Film - PewPewPew

Das legendäre Claymation Meisterwerk Thingu, eine perverse Mischung aus Pingu und The Thing, verhalf dem Künstler Lee Hardcastle zum Durchbruch. Gleichzeitig brach es auch einen ein Jahrzehnt andauernden Rechtsstreit mit den Inhabern der Pingu-Marke los. Hardcastles Pingu war ein klassicher Fall von Fair Use, doch die Anwaltsschreiben hörten nicht auf und das Video wurde trotz Anpassungen offline genommen. Nun scheint ein zugegeben lustiger Hinweis im Video, dass es sich nämlich um “(not) Pingu” handelt, zu reichen und das Video ist wieder online. Dazu in höherer Auflösung. Klasse!

Niemand leidet unter dem aktuellen Kinoverbot so stark wie Christopher Nolan. Ganz abgesehen von der eigenen Meinung zu seinen Filmen, fordert der jahrelange Kampf des Regisseurs für die Kinoerfahrung und das Filmmedium. Große Filme mit größeren Ideen auf der möglichst größten Leinwand. Damit hat sich Nolan in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht nur bei eingefleischten Filmfans einen Namen gemacht. Sein Name steht stellvertretend für den Smart Blockbuster, High Brow Entertainment für die Masse, und sein neuer Film Tenet passt genau ins Muster.

Tenet prahlt dazu erneut mit einer beeindruckenden Riege an Darstellern. John David Washington mimt den Protagonisten, während Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Dimple Kapadia, Aaron Taylor-Johnson, Clémence Poésy, Kenneth Branagh und natürlich Michael Caine als Nebendarsteller mitwirken. Dass der Trailer dazu nicht nur Nolans andere Werke, sondern ikonische Bilder aus den Filmen einblendet, unterstreicht das Vertrauen des Studios in die Marke Nolan.

Ähnlich schon wie bei Inception ist sein neuer Film ein ästhetisches Bewerbungsvideo für den nächsten Bond und wie immer geht es bei Nolan um die Zeit. Ich werde nicht vorgeben, den Plot basierend auf dem Trailer zu verstehen. Verwirrend und gleichzeitig so einnehmend, dass man den Stoff tiefer durchdringen und verstehen möchte. Das ist der Reiz an Nolans Kino und ich hoffe sehr, dass der Film den Weg in die Lichtspielhäuser finden wird und das Rätsel dort lüften wird. Seit Wochen erscheinen Berichte, dass Nolan hinter den Kulissen um die Veröffentlichung seines Films im Juli kämpft. Jetzt erscheint der neue Trailer mit mehr Informationen zur Geschichte, aber ohne Startdatum. Dafür aber mit einem Versprechen: Coming. To. Theaters. Ein Versprechen an Filmfans und die Kinoketten zugleich.

Ich bin mir sicher, dass Tenet auch so der größte Film des Sommers werden würde. Der Trailer verspricht einen atemberaubend spannenden Film mit unglaublicher Action und riesigen Set-Pieces. Wann auch immer es wieder möglich sein wird, in großen, dunklen Räumen in andere Welten abzutauchen… es ist gut zu wissen, dass Christopher Nolan uns bereits erwartet.

Nach dem perfekten Ende von The Clone Wars besitzen Fans nun auch das letzte Puzzlestück vom Untergang der Jedi, um solch schöne Mashups schneiden zu können.

Diese alternative Ende von The Rise of Skywalker gefällt mir viel besser als das originale, wobei es ja doch schon irgendwie in die emotionslose Umarmungsorgie passt.


Punished Props

Wir vergessen manchmal, wie weit wir gekommen sind. Vor etwa 15 Jahren sammelte ich all mein Geld zusammen, um mir für die Kinopremiere von Episode III ein Stormtrooperkostüm zu kaufen. Über eBay hatte ich Glück. Die Rüstung war komplett, der Helm viel zu groß und schief verbaut. Aber scheißegal, das Ding war mein. Heute gibt es perfekte Helme, screen-accurate und mit Soundeffekten direkt von Hasbro für verhältnismäßig wenig Geld für eigentlich jedes Kostüm deines Nerdtraums.

Wie schlimm muss das nochmal 15 Jahre davor gewesen sein. Mythbuster Adam Savage kann davon berichten. Er liebte Rick Deckards Waffe in Blade Runner extrem, konnte durch die VHS-Qualität aber nie genaue Details für eine Nachbildung erhaschen. Während man heute oft das Gefühl hat, die Formen wandern direkt vom Filmset zu den Merchandiseherstellern, weiß man bis heute nicht so recht, wer Deckards Blaster überhaupt gebaut hat. Savages Obsession mit der Waffe ist wohl dokumentiert und das Video, in dem er endlich das Filmoriginal in Händen hält, gehört ins Wörterbuch neben “Ekstase”.

