21 Oct, 2019 · Sascha · Film
Every generation has a legend.
And every movie has a trailer, den es zu analysieren gibt. Ein halbes Jahr später. Dass es einmal soweit kommen würde, dass ich aktiv einen Star Wars Trailer aus anderen Gründen als der Spoilerangst meiden würde, hätte ich auch nicht geglaubt. But here we are. Und es wäre doof, wenn ich vor dem heutigen Release des finalen Trailers die anderen Dinger nicht verbloggt hätte. So buckle up. Zum Teaser: Ich mag ihn nicht. Ich mag diese Trilogie zu großen Teilen aus erklärten Gründen nicht und ich mag auch nicht, was das Material für The Rise of Skywalker erahnen lässt. So heißt er nämlich jetzt, der große Abschluss der Saga. Es hätte durchaus auch andere Titel gegeben, aber nun müssen wir mit TROS für den Rest aller Zeit leben. Auch vom Titel bin ich kein Fan, da er mir zu meta klingt. Lucasfilm Chefin Kathleen Kennedy gab bereits in einem Interview zur Celebration zu, dass der Titel keine tiefgehendere Bedeutung habe und man ihn wählte, weil er cool klingt und zum Spekulieren anregt. Ich denke mir zwar, dass am Ende schon eine tiefere Bedeutung drin steckt und Rey irgendwie zu einer Skywalker wird, aber was das bedeutet und wie das geschieht mag ihn mir aktuell nicht ausmalen. Ich meine, ich könnte. Ich mag nur nicht.
Was will uns der erste Teaser zu The Rise of Skywalker also zum Abschluss der Saga wissen lassen? Sand. Erneut treffen Kylo Ren und Rey aufeinander und mir gefällt schon nicht, wie gehetzt dieser Kampf beginnt. Der schnelle Atem zum Beginn der Teaser wurde in der Trilogie zum Motiv und passt auch zum Abrams’schen Œuvre, aber irgendwie nicht zu Star Wars. Das verkauft mir kein Abenteuer, das besitzt keine Magie. Wieso der Sprung über den Kylos TIE silencer ein so großer Wow-Faktor bei vielen Reaktionen wurde, kann ich auch nicht verstehen. Typischer Prequel-Ära-Stuff. Cool? Bleibt abzuwarten, wie die Szene im Kontext ohne Lukes durchaus stimmiges Voiceover auskommen wird. Passt also, bis auf das “We’ve passed on all we know” — well, have you? Luke hat Rey nicht wirklich viel direkt gelehrt, hatte dazu ja nicht einmal die Zeit und höchstens durch die Bücher wird sich Rey ein bisschen Wissen angeeignet haben. Dazu kann vielleicht Leia ihr noch weiterhelfen, aber inwiefern Carrie Fisher überhaupt Teil des Films sein wird/kann/sollte… oof.
Der Rest bleibt natürlich zu großen Teil ein Mysterium. Es ist und bleibt nur ein Teaser. Filmvermarktung und Filmjournalisten in einer symtiotischen Beziehung leben, was das Thema Spoiler und Plottheorien angeht und somit ist der Rest perfekt inszeniert, um möglichst viele Gedanken anzuregen. Hier ein paar der meinen:
Der eisige Felsplanet sieht schick aus, die Siedlung auch. Erinnert ein wenig an Vandor aus Solo, vielleicht besuchen wir also erneut die Cantina? Betrügt Lando dort wieder beim Sabacc? Das Schiff, welches im Shot zu sehen ist, ähnelt stark dem Schiff von Reys Eltern – wenn man der Erinnerung aus The Force Awakens überhaupt trauen darf. Vielleicht ein Red Hering, vielleicht aber auch ein bisschen mehr Hintergrundgeschichte zu Rey. Flashbacks sind für mich ein großes Tabu in Star Wars bzw. also Science Fantasy, Space Opera, Space Märchen, whathaveyou. Aber durch den Druck der Reaktionen zu den anderen Filmen und den Planänderungen (wenn es überhaupt einen Plan gab), machen sie notwendig. Naja, okay.
Kylo lässt von einem Wookiee(?)-Sklaven seinen Helm reparieren und kämpft gegen die Knights of Ren? Alles sehr verwirrend und durchaus Teil einer Vision oder eines Traums. Die Metapher der Helmreparatur ist aber schon süffisant und treibt mir ein breites Grinsen ins Gesicht.
