Die Matrix-Trilogie: Eine Deutung des Endes - PewPewPew

Die Matrix-Trilogie der Wachowski-Schwestern bekommt eine Fortsetzung mit Keanu Reeves. Vor dem vierten Teil werfen wir einen Blick zurück auf das umstrittene Ende.

Achtung, Spoiler zum gesamten Matrix-Franchise: Matrix kehrt zurück auf die große Leinwand. Lana Wachowski dreht einen vierten Teil mit Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss als Neo und Trinity.

Die Bedeutung der Matrix: Erklärung des Architekten

Eigentlich endet die Matrix-Trilogie bereits kurz vor dem Ende des zweiten Teils Matrix Reloaded. Zumindest ist dies das angedachte Ende der Maschinen. Hier trifft Neo auf den Architekten der Matrix (Helmut Bakaitis). Dieser erklärt in einem Monolog die Entstehung und Anpassungsfähigkeit seiner Kreation und stellt klar, dass auch die Rebellion der Menschheit nur eine weitere Ebene im System der Maschinen ausmacht.


The Matrix: Revolutions © Warner Bros.

Das wichtige Motiv der Wahl zwischen roter und blauer Pille sei nur eine Illusion und auch Neo als der Auserwählte spiele nur eine untergeordnete Rolle im größeren System. Am Ende seiner Reise hat der Auserwählte nämlich bisher jedes Mal den Reboot der Matrix gewählt: Zion geht unter, die Geschichte tritt von Neuem los. Alles nur, damit dem Menschen die Illusion einer Wahl, einer Veränderung simuliert wird.

Der Krieg um Zion: Was passiert am Ende der Matrix-Trilogie?

Doch an diesem Punkt beginnt das eigentliche Endspiel der Matrix-Trilogie. Neo entscheidet sich dagegen und fliegt davon, um seine geliebte Trinity vor dem sicher geglaubten Tod zu retten.

Die Wege von Neo und Trinity trennen sich fortan von Morpheus. Der Auserwählte merkt, dass der kommende Krieg um Zion nicht allein durch Gewalt zu gewinnen ist. Also macht er sich auf den Weg zur Maschinenstadt Zero-One, während Morpheus an Bord der Hammer als letzte Hoffnung zu Zion zurückkehrt.

Durch Niobes Manövrieren durch die alten Kanäle erreicht das Hover-Schiff noch rechtzeitig die Stadt und kann die Maschinen ausschalten. Diese Rettungsaktion erwirkt den Menschen eine kurze Verschnaufpause, sodass ein letztes Gefecht vorbereitet werden kann.

Währenddessen erreichen Neo und Trinity die Hauptstadt der Maschinen mehr oder eher weniger intakt, denn ihr Schiff stürzt nach einer Attacke ab, woraufhin Trinity ihren Verletzungen erliegt. Neo begibt sich zum Zentrum der Macht, wo er dem Herrscher der Maschinen Deus Ex Machina (buchstäblich) ein Angebot unterbreitet, das dieser nicht ablehnen kann.

So besiegen Neo und die Maschinen Agent Smith

Der Agent Smith Virus hat in der Zwischenzeit nämlich die Kontrolle über die Matrix übernommen und droht auch die reale Maschinenwelt bald zu infiltrieren. Wenn Neo sich opfert und gegen Smith kämpft, soll es zum Frieden zwischen Maschinen und Menschen kommen.

Die Maschinen stöpseln Neo also in die Matrix, wo inzwischen jeder Avatar von Smith vereinnahmt wurde. Es gibt einen epischen Kampf (der der Dragonball-Reihe Konkurrenz macht). Obwohl Neo gute Treffer landet, ist es ein aussichtsloser Kampf. Als Neo am Boden liegt, rutscht Smith bei seinem (typischen) Bösewicht-Siegesmonolog jedoch ein Versprecher heraus, der an ein Zitat des Orakels erinnert. Das Orakel spricht durch Smith zu ihm und nennt ihn “Neo” statt wie sonst “Mr. Anderson”.

Neo wird bewusst, dass Smith nicht die komplette Kontrolle über die Avatare und Programme in der Matrix übernimmt und er Smith nur von innen heraus besiegen kann. Er muss seinen Gegner verstehen und ein Teil von ihm werden.


The Matrix: Revolutions © Warner Bros.

Es gelingt! Die Maschinen zerstören den Smith-Virus, rebooten die Matrix und wechseln ihre markante Rotfärbung der Augen zu einem freundlichen Grün. Fortan werden auch die Menschen innerhalb der Matrix sich ihrer Wahl bewusst und können in die wahre Welt ohne Widerstand wechseln, wenn sie denn wollen. Zion ist gerettet, die Maschinen ziehen ab.

