Review - PewPewPew

“You wanted your brother. Now you got him.”

Sind wir ehrlich: Thematisch gesehen waren die ersten acht Episoden der dritten Staffel von ‘The Walking Dead’ keine Meisterleistung. Doch die Toten sind auferstanden und der Tod ist omnipräsent – immerhin das hat man im Vergleich zu vorherigen Staffeln besser darstellen können. Charaktere sterben kurz nach ihrer Einführung und selbst eingesessene Figuren können jederzeit ins Gras beißen. Verdammt, sogar Rick, Daryl und Michonne machten mir diese Woche verdammte Sorgen dank einer actiongeladenen Folge, die zwar zunächst durch einen Rausch an Gewalt und Risiken überzeugen kann, aber auf Grund verfehlter Charakterisierung in vergangenen Episoden zu kurz kommt.

Rick, Daryl, Oscar und Michonne dringen in Woodbury ein und befreien Maggie und Glenn. Es kommt zum offenen Gefecht inmitten der Hauptstraße vom kleinen Dörfchen. Rick sieht Shane und reagiert zu spät, als dieser Oscar erschießt. Es stellt sich heraus, dass Rick nur halluzinierte. Der Typ war aber echt, ähnelte Shane ein wenig und erschoss wirklich Oscar. Armer Oscar. Daryl bleibt zurück um den anderen die Möglichkeit zu geben, zu entkommen, und wird gefangen genommen.

Währenddessen schleicht sich Michonne in das Haus des Governors um auf ihn zu warten – mitsamt Katana. Als sie ein Klopfen hört, entdeckt sie seine Zombieaquarien und zombiefizierte Tochter Penny. Er erscheint, sie erlöst Penny, es kommt zum Kampf und Michonne rammt ihm ein abgebrochenes Glasstück ins Auge. Verletzt und wehrlos könnte sie ihn erledigen, doch Andrea taucht auf. Die Beiden haben ein Stare-Off und Michonne entscheidet sich zu fliehen. Daryl bleibt in Gefangenschaft. Der Governor, nun mit Comic-Augenbinde, ruft den Krieg aus und erklärt Merle samt Bruder zu Verrätern und will das Volk über ihr Schicksal entscheiden lassen.

Im Cold Open dringt eine kleine Gruppe um Comic-Favorit Tyrese in das Gefängnis ein. Im Schlepptau hat er eine gebissene Mutter, den zugehörigen Vater und Sohn und Sasha (booya!). Ob das seine Tochter und Chris aus den Comics sind, ist bisher noch nicht geklärt, wäre aber unnötig. Im Comic versuchen diese nämlich sich gegenseitig das Leben zu nehmen. Doch seine Tochter Julie kommt als Zombie zurück ohne gebissen worden zu sein – so merken die Figuren im Comic, dass sie bereits infiziert sind. In der Serie wurde das ja anders gelöst.

Wie auch immer, Carl Badass Deluxe Grimes rettet den Tag und die Gruppe ist sicher im Gefängnis und ich hoffe, dass Tyrese nicht das gleiche Schicksal erleidet wie im Comic, immerhin stieß er im Vergleich zur Vorlage recht spät hinzu. Auch merkwürdig, dass ein neuer farbiger Mann in der gleichen Folge auftaucht, in der der Andere stirbt; insbesondere wenn man bedenkt, dass die Serie in Georgia spielt. Aber das nur am Rande.

Die Action, wenn auch komplett unübersichtlich (ob gewollt oder ungewollt kann ich nicht erkennen), war gut. Wenn es zur Sache geht, enttäuscht die Serie ja nie. Die kleinen Character Beats wollen dann aber wieder nicht funktionieren. Okay, Michonne kann wohl raten, dass es Blake war, der ihr Merle hinterher geschickt hat, aber muss sie die Mission so in Gefahr bringen? Ist ihre Rachlust wirklich so groß? Hier würden wir mehr verstehen, wenn Michonne mehr Charakter und Hintergrundgeschichte hätte – wurde aber versäumt. Ähnlich wie ihre Beziehung zu Andrea. Die beiden Frauen stehen sich gegenüber und zweifellos können wir vermuten, dass die beiden Einiges durchlebt haben und beste Freundinnen wurden, die sich nun beide gegenseitig vom Anderen verraten fühlen – aber als Zuschauer vermuten wir nur, wir wissen nicht. Und damit ist es quasi nonexistent und somit verfliegt auch die Spannung.

