Musik - PewPewPew

Not macht erfinderisch. Phoebe Bridgers, die nach ihrem riesigen Durchbruch in diesem Jahr ihr zweites Album veröffentliche, musste das dieses Jahr lernen. Sie wurde mitten in der Vermarktung von Punisher vom Corona-Lockdown erwischt. Alternativlos tanzte und hampelte sie dann vor dem Greenscreen herum statt für das Musikvideo zu Kyoto wirklich nach Japan zu fliegen.

Den Greensceen-Look behielt sie aber bei diversen Heimkonzerten bei; die Ästhetik ist inzwischen unter Fans ikonisch vermemet. Ich finde es wirklich wunderschön, welche Bilder sich dort zufällig beim Abspielen von Stockfootage ergeben. Für NPR gab sie nun ein Tiny Desk Konzert von Zuhause und wenn man sich digital aussuchen kann, wie der Desk aussieht, wieso dann nicht den wichtigsten der Welt auswählen? “Hope everyone’s enjoying their apocalypse”, so hört sich das manchmal auch vom eigentlichen Mann hinter dem Tisch an. Wunderschön auch dann das Finale: “I Know The End” kuliminiert mit eingesendeten Fanclips. Phoebe 4 Prez!

Vielleicht werden Christian Lindner und Frank Thelen jetzt noch rechtzeitig Fans, um den Sh00ters bei ihrem Sprung in die Charts zu helfen und vielleicht auch ab dem 16.10. 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee zu machen.

Sechs Jahre sind ins Land gezogen seit der letzten neuen Musik von The Notwist. Die deutschen Indie-Rocker veröffentlichem im Herbst ein Studioalbum, zuvor erschien jetzt zum Wochenende die neue EP namens Ship. Als großer Fan und langjähriger Fan der Band war die erste Songkollaboration mit der Singerin Saya eine so große Enttäuschung für mich, dass ich genervt von der unerträglichen Dauerbelastung des zurzeit wiedereinsetzenden Alltags das Ding ausmachte.

Einen Tag später wagte ich mich zurück und entdeckte die sanfte Synthie-Hymne “Avalanche”, die mich mit ihrem beruhigenden und anmutenden Beat sehr aufmuntert sowie “Loose Ends”, ein Song durchtränkt vom klassischen Sound der Band. Irgendwie ist diese beschriebene Ungeduld und geringe Frustrationstoleranz für dieses Jahr ganz ausgeprägt und untypisch für mich. Ein zweiter Blick lohnt. Ruhe bewahren. Augen zu und The Notwist an.

Vielleicht der bisher beste Song von Thurston Waffles.

Musikvideo: beabadoobee – Care

10 Aug, 2020 · Sascha · Musik · 0 comments

Die frühen Nullerjahre sind zurück. Endlich gibt es eine Nostalgiewelle für meine Jugend, darauf habe ich gewartet. beabadoobees neues Video für “Care” passt vom Sound und der Ästhetik perfekt in 40 Tage und 40 Nächte oder eine ähnliche Teenie-Romcom.

Indie-Darling Mac DeMarco veröffentlichte letztes Jahr sein Album großartiges Here Comes the Cowboy, welches bereits eine stattliche Länge von rund einer Dreiviertelstunde und 13 Songs hatte. Fans des Künstlers wissen aber natürlich, dass Mac täglich arbeitet und Melodien produziert, um bei seinen LPs dann brutal auszuselektieren. Mit etwas Verzögerung gibt es dann eine erweiterte Veröffentlichung des Albums mit Demo-Versionen und mehr Songs. Beim letztjährigen Album blieb scheinbar so viel übrig, dass uns jetzt gleich zwei Alben ins Haus flattern werden: Here Comes the Cowboy Demos und Other Here Comes the Cowboy Demos erscheinen am 14. August und bei Colberts Late Show gab Mac zusammen mit Jon Batiste einen ersten Vorgeschmack, welch Ohrenschmaus uns erwarten wird.

“Fooled By Love” ist eine unglaublich stimmungsvolle Hymne, verletzt und zugleich hoffnungsvoll, auf die Liebe. Ich liebe es, wie Mac spürbar bei jedem Wort eine Erinnerung abgreift und sich reinlehnt. Diese mutige Rawness und Authentizität mag ich besonders bei ihm und vor allem seinen Konzerten. So geschah es dann auch, dass er die Lyrics bei einem Stream verpeilte und das trotzdem irgendwie die beste Rendition des Songs ist. Den Auftritt und die Studioversion nach dem Klick. (weiterlesen…)

So sehr die glühenden Kugeln im Seattler KEXP Studio auch für einen universal coolen Hintergrundlook sorgen, ich finde den DIY-Look vieler “at Home”-Auftritte von Künstlern einfach so verdammt charmant und cool und crafty und ja. Die expertimentellen Einlagen bei ihrem Late Show Auftritt waren auch wieder mega süß. Cheryl Waters genießt offensichtlich das 1-on-1 trotz Distanz über Zoom auch mehr als gewöhnlich im Studio, und so wird auch das Interview zwischen den Songs tiefgründiger und somit besser. Vielleicht behält man was von den schönen Sachen hier bei, so für die Zeit “nach Corona”?

Eigentlich kann das nur getoppt werden von diesem Auftritt bei James Cordens Late Late Show. Wer kann schon von sich behaupten, bei seinem Live-Auftritt im Fernsehen Auto gefahren zu sein? Einfach cool. Mehr davon!