Review - PewPewPew

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Ich muss da mal etwas korrektieren. Anfang des Jahres habe ich Kevin Smiths Show Comic Book Men ziemlich verrissen. Wie das Leben so spielt, ist die Serie inzwischen ein kleines Wochenhighlight geworden. Das Problem der ersten Staffel war, dass die Leute allesamt keine wirkliche Erfahrung vor der Kamera gehabt haben, das Layout des Stores nicht ideal war und vieles einfach wahllos aneinandergereiht worden war.

Die neue Staffel ist wesentlich gestraffter. Die Folgen sind in der Kürze halbiert worden, was der Serie spürbar gut tut. Die Mitarbeiter des Stores wurden in Schubladen gesteckt, was der Serie aber hilft. Es nervt zwar, dass Walt immer wieder der coole, allwissende Chef ist und Ming immer wieder als Depp hinhalten muss, aber die Serie unterhält und man merkt, dass die Leute mit ihren aufgedrückten Rollen Spaß haben und hinter den Szenen wohl viel Spaß haben. Die Situationen sind zwar immer noch komplett gestellt, passen dafür aber besser in den Rhythmus der kürzeren Show.

Die Themen der einzelnen Episoden wurden auch interessanter, die Sammelsurien der Kunden sind interessanter geworden, es gibt Stargäste (u.a. Stan Lee in der letzten Folge) und es sind tatsächlich echte Leute im Geschäft, die im Hintergrund Comics durchstöbern und kaufen. Dazu wurden Walt, Mike und Ming sichtlich entspannter vor der Kamera. Die Podcastmomente mit Smith wirken zwar immer noch deplatziert, aber sie wurden weniger und dienen mehr als Rahmenhandlung und sind geschickter eingesetzt.

Trotzdem stellt die Serie für mich immer noch eine verpasste Chance dar. Wie es Dan Seitz passend trifft:

The point is, they’re all interesting in their own way. And they’re also all struggling, to various degrees. Keeping a comic book shop open in the twenty-first century is hard. Digital comics are beginning to eat into print sales, they’re reliant on Diamond to get single issues, and the vagaries of publishers can make life difficult for them. A good production company could make a dynamic and interesting story about American small business and what it takes to succeed in a niche.

‘Argo’ Review

12 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

Vereinigte Staaten 2012
Regie: Ben Affleck
Drehbuch: Chris Terrio
Darsteller: Ben Affleck, Bryan Cranston, Alan Arkin, John Goodman
Länge: 120 Minuten
Rating: ★★★½☆

“Argo fuck yourself!”

Ben Affleck hat sich wirklich gemacht. Trotz früher Erfolge drohte seine Karriere anfang der Jahrtausendwende durch Pfeifen wie ‘Dare Devil’ oder ‘Pearl Harbor’ in die Mittelmäßigkeit abzurutschen. Doch Affleck zog sich zurück, machte kritisch erfolgreiche Ausflüge in die Regie mit ‘Gone Baby Gone’ und bewies mit ‘The Town’, dass er keine Eintagsfliege ist. ‘Argo’ ist zweifellos Afflecks beste Regieleistung bis dato, was zwar den Film zu einem unterhaltsamen Thriller und berechtigten Oscarkandidaten macht, aber auch dunkle Einblicke in die amerikanische Psyche offenbart.

Iran, 1979, Revolution. Die US-Botschaft wird gestürmt, Diplomate werden zu Geiseln, sechs Mitarbeiter können entkommen und verstecken sich im Haus des kanadischen Botschafters. Ben Affleck spielt einen CIA-Agenten, der auf Extraktionsmissionen spezialisiert ist, eine falsche Hollywoodfirma aufzieht und den Iraner vorgaukelt, einen Science Fiction Film drehen zu wollen, um so die sechs Landsleute zu befreien. Soweit der Plan.