Ebenso wird der Governor ein wenig zu schnell radikal in der Folge. Klar, gewisse Untertöne wurden angespielt in den vergangenen Folgen, aber er ist doch wesentlich neutraler als im Comic dargestellt worden. Mal abwarten, wie sich das noch entwickelt. Seine Rede zum Schluss der Episode hat mich jedenfalls noch nicht völlig überzeugt.

Der Cliffhanger ist dank einer überaus spoiler-sorglosen Vorschau bereits aufgelöst, was aber angesichts der Popularität der Charaktere nicht überrascht. Es bleibt abzuwarten, ob Merle nun Spion des Governors ist, was ich für wahrscheinlich halte, oder ob er tatsächlich so vor die Räder geworfen wurde und wieder Teil von Ricks Gruppe wird, was ich für interessanter halte.

Im Februar wissen wir mehr. In der Zwischenzeit wird man hier weiterhin Reviews der Folgen aus der ersten Staffel finden, sodass die Serie komplett abgedeckt ist.

‘Primer’ Review

04 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review · 2 comments

Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Shane Carruth
Drehbuch: Shane Carruth
Darsteller: Shane Carruth, David Sullivan
Länge: 77 Minuten
Rating: ★★★★½

“What happens if it works?”

Zeitreisegeschichten sind auf Grund ihrer verstrickten Struktur und realitätsfernen, absurden Natur ohnehin komplex und schwer zu verfolgen. Shane Carruths ‘Primer’ setzt sich in diesem Genre die Krone auf und ist dabei ohne Zweifel zu schlau für das eigene Wohlergehen. Carruth, der den Film mit einem Minimalbudget quasi alleine gestemmt hat – er war Autor, Produzent, Regisseur, Hauptdarsteller, zuständig für Schnitt und Musik – hat sein Erstlingswerk voll mit Termini, Doppelgängern und Zeitachsen/-schlaufen gesteckt, sodass das Endergebnis sowohl als kongeniales Meisterwerk als auch Riesendurcheinander in die Analen des Indiegenre einging.

Aaron (Carruth) und sein Freund Abe (David Sullivan) arbeiten tagsüber bei einem Hightechkonzern und abends in ihrer Garage an verschiedenen Start-Up-Ideen, die sie reich machen sollen. Eine ihrer Maschinen soll Gegenstände leichter machen, als sie eigentlich sind. Sie erreichen ihr Ziel mit einem Nebeneffekt: Die Gegenstände sind nicht nur leichter, sondern auch anscheinend in der Zeit gereist. Eine Minute in ihrer Garage entsprechen 1347 Minuten in der Maschine. Aaron und Abe bauen eine größere Version und reisen selbst. Zunächst ist der Umgang mit ihrer Entdeckung streng und diszipliniert um an der Börse ihr Konto aufzubessern. Doch schon bald versuchen sie Fehler von Freunden und sich selbst zu verhindern und kämpfen gegeneinander in der Zeit.

Nicht nur technisch überrascht der wunderschön geschossene Film, sondern es sind besonders die beiden Hauptdarsteller, die überzeugen. Man nimmt den Beiden ihre Entdeckung sofort ab und die Art, wie sie ihre Dialoge übermitteln, ist aufrichtig, glaubhaft und intelligent. Carruth hat diesen Film laut eigenen Angaben mit 7000 Dollarn selbst finanziert und auf 16mm Film geschossen, noch vor der Digital-Revolution geschossen, die es Indiefilmen heute so leicht macht. Jede Einstellung, jede Szene musste direkt beim ersten Mal sitzen – und es passt. Die gleiche Finesse und Kompetenz legt Carruth, ein ehemaliger Mathematikstudent, auch bei seiner Geschichte an.

Er macht keine Zugeständnisse gegenüber dem Publikum und schreibt seine Dialoge kompromisslos komplex. Aaron und Abe diskutieren über ihre Entdeckung mit Begriffen und einer solchen Geschwindigkeit, dass man selbst als aufmerksamer und intelligenter Zuschauer nicht beim ersten Mal nachvollziehen kann, was genau gerade vor sich geht. Das führte natürlich zum Kultstatus unter Filmbuffs, aber selbst durchschnittliche Kinobesucher dürften sich nach den 77 Minuten wundern, ob sie gerade ihre Zeit verschwendet haben. ‘Primer’ ist kein Film, der unterhalten will und den Zuschauer zum Denken anregen will, nein, er zwingt ihn dazu. Viele Schlüsselszenen fehlen und die Charaktere stellen sich oftmals die gleichen Fragen wie die Zuschauer. Es ist ein Puzzle, das viele Nerds, Geeks und Diskussionen noch jahrelang beschäftigen wird.