Poe und Finn machen ein Abenteuer auf Not-Tatooine. John Boyega versprach ein neues Outfit für seinen Ex-Stormtrooper und es ist durchaus schnittig, während Oscar Isaac irgendwie in Uncharted 3 hängengeblieben ist.
Jet Trooper sind cool und es ist sowieso an der Zeit, dass Star Wars endlich mehr Jetpacks zeigt. Seit jeher sind sie Teil des Storytellings, bis auf Boba und Jango sahen wir – zumindest in den Filmen – aber bisher wenig davon.
Immerhin ist Threepio etwas im Plot involviert, doch Artoo scheint man wohl wieder schändlicherweise vergessen zu haben. Stattdessen gibt es einen weiteren neuen Droiden namens Dio, der auch super cool fahren kann und auf der Celebration-Bühne bei Fans von handgemachten Effekten Punkte abstauben kann. Kurosawa? Hidden Fortress? Tradition oder Kohärenz? Das scheint nach Lucas’ Abgang alles keine Rolle mehr zu spielen.
Leia und Rey umarmen sich und man sieht die Medaille. Leia wird wohl reflektieren, wie weit sie gekommen ist, was sie verloren hat und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Auf Leia liegt auch nun das gesamte Gewicht dieser Reihe und auch auf der Frage, inwiefern sie die Verantwortung an Rey und die nächste Generation weitergibt. Das hat ein enorm großes, emotionales Potenzial; die Frage aber bleibt, inwiefern das ohne Carrie Fisher und mit Deleted Scene aus TFA und CGI zu bewerkstelligen ist.
Lando is back, but who cares? Freue mich für und über Billy Dee und auf Lando, aber wo warst du am Ende von TLJ, mein Dude?! Das alleine raubt dem schönen Moment für mich die Luft.
Der große Reveal: Sheev is back, baby! Angeblich sollte sich schon immer alles im Endgame um Palpy drehen oder er irgendwie seine Finger mit im Spiel haben – OK, geschenkt. Fakt ist, dass die Reihe jetzt dringend einen Endgegner mit Gewicht braucht – Pathos, Pathos, Pathos! – und da bietet sich der Imperator eben an. Ich würde mich freuen, wenn noch ein paar Erklärungen und Verbindungen zu Snoke kommen, die das ganze Theater wenigstens rückblickend halbwegs sinnvoll erscheinen lassen. Ich bin zwar immer noch davon überzeugt, dass Snoke Plagueis hätte sein sollen (wieso sonst würden Abrams und Williams den musical cue in TFA verwenden?), aber irgendwie muss doch noch hier was kommen.
Problematisch ist auch, dass Luke, Anakin und ihre Opfer nur zum Mittelstück einer langen Erzählung werden, die eigentlich ihren Namen trägt und alles mit einer Figur endet, die nicht so viel mit ihnen zu hat. Kylos Erlösung scheint mir auch sehr schwierig und ihn am Ende als denjenigen zu haben, auf dem die Last liegt, ist auch ein heikles Unterfangen. Familie ist eines der wichtigsten Themen der Saga-Filme und Rey, die Hauptfigur, ist nun mal (noch) eine Waise, auch wenn das Thema Familie für sie natürlich von großer Bedeutung ist und ein explosives Reveal uns in TROS bestimmt noch erwartet. Dieses Thema nun aber eventuell subversiv mit “the family you choose” postmodern zu untergraben, wenn zweifellos Lukes bereitwilliges Opfer der wichtigste und beste Moment der Saga ist, halte ich für einen starken Fehler.
Die Todessternreste als Backdrop für die Handlung zu nutzen finde ich cool, aber wie so oft ist es die Ausführung einiger Ideen, die mir bei dieser Trilogie missfallen. In Konzeptzeichnungen sah man den Thronsaal unter Wasser, Abrams und Co. werden sich davon wohl inspiriert haben lassen. Immerhin: Ewoks! Aber egal wie man das Ding dreht und wendet: Der zweite Todesstern ist komplett explodiert und selbst wenn es Stücke gäbe, wäre die Superlaser-Schüssel erheblich größer als sie hier erscheint. Ist das nerdiges Erbsenzählen? Ja, aber ich erwarte von meinen Filmemachern, dass sie sowas durchdenken.