Als Politikstudent und jemand, der ein wenig Ahnung von Iran und seiner Geschichte im vergangenen Jahrhundert hat, war ich natürlich sehr interessant Ben Afflecks neuen Film zu sehen. Und meine Erwartungen wurden vollends erfüllt. ‘Argo’ ist ein typischer Politthriller der alten Schule mit guten Darbietungen (insbesondere Arkin und Goodman als Hollywoodleute) und Spannung bis zur letzten Minuten. Doch bei allem gebührenden Lob blieb ein bitterer Beigeschmack übrig, der, umso mehr ich über den Film nachdenke, auffälliger wird.

Da ist Affleck doch ein ansonsten ausgesprochen progressiv-liberaler Mensch, der sich abseits der Schauspielerei politisch engagiert, und trotzdem ist Argo voller Hurrapatriotismus und Xenophobie. Die Iraner werden meist als schreiende, wütende Monster wahrgenommen, die den Amerikaner an den Leib wollen. Untertitel werden nicht angezeigt und die Hintergründe für diese Wut werden auch nicht tiefer ergründet. Man geht den einfachen Weg des Stereotyps, was besonders bitter ist, weil Affleck es besser weiß.

Eine Szene sticht besonders heraus, als die “Filmcrew” sich mit iranischen Offiziellen den Marktplatz als möglichen Drehort sichten will. Es kommt zu einem Missverständnis und ein Iraner brüllt eine zaghafte, junge Amerikanerin an. Es kommt zur Massenbildung. Afflecks Bilder sind dunkel, die verwinkelten Gassen des Marktes unheimlich und die Kamera nah an den Personen. Die Iraner werden schlicht als “die Anderen” zum Antagonist stilisiert, ohne zu erklären, wieso diese Menschen so wütend sind. Die Opulenz und Folter des Schahs werden erwähnt, aber nie wird darauf eingegangen, weshalb jetzt religiös-fundamentelle Iraner an der Macht sind oder wie die Menschen unter dem Schah litten.

Affleck selektiert und zeigt uns wütende, radikal-islamische Revolutionsmitglieder. Es ist wohl typisch, dass den Amerikanern in ihrer Kunst, dem Comic, die Vorgeschichte des Irans zu Beginn des Films erklärt wird. Im Comic ist die Welt nämlich noch in Ordnung, es gibt klare Linien. Sie sind die Helden, die Iraner die Bösen, komplexer kann oder vielleicht darf der Film auch nicht sein. Im Abspann zeigt uns Affleck Echtaufnahmen der Geiselnahme und Befreiung, die Bildern aus dem Film gegenübergestellt werden. Die detailgetreue Umsetzung der Kostüme und Sets ist respektabel, wäre aber wohl besser im Drehbuch aufgehoben gewesen.

‘Total Recall’ Review

11 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

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Vereinigte Staaten 2012
Regie: Len Wiseman
Drehbuch: Kurt Wimmer, Mark Bomback
Darsteller: Colin Farrell, Jessica Biel, Kate Beckinsale, Bryan Cranston
Länge: 118 Minuten
FSK: PG-13 in jeder Einstellung. Fake-Tripple-Möpse!
Rating: ★★½☆☆

Len Wisemans Remake von Paul Verhoevens Klassiker ‘Total Recall’ stieß bei mir auf eine derart emotionslose Reaktion hervor wie schon lange kein Film mehr. Ein Film, der so brav ist, hat mit seinem Original nichts mehr gemein. Und hey, ich bin immer für Wandel. Change is good! Aber ‘Total Recall’ ist ein Remake, das keiner wollte – und so sieht er auch aus. Ein schrecklich durchschnittlicher Actionstreifen, den man nicht einmal wirklich hassen kann.