‘Primer’ ist ein unverfrorenes Low-Budget Science-Fiction-Meisterwerk mit fesselnden Charakteren und einer fasznierenden als auch beängstigenden Geschichte, die Filmfans noch für Jahrzehnte beschäftigen wird.

Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Melissa Rosenberg
Darsteller: Robert Pattinson, Kristen Stewart, Taylor Lautner
Länge: 115 Minuten
FSK: 12
Rating: ★☆☆☆☆

Ach, was wäre es leicht Twilight süffisant zu zerpflücken, dem Team dahinter Berechenheit und Leidenschaftslosigkeit vorzuwerfen oder dem Film schlicht die Existenzberechtigung abzusprechen. Immerhin gäbe es diesen Film nicht, wenn Warner Bros. nicht den schlauen Schritt getan hätte, ‘Harry Potter and the Deathly Hallows’ in zwei Teile zu teilen; und aus gutem Grund, immerhin hatte man eine lange und komplexe Geschichte zu erzählen. Aber das mache ich nicht. Ich bin müde. Diese Filme existieren und sind für eine ganz bestimmte Gruppe von Leuten gemacht worden, nämlich die Fans der Bücher und Filme. Wenn der künstlerische Funke nicht mehr Antrieb hinter einem Projekt verfällt, ist Kritik durchaus berechtigt. Aber bei dem vierten Sequel sollte das niemanden mehr überraschen.

Bella ist nach der Geburt ihrer Tochter Renesmee nun ein Vampir und Edward hilft ihr dabei sich daran zu gewöhnen. Ihre Tochter ist eine Mischung aus Mensch und Vampir und wächst daher unnatürlich schnell heran. Doch im Twilight-Mythos sind Vampirkinder auf Grund ihres ewigen Kindseins verboten und als jemand Renesmee beim Schweben beobachtet und fälschlicherweise von einem reinen Vampirkind ausgeht, stellt das natürlich eine Gefahr für die bestehende Herrschaft dar. Plot also: Vampirkönige wollen Bellas Tochter töten, obwohl die ja noch wächst und nicht ewig so bleibt.

Ja, gut. So ist das halt, wenn man eine ohnehin dünne Geschichte auf zwei Filme streckt: Es herrscht über 90 Minuten hinweg Langeweilie. Die Cullens bereisen die Welt um “Zeugen” zu finden, sodass man dem bösen Obervampir Aro (Michael Sheen, der kurz vor dem Finale einen ) sagen kann: Hey, ist alles nicht so. Spielt aber keine Rolle und es kommt wie es kommen muss zum großen Showdown. Und ganz ehrlich? Der Film hatte mich fast für eine Sekunde. Da kämpfen Vampire und Werwölfe gegeneinander und es geht echt zur Sache. Da sterben Leute, manche Charaktere opfern sich und als Kenner der bisherigen Filme ist man da überrascht, wie unerwartet hart die Geschichte mit ihren Charakteren umgeht. Ich würde ja fast so weit gehen diese Szenen als dramatisch zu bezeichnen, wenn es dann nicht doch den feighaftesten Twist in jüngster Erinnerung gäbe, der sogar M Night Shyamalans ‘The Happening’ vergessen lässt: Es war alles nur eine Vision.

Im letzten Teil treten die Spezialfähigkeiten der Vampire in den Vordergrund und unterhalten das Auge leicht mit einigen netten Effekten. Eine der Cullens, Alice, kann die Zukunft voraussehen und nun auch anderen die Zukunft zeigen. Sie zeigt also Aro: Hey, ihr verliert. Dann sagt er sich: Gut, gehen wa ma besser wieder. Das war’s. Es ist antiklimaktisch und zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Deus Ex Machina, genau wie die Auflösung von Meyers’ Love-Triangle, wo sich der Werwolf Jacob auf Bellas Kind Renesmee “prägt”. Das ist so beschämend, dass sich alle hinter und vor der Kamera und sogar im Film darüber auslassen. Aber nein, es bedeutet nichts Sexuelles, zunächst sei nur da ein natürlicher Schutzinstinkt, der aber durchaus später zu einer Beziehung heranwächst, wie uns eine Vision am Ende der Geschichte zeigt. Creepy.