Savages verzweifelte Suche nach der besten Replik ließ ihn sogar eine Wasserpistole anmalen. Was wie ein Witz klingt, ist in der Tat bis heute die beste Consumer-Variante des Blasters. Die Wasserpistole lässt sich anmalen und minimal umgestalten; mit, nebenbei, großartigem Ergebnis. So habe ich es nämlich auch getan. Wem das jetzt noch nicht gut genug ist und wer Qualität statt Etsy will, für den hat Savages Workshop-Kollege Bill Doran ein Angebot.

Bill Doran hinter Punished Props ist ein Modellbautgott und hat ein neues Heiligtum erschaffen. Reimagined Blade Runner Blaster nennt er sein Meisterwerk. Wie ein jährliches Update des iPhones ist seine Waffe gedacht. Was würden Blade Runner im Jahr 2020 tragen? Diese Version der Waffe. Minimal geändert, mit funktionierendmem Abzug wie Zylinder und für etwas mehr als $2000 als fertiges Schmuckstück zu kaufen. Puh, da bleibe ich lieber bei meiner Wasserpistole, aber wer kann, der soll!


Punished Props

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Comedy Central schüttet gerade das ganze Archiv bei YouTube aus, um uns in der Heimisolation aufzumuntern. Wahrscheinlich aber auch um die Ausfälle durch die fehlenden neuen Produktionen zu kompensieren. Wie auch immer, ein Abo lohnt sich. Das Wichtige: John Mulaneys Special New in Town aus dem Jahr 2012 und die vielleicht beste Hour des Jahrzehnts sind jetzt kostenlos auf YouTube streambar.

Danny Boyle inszenierte letztes Jahr ein neues Stück von Nick Dear, basierend auf Mary Shelleys Frankenstein. In den Hauptrollen waren Benedict Cumberbatch als die Keatur und Jonny Lee Miller als Victor Frankenstein zu sehen. Das National Theatre stellte nun die zweistündige Aufzeichnung im Rahmen einer Spendensammlung für eine Woche kostenlos online.

Childlike in his innocence but grotesque in form, Frankenstein’s bewildered creature is cast out into a hostile universe by his horror-struck maker. Meeting with cruelty wherever he goes, the increasingly desperate and vengeful Creature determines to track down his creator and strike a terrifying deal.

Nächste Woche gibt es dann Shakespeares Antony & Cleopatra mit Ralph Fiennes und Sophie Okonedo.

Die Kinos sind zu. Viel zu sehen gäbe es ohnehin nicht. Neue Filme sind Mangelware. Starttermine werden nach hinten verschoben, Produktionen abgebrochen und einige Filme landen auf dem vermeintlichen VOD-Schrottplatz. Filmfans trifft die Entertainmentflaute besonders hart.

In der Zwischenzeit entdecken die Studios und Verleiher neue Veröffentlichungsmodelle, selbst das “theatrical model” will Warner Bros. überdenken. Christopher Nolan muss aktuell wohl schwer leiden. Entwicklungen, die schon lange brodeln, wie zeitgleiche VOD-Filmstarts mit Aufpreis oder schnellere Heimkinoveröffentlichungen, sind plötzlich einfach so da. Und genau so veröffentlichte Blumhouse kurz nach der Schließung der Lichtspielhäuser zum Beispiel The Invisible Man auf iTunes. Gleichzeitig florieren Streamingdienste. Netflix ist nicht negativ von der Heimisolation betroffen. Im Gegenteil: Alleine im ersten Quartal gewann man 15 Millionen neue Abonnenten für sich.

Mit meinem Freund und ehemaligen Kulturindustriellen Lucas Barwenczik hole ich zwei Filme nach, die noch vor der Kinoapokalypse den Weg zu uns fanden und sich thematisch gut ergänzen. Sowohl The Invisible Man als auch The Platform treffen einen Nerv beim Publikum und warten mit zeitgeistigen Statements auf. Was wir dazu denken, hört ihr im neuen PewCast.

Shownotes:
Bildquelle: Netflix/Blumhouse
Lucas-Podcast: Longtake
Filmdienst: Der Schacht – Kritik
The Platform ab 00:35:30

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Hier die Links zu MP3, Soundcloud und Podcast-Feeds:
MP3: pewcast049.mp3 (59 MB)
Soundcloud: PewCast 049: The Invisible Man On The Platform
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