Ende des 21. Jahrhunderts gibt es nur noch zwei Regionen, die Leben auf dem Planeten ermöglichen: “Die Vereinigte Federation von Britannien” und die Kolonien (Australien). Verbunden sind beide Regionen mit dem “Fall”, einer Machine, die durch den KERN DES PLANETEN (!) in bequemen 17 Minuten von einer Region zur anderen führt. Doug (Farrell) ist ein normaler Arbeiter, mit normalem Leben in der Kolonie und Beruf in Britanien. Er hat eine wunderschöne Traumfrau (Kate Beckinsale), will aber trotzdem zu den Traumverkäufern bei Total Rekall. Dumm. Denn von da an nimmt sein Leben eine schlechte Wendung nach der anderen und schon bald ist er verstrickt in einem Kampf zwischen Regierung und Rebellen, Traum und Realität.

Völlig uninspiriert ist Wisemans Remake nicht. Die Action ist zwar größtenteils eventlos, aber ein Kampf in der Schwerelogsigkeit und die Autoverfolgungsjagd stellen kleine Höhepunkte da. Der “Fall” ist an sich auch ganz nett, reicht aber nicht als Ersatz für den Mars mit dem auch die Mutanten wegfallen. Die Welt an sich ist ganz hübsch, aber auch nur, weil man sich stark an anderen Dick-Adaptionen wie ‘Blade Runner’ und ‘Minority Report’ orientierte. Dafür ist man zwar an Dicks Geschichte näher dran, aber ich frage mich, ob danach jemand verlangte.

Ansonsten plagen den Film typische Remake-Beschwerden. Eine dreibrüstige Frau kommt nur vor, weil sie im Original vorkam; nicht, weil es irgendetwas mit der Geschichte zu tun hätte, die man hier erzählen will. Es sind diese Verweise, die ein Remake plagen. Entweder man wagt komplett originelle Schritte und lässt das Alte in Würde ruhen oder macht sklavische Adaptionen der Mittelmäßigkeit, die man besser lassen sollte.

‘Total Recall’ fällt irgendwo dazwischen. Farrell gibt den Durchschnittsactionhelden, Biel ist schrecklich fehlbesetzt und Beckinsale alleine kann trotz ihrer Underworld-Gedächtnis-Kickass-Performance das Boot nicht alleine schaukeln. Leider ist der Film nicht so ambivalent wie sein Vorbild, noch so brutal oder einzigartig. One-Liner gibt es, aber es fehlt einfach der gewisse Charme. ‘Total Recall’ ist ein Film, der leicht zu verzehren ist, niemandem weh tut und schnell im Schatten seines Originals vergessen sein wird.

‘Ruby Sparks’ Review

10 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

Vereinigte Staaten 2012
Regie: Jonathan Dayton & Valerie Faris
Drehbuch: Zoe Kazan
Darsteller: Paul Dano, Zoe Kazan, Chris Messina, Antonio Banderas, Annette Bening
Länge: 104 Minuten
Rating: ★★★★½

“She’s complicated, that’s what I like best about her.”

Sechs Jahre ist es her, dass uns Jonathan Dayton und Valerie Faris mit ihrem fulminanten Regie-Debut ‘Little Miss Sunshine’ verzauberten. Doch dann kam lange nichts. Nun melden sie sich mit ‘Ruby Sparks’ zurück, einem Film über den Autor Calvin Weir-Fields. Calvin ist Ende zwanzig und hat erst einen Roman geschrieben. Doch dieser, zehn Jahre alte Roman hat die Literaturwelt verblüfft wie nie zuvor. Calvin ist ein Wunderkind und lebt mit seinem Hund in einer schönen Villa im Valley. Doch ihn plagt eine Schreibblockade und eine Freundin hatte er seit dem schmerzhaften Ende seiner letzten Beziehung auch nicht mehr. In seinen Träumen begegnet ihm eine Figur, über die ihn sein Therapeut zu schreiben zwingt. Daraus formt sich Ruby, das rothaarige Manic Pixie Dream Girl, das eines morgens einfach in seiner küch steht und ihn von seinen sich nun wieder problemlos füllenden Seiten in sein wahres Leben katapultiert. Doch Calvin verliert nicht den Verstand, sein Bruder und seine Familie können Ruby sehen.