Jeder, bis auf die Fans, ist müde von diesem Unternehmen. Am meisten die beiden Hauptdarsteller, die nun Gott sei Dank ihr ja durchaus existerendes Talent anderweitig einsetzen werden. Technisch gesehen ist der Film Unterhaltung aus der Dose. Vom Make-Up angefangen, über die Kostüme oder die Schauplätze, es ist alles langweilig und lustlos gestaltet. So findet auch der finale Kampf nicht on location statt, sondern wird per Greenscreen eingespeist. Das sieht man in allen Einstellungen, welche ebenfalls lustlos sind. Leute stehen herum, werfen sich nichtssagende Blicke zu, die immer 1-2 Sekunden zu lange sind und allgemein wirken die meisten Szenen als ob man nach 1-2 Takes die Kameras wieder abgebaut hätte. Ist in der Kiste, reicht Leute. Ist abgefilmt. Regisseur, Produzenten, Cast und Crew haben sich wohl gefragt: Können wir damit durchkommen? Tun sie. Und sie werden dabei noch reich. Was will man ihnen vorwerfen außer einem schlechten Film?

“I’ll bake a cake with pink frosting. Would they like that? Ain’t nobody coming.”

“When the Dead Come Knocking” ist eine typische Set-Up-Folge für das Mid-Season-Finale in der nächsten Episode. Doch das hindert die Folge nicht daran sehr unterhaltend und gut zu sein. Die letzten Episoden haben den letzten Funken Menschlichkeit aus unseren Charakteren rausgehauen und die Serie versteht das. Da müssen Rick und seine Gruppe auf dem Weg nach Woodbury um Glenn und Maggie zu befreien auf der Flucht vor Walkern in eine Waldhütte flüchten und finden einen Typen vor, der mit seinem toten Hund dort alleine lebt. Ob der Kerl schon vorher gestört war oder ob die Apokalypse seinem Verstand den Garaus gemacht hat spielt keine Rolle mehr. Er stellt durch seinen Krach eine Bedrohung für die Gruppe dar und wird getötet. Das ist die Welt, in der die Charaktere jetzt leben. Es ist richtig dunkler Scheiß.

Doch den ganzen Weg traut sich die Serie nicht zu gehen. Aus gutem Grund und Gott sei Dank, denn Vergewaltigung ist scheiße. Der Governor in der TV-Serie kennt seine Grenzen und kann sich im Gegensatz zum Comic beherrschen und weiß dies klug einzusetzen um so aus Glenn, der in dieser Woche ein verdammt epischer Hecht war, das Versteck seiner Gruppe rauszukriegen. Und siehe da: So weit kann das alles nicht auseinanderliegen, denn der Governor und seine Typen kennen das Gefängnis, doch Merle stufte es als unmöglich einnehmbar ein – und Ricks Gruppe hat es mit ein paar Leuten geschafft? Wie übel müssen die Kerle drauf sein? Tausend Gedanken schießen ihm durch den Kopf und David Morissey spielt das großartig, wie ein Tier, das in die Ecke getrieben wird und das nun unberechenbar ist. Seine Position und Sicherheit werden zum ersten Mal annähernd bedroht, aber da steht auch ein leicht einzunehmendes GEFÄNGNIS herum und er wittert seine Chance und ich erhoffe mir daraus fantastische Episoden.

Doch ob es in der nächsten Woche schon zum Showdown kommt, weiß ich gar nicht. Denn während Blake und seine Woodburyleute wohl das Gefängnis mal auschecken gehen werden, sind Rick und Co. dank Michonne kurz vor Woodbury. Vielleicht verpasst man sich hier, holt Glenn und Maggie raus, während im Gefängnis böse Sachen passieren. Die letzte Einstellung von den verbleibenden Leuten im Gefängnis lässt mich das erahnen. Gutes Foreshadowing oder plumper Nervenkitzel – mir egal, es gefällt und bitte weiter so.

Und ja, Michonne…

Rick Grimes: We can tend to that wound for you, give you a little food and water, and then send you on the way. But you’re gonna have to tell us how you found us and why you were carrying formula.
Michonne: The supplies were dropped by a young Asian guy with a pretty girl.
Rick Grimes: What happened?
Hershel Greene: Were they attacked?
Michonne: They were taken?
Rick Grimes: Taken? By who?
Michonne: By the same son of a bitch who shot me.
Rick Grimes: Hey, these are our people. You tell us what happened now!
Michonne: Don’t you ever touch me again!
Daryl Dixon: [points crossbow at her head] You better start talking. You’re gonna have a much bigger problem than a gunshot wound.
Michonne: Find ’em yourself.

