Literatur - PewPewPew

Als großer Fan von Christophe Bec reviewe ich hier seit langer Zeit seine großartige Comic-Reihe Prometheus, in der Aliens die Welt 13 Tage lang terrorisieren. Seit etwas mehr als einem Monat gibt es nun jeweils zwei neue Bände von Splitter. Während einer davon dem Leser eine tolle Adaption bietet, verharrt der andere in den ständig gleichen Tropen des Künstlers.

Deepwater Prison

deepwater prison splitterChristophe Bec ist ein fleißiger und vielbeschäftigter Mann mit einer Vielzahl an laufenden Projekten. Leider zeigt sich dieser Umstand in vielen kleinen Momenten in seinem neuen Comic, den er erneut zusammen mit Zeichner Stafano Raffaele produziert hat. „Deepwater Prison“ weist daher auch viele Parallelen zu ihrer gemeinsamen Alien-Invasions-Geschichte „Prometheus“ auf – leider jedoch fast ausschließlich die schlechten.

Die Aufmachung des Splitter Verlages ist immerhin gewohnt solide. Das Hardcover liegt prima in der Hand, macht sich super im Regal, die Covergestaltung ist ansprechend und verspricht ein mysteriöses Abenteuer. Leider geht dieses jedoch keine neuen Wege, sondern wandert auf vertrauten Pfaden.

Bec pickt sich zwar erneut ein interessantes Setting heraus, immerhin handelt es sich hier den Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis, das auf dem Meeresboden liegt, und füllt es mit seinen bekannten Elementen wie motivierten Antihelden, toughen Frauen, Verschwörungen, viel Gewalt, Blut und ein bisschen nackter Haut.

Trotzdem gestaltet sich bisher aus diesem Mix keine erwähnenswerte Geschichte. Und irgendwelche Monster als inzwischen erwartbares, übernatürliches Element dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen. Raffaeles Zeichnungen sind ebenso uninspiriert. Seine Figuren sind entweder austauschbar mit Sekundärfiguren aus „Prometheus“ oder gleichen erneut bekannten Hollywoodfiguren (hier: Kevin Bacon und Nicolas Cage), sodass man das Gefühl bekommt, hier handelt es sich um Storyboards für einen Actionfilm aus den Neunzigern.

Dazu wirken Großaufnahmen, wie der Untergang einer Ölplattform, abgepaust (hier: Deepwater Horizon). Der erste Band ist eine kleine Enttäuschung. Bec und Raffaele können besser – vielleicht im zweiten Band, der sich bereits in Vorbereitung findet.

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Vergessene Welt

splitter vergessene weltAutor und Zeichner Christophe Bec hat sich bereits bei mehreren Werken, wie zum Beispiel in der erfolgreichen „Carthago“ Comic-Reihe und ihren Spinoffs sowie der aktuell anlaufenden „Deepwater Prison“ Serie, von kryptozoologischen Legenden inspirieren lassen.

In seinem neuesten Comic lässt er sich nicht mehr nur von Literaturklassikern inspirieren, sondern adaptiert direkt einen selbst. Arthur Conan Doyles „Vergessene Welt“ dient ihm nun als Vorlage, die er zusammen mit den Zeichnungen von Fabrizio Faina und Mauro Salvatore in ein eigenständiges Werk produziert.

Vor allem die liebevollen Bilder und Zeichnen überzeugen, sodass selbst Kenner des Werkes die verzaubernde Wirkung des Comics nicht abschlagen können. Insbesondere Andrea Scoppettas Kolorierung verleiht dem Abenteuer eine detailgetreue Atmosphäre. Über mehrere Double Splash Pages wird die enorme Größe dieser vergessenen Welt spürbar gemacht, während die blasse Farbpalette die Welt sowohl lebendig werden lassen und in greifbare Nähe rückt als auch ihr post-viktorianisches Setting hervorhebt.