Alles ist schön, Ruby bringt sein Leben wieder auf Trab, die beiden haben jede Menge Spaß, doch dann kommt wie in jeder Beziehung die Routine. Dazu ist Calvin sich Rubys Liebe ungewiss. Er fällt wieder in alte Muster und versucht seine Kreation zu perfektionieren. Er schreibt etwas in sein Manuskript und Ruby folgt, doch stets im Extremen. “Ruby ist gut gelaunt.” Ruby wird ihm zu gut gelaunt. “Ruby ist treu.” Ruby wird zu anhänglich. “Ruby ist ruhiger.” Ruby wird depressiv. Zoe Kazans Drehbuch ist eine wunderschöne Allegorie an die Versuche den Partner zu perfektionieren und ihn nicht als den Menschen zu respektieren, der er ist. Ständig wird der Idee des Menschen nachgerannt und nicht der einzelne Mensch für das anerkannt, was er ist, mit all seinen Fehlern und Problemen.

Es kommt wie es kommen muss: Calvin verliert Ruby. Aber nicht bevor er ihr auf traurige und herzzerbrechendeweise sein Geheimnis offenbart und Ruby quasi quält, ihr neue Zeilen schreibt und abstruse Handlungen vornehmen lässt, bis sie endlich begreift und geht. Calvin ist am Boden zerstört, findet aber nun den Mut seinen Roman zu Ende zu schreiben. Er hat wieder kommerziellen und kritischen Erfolg, doch das erfüllt ihn wieder nicht. Er ist immer noch mies drauf, vermisst Ruby, bis er sie eines Tages im gleichen Park findet, wo er sie bereits schon einmal traf. Sie scheint sie nicht an ihn zu erinnern – oder es ist eine komplett neue Ruby?

Von allen Möglichkeiten ist keine die Beste. Calvin ist als Charakter nicht gewachsen, hat nichts gelernt und wird am Ende sogar noch im Beruf und in der Liebe belohnt. Zoe Kazans interessante Demontierung des Manic Pixie Dream Girls in den vorherigen 100 Minuten wirkt dadurch im Vergleich nicht mehr viel. Doch obgleich das Ende einen bitteren Geschmack im Mund zurücklässt, zerstört es nicht die wunderbar quirkigen Momente zuvor. Insbesondere die Szenen im Big Sur National Park bei Calvins Eltern, gespielt von Annette Bening und dem hier großartigen Hippie-Künstler Antonio Bandera, sind herrlich schön. Die Chemie zwischen Kazan und Dano stimmt – wie könnte es auch anders sein, sind die Beiden doch auch im wahren Leben ein Paar. Ihnen beim Spiel zuzuschauen ist ein wahres Vergnügen und ihre Charaktere sind interessant und lassen ‘Ruby Sparks’ zu einem der schönsten Liebesfilme des Jahres werden, der einen zum Denken anregt.

Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Bobcat Goldthwait
Drehbuch: Bobcat Goldthwait
Darsteller: Joel Murray, Tara Lynne Barr
Länge: 104 Minuten
FSK: 18
Rating: ★★½☆☆

American Idol, Honey Boo Boo, die Kardashians, gierige kleine Gören kotzen sich aus, weil sie einen BMW statt einen Cadillac bekommen. Bobcat Goldthwait zieht sein Fazit: Die amerikanische Gesellschaft ist krank, pervers und kaputt.