Ich meine, lass sie doch mal ausreden, meine Güte! Ist schon klar, hart Welt und all der ganze Kram, aber Michonne wirkt jetzt nicht direkt bedrohlich, zumal sie verletzt ist und keine Waffe hat. Auch praktisch natürlich, dass sie nicht Merles Namen nennt… Aber spielt alles keine Rolle, denn wenn jemand denkt, dass man mal das Tempo drosselt um sie als CHARAKTER einzuführen – forget it. Ich befürchte, dass da auch nichts mehr kommen wird. Schade. Back on the road! Die arme Frau…

Ein Shout-Out geht diese Woche an den unglaublich guten Soundtrack. Dieses Pochen hörte sich ein wenig an als ob Hans Zimmers Score von Inception und dem Joker Theme ein Baby gehabt hätten und erinnerte mich stark an Breaking Bad. Wunderschön eingesetzt hier bei dem Governor, der ein verdammt fieser und vor allem verrückter Bastard ist. I love it.

Andrea hat diese Woche eine Jeans angezogen. (Das wollte ich nur anmerken. Sowas ist wichtig.)

PS: Ja, ich habe die ganze Geschichte um Milton und Andrea ausgelassen, weil wir
a) nichts Neues passiert
b) Andrea ein fürchterlicher Charakter ist, der mich nur noch ärgert
und c) ich befürchte, dass diese ganze Sache auf nichts hinauslaufen wird außer um zu zeigen, wie nichtsahnend diese Leute alle sind.

“Do you have em? Her head? The sword?”

Dass Merle auf Glenn und Maggie trifft, kurz nachdem die beiden so etwas wie einen guten Tag hatten und Maggie das tatsächlich ausspricht, überrascht mich nicht. Dies ist ‘The Walking Dead’, die Serie, bei der die Autoren beschlossen haben, dass es keine normalen Tag mehr geben darf und das Leid der Figuren die vorrangige Thematik ist. Bravo!

Merle gelangt zu den beiden als er Michonne verfolgt – wieso, weshalb, warum?! Spielt zunächst keine Rolle, denn Michonne darf zeigen, dass sie extrem gut mit dem Katana umgehen kann und erledigt die Hälfte von Merles Jagdgruppe. Später erfahren wir, dass Merle vom Governor geschickt wurde. Eine Mischung aus blinder Wut, Mordlust und Sicherheit verlangte dies – und der Wunsch ihren Kopf in einem Aquarium zu besitzen.

Michonne kann jedoch entkommen, Merle lügt, dass er sie umgebracht hat und – oh weia – das wird mal bestimmt nochmal auf unseren Lieblingsrassisten zurückfallen. Michonne kommt am Gefängnis an und steht neben anderen Walkern am Zaun, die sie nicht entdecken, weil sie voll Zombieblut ist. Rick traut seinen Augen nicht.

Aber was kann das schon heißen? Rick verliert soviel er weiß sowieso gerade den Verstand, denn er telefonierte vor wenigen Minuten noch mit seiner toten Frau und all den anderen Leuten, die sie in 2 Staffeln verloren haben. Das wird hier wirklich gut umgesetzt. Rick hat gerade den Boden unter den Füßen verloren. Er ist in einem Gefängnis, einem super sicheren Ort und hatte gerade fast alles verloren. Jemand am Telefon verspricht ihm einen sicheren Ort. Das spielt keine Rolle, egal, was die Person verspricht, Rick will folgen. Er will trauern können und zurücktreten, doch die Gruppe blickt zu ihm auf – sie brauchen ihn. Schön umgesetzt alles. Das war gut. Das lief eventuell Gefahr sehr ulkig zu werden.

Der mit Abstand schlechteste Teil der Folge war erneut Woodbury. Die aufgezwungene Entwicklung Andreas kotzt mich so dermaßen an, dass der Charakter für mich quasi verloren ist. Ich will ja nicht immer wieder den Comic-Vergleich ziehen, aber während man sich an manchen Sachen orientiert, ist Andrea ein komplett anderer Charakter. Das verstehe ich nicht. Natürlich will man abweichen und das ist auch gut so, aber wieso nicht die schwachen Aspekte ändern und die starken behalten? Andrea ist eine interessante Person im Comic. Sie ist sympathisch, gut adaptiert und hat Verbindungen zu anderen Charakteren, die verdammt wichtig sind. Ihr Eingeständnis dem Governor gegenüber macht keinen Sinn bei ihrer bisherigen Entwicklung. Es macht ihre Beziehung zu ihm interessanter, klar, aber Sinn macht es nicht.

