Airsoftfatty beschwört den Geist des jungen YouTubes - PewPewPew

Ich kenne und verfolge Chris, bzw. im Internet besser bekannt als airsoftfatty, seit nun fast 3 Jahren. Nach seinem viralen Erfolg mit dem Lichtschwertduell wollte ich natürlich wissen, was für ein Typ das ist – und blieb hängen. Teil des Kanals sind natürlich die titelgebenden Airsoftvideos, aber daneben findet sich auch Kochkram und irgendwelche Challenges. Manchmal werden aber auch nur Lichtschwertduelle im Schnee hochgeladen, die wirken, als hätten zwei Fans die Teile direkt abends nach einer späten Lieferung einfach schnell noch austesten wollen. Das Publikum wird selten adressiert, der Austausch mit einer “Community” findet nicht statt. Überhaupt wirkt wenig inszeniert, die Authentizität ist hoch und der Spaß an der Freude ist wiederzuerkennen.

Airsoftfatty ist in gewisser Weise noch einer der wenigen Kanäle, die den frühen YouTube-Geist am Leben erhalten. Der Beruf “YouTuber”, das Ziel vieler Jugendlicher heute, scheint ihm fremd. Stattdessen lädt er einfach hoch, was ihm gefällt, frei nach Laune. In diese Sparte passt auch das oben eingebundene Cover. Schaut man in die Kommentare, sprechen viele Zuschauer davon, Chris unbedingt schützen zu wollen. Wovor? Es ist nicht so ganz klar, es handelt sich meist um eine diffuse Verlustangst, aber vielleicht vor den Konsequenzen des Internet- bzw. YouTube-Mainstreams wie Hass-Kommentare oder einer Kommerzialisierung des Kanals, was womöglich ein Streamlining des Contents zur Folge hätte und wohl solche Videos wie das obige, alleine schon auch aus Copyright-Gründen, unmöglich machen würde.

Der erfolgreiche YouTuber Idubbz, eine umstrittene Persönlichkeit, widmete sich Chris überraschenderweise letztes Jahr in einer kurzen Doku namens Full Force, dem gleichnamigen Lebensmotto von Fattys Freundesgruppe, scheiterte aber auch aufgrund der nicht ganz aufrichtigen Herangehensweise. Irgendwie blieb da immer ein kleines, herablachendes Lächeln zurück. Idubbz fehlte die Naivität, um die Reinheit von Fattys Content zu erkennen.

Anyway, I’m rambling. Ich will nur sagen: Ich vermisse diesen Kram. Ich vermisse die Tage, an denen einfach unschuldig hochgeladen und experimentiert wurde. Die junge YouTube-Fläche lockte ganz andere Charaktere mit total anderen Motiven an, als das heute der Fall ist. Figuren wie Andy Milonakis, der Numa-Numa-Typ oder Tay Zonday. Early-Adopter sind meist intelligenter, subkultiger, kreativer und suchten YouTube nicht als Sprungbrett zu Geld oder Fame. Ein deutsches Äquivalent, jetzt nicht unbedingt zu Fatty, aber zu diesen Anfangstagen, fällt mir kaum ein. Sagt natürlich auch alles.

Natürlich gibt es diese Kanäle heute noch, doch man verbindet YouTube nicht mit ihnen. Es ist der Gang vieler solcher Geschichten und vielleicht sollte man das nicht zu sehr lamentieren und zu nostalgisch sehen. Ich will nur sagen: Ich bin froh für Leute wie Chris.