Diese Welt sieht er durch die Augen eines normalen Typen, dessen Leben in letzter Zeit nicht mehr so richtig läuft. Frank ist geschieden, lebt alleine, die Nachbarn nerven mit ihrer lauten Musik und dem ständig weinenden Baby und er verlor gerade seinen Job wegen sexueller Belästigung, obwohl er nur der Empfangsdame ein Buch ausgeliehen und ihr Blumen geschenkt hat. Sie fühlt sich nicht mehr sicher an ihrem Arbeitsplatz, deshalb muss Frank gehen. Und obendrauf erfährt er noch von seinem Arzt, der nebenbei gerade eher um seinen Sportwagen besorgt ist als um Frank, dass er einen unoperierbaren Gehirntumor hat. Als sich Frank am späten Abend eine Knarre in den Mund drückt, ist er entschlossen mit alledem Schluss zu machen. Doch dann kommt ihm eine bessere Idee: Er wird die Welt vorher noch ein wenig verbessern.

Goldthwaits Film ist purer Revengeporn. Klar, jeder hat sich schon einmal gewundert, ob das Leben ohne die ein oder andere Person ein wenig einfacher wäre, aber dafür gleich zur Waffe zu greifen? Das darf nur die Satire – mehr ist Goldthwaits Film auch nicht, leider oft sehr unbeholfen und zu begrenzt. Statt die ohnehin absurden Ausschnitte aus dem TV irgendwie zu persiflieren, werden sie schlicht nachgeahmt. Hier und da etwas überspitzt, aber im Grunde nicht wirklich interessant oder lustig. Leicht überdreht, wie wir es aus Switch Reloaded kennen.

Die Idee hat sich auch sehr schnell abgenutzt. Er trifft auf Roxy, eine kleine Göre, die ebenfalls genug von ihrem Leben hat und von ihren bösen Eltern wegrennt. Ihr skrupelloser Amoklauf ist definitiv unterhaltend für Liebhaber von tiefschwarzem Humor, doch viel mehr kommt nicht. Nachdem sich der Film inhaltlos von einem langen, neunmalklugen Monolog zum anderen hangelt, bei dem die Charaktere nur Auslieferer von Goldthwaits Hass sind, sollen wir uns gegen Ende des zweiten Aktes um die Figuren und ihr Schicksal kümmern. Das funktioniert nicht.

Über die Ausführung der Wunschfantasie kommt der Film nie hinweg. Goldhtwait verliert sich nach einem starken Anfang in seinen Monologen und schafft es nie eine Geschichte aufzubauen, die die Botschaft tragen kann. Das Ende im Bonny & Clyde Gedächtnisstil ist auch nur die logische Konsequenz seiner dünnen Prämisse. Immerhin.

Autor: Christophe Bec
Illustration: Christophe Bec & Stefano Raffaele, Peynet – Démarez – Ferniani – Ruizgé – Vax
Verlag: Splitter
Erschienen: 09/2012
ISBN: 978-3-86869-252-5
Amazon, Splitter-Verlag
Seitenzahl: 48 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Christophe Becs Reihe über Übernatürliche Phänomene um die Zahl 13 geht in eine fünfte Runde. Nach den bereits erstklassigen 3 Vorgängern geriet der letzte Band jedoch in einen gewissen Leerlauf, obgleich hohen Niveaus. Der fünfte Band ist nunmehr, nicht wie original geplant Teil einer 6-teiligen Reihe, sondern ‘Prometheus’ wird am Ende 11 Teile haben. Auf der einen Seite erfreut mich das als Fan der Reihe, auf der anderen werden wir noch wesentlich mehr dieser Füllepisoden bekommen, denn nach den ersten 3 Teilen wurde offensichtlich bewusst das Tempo rausgenommen. Das ist schade, aber gibt auch mehr Zeit für Charaktere und interessante Nebengeschichten.

Story

Wir steigen ein bei dem Philadelphia-Projekt, das Albert Einstein übersieht. Es kommt wie in dem Mythos: Das Schiff verschwindet und verschmilzt mit seiner Crew. Wenig später sieht man US-Soldaten hunderte Tote Bürger aus einer Geheimanlage schaffen, bei der das Schiff 40 Jahre später wieder auftauchen sollte.