Frankreich, 2012
Regie: Christian Vincent
Drehbuch: Etienne Comar, Philippe Rousselet
Darsteller: Catherine Frot, Jean d’Ormesson, Hippolyte Girardot
Länge: 95 Minuten
FSK: empfohlen ab 65 Jahre
Rating: ½☆☆☆☆

Selten hat ein solch harmloser Film mich so erzürnt! Wenn man nach 15 Minuten im Film noch kein Gefühl dafür hat, was für einen Ton man hier vorfinden soll, beschleicht mich ein schwummriges Gefühl. Wenn der titelgebende Präsident eine insgesamte Screentime von vielleicht 8 Minuten und erst nach gut 30 Minuten seinen ersten Auftritt hat, kann einiges nicht stimmen. ‘Die Köchin & der Präsident’ bricht so manche Drehbuchgesetze, die besonders stark auffallen, weil der Film absolut keine Geschichte zu erzählen hat und so lahm ist, wie kaum ein anderer Film in den letzten Jahren.

Catherine Frot spielt Hortense Laborie, eine Seelchen vom Lande, die gut kochen kann und sich von Niemandem etwas erzählen lässt. That’s it. You want more characterization? Uwe Boll soll ja auch Filme machen… Ist sie anfangs noch zögerlich, als ein Angebot der Präsidentenküche ankommt, weil demenzkranker Opa daheim und so, spielt das nach 5 Minuten keine Rolle mehr und wird nie wieder erwähnt. Nebenstränge werden aufgegeben oder halbherzig erzählt, wie die Rahmenstory eines australischen Reporterteams, das eine Dokumentation über Hortense 3 Jahre nach der Haupthandlung in der Antarktis machen will. Übrigens sehr lustig: Deutsche Synchronsprecher, die sich in französischen Filmen an australischen Akzenten versuchen.

Ach, habe ich erwähnt, dass der Film aus Frankreich ist? Falls nicht, keine Sorge. Der Film vergisst es nie und erwähnt es an jeder möglichen Ecke. Oh, alles ist so toll quirky und lustig und komisch. Und überhaupt, die Leute vom Land sind ja die wahrhaft guten Leute, da wo noch alles in Ordnung ist und die Menschen so gezeigt werden, wie sie wirklich sind. Diese Leute müssten mal in Paris aufräumen und den Leuten zeigen, wo der Hase lang läuft.

Aber zurück zum Hauptthema: Das ist nämlich Essen. Essen, Essen, Essen. Nichts anderes. Hortense kocht – und das einzige, was passieren kann, ist, dass es dem Präsidenten nicht mundet. That’s it. Nerve-wrecking stakes, people! Absolut nichts steht hier auf dem Spiel.

Statt Story gibt es hier hübsche Bilder von französischen Gerichten, bei deren detailreichen Beschreibungen Hobbyköchen der Bauch gepinselt wird, wenn sie Anleitungsschritte verstehen. Der Rest des Publikums schaut in die Röhre. Immerhin sieht das Essen nett photographiert aus, aber das war es auch schon. Statt Story gibt es hier “Food Porn – The Movie”, unterlegt mit der Titelmelodie von Die Sims. Und das im 5-Minuten-Rhythmus. Am Ende hört Hortense auf, weil ihr die Arbeit zu viel wird und sie lieber Trüffel in Neuseeland anbauen will. Das ist doch eine Geschichte, die erzählt werden will! Es gibt keinen wahren Konflikt. Nicht einen. Ja, die Köche in der Zentralküche sind neidisch, weil Hortense jetzt alleine für den Präsidenten kocht und ihm das so gut schmeckt, aber das ist doch keine Spannung. Genauso beschwert sich einmal ein Mitarbeiter über die Reisekosten von Hortense, die in ihre Heimat fährt um Steinpilze zu kaufen. Hortense ist verblüfft: Aber es waren doch Steinpilze! Die guten, wo aussehen wie Champagnerkorken!

Absolut nichts in diesem Film verlangt verfilmt zu werden. Kein kreativer Funke, nirgends. Weder im Bild, dem Schauspiel, der Regie oder der Geschichte. Nichts. Dies ist ein Film, der ohne die reiche Filmförderung Frankreichs nicht existieren würde oder es maximal auf einen Sonntagnachmittag in der ARD schaffen würde.

Doch das Problem geht tiefer: Wie so oft hat man hier wieder einen dieser Feel-Good-Filme versucht zu machen, von denen man in den letzten Jahren aus unserem Nachbarland überschwemmt wird.

Es ist die Sorte Filme, die niemandem etwas Böses will. Jeder ist willkommen, Kontroverse verabschiedet sich an der Tür, Herz und Humor gehen Hand in Hand. Somit kann man immer nur überhaupt Mittelmaß erreichen, wenn man nichts zu erzählen hat, sogar noch weniger.

