Angst und Vorfreude auf Borat 2 - PewPewPew

Angst und Vorfreude auf Borat 2

23 Oct, 2020 · Sascha · Film


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Wowa weewa!! Völlig überraschend erscheint heute Borat 2 oder Borat Subsequent Moviefilm: Delivery of Prodigious Bribe to American Regime for Make Benefit Once Glorious Nation of Kazakhstan. Ich habe meine Liebe für die Kunstfigur schon vor zwei Jahren passend zusammengefasst, deshalb halte ich mich kurz: Ich liebe Borat und für mich stellt der Film so etwas wie den Heiligen Gral der Nullerjahr dar. Borat, die Kunstfigur, war nie auf den Film an sich begrenzt und doch vor allem deshalb prägend in Erinnerung geblieben. Auftritte wie die vor zwei Jahren zu den Midterm Elections waren nicht unbedingt deplatziert, aber ohne Biss und wirkten beliebig.

Die ersten Enthüllungen zu Rudy Giulianis Verhalten im Film und der Trailer lassen zumindest vermuten, dass Sacha Baron Cohen sich nicht zurückhalten wird. Eine gute, wenn auch klare wie notwendige Entscheidung. Das politische Klima hat sich zugespitzt. Die verheerende Außenpolitik der Bush-Regierung führte zu einem internationalen Ansehensverlust der Amerikaner. Borat, der dumme Reporter aus einem Shithole-Country, war daher die perfekte Waffe, um die oberflächliche Höflichkeit der Amerikaner auszublenden, um die darunterliegenden Ressentiments offenzulegen, die zur Unterstützung der Bush-Doktrin führten. Borat lockt mit seinen eigenen Äußerung dazu, die Interviewten in eine Falle zu locken, wo sie sich vermeintlich wohl fühlen.

Insofern ist Borat immer noch stimmig, aber auch nur eine Momentaufnahme. Heute beweisen Reporter wie Jordan Kleeper von der Daily Show, dass Unterstützer des Präsidenten bei einer seiner Rallys alles sagen werden. Also muss er politischer, direkter werden.

Cohen bewies ein filigranes Gespür für diese Situationen in Who is America und auch der Trailer lässt hoffen, dass eine gute Mischung gefunden wird. Bei der Tochter bin ich mir aber nicht so sicher. Auch wenn der Giuliani-Skandal schon ihre Existenz legitimiert, bin ich mir nicht so sicher, ob dieses Duo so richtig funktionieren will. Auch die Notwendigkeit des Verkleidens, da Borat als Figur selbst zu berühmt ist, fügt eine spannende, aber vielleicht auch leere Ebene (buchstäblich) hinzu. Ich glaube es ist weise, eine Ersatzfigur in der Form der Tochter dabei zu haben und ich bin mir sicher, dass Baron Cohen sie nicht ausgewählt hätte, wenn er sich nicht ihrer Performance sicher wäre.

Und dennoch bleibt Borat in 2020 eine ziemlich weirde Sache. Social Media und die Figur mischen sich schon einmal gar nicht. Ich werde die unglaublich deprimierenden Tweets gar nicht hier einbinden, it’s just bad. Bad. Filmvermarktung im Jahr 2020 heißt auch YouTube und wenn er zusammen mit David Dobrik, den ich eigentlich sehr mag, da Unfug treibt, merkt man schnell den Unterschied zwischen echtem Talent und Fame, der in den Schoß gefallen ist.

Vermarktung ist aber eben nur das und der Film dürfte mich hoffentlich glücklich stimmen. Der Kinobesuch bleibt dieses Mal leider aus, aber ich kann auch daheim so lange lachen, bis mir wie 2006 die Wangen wehtun.