Review: Fear the Walking Dead S05E15 – Channel 5 - PewPewPew


AMC

Die Staffel ließ eigentlich keine große Hoffnung zu und dennoch schien es kurz vor Ende so, als würde Fear The Walking Dead noch die Kurve kriegen. Diese Chance ist nun verpufft. Wir starren alle in den Abgrund.

Über Tote, so heißt es, soll man nur Gutes erzählen. Dann wäre mein Recap für die neue Folge Fear the Walking Dead hier schon beendet. Ja, liebe Leser, an der fünfzehnten Folge der fünften Staffel namens „Channel 5“ kann kein gutes Haar lassen, wer Fan dieser Serie, Zombies oder überhaupt guter Unterhaltung ist.

Fear The Walking Dead ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Die gesamte Entwicklung dieser Staffel kulminiert in dieser Folge auf eine Art, die nur noch Fremdscham auslöst. Für die großartigen Schauspieler, die Besseres verdient haben. Für die Crew, die diesen Mist drehen muss. Für den Sender AMC, der die Drehbücher abgesegnet hat und glaubte, dass ein Vlog-Battle in einer Zombie-Serie ein gutes Ende wäre.

Fear The Walking Dead befindet sich am Ende dieser Staffel an einem Scheideweg – und das leider nicht in narrativer Hinsicht. Es ist trotz sinkender Einschaltquoten klar, dass AMC keine Änderungen vornehmen wird. Im Vergleich mit den anderen Serien des Senders schneidet Fear The Walking Dead sogar noch gut ab. Das Walking Dead Universum wird demnächst um eine dritte Serie ergänzt, sodass das gesamte Jahr Zombies über die Bildschirme laufen können.

Die Qualität der Serien scheint dabei nicht zu interessieren, solange die Kuh noch Milch abgibt. Höchstens die Rückmeldungen der Fans auf den sozialen Kanälen könnte den Sender wohl noch zum Umdenken bewegen. Es wäre die letzte Chance, die Serie zu retten. Es bräuchte einen monumentalen Akt.

Fear The Walking Dead löst Fremdscham aus

Die Folge beginnt ähnlich wie der Auftakt nach der Midseason-Pause. Erneut nutzen die Autoren Altheas (Maggie Grace) ausgespielten Camcorder-Gimmick und zeigen vermeintliches Found-Footage aus der Postapokalypse. Dieses Mal handelt es sich jedoch um ein Video von der neuen Widersacherin Virginia, die für ihre Pioniere wirbt.

Morgan (Lennie James) und seine Gruppe entdecken das Werbevideo und können es nicht fassen. Noch ein Werbevideo?! Neben dem eigenen?! Die Antwort fällt prompt. Althea wirft den Fernseher auf den Boden und entschließt sich, ein weiteres Antwortvideo zu drehen. Das erinnert an YouTube-Beef.

Das ist kein Witz. Fear The Walkings zentraler Konflikt gipfelt in der Folge vor dem Staffelfinale darin, welche Gruppierung das bessere Werbevideo produzieren kann. Das ist so peinlich, dass man als Zuschauer es Althea eigentlich bereits nach den ersten Minuten gleichtun und den Fernseher zerstören möchte.

Fear The Walking Dead war nicht immer die fantastische Serie, zu der sich die 3. Staffel mauserte, aber sie war sehenswert und hatte brillante Momente, die der Mutterserie im direkten Vergleich die Show stahlen. Atmosphärisch, musikalisch und visuell war die Serie anderen Zombieserien stets weit voraus.

Ich bin fassungslos, was mit der Serie durch die neuen Showrunner Andrew Chambliss und Ian Goldberg passiert ist. Es ist eine wahre Schande. Wie konnte es nur so weit kommen?

Fear The Walking Dead blamiert seine Schauspieler und Figuren

Zurück zur Folge (auch wenn es hart ist): Althea und einige weitere Figuren finden die Idee mit dem Video klasse. Natürlich herrscht in Morgans Kult absolute Einigkeit darüber, wie mit den Pionieren umzugehen ist und dass ein Antwortvideo die richtige Lösung darstellt. Also sprechen die Figuren wieder vage und bedeutungsschwangere Monologe (“Doing things the way we do… it isn’t easy, it’s hard. Because it’s not supposed to be easy.”) in die Kamera.

Die Gruppe befindet sich auf der Suche nach einem neuen Unterschlupf. Dies gleicht zumindest auf dem Papier der Suche nach dem gelobten Land. Eine spannende Parallele zu Moses, die jedoch keinen Sinn ergibt, da die Gruppe eben schon mindestens ein halbes Dutzend dieser Orte in der Staffel fand. Die Einkaufsmeile, die alte Fabrik oder auch Daniels Warenhaus – all das scheint jedoch wie vergessen.