Die Figuren entsprechen ihren Vorbildern aus Doyles Roman, werden jedoch auf Grund der wenigen Interaktionen im ersten Band auf ihre wesentlichen Charakteristika reduziert. Dennoch funktioniert die Geschichte bislang sehr gut.

Der erste Band versprüht eine willkommene Note aus Abenteuer und Gefahr mit den wunderschönen Landschaften Südamerikas und Dinosauriern. Trotzdem bleibt, wie so oft bei Veröffentlichungen des Splitter Verlages, der Inhalt jedoch die Magie des außerordentlichen Covers schuldig – bisher. Teil 2 ist in Vorbereitung.

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Es gibt einen neuen Trailer zur zweiten Hälfte der fünften Staffel The Walking Dead, der mich mit seinem Standardgore und seinen bedeutungsschwangeren Monologen wieder ziemlich langweilt, aber eine Sache fesselt mich gerade. Es gibt da einen Shot im Trailer, den ich für alle Comicleser nach dem Spoiler-Sprung besprechen muss. (weiterlesen…)

Discworld LEGO’d

09 Jan, 2015 · Sascha · Literatur,Toys · 2 comments

discworld lego

Ahhhh, wie cool! Terry Pratchetts Scheibenwelt könnte es bald als offizielles LEGO-Modell geben. Auf der Ideas-Plattform fehlen dem Projekt nur noch ganz wenige Stimmen, um die magische 10.000-Hürde zu überwinden. Go, go, go!

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Mit dem Verkauf an Disney wird in Zukunft Marvel neue Star Wars Comics rausbringen. Das ist relativ schade, immerhin hat Dark Horse über 20 Jahre gute Arbeit im Expanded Universe geleistet. Aber da dies alles nicht mehr Teil des neuen Kanons ist, weinen bis auf ein paar Fans – wie zum Beispiel ich – diesem Umstand keine Träne nach. Wem es aber wie mir geht, der dürfte eventuell an dem aktuellen Farewell Sale interessiert sein. Dark Horse verkauft alle Star Wars Comics, die jemals im Verlag veröffentlicht wurden, für $300. Ich habe leider grob geschätzt 90-95% der Comics, denke aber tatsächlich darüber nach mir das für die Nachwelt auch digital zu sichern. Super Deal.

Ah, yeah! That’s my jam! Als enormer H.G. Wells Geek hatte ich gerade dank PBS Original Digital Shorts einen kleinen Litgasm. BAFTA-Gewinner James W. Griffiths, den man im Netz wahrscheinlich vor allem für seine Split Screen Love Story kennt, verfilmt Zeilen aus The Time Machine (1895), The Island of Dr. Moreau (1896), The First Men in the Moon (1901), In The Days of the Comet (1906) und The World Set Free (1914) in einem “visuellem Gedicht”, in dem Worte auf Landschaften treffen. Komponist Lennert Busch ist verantwortlich für den atmosphärischen Score und der Erzähler ist Terry Burns. Ich habe schon viele Hörspieladaptionen und Hörbücher von Wells’ Werken verschlungen, aber ich habe noch noch nie eine so passendere Stimme gehört. Das ist ein Erlebnis! “A horrible feeling of desolation pinched my heart.” Hach, kann der bitte alles vorlesen? (via) Hier der komplette Text:

(weiterlesen…)

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Wie schon zu Inception gibt es nun zu Christopher Nolans neuem Science Fiction Film Interstellar einen kleinen, aber feinen Begleitcomic von dem Regisseur und Drehbuchautor selbst in Zusammenarbeit mit Sean Gordon Murphy. Spoiler-Alarm! Dieser gibt Einblick in die ursprünglichen Lazarus-Missionen der 12 Pioniere. Hier genauer: Dr. Mann, der im Film von Matt Damon gespielt wird. Den Comic kann man bei Wired lesen. (via)