Überall auf der Welt werden die Menschen, die besonders von der bevorstehenden Invasion betroffen sind, wie der überlebende Astronaut, der nur noch Alien-Gesichter malt, oder der Flugzeugabsturzüberlebende, der die TV-Reporter würgte, von US-Geheimdiensten abgeführt. Der Astronaut wird erschossen, die Crew des U-Boots wird nach Area 51 geschafft, der Hellseher wird auf den “Montauk-Stuhl” in Camp Hero gebracht, wo die USA geheime Experimente an Menschen durchführte. Das Project Blue Book, prominent in Band 2 erwähnt, wurde wieder eingeschaltet.

Menschen mit “Psi-kräften” wurden hier benutzt um Gehirnaktivitäten zu beeinflussen und Zeitlöcher zu anderen Welten zu finden, unter anderem wird hier die Stadt Providence im Jahr 2019 erwähnt – genau die Stadt, in der sich die Soldaten befinden, die im letzten Band durch den Spiegel am Boden des Ozeans gegangen sind. Könnte es also sein, dass die Aliens ein Paralleluniversum von uns angegriffen haben und wir ihnen Tür und Tor zur unserer Welt geöffnet haben? Immerhin schießt am Ende des Bandes ein UFO aus dem Spiegel hinaus in unsere Welt.

Viel Exposition, viel Durcheinander. Ich hoffe, dass sich das im nächsten Band wirklich mal auszahlt.

Illustration

Prometheus ist nach wie vor sehr schön und genau mein Stil, obwohl es frustrierend ist, dass Bec nicht alleiniger Zeichner ist, sodass sich der Stil in den ohnehin wenigen Seiten immer mal wieder wechselt. Insgesamt sind hier sieben Zeichner beteiligt und auch wenn man das nicht so arg sieht, leidet darunter die Einheitlichkeit und Kreativität. Figuren sind immer noch nicht individuell, sondern eins zu eins aus dem Leben kopiert. So spielen Vladimir Putin und Laurence Fishburn mit. Das stört einfach.

An der Gesamtqualität des Comics lässt sich wieder nichts bemängelt. Wer schon einmal einen Band vom Splitter-Verlag in der Hand hatte, wird sich daran erinnert fühlen, welch besondere Qualität in die Verarbeitung geht. Das Hardcover ist robust und liegt gleichwohl gut in der Hand. Das Papier hat die perfekte Dicke und ist von höchster Qualität. Das Umblättern alleine ist ein Schmaus für jeden Fan von Hochwertigkeit.

Fazit

Manchmal würden die Zeichnungen auch einfach genügen. Oftmals führt Bec die Leser zu sehr an der Hand und lässt Charaktere Offensichtliches ausspucken. Ansonsten wird mit diesem Band wieder einmal die Verschwörungskiste aufgemacht und es gibt ein paar interessante Offenbarungen, die das Gesamtkonzept des Comics langsam ein wenig verständlicher machen. Hoffentlich geht es bald los mit der Invason. Es gab ja nicht einmal einen 13:13 Vorfall in diesem Band…

Rating: ★★★☆☆

Vereinigte Staaten 2012
Regie: Benh Zeitlin
Drehbuch: Lucy Alibar & Benh Zeitlin
Darsteller: Quvenzhané Wallis, Dwight Henry
Länge: 98 Minuten
Rating: ★★★★★

“I see that I am a little piece of a big, big universe, and that makes it right.”

Auf große Zustimmung in der liberal geprägten Filmkritikerszene der USA stoßen immer wieder auch kleine Filme, die der amerikanischen Gesellschaft den Spiegel vorhalten. So geschehen vor einem Jahr mit ‘The Help’ und davor mit ‘Winter’s Bone’, nur um jüngere Beispiele zu nennen. Doch ‘Beasts of the Southern Wild’ ist weit mehr als das.