“Little Ass Kicker.”

Nach der Explosion letzte Woche war nichts anderes als eine Aftershow-Folge zu erwarten und genau das erhalten wir. Rick schnappt sich eine Axt, dreht durch und beantwortet am Ende der Episode einen – gasp – Telefonanruf. Der Rest der Gruppe sucht nach Milchpuder für die kleine Judith (oder wie auch immer man sich hier einigen wird) und in Woodbury verlässt Michonne Andrea, die lieber dort bleiben möchte, sich das jedoch schnell anders überlegt, als sie die Zombiefestspiele des Governors erlebt.

Wie bereits in der letzten Review gesagt: The Walking Dead muss um etwas gehen. Was wir hier haben, ist größtenteils belanglos. Es muss kein tiefer soziopolitischer Kommentar um den Status der amerikanischen Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts sein, aber ein wenig mehr Substanz schadet nicht.

Solange die Charaktere reden und keine direkte Gefahr vorhanden ist, gibt es meist Probleme. Ein bisschen mehr Humor dürfte auch nicht schaden (“Dinner!”). Wie auch immer, mehr davon. Mehr menschliche Momente. Michonne hat, wie befürchtet, immer noch keinen wirklichen Charakter. Sie ist einfach die coole schwarze Kickasssamuraitante, die alle mit ihren großen Augen misstrauisch anblickt, weil sie vermutlich eine stramme Zeit hinter sich hat. Sofern wir das aber als Zuschauer nicht sehen, existiert das praktisch nicht. Was wir an Charakter haben, sehen wir in der Szene – und das ist eben nichts außer bösen Blicken und Badass-Samurai-Action. Das reicht nicht.

Der Konflikt zwischen Michonne und Andrea ist immerhin ganz interessant. Es wäre hier interessant ein bisschen Vorgeschichte zu haben, sodass wir verstehen können, wieso Michonne so misstrauisch ist. Immerhin war ihr Misstrauen gerechnetfertigt: Andrea will am liebsten abhauen, als sie erfährt, dass die Woodbury-Leute Mitglieder ihrer Gruppe in einer Arena voller angeketteter Zombies zur Unterhaltung kämpfen lassen. Es ist ein netter Kommentar, ein guter Anfang. Die Leute brauchen Unterhaltung, doch in dieser Form? Gibt es nicht schon genug Gewalt? Interessante Idee, die hoffentlich in der nächsten Folge weiter diskutiert wird.

Die Gruppe im Gefängnis musste schnell reagieren. Das Baby hat Hunger und noch einen Todesfall halten die Leute nicht mehr aus. Schön zu sehen, wie eng die Leute inzwischen sind, durch welche Scheiße sie gemeinsam gegangen sind und wie sehr sie das zusammengeschweißt hat. Auch wenn wir nicht viel Ahnung haben, wer diese Leute eigentlich sind, haben wir ein Verständnis dafür, was sie als Gruppe stark macht.

Doch die Dialoge handeln immer noch nur davon wie schlimm doch alles in der letzten Folge war und welches Elend sie erleiden. Das ist realistisch, aber in den ganzen Monaten reden die Leute doch auch mal über was anderes, oder? Ich will mal menschliche Momente. Einen netten Moment gibt es immerhin draußen zwischen Glenn und Hershel. Glenn ist dort Gräber am Schaufeln – auch eins für Carol, die wir für tot halten sollen. Yeah, don’t think so.

Ricks Amoklauf im Knast endet auch interessant: Am Ende findet er nicht einmal mehr Loris Körper, der wohl von einem Zombie komplett gefressen wurde. Die Serie lässt ihren Charakteren auch keinen einzigen Hoffnungsschimmer. Nicht einmal verabschieden kann der arme Kerl sich von seiner toten Frau. Doch dazu hat er auch jetzt keine Zeit: Das Telefon klingelt. WTF!? Rick hebt ab, Stille…”Hallo?”. Fans der Comics wissen, wer sich dahinter befindet und wir dürfen gespannt sein, ob sich das auf dem Bildschirm genauso effektvoll vollzieht wie im Comic, aber wir wollen das Mysterium für unsere Fernsehfans in den Kommentaren bewahren, hmkay?

“Go! I’m dead!”

Nach der großartigen Einführung von Woodbury und dem Governor in der letzten Folge, kommen wir in ein tiefes Tal der Tränen in der vierten Folge. Die Screentime wird aufgeteilt zwischen Woodbury und dem Gefängnis, wobei wir in Woodbury nichts erfahren, das wir nicht schon wissen. Merle ist creepy, Andrea gefällt’s, der Governor ist shady und Michonne misstrauisch. Alles Puffer für die Balls-to-the-Wall-Action im Gefängnis.

