Oscorp Tower reichen nicht mal annähernd an die genialen Kampfszenen aus den ersten zwei Spider-Man Filmen von Raimi ran und wirken eher wie lieblose Raufereien.

Bei 2 1/2 Stunden wurde zu viel Zeit auf Peters und Gwens Schmonzette verwendet und die restlichen Subplots wurden nur durchgehetzt. Man erinnere sich nur an das erste Treffen zwischen Connors und Peter bei Oscorp. Grauenhaft. Schnell mal in 2 Minuten gegenseitiges Interesse runtergespielt um dann den großen Spinnenbiss in lila einzuspielen. Marc Webb zeigt weder gutes Timing noch Spacing im Film und schafft es weder Spidey-Fans noch 0815-Kinobesucher zu begeistern. Einzig und allein die schönen Bewegungen von “der Spinne” faszinieren.
Insgesamt wurde einfach zu viel glatt poliert und an zu wenig Schrauben gedreht um dieses Reboot zu rechtfertigen. Als Fanboy bin ich ernüchtert, als Kinobesucher sogar enttäuscht.

Dave ist eigentlich Photograph und von Kindestagen an Spider-Man-Fan. Seine Bilder findet ihr auf seiner Homepage.

Indonesien 2011
Regie: Gareth Evans
Drehbuch: Gareth Evnas
Darsteller: Iko Uwais, Joe Taslim, Donnie Alamsyah
Länge: 101 Minuten
FSK: 18
Rating: ★★★☆☆

Hochhäuser waren schon immer attraktiv für Filmemacher. Sie sind auf Grund ihrer Architektur sowohl visuell ästhetisch als auch handlungstechnisch eingrenzend und regen daher zur Inspiration an. King Kongs Flucht ist nicht nur auf Grund seiner visueller Intensität filmhistorisch prägend, sondern besticht vor allem durch sein dramaturgisches Todesurteil für die Hauptfigur. Auch John McClane wusste bereits wie interessant Hochhäuser im Film sein können. Mit ‘Dredd’ wird nächstes Jahr auch das Remake des Science-Fiction-Klassikers der Richter und Henker seinen Weg in ein Hochhaus finden und mit dem Indie-Hit ‘Attack the Block’ fanden die Betonmeiler sogar ihren Weg in die Filmtitel. Schwer wird es vor allem das Remake ‘Dredd’ haben, das sich sowohl visuell als handlungsspezifisch ungewollt (Das Drehbuch war lange vor dem Release von ‘The Raid’ fertig) nahe am indonesischen Martial-Arts-Hit ‘The Raid’ vergleichen lassen muss, der alle Register des Genre zieht und sich mit voller Kraft in die Herzen von Martial-Arts-Fans kämpft.

Wir werden unserem Helden vorgestellt: Rama ist ein Rekrut bei der Polizei. Am Morgen rezitiert er den Koran, durchgeht höllische Fitnessübungen und verabschiedet sich von seiner schwangeren Frau mit einem Kuss. Das war’s. Entweder du drückst ihm jetzt die Daumen, die nächsten 100 Minuten zu überleben oder nicht – mehr Charakterisierung nimmt zu viel Zeit weg von der Action. Und von der gibt es zu Genüge. In einem Van informiert der Polizeichef seine Truppe über einen Boss des kriminellen Untergrunds, der ein Hochhaus besetzt hält. Es wird ein schwieriger Job, der Kerl hat das Haus bereits gegen andere Gangs erfolgreich verteidigt. Im Haus gewährt er Mitgliedern und Junkies kostenfrei Unterkunft. Daher muss es jetzt geräumt werdne. Ein Redshirt hinterfragt die Anweisungen: Wieso heute? Und warum überhaupt? Egal, es gibt keine Antworten, denn Regisseur Gareth Evans möchte Action und Action soll es geben. Die Reizbefriedigung heiligt alle Plotlöcher.

Wir erfahren nie in welchem Land wir uns befinden. Wir können annehmen, dass es Indonesien ist, da der Film dort produziert wurde und alle Schauspieler einen südasiatischen Look haben, aber wirklich wissen werden wir es nicht und es spielt auch keine Rolle. Rama wird uns am Anfang als Muslim vorgestellt, doch es wird nicht weiter verfolgt. Weder betet er in kritischen Momenten, wie zum Beispiel als er fährt, dass seine Mission nicht autorisiert ist und Hoffnung auf Verstärkung sinnlos ist, zu Allah, noch hat es irgendeinen tieferen Sinn bezüglich seines Charakters. Alles in dieser Hinsicht wirkt billigt, hier wurde gespart. Bewusst. Wo jedoch nicht gespart wurde, sind die Kampfszenen. Während sich das Polizeiteam Stockwerk für Stockwerk hochkämpft, werden tausende Kugeln verschossen, literweise Blut vergossen und jede Menge Kriminelle getötet. Alles ist einfach, alles ist stumpf – und trotzdem ist ‘The Raid’ ein guter Film.

Filme wie dieser brauchen nämlich keine wirkliche Geschichte. Hier sind die Bösen, das sind die Guten, sie kämpfen, habe Spaß oder geh aus dem Kino, was übrigens viele auf Grund der intensiven und realen Gewaltdarstellung bei der Sneak Preview taten. Ein US-Kollege beschrieb den Film perfekt als er sagte, dass ‘The Raid’ eine aus der Bahn geworfene Achterbahnfahrt ist. Rama ist kein Charakter, ist ein Vehikel, der uns durch das Chaos und die Action führt. Und die Action hört für die gesamte Laufzeit von 101 Minuten kaum auf. Regisseur Evans und die beiden Hauptdarsteller haben Kämpfe choreographiert, die über mehrere Minuten andauern, oftmals durch 30 oder mehr sekundenlange Long-Takes an Intensität nicht zu erhöhen sind. Nach jedem Kampf ging ein aufatmendes “Uhhh” durch die Reihen. In diesen Pausen ist der basslastige Score zu spüren, der während der Kämpfe für den Realismus in den Hintergrund tritt. Mike Shinoda von Linkin Park ist für diesen verantwortlich; kein Werk an das man sich erinnern wird, aber während des Films unterstützt seine musikalische Untermalung die dramaturgischen Momente und füllt die Atempausen bestens.

‘The Raid’ ist ein No-Brainer der guten Sorte. Es geht weder um die Charaktere, noch um die Geschichte, deren Plottwist, oder das Motiv dahinter, mir nicht wirklich klar ist. Dennoch findet der Film bei Genre-Fans sein Publikum. Wer auf harte, intensive Actionfilme steht, die weder vor realistischer Gewaltdarstellung noch hyperstilisierten Martial-Arts-Kämpfen zurückschrecken, wird die Achterbahn seines Kinosommers erleben. Einzig allein der Untertitel “Redemption” erschließt sich mich nicht. Erlösung erfahren keine der Charaktere, dafür die Zuschauer, wenn sie am Ende der Fahrt aussteigen dürfen.