Stattdessen gurken die Nomaden wieder durch Texas und kommen über einen Umweg auf eine alte Holzbrücke, die unter der Last des LKWs einzustürzen droht. Wie reagieren die Charaktere? Fährt der LKW rückwärts von der Brücke?

Nein, sie pumpen den LKW ab und transportieren Benzin einzeln über die Brücke. Währenddessen erscheint auch Virginia wie aus dem Nichts, um sich den Schnurrbart zu zwirbeln und „Har-Har!“ zu rufen. Sie schießt in die Luft, lacht und fährt davon.

Zombies reagieren auf die Schüsse und mit dem längeren Zombiekampf folgt die einzig annehmbare Szene der Folge. Gleichzeitig jedoch bleibt Tom zu lange auf der Brücke, um das Ganze zu filmen. Wie bei allen Found-Footage-Storys bleibt auch hier die Frage: Sollten die Leute angesichts der direkten Bedrohungen durch dutzende Zombies nicht die Kameras beiseitelegen und kämpfen?

Aber egal, natürlich schaffen sie alle ihren dummen Plan umzusetzen, wobei jedoch Tom am Ende zu sehr an die Sache glaubt und mit der Brücke einstürzt. Es ist eine Beleidigung für die Intelligenz eines jeden Zuschauers.

Fear The Walking Dead: Aufgeben ist der richtige Weg

Das wird jedoch mit dem niederschmetternden Finale auf die Spitze getrieben. Die Folge wechselt vom Found-Footage zur normalen Erzählung, was immerhin die Folge visuell ein wenig hebt. Dann folgt eine enorm lange Montage, während die Gruppe zu Humbug’s Gulch wandert. Zur Erinnerung: Das ist der alte Western-Ort, an dem John Dorie und June in einer vorherigen Folge auf Dwight stießen.

Während Proviant, Benzin, Batterien und der ganze Kram, der eine Zombiegeschichte interessant macht, vorher nie von Bedeutung waren, spitzt sich nun plötzlich alles zu. Die Reise zu Humbug’s Gulch wird von den Autoren als letzter Ausweg inszeniert, obwohl dies angesichts der Fülle an Ressourcen und anderen Möglichkeiten keinen Sinn ergibt. Jede Figur trägt einen Rucksack am Körper, sind diese etwa alle leer?

Aber das spielt keine Rolle. Der gekünstelte Plot möchte einen niederschmetternden Moment erreichen, an dem die Figuren selbst um Hilfe fragen müssen. Nachdem eine Staffel lang nur anderen geholfen wurde, muss die Gruppe nun die Schmach ertragen und unter der angeblich bösen Virginia (Colby Minifie) leben.

Wieso? An einer Anhöhe angekommen erblickt die Gruppe Humbug’s Gulch in der Ferne, überlaufen mit Zombies. Der Moment erinnert an ein ikonisches Comic-Panel aus Ausgabe #12, in dem Rick seine Überlebenden zum Gefängnis führt. Es ist nicht perfekt, es wird ein bisschen Arbeit brauchen, aber mit ein bisschen Spucke und Einsatz kann hier ein neues Zuhause errichtet werden.

Aber nicht für diese Figuren. Morgans Gruppe ist niedergeschlagen. Sie sind angeblich zu schwach und es sind zu viele Zombies, weshalb sie Virginia anfunken. Dwight verlässt vorher die Gruppe, Tom ist für nichts gestorben und wahrscheinlich sind eine ganze Reihe anderer Szenen auch sinnlos geworden, wenn wir mal darüber nachdenken. Aber das sollten wir nicht. Das Ende beleidigt erneut den Kampfgeist der Zuschauer.

Wieso sollte die Gruppe nicht die eingeschlossenen Zombies einen nach dem anderen an einem Zaun erledigen können? Oder Daniel opfert sich erneut wie in einer vorherigen Folge, in der er die Zombies wegführen wollte? Oder die Gruppe stemmt sich zu einem letzten Kampf auf? Irgendwas! Ich will doch mit den Figuren mitfiebern! Diese aussichtslose Niederlage muss niet- und nagelfest sein. Stattdessen will ich fast in die Story eingreifen und Humbug’s Gulch selbst erstürmen, nur um den kommenden Handlungsstrang vorzubeugen.

Auch die letzte Einstellung zeigt, dass es zu viele Figuren gibt. Wenn ich mich recht entsinne, ist keine dieser Figuren in der gesamten Staffel gebissen worden. In einer Zombieserie!

Es hätte sicherlich einen Weg gegeben, die Geschichte von Chambliss & Goldberg zu erzählen, aber dies ist definitiv nicht der richtige Weg gewesen. Die Serie ist tot und nur radikale Änderungen können ihr eine neue Lebenschance geben. Wenn es nicht ohnehin schon zu spät ist.