Rick und Co. räumen gerade das Gefängnis auf. Alle schauen sich freudig an, Hershel kann sogar wieder gehen und ein Funken Hoffnung keimt auf. Doch wir befinden uns hier in The Walking Dead und Glenn stöhnt passend “Können wir nicht einmal einen guten Tag haben?” als Walker auf der anderen Seite des Zauns lauern. Doch das sind nicht die einzigen. Jemand im Gefängnis – es stellt sich heraus, dass es Andrew war, den Rick entkommen ließ – hat die Zäune geöffnet und nun strömen Walker von überall her. Beth und Hershel können sich in einer Ecke retten, während Maggie, Carl und Lori in die dunklen Gassen des Gefängnisses gedrückt werden. T-Dog wird gebissen und sichert Carol ein wenig Zeit um zu entkommen. Lori bekommt Wehen und hat Probleme bei der Geburt. Sie zwingt Maggie das Baby aus ihr herauszuschneiden um wenigstens ein Leben zu retten. Lori stirbt und Carl schiebt seiner Mutter eine Kugel in den Kopf, sodass sie nicht wiederkehrt. BLAM.

Alles in allem könnte man meinen, dass man hier eine gute Folge gesehen hat. Dem ist aber nicht so. Was man hier sieht, sind Autoren bei der Arbeit, die sie fundamental falsch verstehen. Das Problem der zweiten Staffel war nicht (nur), dass wir zu wenig Action hatten, sondern dass die Serie sich um nichts wirklich dreht. Es ist in Ordnung eine geniale actionreiche Folge voller Zombiesplatter zu haben, in der Helden ihr Leben lassen. Doch das kann nicht zur Normalität werden und wenn es in dem Tempo weitergeht, das die ersten Folgen anlegen, haben wir schon keine Leute mehr vor der Winterpause. The Walking Dead ist gut in den Momenten, wenn die Charaktere gegen die Zombies ankämpfen. Doch da muss mehr sein als die imminente Gefahr von Zombies gefressen zu werden. Wer war T-Dog? Wieso spricht er sich für die Knackis aus 5 Minuten bevor er stirbt? Dass wir für ihn fühlen, wenn er sich für Carol opfert? Opfer und Heldentaten müssen sich verdient machen beim Zuschauer. Nun ist T-Dog tot. Whatever.

Doch Lori ist anders. Auch wenn sie von Fans gehasst wurde, kann man nicht leugnen, dass sie immens wichtig für Carl und Rick war, so komplex ihr Verhältnis auch war. Man geht hier ein großes Risiko ein, sie zu diesem Zeitpunkt sterben zu lassen. (Mein Comic-Herz weint natürlich, weil der beste Cliffhanger aller Zeiten – sofern umgesetzt – nicht seine ganze Pracht entfalten kann.) Es ist eine feine Linie, die die Schreiber hier gehen müssen und ich bin mir nicht sicher, dass dazu fähig sind. Zweifellos, die Folgen sind besser geworden, doch so wirklich interessant waren bisher keine Dialoge. Die Diskussion um Oscar und Axel war auch leicht an der Grenze zur Fremdscham, besonders dank T-Dogs Mini-Dale-Gedächtnis-Arc.

The Walking Dead muss sich um mehr drehen als Zombies, die Todesgefahr und den Horror. Wenn es so weitergeht – und das darf man Interviews der Showrunner Mazarra und Kirkman entnehmen – wird sich der Anteil an Action, Gore und Horror pro Folge so halten. Und das ist nicht gut. Es muss Zuschauer mehr zum Bildschirm treiben als die Frage “Wer stirbt denn heute?”. Es entsteht zwar durchaus Potential hier in der Folge (Ricks Schuld, Carls Elternmord, das Baby und die Gruppe), doch es bleibt abzuwarten, wie das genutzt wird.

Immerhin das Ende überzeugt dann doch stark; insbesondere Andrew Lincolns ist großartig. Wie sein Rick sich da vor Carl stellt und ihn anjammert, in der Hoffnung ihn zu brechen, ihn umarmen zu können und das Leid zu teilen und der Junge da einfach so knallhart steht bis Rick realisiert, was passiert sein muss. Großartiges Ende, das leider vom Schnitt so abrupt in die Credits geschickt wird. Da hätte Rick ruhig noch ein paar Sekunden heulend auf dem Boden liegen können.