Neo übersteht diesen Transfer nicht lebend und seine Leiche wird von den Maschinen abtransportiert. Der angekündigte Matrix 4 wird beantworten, was mit ihm anschließend passierte.

Deutung des Matrix-Endes: Ein Kompromiss als Metapher für den Nahostkonflikt

Das Ende symbolisiert, dass Revolutionen und totale Anarchie nicht notwendigerweise zu besseren Lebensbedingungen führen müssen, sondern es einen Kompromiss braucht. Die totale Revolution, das Einbrechen gegen aller Strukturen oder auch eine totalitäre Herrschaft – nichts führt zu einer guten Lösung.

Auch die totale Vernichtung des Gegners kann kein würdiges Ziel sein. Stattdessen müssen die Parteien Kompromisse schließen, die über einen wackeligen Frieden zu langfristigen, positiven Veränderungen und einer nachhaltigen Koexistenz führen.


The Matrix: Revolutions © Warner Bros.

Reale Konflikte wie der Nahostkonflikt sind wegweisend für das Ende der Matrix-Trilogie. Verfeindete Parteien stehen sich hier seit Generationen gegenüber. Der politische wie auch religiös-motivierte Konflikt findet in der Matrix-Trilogie durchaus einige Motive, die an ihn erinnern. So ist Zero-One, die Hauptstadt der Maschinen, im Nahen Osten in der Wüste errichtet worden und erinnert mit seinen verzierten Türmen an Minarette von Moscheen. Dies zeigt die Hintergrundgeschichte in Animatrix.

Als die Maschinen durch Neo die Kontrolle über das Virus Smith wiedererlangen und den Virus löschen, leuchtet Neos Körper förmlich auf, in der Mitte seines Körpers erscheint ein Kreuz und die Haltung erinnert an die Kreuzigung Jesu. Neo überlebt dies nicht und stirbt als Erlöser für die Sünden der verfeindeten Parteien. Selbst als Neo abtransportiert wird, umgibt ihn noch Energie in der Form eines Chanukkaleuchters.


The Matrix: Revolutions © Warner Bros.

Religiöse Symbolik ist von Anfang an Teil der Matrix-Trilogie gewesen. Wir haben eine Figur, die übersetzt “Dreifaltigkeit” heißt, und das Trio um Morpheus, Neo und Trinity erinnert an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Auch die gesamte Erzählung um den Auserwählten erinnert an die Heldenmythen etlicher, auch vorchristlicher Religionen. Dass die Matrix-Trilogie am Ende die Religionen vereint und befriedet, ergibt daher großen Sinn. Das war der Plan von Anfang an.

Bewusste Enttäuschung, die zum Nachdenken anregen soll

Aber nicht alle Zuschauer waren Fans von diesem Ende. Vor 20 Jahren endete Matrix phänomenal. Neos Heldenreise schließt mit einer buchstäblichen Wiederauferstehung ab. Wie von Morpheus vorausgesagt, entpuppt sich der scheinbare Hacker Mr. Anderson als der Auserwählte, der den Kampf gegen die Maschinen endlich gewinnen wird.

Die triumphale Emanzipation der Menschheit aus der Kontrolle der Maschinen wird am Ende noch auf die Spitze getrieben, als Neo buchstäblich davonfliegt. Nichts scheint unmöglich.

Vielleicht liegt genau hier die Krux der viel gescholtenen Matrix-Fortsetzungen. Nämlich in der Rücknahme des glorreichen Endes. das sich als eine zusätzliche Ebene der Kontrolle des Menschen entpuppt. Dass selbst die Rebellion Teil des Systems war, machte die Matrix-Filme komplexer und nachdenklicher. Es ist schwieriger mitzufiebern und zu jubeln, wenn Neo nun problemlos Agenten erledigen kann und er gegen die Sklaven des Gegners und nicht das eigentliche System kämpft.


The Matrix: Reloaded © Warner Bros.

Nichts anderes ist nämlich Agent Smith, der am Ende des ersten Teils von Neo korrumpiert und zur Löschung gezwungen wurde, sich aber schlicht weigert. Auch hier ist ein Ausbruch und eine Revolution gegen das System von innen zu beobachten, die jedoch durch die Menschen und die Maschinen unterdrückt wird. Somit wird der Status Quo aufrechterhalten bevor es zu wirklich massiven Umbrüchen kommen kann.

Matrix 4 wird zeigen müssen, ob das die richtige Lösung ist, oder ob es eine Alternative gibt. Aber dies sind nur eine Interpretationsansätze. Die Matrix-Trilogie lässt sich aus vielen Blickwinkeln betrachten. Kein zweiter Film hat eine vergleichbare Menge an akademischen Artikeln hervorgebracht.