Wenn ‘Beasts of the Southern Wild’ beginnt und uns in die “Bathtub” einführt, singen und tanzen alle Menschen wild umher, betrunken vom Leben und Eindrücken. Die kleine Hushpuppy läuft mit Feuerwerkskörpern in den Händen umher und die Musik pocht bombastisch. Es war der Moment, als mir klar war, dass der Film etwas Besonderes werden sollte.

Die kleine Hushpuppy lebt mit ihrem Vater in einer vom Restland durch hohe Dämme abgeschottenen “Badewanne”. Der Klimawandel und die schmelzenden Eisvorkommen haben die Ozeane steigen lassen und Küstenregionen unter Wasser gesetzt. Doch die Armen können nicht fliehen – und wollen es auch nicht. Es ist ein kleines, romantisches, fantastisches Leben, das die Hushpuppy hier mit ihrem Vater in zwei auf Stelzen erhobenen Trailern abseits der “Stadt” führt. Als ihr Vater erkrankt und ein Sturm aufzieht, der die Badewanna lebensbedrohlich überflutet, muss das kleine Mädchen schnell erwachsen werden.

Einer der zentralen Botschaften fällt in der Mitte des Films, als die kleine Hushpuppy ihrer Lehrerin lauscht, die den Kinder beibringt: Es gibt nichts Wichtigeres im Leben als auf die Kleinen und Schwachen aufzupassen. Doch ‘Beasts’ ist weitaus mehr als eine große Katrina-Anspielung. Es ist eine wundersame Welt, die wir durch die fantastischen Augen eines kleinen Mädchens sehen, voller Monster und Magie.

Dass der Film in der Mitte etwas meandert und die wunderlichen Nebencharaktere nicht entwickelt werden, muss er sich vorwerfen lassen. Doch das spielt keine Rolle: Der Film ist nur über die Beziehung von Hushpuppy und ihrem Vater. Dieser ist alkoholabhängig und mit dem Kind völlig überfordert. Wir erfahren, dass die Mutter gestorben ist und Hushpuppy sie sehr vermisst und in Form von einem Basketballshirt und dem entfernten Licht eines Leuchtturms noch immer mit ihr kommuniziert. Ihre Geschichte ist tragisch, erstaunlich, inspirierend.

In gewisser Weise versucht der Film auch eine Lösung zu finden, inwieweit der Mensch in der Natur einen Platz finden kann. In der Arktis sind buchstäbliche Monster eingefroren, die wir durch unser Nichthandeln mit dem Klimawandel heraufbeschwören werden. Der Mensch dominiert die Natur. Die Tiere im Film werden teilweise martialisch verzehrt und die Fabriken befördern den Klimawandel. Gehört der Mensch überhaupt auf den Planeten? Wie lange können wir ihn weiterhin ausbeuten und können wir überhaupt in Symbiose mit unserer Mutter leben?

Zeitlins Film stößt all diese Themen an und findet die Antwort in der Familie, der gegenseitigen Liebe und dem gesellschaftlichen Näherrücken. Er hebt nie den Zeigefinger, aber seine Charaktere zeigen deutlich, dass wir nicht miteinander reden, obwohl es genug gut meinende Leute unter uns gibt, um etwas zu verändern.

Hushpuppy lässt uns wissen, dass das Universum von ganz vielen kleinen Dingen besteht, die alle miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Wenn eines davon futsch geht, fällt das ganze System in sich zusammen. Ihr Vater Wink erinnert uns daran, als er den Damm sprengt, um das Hochwasser in das Hinterland abfließen zu lassen.

Insgesamt ist es bewunderswert, wie elegant und leichtfüßig der Film trotz seiner wichtigen ökonomisch und ökologisch geprägten Thematik daherkommt. Es ist den beiden Schauspielern, insbesondere der kleinen Tour de Force von Newcomerin Quvenzhané Wallis, und den fantastisch eingefangen Bildern von Regisseur Zeitlin zu verdanken, dass wir diese belastete Welt durch authentische und unschuldige Augen sehen dürfen.