Marvels STAR WARS #1 Reboot

11 Nov, 2014 · Sascha · Comics · 0 comments

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Marvel

Nach Jahrzehnten sau guter Arbeit verliert DarkHorse nun leider die Star Wars Comics Lizenz an Marvel – alles unter dem neuen Hause Disneys, versteht sich. Immerhin weiß man die neuen/alten Leser wieder im Ursprungshaus der Star Wars Comics anständig zu begrüßen. Chefredakteur Axel Alonso verspricht eine enge Zusammenarbeit der Autoren und Künstler mit den Kanonrittern der neu gegründeten Lucasfilm Story Group. Dass man an alte Traditionen nahtlos anknüpfen will, wird bereits mit dem Variant Cover der 1. Ausgabe des regulären Star Wars Comics bewiesen. Das Cover stammt von Alex Ross und ist eine Neuauflage des Issue #1 von 1977. Neat.

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Marvel

SuperheroHype hat noch weitere Variantcover der Erstausgabe. Die Marvel Star Wars Comics von damals kamen vor meiner Zeit, doch auch beim retrospektiven Lesen und Sammeln kam ich nie so wirklich in diese komische Variation der Filme hinein. Erst DarkHorse konnte mich eines Besseren belehren. Hoffentlich kann Marvel heute nahtlos anknüpfen.

Und wenn wir gerade dabei sind: Das Cross-Media-Storytelling geht wie zuvor weiter. Kanan aus Star Wars Rebels erhält natürlich auch seinen eigenen Comic, der – wer hätte es gedacht – kurz vor dem Beginn der Order 66 beginnt. Vielleicht sollte man sich ja auch mal diese Geschichten für die Serie aufheben.

»There’s nothing routine about flying to the moon. I can vouch for that.«

Eine eigene Kurzgeschichte zu veröffentlichen ist der Traum vieler Hobbyautoren. Eine Kurzgeschichte im New Yorker zu veröffentlichen gleicht hingegen einem Ritterschlag und kann durchaus als Startschuss einer fulminanten Literaturkarriere angesehen werden. Hätte Tom Hanks nicht bereits seit 30 Jahren eine Karriere als Schauspieler, seine jetzt erschienene Kurzgeschichte Alan Bean Plus Four würde ihm definitiv einen book deal bescheren.

Hanks erzählt von einer illustren Runde unter Freunden. Spät abends sitzt man bei ein paar Bierchen auf der Terasse unter dem Mondlicht und erzählt über Leben, Beruf und abgefahrene, aber spannende Wetten. Es ist einer dieser magischen Abende. Ein Hauch von Abenteuer liegt in der Luft. Wenn man jetzt volltanken geht und nicht anhält, könnte man es bis zum Sonnenaufgang ans Meer schaffen.

Doch statt dem Sonnenaufgang gibt Hanks in seiner Geschichte seinen Figuren einen selteneren Anblick: Den Erdaufgang, den bisher nur ein paar dutzend Männer mit ihren eigenen Augen sehen konnten. Aber wieso eigentlich? Ist heute nicht alles soviel einfacher? Unser iPhone, das problemlos in unsere Hosetasche passt, hat mehr Rechenkraft ein Raumschiff, das vor 45 Jahren mal zum Mond flog. So schwer kann das also nicht, oder?

Also fliegt Hanks’ Figur mit seinen Freunden zum Mond und wieder zurück. Ein Abenteuer ohne Risiko, dafür mit iPads. Es handelt sich um eine magische Kurzgeschichte, einer Voyage dans la Lune, die man sich am Besten gleich vom Autoren selbst vorgetragen anhört. Dazu gibt es einen sanften Kommentar auf unsere Zeit, in der alles möglich ist, niemand mehr aber wirklich etwas weiß oder wen kennt. Es gibt eine App für alles und wieso sollte man sich die Namen der Astronauten merken, die auf dem Mond landeten, wenn man ein Gerät stetig in greifbarer Nähe hat, mit dem man die Antwort binnen Sekunden herausfinden kann.

Magie. Nostalgie. Abenteuer. Melancholie. Der gleichgültige Kosmos.
New Yorker: Alan Bean Plus Four by Tom Hanks