‘Take Shelter’ Review

06 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review · 2 comments

USA, 2011
Regie: Jeff Nichols
Drehbuch: Jeff Nichols
Darsteller: Michael Shannon, Jessica Chastain, Shea Whigham
Länge: 125 Minuten
FSK: ab 12
Rating: ★★★★★

Mit ‘Take Shelter’ ist Jeff Nichols ein kleines Meisterwerk im amerikanischen Hinterland gelungen, in dem Michael Shannon eine Darbietung abliefert, die den Oscar bei der letztjährigen Verleihung mehr als verdient hätte.

Sein Curtis LaForche hat den amerikanischen Traum erreicht: Familie, Haus, Hund. Er ist Vorarbeiter bei seiner Firma, Familie und Freunde mögen ihn und sogar die Operation für seine taube Tochter wurde endlich von der Krankenversicherung genehmigt. Alles wäre gut, wenn da nicht plötzlich Träume wären, die Curtis’ Leben auf den Kopf stellen.

Sie beginnen stets mit einem aufziehenden Sturm in der Ferne. Manchmal regnet es eine gelbliche, ölige Substanz, in einem anderen Traum fallen tote Vögel aus riesigen, sich unnormal fortbewegenden Schwärmen (als wollten sie ihm etwas mitteilen) zu Boden. Doch sie enden immer gleich. Ein Familienmitglied oder Freund wendet sich gegen ihn. Der Hund beißt ihn so stark in den Arm, dass er den Schmerz noch Stunden später auf der Arbeit spürt. In einer anderen Traumsequenz steht seine Frau in nassen Kleidern in der Küche. Die beiden starren sich an, Curtis’ Blicke flehen um Gnade während ihre Hand eine kurze Bewegung zum Messerblock macht. Er wacht auf, ist schweißgebadet und zieht sich immer mehr zurück.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder verliert Curtis den Verstand oder er ist wirklich ein Prophet, der den Untergang der Welt vorhersehen kann. Für Ersteres spricht, dass seine Mutter vor Jahren wegen Schizophrenie in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Doch Curtis ist ein kluger Kopf. Er trifft Vorbereitung für beide Fälle, verliert sich aber darin nicht nur selbst, sondern auch seine Familie. Er verheimlicht seine Treffen bei einer psychologischen Beratung vor seiner Familie und benutzt die Urlaubsersparnisse für den Bau eines Luftschutzbunkers im Garten. Als er dafür einen Bagger seiner Firma benutzt, wird er gefeuert und verliert somit auch die Krankenversicherung und die Chance seiner Tochter die Operation zu ermöglichen.

Er ist ein tragischer Held, er meint es nur gut und rutscht immer tiefer. Als Zuschauer ist man zwiegespalten: Einerseits ist es wahrscheinlich, dass wir Curtis dabei zusehen, wie er ins Dunkel abdriftet, andererseits spielt Michael Shannon seine Figur mit solch einer Intensität, dass wir nach den von Nichols großartig inszenierten Szenen selbst glauben, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht.

Als er kurz davor ist alles zu verlieren, gehen in der Nacht die Tornadosirenen der Stadt an. Curtis rettet sich mit seiner Familie in den Bunker. Als der Sturm aufhört, traut er sich nicht die Luke zu öffnen. Dahinter liegt die Wahrheit, verliert er den Verstand oder hatte er all die Zeit doch Recht? Das Ende des Films ist genauso ambivalent wie diese Szene. Manche Kritiker beschrieben sie als naive Auflösung, andere als großartigen Twist und selbst Nichols weigerte sich die Szenen in einem Interview auf eine einzige Weise zu lesen. Es ist der perfekt inszenierte, liebevolle Abschluss für einen großartig gefilmten Film mit unglaublich präsenten Darbietungen von Shannon und Jessica Chastain und Traumszenen, die einen noch lange nach dem Kinobesuch beschäftigen und mich bis heute nicht loslassen.